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Anlagestrategie Warum Aktien deutscher Autohersteller trotz Krise reizvoll sind

Weltweit sind wenige Aktien so günstig wie die der deutschen Autobauer. Bieten BMW, Daimler, VW und Continental eine Chance für mutige Anleger?
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Deutsche Autobauer verdienen (noch) gut, und das spiegelt sich nicht im Wert der Aktien wider. Quelle: Bloomberg
BMW

Deutsche Autobauer verdienen (noch) gut, und das spiegelt sich nicht im Wert der Aktien wider.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf So viel Masse, so wenig Kraft: Mit voraussichtlich 29 Milliarden Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr stehen BMW, Daimler, VW und der Zulieferer Continental für etwa ein Drittel der gesamten Nettogewinne aller 30 Dax-Konzerne. Doch mit einem Börsenwert von zusammengerechnet 200 Milliarden Euro stehen sie nur für 18 Prozent des Börsenwerts aller 30 Konzerne im Deutschen Leitindex.

Diese Rechnung macht deutlich: Deutschlands börsennotierte Automotive-Konzerne verdienen zwar prächtig. Doch die Anleger honorieren es nicht. Die Aktien gibt es zu Schnäppchenpreisen.

BMW – und heruntergerechnet jeder einzelner Anteilsschein – ist an der Börse knapp siebenmal so viel wert, wie die Münchener in einem Jahr netto verdienen, Daimler gar nur sechsmal so viel. Und Volkswagen gibt es bereits für den fünffachen Jahresnettogewinn zu kaufen.

Deutschlands Autobauer zählen damit nicht nur im Dax, sondern unter den Großkonzernen weltweit zu den billigsten Aktien. Dahinter kommen nur noch die intransparenten chinesischen Großbanken. Die Autobauer sind inzwischen so niedrig bewertet, dass allein ihre Produktionshallen, ihre technischen Anlagen und ihre Gebäude wertvoller sind, als der derzeitige Börsenwert.

Beispiel Daimler: Alle Vermögensgegenstände des Konzerns – dazu zählen die Zentrale in der Mercedesstraße 137 in Stuttgart ebenso wie die vielen Hundert Niederlassungen in Deutschland, Europa, Asien, Afrika, Australien und Amerika, einschließlich des 400 Hektar großen Werkes in Tuscaloosa, in das Daimler gerade wieder eine Milliarde Euro investiert – sind in der Bilanz, abzüglich der Schulden, mit einem Wert von 64,67 Milliarden Euro ausgewiesen.

Dieser Buchwert übersteigt den aktuellen Börsenwert um 20 Prozent. Das ist ungewöhnlich, denn üblicherweise gewährt die Börse einen satten Aufschlag, weil auch die Marke und das Potenzial der Firma einen Wert haben sollten.

Doch bei Daimler ist es umgekehrt. Den Mercedes-Stern und die dazugehörige Marke gibt es quasi gratis. Bei BMW ist die Relation aus Buchwert und Börsenwert ähnlich, bei Volkswagen sind die Vermögensgegenstände abzüglich der Verbindlichkeiten sogar fast das Doppelte von dem wert, was der Konzern an der Börse kostet.

Selbst Continental, mehr als ein Jahrzehnt lang Anlegers Liebling, vermag sich dem Abwärtssog nicht zu entziehen. Der große Zulieferer lieferte stets mehr Gewinne, höhere Renditen und üppigeres Wachstum, als es Aktionäre und Analysten erwartet hatten.

Wertverlust von 40 Prozent

Auch gelang es den Hannoveranern lange Zeit sehr gut, das scheinbar langweilige, aber ertragreiche Reifengeschäft mit dem zukunftsträchtigen und immer größer werdenden Bereich rund um Digitalisierung und elektronische Antriebssysteme geschickt zu kombinieren. Doch nach Ertragswarnungen im April und August verloren Anleger das Vertrauen. Die Aktie brach 2018 um 40 Prozent ein.

Die Folge: Gemessen an den immer noch üppigen Gewinnen bezahlen Anleger Continental nur noch mit dem zehnfachen Jahresgewinn. So billig gab es Conti zuletzt in grauen Vorzeiten, als Reifen noch das Ein und Alles des Konzerns aus Hannover waren.

Extrem billig bedeutet an der Börse nichts anderes als: Niemand will dich! Unternehmen und ihre Aktien sind gewöhnlich dann besonders preiswert, wenn ihre Gewinne jahrelang stagnieren oder gar sinken. Doch das ist bei den Autobauern nicht der Fall, wie ihre Rekordgewinne in den vergangenen Jahren beweisen. Wer nach anderen Gründen sucht, stößt auf viele Risiken, die den Abschlag rechtfertigen – aber auch auf Chancen: auf eine bessere Zukunft mit höheren Bewertungen und damit wieder steigenden Kursen.

Sicher, die Reputationsverluste und die finanziellen Schäden durch den Abgasskandal wiegen schwer, vor allem bei Volkswagen. In den USA musste VW über 20 Milliarden Euro bezahlen, hinzu kommen Milliardenrückstellungen.

Auffällig hohe Dividenden

Doch dagegen stehen für Anleger die auffällig hohen Dividenden. BMW, Daimler, VW und der Zulieferer Continental stehen mit insgesamt knapp zehn Milliarden Euro für mehr als ein Viertel der gesamten Ausschüttungen im Dax. Gemessen am aktuellen Aktienkurs streichen Anleger bei BMW eine Dividendenrendite von 5,4 Prozent, bei Daimler sogar von 6,5 Prozent ein.

Was auf den ersten Blick attraktiv erscheint, ist für Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp eher ein Alarmsignal: „Der Markt erwartet bei Daimler, dass sich die Dividende auf Sicht mehrerer Jahre halbieren wird.“ Seine Argumentation: Daimler kommt nur deshalb auf eine solch hohe Rendite, weil der Kurs stark gefallen ist – und Aktionäre mit schlechteren Erträgen und Dividenden rechnen.

Für den Börsenaltmeister des frühen 20. Jahrhunderts Benjamin Graham glichen preiswerte Aktien Zigarrenstummeln, die im Rinnstein liegen. Der Verfasser bis heute gültiger Lehrbücher favorisierte solche Aktien als unentdeckte Schnäppchen. Star-Investor Warren Buffett und sein Kompagnon Charlie Munger modifizierten die Zigarrenstummel-Theorie und meinten, dass solche Aktien nur dann kaufenswert seien, wenn die Qualität des Unternehmens und die Perspektiven stimmen.

Meistens lägen Zigarrenstummel – und damit Aktien – zu Recht achtlos auf der Straße. Sie einzusammeln, lohne sich fast nie. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass es im Zeitalter des Internets mit seinen Informationen für jedermann unentdeckte Perlen kaum noch gibt. Obwohl Buffetts Holding auf über 100 Milliarden Dollar Bargeld sitzt, das der Meister liebend gerne investieren würde, vermochte er sich bislang nicht zu einem Kauf von BMW, Daimler oder VW zu entschließen.

Und siehe da: Schon im Frühjahr 2019 bekommen Daimler-Aktionäre tatsächlich weniger überwiesen. Die Dividende sinkt gegenüber dem Vorjahr um elf Prozent auf 3,25 Euro pro Aktie. Damit hatte noch vor einem halben Jahr angesichts üppiger Gewinne kaum ein Analyst gerechnet.

Milliarden für Forschung und Entwicklung

Der niedrige Aktienkurs und die daraus resultierende hohe Dividendenrendite von damals mehr als sieben Prozent signalisierte, dass Anleger pessimistisch waren – und sie behielten Recht. Zwar streichen Anleger auch mit der nun gesenkten Dividende immer noch eine ordentliche Rendite ein – doch wer weiß, ob es bei dieser einen Kürzung bleibt?

Richtig ist zwar, dass die vier Automotive-Konzerne im Dax immer mehr Geld in Forschung und Entwicklung investieren – über 25 Milliarden Euro im abgelaufenen Jahr. Bis Ende 2022 will VW sogar mehr als 30 Milliarden Euro für die Elektromobilität, die Digitalisierung, das autonome Fahren und neue Mobilitätsdienste ausgeben.

„Die Branche durchläuft einen nie da gewesenen technologischen Wandel“, beschwor BMW-Chef Harald Krüger unzufriedene Anleger und verwies auf rekordhohe und notwendige Investitionen. Die entscheidende Frage für Anleger lautet aber: Zahlen sich diese Investitionen aus? Noch ist nicht klar, ob BMW, Daimler und VW künftig ebenso erfolgreich Elektroautos verkaufen wie einst ihre Benzin- und Dieselfahrzeuge.

Wenn es ihnen mit ihrer Finanzkraft aber gelingt, schadstofffreie Antriebssysteme nicht nur zu entwickeln, sondern auch millionenfach zu verkaufen, dann winken Kursgewinne. Die Aktien sind derart niedrig bewertet, dass allein schon die begründete Hoffnung auf eine erfolgreiche Elektro- und Digitalisierungsstrategie die Kurse beflügeln dürfte.

Solange aber an den Finanzmärkten der Glaube an eine bessere Zukunft der deutschen Autobranche fehlt, bleiben die Aktien der vier kraftlosen Riesen eine riskante Wette nur für mutige Anleger.

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1 Kommentar zu "Anlagestrategie: Warum Aktien deutscher Autohersteller trotz Krise reizvoll sind"

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  • Sehr geehrter Herr Dr. Sommer,

    als ich vor Jahr und Tag noch Mitglied eines großen deutschen Aktienclubs war, warb der Club in ganzseitigen Flugblättern für eine Mitgliedschft. Jedes Flugblartt war überschrieben mit "Warum mit manchen Aktien kein Geld zu verdienen ist".

    Als Beispiel diente dem Club auch Daimler. Laden Sie sich bei Google doch einmal den 20- oder 30-Jaghreschart herunter. Sie sehen ein wild bewegtes Auf und AB. Der Club meinte deshalb, die Aktie sei ein "Zykliker", bei der man immer wieder aufs Neue ein- und aussteigen müsse. Aber das sei eine Kunst, die wahrscheinlich niemand beherrsche.

    Der Club meinte deshalb, "Finger weg von allen Zyklikern" und empfahl ausschließlich "Wachstumsaktien", bei denen der Langfristchart geradlinig von links unten nach rechts oben verläuft. Einfache Kennziffern wie das KGV enthalten solche Erkenntnisse natürlich nicht.

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