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Energie

Windrad-Hersteller Nordex weiter im Krisenmodus

Der Gewinn des Hamburger Windradbauers Nordex erodiert. Der Auftragseingang ist schwach und die Sorge vor einem Umsatzschwund wächst. Doch die Aktie kann trotzdem zulegen.
03.08.2017 - 11:54 Uhr Kommentieren
Der Gewinn bei dem Hamburger Windradbauer ist um fast 56 Prozent eingebrochen. Quelle: dpa
Nordex-Windrad

Der Gewinn bei dem Hamburger Windradbauer ist um fast 56 Prozent eingebrochen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Wenn es ums Geschäft geht, sieht sich José Luis Blanco eher als Langstreckenläufer, denn als Sprinter. Der Start ins Jahr 2017 war zwar „verhalten“, gibt der Nordex-Chef unumwunden zu. Aber zur Halbzeit „liegen wir hier gut im Rennen, unser Jahresziel zu erreichen“, sagt der gebürtige Spanier an der Spitze von Deutschlands drittgrößtem Hersteller von Windturbinen und Rotorblättern – den wichtigsten Komponenten jeder Windkraftanlage. Im zweiten Quartal habe das „Geschäft wieder Fahrt aufgenommen“, frohlockte Blanco.

Tatsächlich hat es Nordex geschafft, den Gewinn im Vergleich zum ersten Quartal zu verdoppeln und das Geschäftsvolumen um 31 Prozent zu steigern. Das ist allerdings eine recht eigenwillige Betrachtungsweise. Denn vergleicht man die Halbjahresergebnisse mit jenen des Vorjahres und nicht mit jenen des Vorquartals, zeigt sich ein völlig anderes Bild. Von steigenden Erträgen kann keine Rede sein. Der Gewinn erodiert. Konkret verdiente Nordex unter dem Strich in den ersten sechs Monaten 2017 nur 22,6 Millionen Euro. Das ist ein Minus von 55,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Umsatz der Hamburger stieg zwar um 1,2 Prozent an – auf rund 1,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig brach das Volumen an neuen Aufträgen aber um 32 Prozent ein. Zum Halbjahr hat Nordex nur noch neue Projekte im Wert von 905 Millionen Euro verbuchen können. Insbesondere der Auftragseingang im margenträchtigen Service-Bereich sackte um fast 60 Prozent ab. Konnte Nordex im ersten Halbjahr 2016 noch neue Serviceaufträge im Umfang von 239 Millionen Euro verbuchen, waren es im Zeitraum von Januar bis Ende Juni nur noch 98 Millionen Euro.

José Luis Blanco beschwichtigt. „Wir erwarten, dass die Nachfrage für unsere Anlagen im zweiten Halbjahr weiter steigt und wir ein gutes Jahresendgeschäft verzeichnen werden“, erklärte der Nordex-CEO. Entscheidend ist aus Sicht des TecDax-Managers eben nicht, ob man nach der Hälfte des Weges vorne ist, sondern am Ende des Rennes. Und hier ist Blanco weiter optimistisch. Er bestätigte die Prognose seines Konzerns. So soll der Umsatz für das Gesamtjahr 2017 in einer Bandbreite von 3,1 bis 3,3 Milliarden Euro liegen und die Gewinnspanne vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) bei bis zu 8,2 Prozent.

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    Das sind die größten Windkraft-Konzerne der Welt
    Platz 14: XEMC (China)
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    Nirgendwo auf der Welt werden jährlich mehr Windräder ans Stromnetz angeschlossen als in China. XEMC profitiert zwar von diesem Boom, hat aber durch einen etwas schwächeren Windmarkt an Bedeutung verloren. Der chinesische Elektrokonzern hat im Jahr 2009 die niederländische Energiefirma Darwind gekauft und sich so wertvolles Know-how für die Herstellung von Windturbinen und Rotorblättern gesichert, den wichtigsten Komponenten von Windenergieanlagen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma FTI Intelligence brachte es XEMC 2017 auf fast tausend verkaufte Turbinen und einen Marktanteil von 1,8 Prozent.

    Marktanteil 1,8 Prozent.  

    (Foto: Reuters)
    Platz 13: Sewind (China)
    2 von 14

    Im vergangenen Jahr fand sich auf diesem Platz noch der chinesische Staatskonzern Dongfang, im Ranking 2017 wird er von seinem ebenfalls chinesischen Konkurrenten Sewind zwei Plätze nach hinten verwiesen. Die Windkraftsparte des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Electric produziert in zwei Fabriken jährlich mehr als 3.000 Windräder. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen mit seinen Anlagen auf hoher See. Im Segment Offshore-Wind zählt Sewind zu den drei größten Herstellern weltweit. In Deutschland sind die Chinesen zudem am Maschinenbauer Manz AG beteiligt.

    Marktanteil: 2,1 Prozent.  

    (Foto: dpa)
    Platz 12: CSIC Haizhuang (China)
    3 von 14

    Unter den 15 führenden Windkraftkonzernen der Welt befinden sich gleich acht Unternehmen aus China. Der Grund ist simpel: Im Reich der Mitte wurden alleine 2017 mehr als 45 Prozent der weltweit neu installierten Windräder ans Stromnetz angeschlossen. Ausländische Firmen kommen in China kaum zum Zug, der Markt ist weitgehend abgeschottet. Dieser Heimatbonus beflügelt Konzerne wie CSIC Haizhuang – sie prägen verstärkt den Weltmarkt.

    Marktanteil: 2,3 Prozent.

    (Foto: dpa)
    Platz 11: United Power (China)
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    Der chinesische Windkraft-Konzern, United Power, bekommt die gedämpfte Entwicklung auf dem Heimatmarkt stark zu spüren. Vom siebten geht es auf den elften Platz und der Marktanteil schrumpft um ganze 1,2 Prozent. Die Tochtergesellschaft des staatlichen Stromversorgers China Guodian produziert Turbinen für Windräder an Land und auf hoher See in beinahe allen Leistungsklassen.

    Marktanteil: 2,6 Prozent.

    (Foto: dpa)
    Platz 10: Suzion (Indien)
    5 von 14

    Dank eines Boom-Jahres auf dem heimischen Markt, hat der indische Windturbinenhersteller Suzion es in die Top 15 geschafft. Das ist allerdings auch der Markt, auf den fast 40 Prozent des Geschäfts von Suzion entfallen. Im laufenden Jahr wird aufgrund von der Umstellung auf offene Ausschreibungen erst einmal mit einem Einbruch des indischen Marktes gerechnet, dann muss auch der Windradbauer zunächst mit einem Auftragseinbruch rechnen.

    Marktanteil: 2,6 Prozent.

    (Foto: Reuters)
    Platz 9: Senvion (Deutschland)
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    Deutschlands viertgrößter Windkraftkonzern Senvion hat es auch global wieder unter die Top 10 geschafft. Ganze drei Plätze brachte ihn ein Rekordjahr auf dem deutschen Markt nach vorne. In der Bundesrepublik wurde noch nie soviel Windkraftleistung installiert wie im vergangenen Jahr: Ganze 6,5 Megawatt. Im nächsten Jahr könnte das aber wieder ganz anders aussehen. Die Hamburger kämpfen mit schwindenden Subventionen, massiven Preiskampf und sinkenden Umsätzen.

    Marktanteil: 3,7 Prozent.

    (Foto: dpa)
    Platz 8: Mingyang (China)
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    Chinas drittgrößter Windkraftkonzern will sich vom Maschinenbauer zum Service-Unternehmen wandeln. Zwar soll die Produktion von Turbinen, Gondeln und Rotorblättern weiterhin eine wesentliche Säule des Geschäfts bleiben, aber die Wartung und Instandhaltung von Windrädern verspricht höhere Renditen. Im Gegensatz zu den meisten anderen chinesischen Windkonzernen, konnte Mingyang seinen Marktanteil 2017 sogar vergrößern.

    Marktanteil: 4,7 Prozent.

    (Foto: PR)

    Die Aktie von Nordex legte am Donnerstag um zeitweise mehr als sechs Prozent zu. Der Kapitalmarkt hatte mit schlechteren Quartalszahlen gerechnet. Dennoch ist das Vertrauen der Anleger in Nordex weiterhin schwer beschädigt. Der Konzern ist derzeit um fast 800 Millionen Euro weniger an der Börse wert als noch Anfang des Jahres. Der Grund: Ende Februar schockten die Hamburger ihre Aktionäre mit einer drastischen Umsatz- und Gewinnwarnung. Demnach dürfte der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) für 2018 um 160 Millionen Euro geringer ausfallen als ursprünglich geplant. Der damalige Nordex-CEO, Lars Bondo Krogsgaard, war nach der gekappten Prognose nicht mehr zu halten.

    Handelsblatt Energie Briefing
    Neue Turbine und Personalabbau
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