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Handelsblatt-Firmencheck Globalisierung fordert ihren Preis

Die internationale Bilanznorm IFRS wird unter börsennotierten Konzernen zum Standard, dadurch werden die Geschäftsberichte aber auch immer dicker.
Im Firmencheck nimmt das Handelsblatt die Bilanzen der führenden Konzerne unter die Lupe.

Im Firmencheck nimmt das Handelsblatt die Bilanzen der führenden Konzerne unter die Lupe.

DÜSSELDORF. Modehersteller Gerry Weber gab als Letzter der 124 Firmencheck-Kandidaten die Rechnungslegung nach deutschem HGB auf. Elf Konzerne legen Abschlüsse nach der US-Norm GAAP vor. Und auch die werden - soweit sie ihren Sitz in Deutschland haben - ab 2007 nach IFRS bilanzieren. Das Wahlrecht entfällt. Selbst Doppelabschlüsse sind bald nicht mehr nötig. Die US-Börsenaufsicht SEC wird auf politischen Druck auch IFRS als Standard für Notierungen ausländischer Firmen an der Wall Street akzeptieren.

Mit der Bilanznorm IFRS sind die Jahresabschlüsse zwar wieder besser zu vergleichen, sie sind aber auch unübersichtlicher. "Die Internationalisierung fordert Opfer", sagt Bilanzexperte Karlheinz Küting. Die Berichtspflichten der Unternehmen seien viel umfassender als nach HGB-Recht. Das zeigten die immer länger werdenden Konzernanhänge in den Geschäftsberichten.

Geschäftsberichte über 200 Seiten sind schon die Regel, Siemens (268 Seiten) oder Linde (258) zählen zu den Spitzenreitern. Selbst MDax-Firmen wie EADS produzieren mittlerweile ganze Bücher mit bis zu 355 Seiten. "Unlesbar", urteilt Küting. Viele Unternehmen verwechselten Quantität mit Qualität. Kütings Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) hat in Kooperation mit der Unternehmensberatung Oliver Wyman den Handelsblatt Firmencheck der besten Geschäftsberichte erstellt.

Die mit der Internationalisierung verbundenen schärferen Anforderungen an die Rechnungslegung sind laut Küting aber kein zwingender Grund, die Geschäftsberichte ausufern zu lassen. In der Praxis sieht das so aus: Siemens verdoppelte seinen Anhang binnen vier Jahren auf 87 Seiten, Bayer legte um 86 Prozent auf 97 Seiten zu. Teilweise werden Investoren mit schwer Verdaulichem malträtiert. Altersvorsorgesysteme werden seitenlang ausgebreitet, das spröde Thema latente Steuern nimmt ganze Kapitel in Anspruch. "Solche Texte sind oft in einer derartigen Fachsprache verfasst, dass Anleger die komplexen Inhalte immer schwerer nachvollziehen können", beklagt Küting. Sein Fazit: Internationale Rechnungslegung verlangt zwar Transparenz, doch "wirklich durchsichtiger wird die Bilanzpolitik der Unternehmen damit nicht."

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