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Energie

Wirtschaftsvertreter im Interview Michael Schulte Strathaus: „Kein Mensch denkt an die Arbeitsplätze“

Der Wirtschaftsvertreter hat Verständnis für die Ziele der Umweltbewegung, aber nicht für ihre Methoden. Unternehmen wüssten um ihre Verantwortung beim Umweltschutz.
18.01.2020 - 11:51 Uhr Kommentieren
Der Wirtschaftsvertreter setzt sich für die Sicherung der Arbeitsplätze in der Energiebranche ein. Quelle: NRW.BANK/ Lokomotiv
Michael Schulte Strathaus

Der Wirtschaftsvertreter setzt sich für die Sicherung der Arbeitsplätze in der Energiebranche ein.

(Foto: NRW.BANK/ Lokomotiv)

Düsseldorf Der Familienunternehmer und Branchenvertreter Michael Schulte Strathaus blickt mit Entsetzen auf die Vorwürfe der Fridays-for-Future-Demonstranten gegen den Industriekonzern Siemens. „Am Ende geht es hier um einen eher kleinen Auftrag für ein eher indirektes Produkt: Siemens liefert nicht die Fördermaschinen oder Bohrelemente für eine Mine, sondern die Steuerung einer logistischen Anlage“, sagte er dem Handelsblatt. „Ich glaube, man hat hier vorsätzlich einen Grund gesucht, um ein großes Unternehmen an den Pranger zu stellen.“

In Deutschland beschäftigt die Bergbaumaschinenindustrie mehr als 12.000 Menschen. An diese Arbeitsplätze denke in der Diskussion niemand, beklagt Schulte Strathaus. Bislang blieben die Mitgliedsunternehmen des VDMA-Fachverbands Mining aber verschont. „ Die meisten unserer Mitglieder sind aber auch Familienunternehmen, die deutlich kleiner sind. Vorwürfe gegen einen Dax-Konzern wie Siemens erreichen natürlich eine viel größere Aufmerksamkeit.“

In der Pflicht, CO2-Emissionen zu reduzieren, sieht der Manager vor allem die großen Kohleabnehmer in China und Indien. Die dortigen Regierungen sieht der Fachverbandschef als bessere Ansprechpartner für die Klimaschützer. „Hier sind richtige Hebelwirkungen zu erzeugen – im Vergleich zu dem eher kleinen Beitrag, den deutsche Unternehmen zur Klimaneutralität der Weltwirtschaft leisten können.“

Lesen Sie hier das komplette Interview:

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    Herr Schulte Strathaus, wie beobachten Sie die Diskussion um Siemens-Lieferungen für ein umstrittenes Kohleprojekt in Australien?
    Als Unternehmer und Fachverbandsvorsitzender war ich erschrocken über die emotionale Reaktion der Umweltaktivisten. Am Ende geht es hier um einen eher kleinen Auftrag für ein eher indirektes Produkt: Siemens liefert nicht die Fördermaschinen oder Bohrelemente für eine Mine, sondern die Steuerung einer logistischen Anlage. Ich glaube, man hat hier vorsätzlich einen Grund gesucht, um ein großes Unternehmen an den Pranger zu stellen.

    Was bedeutet das für die deutschen Bergbaumaschinenhersteller, die noch viel stärker als Siemens von der globalen Kohleförderung abhängen?
    Ich kenne bislang kein Unternehmen aus unserem Fachverband, das von den Umweltaktivisten so hart angegangen worden ist wie Siemens. Die meisten unserer Mitglieder sind aber auch Familienunternehmen, die deutlich kleiner sind. Vorwürfe gegen einen Dax-Konzern wie Siemens erreichen natürlich eine viel größere Aufmerksamkeit.

    Haben Sie denn Verständnis für die Forderungen der Aktivisten?
    Uns allen liegt die Umwelt am Herzen, auch den Bergbaumaschinenherstellern. Doch die Art und Weise, wie hier zum Teil unrealistische Forderungen gestellt werden, entsetzt mich. Kein Mensch denkt an die Arbeitsplätze, die auf dem Spiel stehen. Dahinter stehen Familien. Deshalb sind wir auch stolz darauf, dass unsere Technologie trotz des deutschen Kohleausstiegs im Ausland nachgefragt wird. Wir wollen die 12.200 Arbeitsplätze in unserer Branche auch in Zukunft weiterhin sichern.

    Die globalen Klimaziele dürften sich so aber nicht einhalten lassen.
    Natürlich müssen wir den CO2-Ausstoß reduzieren. Sie werden keinen seriösen Unternehmer finden, der das leugnet. Doch dafür eine einzelne Industrie oder einzelne Unternehmen verantwortlich zu machen, geht an der Sache vorbei. Länder wie China und Indien wollen ihren Bevölkerungen einen höheren Lebensstandard ermöglichen und brauchen dafür Elektrizität. Dabei setzen beide Länder stark auf Kohlestrom. Hier wird man kurz- und mittelfristig keine Veränderung erreichen können.

    Die Aktivisten sehen eine Möglichkeit darin, keine Aufträge für Kohleprojekte mehr anzunehmen.
    Wenn Siemens den Forderungen von Fridays for Future nachgegeben hätte, hätten andere Zulieferer den Auftrag übernommen. Die gibt es ja auf der ganzen Welt. Das hätte für das Projekt dann vielleicht weniger Effizienz, eine geringere Qualität und einen höheren Materialverbrauch bedeutet. Die Konkurrenz hätte wohl in beide Hände geklatscht, wenn Siemens den Auftrag zurückgegeben hätte.

    Was würde ein globaler Kohleausstieg für die deutsche Mining-Industrie bedeuten?
    Der Bergbau beschränkt sich ja nicht allein auf die Kohleförderung, sondern umfasst auch die Förderung von Erzen und Seltenen Erden. Diese Materialien werden für nachhaltige Technologien wie die E-Mobilität oder die Erzeugung von Windenergie immer wichtiger. Ein globaler Kohleausstieg ist wie auch eine CO2-neutrale Weltwirtschaft machbar, da sind sich Unternehmer und Aktivisten einig. Streit gibt es nur über den Weg dorthin. Und da sollten die Aktivisten am besten mal der indischen oder chinesischen Regierung reden. Hier sind richtige Hebelwirkungen zu erzeugen – im Vergleich zu dem eher kleinen Beitrag, den deutsche Unternehmen zur Klimaneutralität der Weltwirtschaft leisten können.

    Mehr: Die unheimliche Macht: Wie Klimaschützer die großen Konzerne vor sich hertreiben.

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