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Windparks Greenpeace Energy sichert alten Windparks den Betrieb

Greenpeace Energy nimmt Windparks, die aus der EEG-Förderung fallen, unter ihre Fittiche und beliefert Privatkunden direkt mit dem Windstrom.
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Greenpeace Energy sichert alten Windparks den Betrieb Quelle: dpa
Windkraft

Nach dem Ende der EEG-Förderung will Greenpeace Windparks wirtschaftlich auffangen.

(Foto: dpa)

BerlinKaum ein Thema bewegt die Windbranche derzeit so sehr wie die Frage, was mit Windparks passiert, die aus der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) herausfallen. Das EEG garantiert den Betreibern der Windräder feste Einspeisevergütungen. Doch die Förderung läuft nach 20 Jahren aus.

Ab 2021 stehen daher die ersten Windparks ohne verlässliche Finanzierungsquelle da. Allein 2021 werden 4400 Megawatt (MW) installierter Windkraft-Leistung aus der Förderung fallen. Zur Einordnung: 4400 MW entsprechen der installierten Leistung von vier großen Kohlekraftwerksblöcken.

Greenpeace Energy, die von der gleichnamigen Umweltschutzorganisation initiierte Energiegenossenschaft mit 24.000 Genossenschaftsmitgliedern und 130.000 Kunden, hat nun eine Lösung gefunden, die den Fortbetrieb von Windparks nach Auslaufen der Förderung sichert.

Greenpeace Energy schloss einen Vertrag über den Weiterbetrieb des Windparks Ellhöft in Schleswig Holstein nach dem Auslaufen der EEG-Förderung zum Jahresende 2020. Künftig sollen Privatkunden direkt mit Strom aus der Anlage beliefert werden.

Greenpeace Energy ist davon überzeugt, dass die Turbinen noch auf Jahre sauberen Strom produzieren können und so einen Beitrag zur Energiewende leisten. „Von unserem Modell profitieren alle“, sagt Nils Müller, Vorstand von Greenpeace Energy.

„Die Anlagenbetreiber erhalten eine kalkulierbare Vergütung und können ihre Anlagen länger in Betrieb halten. Wir als Ökoenergieanbieter beziehen Windstrom zu einem auskömmlichen Preis und stärken die direkte Verbindung zwischen unseren sauberen Lieferkraftwerken und unseren Kundinnen und Kunden.“

Die Greenpeace-Genossen sind zwar nicht die allerersten, die Zukunft alter Windparks sichern; erst am Dienstag hatte Statkraft angekündigt, sechs Windparks nach Auslaufen der Förderung unter Vertrag zu nehmen. Die Windparks, die Statkraft unter Vertrag nahm, werden allerdings künftig für die Versorgung von Industrieunternehmen mit grünem Strom genutzt.

Greenpeace Energy dagegen setzt auf Privatkunden. Der mit dem Windpark Ellhöft geschlossene Vertrag ist nach Angaben von Greenpeace Energy der erste, der die direkte Belieferung von Privatkunden mit Strom aus einem Windpark zum Inhalt hat.

Der Vertrag tritt nach Angaben der Genossenschaft am 1. Januar 2021 in Kraft und hat eine Laufzeit von fünf Jahren. In dieser Zeit verkauft der Bürgerwindpark Ellhöft seinen Strom zu einem festgelegten Preis pro Kilowattstunde an Greenpeace Energy. Der Fixpreis wurde für diesen Windpark individuell ermittelt und kann je nach Entwicklung der Börsenstrompreise vor Vertragsbeginn noch nachjustiert werden.

Auch während der Vertragslaufzeit kann der Wert angepasst werden, wenn die Börsenpreise über eine bestimmte Schwelle steigen oder darunter sinken, wobei sich die Windparkbetreiber und Greenpeace Energy Risiken und Vorteile teilen.

Ohne eine Perspektive für die Abnahme des Stroms würden viele Anlagen nach dem Ende der EEG-Förderung abgebaut – und dieser Verlust nach derzeitiger Rechtslage nicht durch zusätzlichen Ausbau ausgeglichen. Der Windkraft droht deshalb zu Anfang der 20er-Jahre Stagnation oder gar Rückgang. Deutschland würde seine Klimaziele noch deutlicher verfehlen als es sich ohnehin schon abzeichnet. Darum sind die Anschlusslösungen auch aus Sicht der Politik richtig und notwendig.

„Viele ältere Windparks sind – so wie unserer in Ellhöft – technisch gut in Schuss, können also weiter viel saubere Energie liefern und dabei helfen, die deutschen Klimaziele zu erreichen“, sagte Reinhard Christiansen von der Windpark Ellhöft GmbH & Co. KG.

Greenpeace Energy setzt nun darauf, dass möglichst viele Windparks dem Modell folgen. Allerdings buhlen auch andere Anbieter um die Gunst der Windparkbetreiber. Neben Greenpeace Energy und Statkraft ist das beispielsweise der Bremer Windparkentwickler und -betreiber WPD.

Die Konzepte unterscheiden sich allerdings erheblich. So will etwa WPD nicht nur Dienstleister sein: „Wir treten an, Projekte zu kaufen oder uns an Projekten zu beteiligen. Wir sind davon überzeugt, dass wir bei der Vermarktung von Strom und bei der Optimierung des Anlagenbetriebes erhebliche Effizienzpotenziale heben können“, sagte Carsten Meyer von WPD dem Handelsblatt.

Ziel sei es, ein eigenes Portfolio an alten Anlagen aufzubauen. „Es dürfte kaum eine alte Anlage geben, die man nicht kostendeckend auch bei Wegfall der EEG-Vergütung betreiben kann. Allerdings gilt das nur unter der Prämisse, dass das Strompreisniveau 2021, wenn die ersten Anlagen aus der EEG-Förderung fallen, mindestens auf dem heutigen Niveau ist“, sagt Meyer.

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  • Warum sachlich bleiben wenn es auch emotional geht. Privatkunden "direkt mit Strom" zu beliefern ist leider nicht möglich. "Ökostromlieferungen" geben die Illusion, dass Ökostrom vom Rest getrennt und an den glücklichen Abonnenten geschickt werden kann. Wenn einmal Strom produziert und ins Netz eingespeist wurde, kann man leider nicht mehr kontrollieren, wohin er fließt.

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