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Energie

Wolfgang Langhoff „Warum werden Elektroautos so glorifiziert?“ – BP-Europachef kritisiert die Förderpolitik

Öl und Gas werden weiter gebraucht, sagt BP-Europachef Wolfgang Langhoff. Zudem ist die Elektromobilität für ihn noch lange kein Allheilmittel.
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„Global betrachtet haben wir einen anderen Trend als in Deutschland.“ Quelle: BP SE
Wolfgang Langhoff, Vorstandsvorsitzender BP Europa

„Global betrachtet haben wir einen anderen Trend als in Deutschland.“

(Foto: BP SE)

Es geht wieder aufwärts für die großen Ölkonzerne, auch für BP. Mit dem gestiegenen Ölpreis hat das britische Unternehmen sogar nach seinem neuesten Zukauf in Höhe von elf Milliarden Dollar noch genug Geld, um seine Quartalsdividende erstmals seit 2014 wieder anzuheben. Gleichzeitig stehen die fossilen Riesen vor der Herausforderung gegen den Boom der Erneuerbaren zu bestehen. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt BP-Europachef Wolfgang Langhoff, warum sich Öl und Öko seiner Meinung nach nicht ausschließen, wieso E-Autos kein Wundermittel sind, und warum er es leid ist, dass seine Branche immer als „Aschenputtel“ der Energiewende dargestellt wird.

Am Freitag hat BP bekanntgegeben, für über zehn Milliarden das Schieferöl-Geschäft des Bergbaukonzerns BHP Billiton in den USA zu kaufen. Das ist die größte Übernahme seit fast zwanzig Jahren. Ist die Krise vorbei?
Es ist auf jeden Fall ein klares Signal, dass sich BP gut für die Energieversorgung der Zukunft aufgestellt sieht. Denn der globale Energiebedarf wird weiter steigen und Milliarden Menschen wünschen sich mehr Wachstum und Wohlstand. Als weltweit agierendes Unternehmen wollen wir die notwendige Energie dafür zur Verfügung stellen.

Trotzdem betonen die großen Ölkonzerne seit neuestem, wie wichtig Ihnen Investitionen in Erneuerbare sind. Wie passt das zusammen?
Wir stehen vor zwei Herausforderungen, denen wir gleichermaßen begegnen wollen: zum einen den wachsenden Energiebedarf zu befriedigen und zum anderen C02-Emissionen zu reduzieren. Und da kommen auch die erneuerbaren Energien ins Spiel. Natürlich überlegen sich deshalb auch Öl- und Gasunternehmen wie sie auf diesem Feld aktiver werden können. BP/Aral erforscht seit vielen Jahren alternative Kraftstoffe. Wir begleiten relevante Trends und Innovationen und prüfen sie auf ihre Zukunftsfähigkeit: Ob Wasserstoff, Erdgas oder Elektromobilität – wir haben Projekte in allen Bereichen initiiert. Aber entscheidend ist eben auch, dass ein nachhaltiges Geschäftsmodell dahintersteht. Ganz aktuell hat unsere Muttergesellschaft in London bekanntgegeben, dass BP die Firma Chargemaster in Großbritannien kaufen wird, die sich auf das Schnellladen von Elektrofahrzeugen spezialisiert hat.

Das Budget von 200 Millionen Dollar pro Jahr für grüne Investitionen scheint mit Blick auf sechs Milliarden Dollar operativen Gewinn trotzdem etwas wenig, oder?
Ja, BP ist ein gesundes Unternehmen, aber wir sagen bewusst nicht pauschal, wir geben eine Milliarde für irgendwelche Projekte aus. Was wenige wissen, schon heute betreibt BP weltweit unter den internationalen Öl- und Gasunternehmen den größten Geschäftsbereich mit erneuerbaren Energien. Zudem haben wir bereits in den 90ern unsere Erfahrungen im Solarbereich gesammelt - wenn auch nicht nur im Positiven. Deshalb wählen wir mittlerweile sehr bewusst aus, welche Investitionen oder Kooperationen uns sinnvoll erscheinen.

Gleichzeitig will BP allein dieses Jahr sechs neue Öl- und Gasprojekte angehen. Letztes Jahr waren es sogar sieben. Hört sich für mich nicht nach Wandel an?
Auch optimistische Prognosen sagen noch ein langes Miteinander fossiler und erneuerbarer Energieträger voraus. Emissionsärmeres Erdgas leistet dabei einen wichtigen Beitrag, um CO2-Emissionen zu senken. Letztlich sehen Experten in der Zukunft einen Mix aus verschiedenen Technologien. Aber auch im Bereich der Erneuerbaren sind noch viele Fragen ungeklärt: Wo stehen künftig alle Windräder? Welche Batterien, sollen mit welchem Kobalt aus welchen Minen gewonnen werden, um dann die E-Autos anzutreiben? Wie soll der Ausbau der Netze funktionieren?

Also sehen Sie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in der Pflicht?
Die Politik muss ran an diese Themen. Das ist ja die Krux an der Energiewende. Es gibt das hehre Ziel zur Eindämmung des globalen Klimawandels, was wir selbstverständlich auch unterstützen. Und dann gibt es die Realität. Da hat sich die Bundesregierung überschätzt. Wir haben in Deutschland sehr ambitionierte Klimaziele bis 2020, die jetzt auf 2030 verschoben wurden, und das ist auch sinnvoll.

Jetzt hat BP ja seinen eigenen E-Ladeanbieter. Wann kommen denn die ersten E-Tankstellen bei Aral? Bis jetzt sind es ja nur ein paar Pilotprojekte.
Genau diese Pilotprojekte sind wichtig für uns, um Erfahrungen zu sammeln. Wie verhält sich der Kunde? Welche Infrastruktur braucht es an einer Tankstelle? Wie funktionieren die Stromversorgung und der Bezahlprozess? All dies wollen wir zunächst genau verstehen. Und dann wollen wir Angebote dort schaffen, wo sie auch Sinn machen. Bislang sind viele Ladesäulen meistens noch leer. Wir haben 0,007 Prozent Elektro-/Hybridautos auf deutschen Straßen. Die Öffentlichkeit fordert mehr Ladesäulen, nur Fahrzeuge sind keine da.

Aber da beißt sich doch der Hund in den Schwanz: Menschen kaufen sich kein Elektroauto, auch weil die Ladeinfrastruktur so schlecht ist. Und Sie sagen, Sie bauen keine Ladesäulen, weil es keine Elektroautos gibt…
Das glaube ich nicht. Wir haben im Auftrag der Aral eine Studie unter anderem zu Elektroautos in Deutschland gemacht. Und ja, Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur ist ein Thema. Aber die Ladezeit ist den Menschen deutlich wichtiger. Das zweite sind die Kosten, Elektroautos sind immer noch viel zu teuer.

Das sind die 15 umsatzstärksten Unternehmen Europas
Platz 15 - Deutsche Telekom (Deutschland) - 74,9 Milliarden Euro Umsatz
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Hut ab – die Telekom hat unter Vorstandschef Timotheus Höttges (Foto) ein sehr erfolgreiches Jahr hingelegt. Das Nettoergebnis legte um 29 Prozent auf 3,461 Milliarden Euro zu. Das entspricht einer Rendite von 4,6 Prozent.

(Foto: Reuters)
Platz 14 - Nestlé (Schweiz) - 76,7 Milliarden Euro Umsatz
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Der Schweizer Lebensmittelriese hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Besonders die harten Preisverhandlungen mit Supermärkten sorgen für einen Einbruch des Nettoergebnisses um 23 Prozent auf 6,139 Milliarden Euro. Die Rendite ist mit 8 Prozent aber immer noch die dritthöchste in der Top 20.

(Foto: Reuters)
Platz 13 - Lukoil (Russland) - 76,7 Milliarden Euro Umsatz
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Der russische Ölriese ist eine wahre Gewinnmaschine. 2017 stieg das Nettoergebnis um 89 Prozent auf 6,058 Milliarden Euro. Mit einer Rendite von 7,6 Prozent sind die Russen sehr profitabel unterwegs.

(Foto: Reuters)
Platz 12 - Carrefour (Frankreich) - 81,0 Milliarden Euro Umsatz
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Der größte börsennotierte Einzelhändler Europas kommt aus Frankreich. Mit 12.300 Filialen in 30 Ländern erwirtschaftete Carrefour 2017 allerdings einen Verlust von 530 Millionen Euro und damit eine negative Rendite von -0,7 Prozent.

(Foto: Reuters)
Platz 11 - Rosneft (Russland) - 81,4 Milliarden Euro Umsatz
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Den Aufsichtsrat des russischen Staatskonzerns leitet der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder. 2017 liefen die Geschäfte gut. Das Nettoergebnis des Öl- und Gasriesen stieg um 14 Prozent auf 3,211 Milliarden Euro. Die Rendite betrug 3,9 Prozent.

(Foto: Reuters)
Platz 10 - Siemens (Deutschland) - 83,1 Milliarden Euro Umsatz
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Die Anleger können zufrieden sein: Auch Siemens hat das Jahr 2017 mit einem Nettoergebnis von 6,046 Milliarden Euro und damit einem Plus von 11 Prozent abgeschlossen. Die Rendite betrug 5,5 Prozent.

(Foto: Reuters)
Platz 9 - Gazprom (Russland) - 94,7 Milliarden Euro Umsatz
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Kein börsennotiertes Unternehmen in der Top 20 ist rentabler als der russische Öl- und Gasriese. Selbst wenn das Nettoergebnis im Jahr 2017 um 30 Prozent auf 10,333 Milliarden Euro abrutschte, betrug die Rendite 10,9 Prozent.

(Foto: Reuters)

Wie viele E-Autos müssten denn in Deutschland über die Straßen rollen, damit Sie an jede Aral-Tankstelle eine E-Ladestation bauen?
Das kann man so pauschal nicht betrachten und hängt vom jeweiligen Standort, dem Platzangebot und der Infrastruktur ab. Aber die Frage ist vielmehr, warum nicht technologieoffen gefördert wird. Warum soll ich eine Stromladestation auf die Tankstelle bauen, wenn ich an den vorhandenen Zapfsäulen auch synthetische Kraftstoffe anbieten könnte, die die gleiche Ökobilanz hätten. Dann aber auch mit der EEG-Befreiung und der Möglichkeit der Anrechenbarkeit der CO2-Einsparung auf unsere sonstigen Aktivitäten.

Glauben Sie denn, dass synthetische Kraftstoffe die bessere Alternative ist?
Die Frage, die sich eigentlich stellt, ist, welches Problem löst das Elektroauto. Die Elektromobilität hat mehrere große Vorteile: Sie macht in innerstädtischen Ballungsräumen oder für kurze Fahrten Sinn, beispielsweise bei Lieferfahrzeugen. Aber vor allem dann, wenn der Strom auch aus Erneuerbaren Energien erzeugt wird. Dem gegenüber stehen synthetische Kraftstoffe, die über den gesamten Kreislauf betrachtet auch CO2-neutral sind. Nur werden der Industrie diese Einsparungen durch die heutigen Sektorziele nicht gleichermaßen anerkannt. Um aber mehr Geld in Forschung und Entwicklung investieren zu können, benötigen wir die gleichen politischen Rahmenbedingungen. Wir wünschen uns eine ideologiefreie Technologieoffenheit. Warum gibt es diese Glorifizierung der Elektrifizierung?

Das heißt, wenn die Politik sich nicht bewegt und Sie bei Ihrer Einstellung bleiben, passiert in den nächsten zwanzig Jahren gar nichts.
Da haben Sie recht. Also irgendwas muss sich tun, da sind sich alle einig. Deshalb werden auf allen Ebenen Gespräche geführt, aber wir benötigen klare Signale aus der Politik. Es geht doch um eine europäische Vision für die Zukunft der Mobilität. Wie sieht denn eine Industrie mit Raffinerien, auch für den Standort Deutschland aus, wenn man dies langfristig betrachtet. Wir sind der Meinung, dass flüssige Energieträger auch in Zukunft ihre Berechtigung haben. Man kann doch nicht auf der einen Seite Elektromobilität fördern, aber im Schiffs-, Flug- oder Lastenverkehr sagen, da brauchen wir die Mineralölindustrie noch. Diese Aschenputtelrolle wird unserer Branche mit ihrer Stärke im Bereich Forschung und Entwicklung nicht gerecht.

Also denken Sie gar nicht an die Umwelt?
Warum? Entscheidend sind doch die CO2-Einsparungen.

Sie könnten ja auch beides anbieten: E-Ladestationen und Flüssigkraftstoffe.
Ja, da genau davon gehe ich auch aus. Die Zukunft der Mobilität besteht aus einem Mix aus verschiedenen Technologien. Aktuell ist ein Diesel mit der Euro-6-Norm immer noch in punkto CO2-Bilanz die sauberste Art sich fortzubewegen. Zumindest über einen Betrachtungszeitraum von 100.000 Kilometer und drei Jahren. Erst ab da rechnet sich ja ein Elektroauto in der gesamten Umweltbilanz. Man geht blindlings mit Euphorie in Richtung Elektro, ohne das Wie, Wann und Warum abschließend beantwortet zu haben. Da gibt es für uns alle noch ein paar Schulaufgaben zu machen.

Hat BP ein Image-Problem? Oder ist Deep Water Horizon Vergangenheit?
Na ja, es gibt Industrien die mehr gemocht werden, und welche die weniger populär sind. Die bezahlbare Versorgung mit Energie wird gerne als Selbstverständlichkeit angesehen, ohne zu berücksichtigen, welch hoher Aufwand notwendig ist, bis beispielsweise ein Liter Kraftstoff im Autotank ankommt.

Herr Langhoff, vielen Dank für das Interview.

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1 Kommentar zu "Wolfgang Langhoff: „Warum werden Elektroautos so glorifiziert?“ – BP-Europachef kritisiert die Förderpolitik"

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  • Lieber Herr Langhoff, Elektroautos werden nicht glorifiziert. Der elektrische Antriebsstrang ist leider einfach mit großem Abstand grundsätzlich das Effizienteste & Ökologischste was wir haben & das wissen Sie auch - keiner wird das bestreiten; schon allein wegen des Wirkungsgrades / Rekuperation. Die Frage ist doch nur, in welcher Form die Energie gespeichert & 'geladen' wird - ob als Strom, H2 oder sonst irgendwie. Insofern sollte man hier auch unterscheiden. Schön ist doch, dass unsere Heroen nun noch aus der selbstgewählten langjährigen Ignoranz dieser Tatsache aufgesprungen sind & sich zum Erstaunen der Fachwelt zu ganz neuen E-technologischen Versprechungen hinreißen ließen. Zu teuer ist kein Argument, der erste Farbferseher war auch 'deutlich zu teuer'. Die Entwicklung wird deutlich günstigere Möglichkeiten bringen - aber außer Tesla hat leider noch niemand ein funktionierendes GESAMTkonzept mit Ladestationen & erträglichen Ladezeiten im Angebot. BP/ Aral sind doch eigentlich als bisherige Infrastruktur-Dienstleister prädestiniert, hier deutlich innovative Akzente setzen, um nicht das Feld gänzlich den Energieversorgern zu überlassen.