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Internationaler Vergleich Deutsche Banken verlieren an Boden

Die 15 größten deutschen Banken haben im vergangenen Jahr von der guten Konjunktur profitiert und dürften auch in diesem Jahr erneut bessere Bilanzen vorlegen. Verglichen mit der internationalen Konkurrenz steht es aber gar nicht so gut um die heimischen Kreditinstitute.
Blick aufs Frankfurter Bankenviertel. Foto: dpa Quelle: dpa

Blick aufs Frankfurter Bankenviertel. Foto: dpa

(Foto: dpa)

FRANK M. DROST | BERLIN "Unsere Banken sind beflügelt ins Jahr 2007 gestartet", urteilt der Präsident der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, mit Blick auf die Quartalszahlen der Institute. Doch international sind deutsche Institute - mit Ausnahme der Deutschen Bank - weiter zurückgefallen. "Der Abstand zu den Ausländern ist kaum mehr aufzuholen", urteilt Banken-Experte Professor Wolfgang Gerke.

Und er dürfte eher noch größer werden, denn die Übernahmeschlachten im europäischen Bankensektor werden wohl ohne deutsche Institute stattfinden. "Auf der internationalen Bühne werden die deutschen Banken weiter nur eine passive Rolle spielen", befürchtet Sanio. In Deutschland spielt die Deutsche Bank allerdings in einer eigenen Liga. "Sie ist am besten aufgestellt von den deutschen Instituten und profitiert weltweit von der guten konjunkturellen Entwicklung", lobt Edgar Klein, Bankexperte bei der Beratungsgesellschaft Deloitte & Touche.

Mit einer Rendite von knapp 20 Prozent nach Steuern brilliert die Deutsche Bank in puncto Rentabilität. Die Kapitalrendite der Landesbank Berlin ist ein Ausrutscher nach oben, da sie aus einem Einmaleffekt aus dem Verkauf der Berliner Bank resultiert. Im europäischen Vergleich relativiert sich die Stärke der Deutschen Bank allerdings, denn acht Institute der 20 größten europäischen Banken weisen eine Rendite von mehr als 25 Prozent nach Steuern auf.

Für den Bundesverband deutscher Banken (BdB) hat die internationale Schwäche der deutschen Banken eine Ursache: Das spezifisch deutsche Drei-Säulen-System aus Genossenschaftsbanken, privaten Banken und Sparkassen verhindere Übernahmen. Das sei ein entscheidender Grund für die im Vergleich zum Ausland geringe Marktkapitalisierung deutscher Banken, urteilte erst kürzlich BdB-Präsident Klaus-Peter Müller, in Personalunion Chef der Commerzbank.

Dagegen macht Professor Gerke im Kern "verfehlte Strategien der privaten Banken im letzten Jahrzehnt" dafür verantwortlich, dass sie im internationalen Wettbewerb zurückgefallen sind. Banken wie die ING Diba oder Citigroup bewiesen doch, dass trotz Sparkassen und Genossenschaftsbanken gute Geschäfte in Deutschland zu machen seien. Das stellt Klein von Deloitte & Touche nicht in Abrede. Doch er kenne kein Land in Europa, in dem starke private Banken nicht auch gleichzeitig Marktführer in vielen Segmenten seien. "Das kann von den deutschen Banken nicht behauptet werden", urteilt Klein.

Gerke kritisiert, dass die deutschen Banken Chancen verpasst haben, die Konsolidierung im eigenen Lager aus eigener Kraft voranzutreiben. Beispielsweise wurde die Hypo-Vereinsbank durch die italienische Unicredit übernommen. Ein Zusammengehen beispielsweise von Deutscher Bank und Commerzbank kann sich Gerke allerdings schlecht vorstellen. Das würde Zehntausende von Arbeitsplätzen kosten und politisch kaum zu vermitteln sein.

Als Übernahmekandidat wird regelmäßig die Postbank ins Spiel gebracht. Doch auch wenn sich die Deutsche Post von ihrer Mehrheitsbeteiligung trennen sollte, dürfte ein Kauf des profitablen Instituts keine deutsche Bank vor einer Übernahme schützen. Dazu, so Gerke, sei die Börsenkapitalisierung der Postbank von rund zehn Mrd. Euro zu gering.

Hadern private Banken mit der Politik, die es aus ihrer Sicht bislang nicht vermochte, das Bankenwesen in Deutschland zu reformieren, können sich die Vertreter der Genossenschaftsbanken und Landesbanken sowie Sparkassen an die eigene Nase fassen. Denn selbst innerhalb der "Säulen" findet keine Konsolidierung statt. Eine Fusion von DZ Bank und WGZ Bank scheiterte erneut an Macht- und Ränkespielen. So leisten sich die Volks- und Raiffeisenbanken immer noch zwei Spitzeninstitute.

Auch die Konsolidierung im Landesbankenlager lässt auf sich warten. Bislang verhallten die Appelle von Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, die Zahl der acht selbstständigen Landesbanken zu reduzieren. "Die Landesbanken wären die große Bank Deutschlands", schwärmt Haasis. Wenn die Sparkassen allein Träger wären, "könnten wir dies morgen in Angriff nehmen", rüffelt der Sparkassen-Präsident indirekt die Länder, die letztlich den Weg frei machen müssten.

Doch Deloitte-Experte Klein ist eher skeptisch. Bei den Landesbanken sei die strategische Story für die Konsolidierung unklar. Gehe es um eine größere Angebotsvielfalt für die Kunden? Gehe es um einen höheren Profit? "Solange es kein zündendes Konzept gibt oder Rettungsbedarf für ein einzelnes Institut, wird sich nicht wirklich die Frage nach der Konsolidierung stellen", ist sich Klein sicher.

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