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Energie

Zsolt Hernadi Chef des Ölkonzerns MOL: „Wir werden nach Deutschland kommen“

Mit Milliardeninvestitionen will der ungarische Ölriese MOL sein Angebot erweitern. Im Interview spricht MOL-Chef Hernadi über die Neuausrichtung.
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Der ungarische Ölriese will in neue Geschäftsfelder expandieren. Quelle: Reuters
MOL-Chef Zsolt Hernadi

Der ungarische Ölriese will in neue Geschäftsfelder expandieren.

(Foto: Reuters)

Budapest Zsolt Hernadi hat gut lachen. Gerade hat der CEO und Chairman des ungarischen Öl- und Gaskonzerns MOL den Grundstein für den Bau einer 1,2 Milliarden Euro teuren petrochemischen Anlage in Tiszaújváros, im Nordosten von Ungarn, gelegt. Es ist die größte Investition in der Geschichte des börsennotierten Energiekonzerns. Der 59-jährige Vertraute von Regierungschef Viktor Orbán hat mit dem größten Unternehmen des Landes noch viel vor.

Die MOL tätigt mit der Errichtung der neuen petrochemischen Anlage zur Produktion von Vorprodukten für die Plastikherstellung ihre größte Investition in der Konzerngeschichte. Was bedeutet dieses Milliardeninvestment für ihren Konzern?
Erstmal haben wir unsere Aktionäre von diesem Investment überzeugen können. Das ist ein großer Erfolg. Die neue Anlage zur Herstellung von Polyol ist ein Meilenstein auf unserem Weg, den Öl- und Gaskonzern zu einem diversifizierten Konzern mit Zukunftsprodukten zu machen. Ich bin stolz, dass wir etwas Neues schaffen, dessen Früchte auch die nächste Generation noch ernten wird.

Ihre neue petrochemische Anlage wird 2021 fertiggestellt werden. Wie groß ist überhaupt der Markt für Polyol?
Der Weltmarkt ist acht Millionen Tonnen pro Jahr groß; der Markt in Europa sind 1,5 Millionen Tonnen. Wir werden in unserer neuen Anlage jährlich 200.000 Tonnen herstellen. Darüber hinaus sind wir in der Lage unsere Produktion noch zu erhöhen. Die MOL wird damit rund zehn bis 15 Prozent der europäischen Polyol-Herstellung. Dies Produkt wird sehr umweltfreundlich hergestellt. Es ist wirklich ein Produkt des 21 Jahrhunderts.

Wie rentabel ist das Polyol-Geschäft?
Die petrochemische Anlage für Polyol wird jährlich rund 150 Millionen zu unserem Ebitda liefern. Das ist ok. Doch wir sind so sehr vom Ölpreis und den anderen Marktbedingungen abhängig, die sich schnell ändern kann.

An Unsicherheiten fehlt es nicht…
...aber auch an unternehmerischen Chancen. Mit dieser Milliardeninvestition verlängern wir unsere Wertschöpfungskette und verringern die Abhängigkeit von der Öl- und Gasförderung. Es ist öffnet viele Türen zu bislang von uns nicht bearbeiteten Märkten mit hohen Gewinnmargen.

Die makroökonomischen Bedingungen verschlechtern sich. Macht ein schwaches Wirtschaftswachstum ihre ehrgeizigen Expansionspläne zunichte?
Die Herstellung von teuren Vorprodukten zur Herstellung von Plastik ist relativ resistent gegenüber der Konjunktur mit ihren Auf und Abs. Das Produkt ist überall im Alltag zu finden. Es wird konjunkturunabhängig gebraucht.

„Wir werden nach Deutschland kommen“

Was ist mit der Autoindustrie, die Polyol vielfältig braucht? Die Autokonzerne spüren bereits die sinkende Nachfrage in vielen Märkten.
Natürlich schmerzt uns der Abschwung in der Autoindustrie. Doch das ist angesichts der vielfältigen Einsatzmöglichkeit von Polyol nicht entscheidend. Wir entwickeln ein Hightech-Produkt, das schließlich überall auf der Welt zum Einsatz kommen wird – und nicht nur in der Automobilindustrie, auch bei Möbeln oder in der Bauindustrie.

Sie wollen die MOL bis 2030 quasi neu erfinden. Petrochemie und Recycling sollen künftig eine Schlüsselrolle spielen. Was wird der nächste große Schritt sein?
Wir haben noch einiges in der Pipeline. Wir werden bis 2030 rund 4,5 Milliarden Dollar in die Petrochemie investieren. Das Polyol-Projekt ist Teil unseres Expansionsstrategie. Wir werden als nächstes unsere vier Raffinerien neu ausrichten. Diesel und Benzin sollen nicht mehr die dominanten Produkte der MOL sein.

Plant die MOL auch Zukäufe im deutschsprachigen Raum?
Wir haben bereits den Markteintritt in der Recyclingindustrie mit deutschen Unternehmen wie Aurora und APK geschafft. Dort wird Altplastik in chemischen Prozessen in neue Kunststoffe umgewandelt. Wir wollen unsere Wertschöpfungskette über das industrielle Recycling verlängern. Wir werden nach Deutschland kommen. Unsere beiden ersten Investitionen sind nur der Auftakt für weitere Zukäufe.

Thyssen-Krupp ist mit einem Budget von einer Milliarde Euro ihr Generalunternehmer für den Bau der Polyol-Fabrik rund 160 Kilometer nordöstlich von Budapest. Wird es weitere Projekte mit Thyssen-Krupp geben?
Ich liebe es, mit deutschen Firmen zusammen zu arbeiten. Denn dabei handelt es sich um ehrliche Partner. Die Kooperation ist exzellent. Alles verläuft nach Plan.

Der jüngste Chefwechsel und die mögliche Zerlegung von Thyssen-Krupp beunruhigen Sie als Kunde nicht?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir mit einem Dienstleister wie Thyssen-Krupp als verlässlicher und spezialisierter Partner bei der MOL Schwierigkeiten haben werden. Da bin ich ganz gelassen. Ich weiß, dass etliche Bereiche von Thyssen-Krupp kerngesund sind. Ich hoffe, dass alle Herausforderungen bei Thyssen-Krupp gut bewältigt werden können. Als CEO und Chairman weiß ich selbst, wie wechselhaft eine Konzernentwicklung sein kann.

„Ein Geschäftsmodell, das jedem Wetter standhält“

Die Verweildauer von CEOs wird nicht nur in Deutschland immer kürzer…
… nicht in meinem Fall. Ich bin CEO der MOL bereits seit 20 Jahren.

Wie entwickelt sich das Jahr für die Mol als mittlerer Öl- und Gaskonzern bislang? Zuletzt sahen wir ja einige Turbulenzen auf dem Ölmarkt nach dem Angriff auf die saudischen Ölanlagen.
Klar gibt es immer wieder Turbulenzen auf dem Markt. Ich glaube aber nicht, dass wir große Überraschungen erleben werden. Selbst der Angriff auf die saudi-arabische Ölindustrie hatte nur kurzfristige Konsequenzen. Der Markt ist Dank der Schieferölproduktion weltweit in Balance. Und die Ölindustrie war immer volatil. So ist unsere Aufgabe ein unverwüstliches, integriertes Geschäftsmodell aufbauen, das jedem Wetter zu jeder Zeit standhält.

Die MOL errichtet gerade mit ihren neuen Konzernzentrale in Budapest das höchste Gebäude des Landes. Doch der Widerstand gegen das von Norman Foster designierten Wolkenkratzer ist groß?
Auch der Eiffelturm in Paris war zur Zeit seines Entstehens sehr heftig in der französischen Hauptstadt umstritten. Ich bin daher nicht überrascht, dass unsere architektonische Ikone nicht nur Beifall findet. Ungarn wird ein sehr außergewöhnliches, ökologisch nachhaltiges Hochhaus bekommen, das auch nach seiner Eröffnung im Jahr 2022 öffentlich zugänglich sein wird. Zudem ist es mit einer Höhe von 120 Meter nicht einmal ein richtiges Hochhaus. Die Schönheit von Budapest wird durch unsere Konzernzentrale nicht beeinträchtigt. Da braucht sich niemand Sorgen machen.

Sind Sie im Jahr 2022 bei der Eröffnung ihrer neuen Konzernzentrale immer noch CEO und Chairman?
Fragen Sie die Aktionäre? Ich bin alles andere als beunruhigt. (lacht)

Sie sind der dienstälteste CEO eines Ölkonzerns in Europa. Wie lang geht ihr Vertrag bei der teilstaatlichen MOL noch?
Mein Vertrag ist unbegrenzt.

Wir danken für das Gespräch.

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