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Energie

Windparkprojekte Mutmaßlicher Millionenbetrüger Hendrik Holt legt umfassendes Geständnis ab

Hendrik Holt soll Energiekonzernen Windparkprojekte verkauft haben, die nur auf dem Papier existierten. Nun hat er ein Geständnis abgelegt.
11.12.2020 Update: 11.12.2020 - 12:18 Uhr Kommentieren
Hendrik Holt (rechts) stand Mitte Oktober erstmals vor Gericht. Quelle: dpa
Amtsgericht Meppen

Hendrik Holt (rechts) stand Mitte Oktober erstmals vor Gericht.

(Foto: dpa)

Berlin, Düsseldorf Er dachte sich einen Doktortitel aus, fälschte offenbar mehr als 1000 Unterschriften und führte so die europäische Energieindustrie hinters Licht. Nun hat der 30-jährige mutmaßliche Windkraft-Betrüger Hendrik Holt aus Haselünne ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Holt ist einer der Hauptbeschuldigten in einem Großverfahren um fingierte Windparkprojekte – dem wohl größten Betrugsversuch, den die Branche in den vergangenen Jahren erlebt hat. Der Emsländer selbst, seine Mutter, seine Schwester und sein Bruder sowie weitere Beschuldigte sollen „mittels des massiven Einsatzes gefälschter Urkunden“ Projekte an Investoren verkauft haben, die nur auf dem Papier existierten.

Holt hat die Vorwürfe des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs sowie der Verabredung dazu in einer mehrstündigen Vernehmung Ende November „vollumfänglich eingeräumt“, wie die Staatsanwaltschaft Osnabrück bestätigte. Er habe mit seiner Aussage sechs Personen „schwer belastet“. Holts Anwalt Thomas Klein betonte, dass sein Mandant sich schon vor Wochen schriftlich eingelassen habe. Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ hatte zuerst über das Geständnis berichtet.

Nach jetzigem Stand sollen insgesamt fünf Unternehmen durch die mutmaßlich betrügerischen Geschäfte der Holts geschädigt worden sein. Bekannt ist, dass der tschechische Staatskonzern CEZ, der schottische Versorger SSE sowie der italienische Energieriese Enel zu den Opfern gehören. Die Staatsanwaltschaft fürchtet, dass der Schaden „beträchtlich höher“ ausfallen könnte als bislang angenommen. Zuletzt hatte sie von mehr als zehn Millionen Euro gesprochen.

Dabei verhinderten die Ermittler wohl Schlimmeres. Holt hatte offenbar einen letzten, großen Deal geplant: das Projekt „Munich“. In einer Präsentation hatte er angekündigt, mit der Sondierung des Marktes für den Verkauf einer 1,5 Gigawatt großen Projektpipeline begonnen zu haben. Zum Vergleich: 2019 wurde in Deutschland gerade einmal ein Gigawatt neu installiert.

Hendrik Holt: Vorbereitungen für „Tag X“

Holt wollte einen dreistelligen Millionenbetrag von Investoren einsammeln. Parallel dazu traf seine Familie offenbar Vorbereitungen für die Zeit danach. Holt kündigte seine Wohnung in Andorra, sein Bruder schaute sich Appartements in Beirut an. In abgehörten Telefonaten redeten die Holts vom „Tag X“. Und davon, dass sie irgendwann das Land verlassen müssen.

Holt und der Finanzdirektor seiner Holding, Heinz L., sollen sich auch um einen Diplomatenpass aus Simbabwe bemüht haben. Den Erkenntnissen der Ermittler zufolge haben sie einem Vermittler aus Bonn, gegen den die Staatsanwaltschaft ebenfalls ermittelt, 600.000 Euro überwiesen. Deshalb wirft die Behörde Holt und Heinz L. auch „Anstiftung zur Bestechung“ vor.

Tatsächlich gab es auch ein Treffen mit Simbabwes Staatschef Emmerson Mnangagwa – angeblich, um über eine Investition in Höhe von sieben Millionen Dollar in dem Land zu sprechen. Holt hatte schon einen Bentley Mulsanne im Wert von 300.000 Euro aus dem Familien-Fuhrpark als Diplomatenfahrzeug erkoren. Das geht aus einem Telefonat hervor, das Ermittler mithörten.

Im Mai beschlagnahmten die Ermittler unter anderem dieses Luxusauto. Holt wollte es als Diplomatenfahrzeug nutzen. Quelle: Polizeidirektion Osnabrück
Bentley Mulsanne Speed

Im Mai beschlagnahmten die Ermittler unter anderem dieses Luxusauto. Holt wollte es als Diplomatenfahrzeug nutzen.

(Foto: Polizeidirektion Osnabrück)

Sie schlugen zu, bevor es zu einem Abschluss des Projekts „Munich“ kam. Mitte April verhafteten sie Holt im Berliner Nobelhotel Adlon. Am Anwesen seiner Familie, einer Villa im niedersächsischen Bakum, nahmen Einsatzkommandos zeitgleich die Mutter und den Bruder des Unternehmers fest. Auch seine Schwester wurde verhaftet.

Viel ist vom angeblichen Holt-Imperium nun nicht mehr übrig. Ermittler haben alle Vermögenswerte beschlagnahmt, auch die Villa in Bakum. Mehrere Insolvenzverfahren laufen.

Holts Mutter, Schwester und inzwischen auch sein Bruder haben vollumfängliche Geständnisse abgelegt oder die Tatvorwürfe zumindest in Teilen eingeräumt. Alle drei durften die Untersuchungshaft unter Auflagen verlassen – im Gegensatz zu Holt und dem zwischenzeitlich untergetauchten Heinz L., den die Ermittler im Libanon aufspürten.

Dessen Anwalt Temba Hoch teilte mit, dass sein Mandant derzeit umfänglich mit dem Insolvenzverwalter kooperiere, um mit Blick auf die Gläubiger „Vermögenswerte zu sichern und rückzuführen“. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wollte der Jurist nicht kommentieren – auch, weil der Verteidigung noch nicht alle Akten vorlägen.

Holt saß Mitte Oktober erstmals auf der Anklagebank. Das Amtsgericht Meppen sah es als erwiesen an, dass er Dienstleistungen eines Maklers und einer M-&-A-Beratung in Anspruch nahm, ohne sie je bezahlen zu wollen. Der Richter verurteilte ihn wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.

Wann die Staatsanwaltschaft im Hauptkomplex Ernst macht, ist noch unklar. Die mehr als 20 Mann starke Ermittlungsgruppe hat bislang mehr als 1000 offenbar gefälschte Unterschriften entdeckt. Der Abschluss ihrer Ermittlungen ist noch nicht absehbar.

Holt wird sich wohl mindestens bis Frühjahr 2021 gedulden müssen. Dann will die Staatsanwaltschaft wenigstens in Teilaspekten Anklage erheben.

Mehr: In diesem Luxus lebte der mutmaßliche Millionenbetrüger Hendrik Holt

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