Energie

Wolfgang Langhoff „Petrochemie ist der Grundstoff für Industrieländer“ – Europas BP-Chef setzt auf Plastik

Der Europa-Chef von BP sieht die Petrochemie als Zukunft seiner Branche. Denn außerhalb Deutschlands will die Welt mehr und nicht weniger Plastik.
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„Global betrachtet haben wir einen anderen Trend als in Deutschland.“ Quelle: BP SE
Wolfgang Langhoff, Vorstandsvorsitzender BP Europa

„Global betrachtet haben wir einen anderen Trend als in Deutschland.“

(Foto: BP SE)

Nach Jahren der Krise geht es wieder aufwärts für die Ölgiganten. Doch die Konzerne müssen sich anpassen, glaubt auch BP-Europa-Chef Wolfgang Langhoff. Deutschland sieht er allerdings vom globalen Trend abgekoppelt.

Herr Langhoff, heißt es bald Gas- und Chemieunternehmen anstatt Öl- und Gasunternehmen?
Wir setzen bereits seit einigen Jahren auf die vermehrte Förderung von Gas. Der Anteil liegt jetzt schon bei einem Verhältnis von 50 zu 50. Ich würde trotzdem den Versorgungsaspekt bei traditionellen Kraftstoffen nicht außer Acht lassen. Fossile Kraftstoffe bleiben in den nächsten Jahrzehnten noch eine wesentliche Säule der Mobilität. Bezogen auf die Petrochemie wird sich die Produktionsbandbreite einzelner Raffinerien verändern. Schon heute sind standortbezogen gewisse Konzentrationen erkennbar. So gibt es beispielsweise den Chemieverbund im nördlichen Ruhrgebiet oder die Chemieregion rund um Leverkusen.

Wie wichtig ist die Petrochemie für die Ölkonzerne?
Sehr wichtig. Durch mehr Wohlstand, Bevölkerungswachstum und steigenden Konsumbedarf wird die Bedeutung der Petrochemie weiter wachsen, während sich die Kraftstoffproduktion in einigen Märkten in Europa weiter konsolidieren wird. Global betrachtet haben wir einen anderen Trend als in Deutschland. Afrika, China, Indien: dort wird sich der Bedarf an chemischen und petrochemischen Produkten noch massiv ausweiten.

Also für Deutschland eher kein großes Thema?
Petrochemie ist buchstäblich Grundstoff für Industrieländer. So hat sich analog zum deutschen Wirtschaftswachstum der Verbrauch chemischer Produkte von 1990 bis 2016 mehr als verdoppelt. Die Petrochemie ist davon ein Teilbereich und unterstreicht so gesehen diese wichtige Bedeutung für den Industriestandort Deutschland.

Haupteinnahmequelle ist aber immer noch das Downstream-Geschäft. Aktuell haben die Ölpreise wieder angezogen. Ist die Krise vorbei?
Fakt ist, das schwache Preisniveau beim Öl in den vergangenen Jahren dämpfte das Wachstum der Ölförderung weltweit. Dazu kommt seit einiger Zeit, dass die globale Ölnachfrage gestiegen ist. Das führt unter anderem zu der aktuellen Situation. Die Branche insgesamt hat sich auf diese Entwicklung eingestellt und ist robust aufgestellt, um auch gut durch eine Phase niedriger Rohstoffpreise zu kommen. Alle Investitionen wurden auch daraufhin geprüft, ob sie einem niedrigen Ölpreis auf Dauer standhalten würden.

Können Sie den letzten Jahren auch eine positive Erfahrung abringen?
Wir haben in den vergangenen Jahren zum wiederholten Mal gesehen, wie innovativ, reaktionsschnell und dadurch auch wettbewerbsfähig die Branche ist. Gerade BP hat gezeigt, dass wir uns auf neue Umstände schnell einstellen können: beispielsweise durch Kostenbewusstsein, den Einsatz neuer Technologien und die Tatkraft unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Was glauben Sie denn, wie sich der Ölpreis entwickelt?
Niemand kann die Entwicklung von Rohstoffpreisen exakt voraussagen. Viele Faktoren und Einflussgrößen spielen eine Rolle – wirtschaftliche, geografische, politische Unwägbarkeiten. Grundsätzlich kann man jedoch von einem „Lower for longer“-Szenario (Anm: längerfristig niedrigen Ölpreisen) ausgehen, wie es auch Bob Dudley, Vorstandsvorsitzender der BP, beschreibt.

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