Energie

Wuppertaler Stadtwerke „Ökostrom direkt vom Erzeuger“

Die Stadtwerke aus Wuppertal starten einen Online-Handelsplatz für grünen Strom. Sie wollen so Verbraucher direkt mit Ökostromproduzenten zusammenbringen – nach eigenen Angaben als erster Kommunalversorger der Welt.
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Ein Windrad dreht sich neben einem blühenden Rapsfeld: Bislang speisen Betreiber von Wind- und Solaranlagen ihren Strom meist anonym ins Netz. Auf Online-Handelsplätzen sollen sie ihn direkt an Verbraucher verkaufen können. Quelle: dpa
Windrad neben Rapsfeld

Ein Windrad dreht sich neben einem blühenden Rapsfeld: Bislang speisen Betreiber von Wind- und Solaranlagen ihren Strom meist anonym ins Netz. Auf Online-Handelsplätzen sollen sie ihn direkt an Verbraucher verkaufen können.

(Foto: dpa)

DüsseldorfVor wenigen Tagen erst machte der Gründer des Ökostromanbieters Lichtblick, Heiko von Tschischwitz, eine Kampfansage an die deutschen Energiekonzerne und Stadtwerke: „Wir machen die klassischen Versorger überflüssig“, sagte er bei der Präsentation seines neuen Unternehmens Enyway. Der Online-Marktplatz bietet Betreiber von Wind- oder Solaranlagen die Möglichkeit Verträge direkt mit Verbrauchern zu schließen. Für die etablierten Unternehmen hatte von Tschischwitz auch noch ein vernichtendes Urteil parat „Die sind zu schwerfällig“, sagte er.

Wirklich? Eines der Unternehmen schlägt schon zurück – und noch dazu ein Kommunalversorger. Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) haben am Montag einen eigenen Online-Handelsplatz für Ökostrom, „Tal.Markt“, in Betrieb genommen. Er setzt auf das Blockchain-Verfahren, bei dem im Internet fälschungssicher Verträge zwischen zwei Parteien geschlossen werden können. Nach eigenen Angaben sind die WSW der erste Kommunalversorger weltweit, der Blockchain für so einen Handelsplatz einsetzt.

Auf „Tal.Markt“ können Kunden ihren Strom bei lokalen Ökostromanbietern kaufen und so ihren Energiemix selbst zusammenstellen. Mit der Blockchaintechnologie wird nach Angaben der WSW sichergestellt, dass keine Kilowattstunde Solar- oder Windstrom doppelt verkauft werden kann. Die Wuppertaler Stadtwerke sind Betreiber der Handelsplattform und kümmern sich um die Formalitäten, insbesondere die Abrechnung. Zudem stellen sie sicher, dass die Kunden beliefert werden, auch wenn der Ökostromproduzent nicht liefern kann. Der Kommunalversorger arbeitet mit dem Schweizer Energiehändlerin Axpo. Die Schweizer entwickeln neben dem Konzept auch die IT-Infrastruktur und betreiben diese für die WSW.

Als von Tschischwitz sein Unternehmen Enyway vorstellte, versprach er eine „Revolution“. Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender der WSW, ist nicht weniger von seinem Projekt überzeugt: „Das Konzept hat die Kraft, den Stromvertrieb zu revolutionieren“, sagte er bei der Vorstellung von „Tal.Markt“. Erstmals sei es möglich, „dass Kunden eigenständig und mit echtem Herkunftsnachweis ihren Stromerzeuger auswählen könnten“.

Nach Feichts Worten bietet es den Betreibern von Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien aber auch eine Alternative, wenn sie nach und nach aus der Förderung nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) herausfallen. Die feste Einspeisevergütung war zwar üppig bemessen, aber auf zwanzig Jahre befristet. „Schon bis zum Jahr 2020 werden deutschlandweit über 5000 Windräder aus der EEG-Förderung laufen“, sagte Feicht. Ohne die Förderung reichten die Vermarktungserlöse an der Strombörse aus heutiger Sicht nicht aus, die Betriebs- und Wartungskosten zu decken. Viele Windräder würden wohl stillgelegt und demontiert.

Sonnenland ist abgebrannt
Solarboom durch das EEG
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Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hatte in Deutschland einen Solarboom ausgelöst. Jede produzierte Kilowattstunde Sonnenstrom wurde anfänglich mit mehr als 50 Cent vom Staat vergoldet. Doch spätestens ab 2009 wurde es schwierig. Die üppigen Subventionen riefen asiatische Firmen auf den Plan. Chinesische Hersteller bauten Fabrik um Fabrik. Eine Pleitewelle erfasste die heimische Photovoltaikbranche. Ein Überblick.

Solarworld
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„Das ist der größte denkbare Massenmarkt der Zukunft, denn das einzige Produkt, das alle Menschen zu allen Zeiten immer brauchen, ist Energie“, schrieb Frank Asbeck 2009 in seinem Buch „Eine solare Welt“. Damit hatte er vielleicht Recht – doch sein Konzern Solarworld ging im Mai 2017 trotzdem pleite. Die Konkurrenz aus China warf spottbillige Solarmodule auf den Markt, Solarworld konnte damit nicht mithalten. Solarworld war mit einer jährlichen Fertigungskapazität von 1,5 Gigawatt gegenüber chinesischen Konkurrenten mit der vierfachen Produktionskapazität schlichtweg zu klein, um dauerhaft überleben zu können.

CSG Solar
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Auch CSG Solar war einfach zu klein, um zu überleben. Im März 2006 wurde die 9000 Quadratmeter große Produktionsanlage in Thalheim eingeweiht. Nur zwei Jahre später musste das Unternehmen die Produktion einstellen, sich von 124 der 164 Beschäftigten trennen. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit setzte CSG Solar aber fort.

Sontor
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Sachsen-Anhalt galt lange als Solar Valley in Deutschland. Doch seit mehreren Jahren müssen immer mehr Solarfirmen aufgeben. Einst lieferte die Branche dort über 3000 Arbeitsplätze – die meisten davon sind mittlerweile weggefallen. Um sich vor der Pleite zu retten, hatte sich Sontor aus Bitterfeld 2009 mit Sunfilm zusammengeschlossen – und konnte so überleben.

Solon
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Solon war einst einer der größten Solaranlagenhersteller Europas. 2011 ging das Unternehmen das erste Mal pleite, das indisch-arabische Unternehmen Microsol rettete Solon vor dem Aus und nannte es Solon International. Doch 2014 musste Solon zum zweiten Mal Insolvenz beantragen.

Odersun
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Odersun sollte ein strahlendes Aushängeschild der Brandenburger Wirtschaft werden und seinen Solarmodulen den Markt verändern. Doch es kam anders als erhofft. Odersun lieferte kein marktfähiges Produkt. 2010 meldete Odersun Insolvenz an. 2013 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet. Der Vorwurf: Insolvenzverschleppung.

Sovello
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2005 wurde Sovello als Joint-Venture von Q-Cells, Evergreen Solar und Renewable Energy Corporation ASA gegründet. Anfangs startete das Solarunternehmen durch, doch bis 2012 stieg Sovello immer weiter ab und musste Insolvenz beantragen. Im August 2012 wurde bekannt gegeben, dass das Unternehmen die Produktion komplett einstellt und allen Mitarbeitern kündigen muss.

„Über unser Modell eröffnen wir Windmüllern und Solaranlagenbetreibern die Möglichkeit, ihre Anlagen direkt beim Endkunden zu vermarkten und so kostendeckende Erlöse zu erzielen“, erläutert Feicht. Mit den bilateralen Verträgen sei es aber auch möglich, komplette Windkraftanlagen oder Solarparks ohne Förderung zu realisieren.

„Der deutsche Markt eignet sich für ein solches Pilotprojekt besonders gut, weil die Strommarktliberalisierung in Deutschland schon weit fortgeschritten ist“, sagte Christoph Sutter, der die Division Neue Energien bei Axpo leitet: „Die Plattform hat das Potenzial, ein führender Marktplatz für personalisierte erneuerbare Energie in Europa zu werden.“

„Ökostrom direkt vom Erzeuger“, umschrieb WSW-Vertriebsleiter Andreas Brinkmann das Prinzip. Im ersten Schritt wollen die WSW nur Energieproduzenten aus Wuppertal und dem Bergischen Land aufnehmen – und zwar bewusst. Als „Bergischer Strom für Wuppertaler Kunden“, wie Brinkmann erklärte.

Die ersten Stromanbieter gibt es auch schon: Die Wuppertaler Firma Jenniges mit einer großen Solaranlage und der Verein Regen e. V., Betreiber des ersten Wuppertaler Windrads. Auch zwei große private Photovoltaik-Anlagen sind dabei. Die WSW selbst bieten aber in der Pilotphase auch Strom aus eigenen regenerativen Anlagen an: aus zwei Blockheizkraftwerken sowie aus einer Wasserturbine der Herbringhauser Talsperre.

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