Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Flottenmanagement

Autoindustrie BMW schaltet voll auf Strom – Autokonzern kündigt komplett neue Produktfamilie an

Ab 2025 haben Elektroautos in der Modellpalette Priorität. 2030 soll jeder zweite BMW elektrisch ausgeliefert werden. Konzernchef Zipse verspricht Milliardengewinne.
17.03.2021 Update: 17.03.2021 - 16:17 Uhr 5 Kommentare
Die Automesse zieht nach München und soll, nach Willen von BMW, 2021 tatsächlich stattfinden. Quelle: Reuters
Oliver Zipse auf der IAA 2019

Die Automesse zieht nach München und soll, nach Willen von BMW, 2021 tatsächlich stattfinden.

(Foto: Reuters)

München Der BMW-Konzern ändert seine Strategie in der Elektromobilität. Ab 2025 stellt das Unternehmen mit der „Neuen Klasse“ seine gesamte Modellpalette auf eine neue technische Grundlage, die Stromantriebe bevorzugt. Alle Autos sollen dann auch neue Software und neue Batterietechnik erhalten. Ende des Jahrzehnts will der Konzern dann die Hälfte seiner Autos mit reinem Elektroantrieb ausliefern.

„Die Neue Klasse ist für uns der Nukleus, um das Auto von Grund auf neu zu denken“, sagte BMW-Konzernchef Oliver Zipse am Mittwoch in München. Bislang galten Verbrenner, Hybride und Elektroautos bei dem Münchener Autokonzern als gleichberechtigt.

BMW folgt damit dem VW-Konzern, der seine Produktpalette ebenfalls auf „electric first“ ausrichtet. Die Autoindustrie stellt sich damit auf die verschärfte EU-Klimapolitik ein. Zudem setzt Tesla die Deutschen zunehmend unter Druck. Der US-Hersteller will noch in diesem Jahr in Grünheide bei Berlin die Produktion von Elektroautos beginnen.

Um den Angriff von Tesla zu kontern, zieht BMW kurzfristig die Produktion der Elektroautos „i4“ und „iX“ vor, beide Modelle sollen noch in diesem Jahr auf den Markt. Bis 2023 will BMW 13 reine Elektromodelle im Angebot haben.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Rendite soll steigen: Nach zwei Jahren mit Gewinnrückgängen strebt das Unternehmen für 2021 „einen deutlichen Anstieg beim Konzernergebnis vor Steuern an“. Im vergangenen Jahr lag der Wert dank des boomenden chinesischen Marktes bei gut 5,2 Milliarden Euro.

    China-Boom finanziert die Transformation

    Der neue Optimismus in München speist sich aus den Erfahrungen der vergangenen Monate. Nach dem massiven Einbruch im vergangenen Frühjahr haben die Verkäufe wieder deutlich angezogen. Das vierte Quartal war das absatzstärkste in der Firmengeschichte, BMW verkaufte aber auch mehr größere und teurere Autos.

    Der große Anker liegt aber in Fernost: In China fährt BMW Monat für Monat neue Rekorde ein. Mit 780.000 Autos verkauft BMW in China jetzt mehr als doppelt so viel wie im US-Markt. Und auch 2021 läuft insgesamt stark an: Im Januar und Februar liegen die Verkäufe 25 Prozent über dem Vorjahreswert – damals schlug allerdings schon der Lockdown in China zu Buche.

    Ein Teil der neuen finanziellen Stärke geht auf das Konto von Einsparungen. „Das Unternehmen ist deutlich schlanker als vor einem Jahr“, sagte Finanzvorstand Nicolas Peter. So beschäftigt BMW rund 5000 Menschen weniger, auch die Investitionen wurden um rund 1,7 Milliarden Euro zurückgefahren. BMW hat wie der Rest der Industrie von der Kurzarbeiterregelung in Deutschland Gebrauch gemacht und sich für mehrere Tausend Beschäftigte Lohnzuschüsse aus der Sozialkasse gesichert.

    Für 2021 braucht der Konzern diese Hilfen nicht mehr. Sechs bis acht Prozent Umsatzrendite peilt Peter für das Autogeschäft an, nach 2,7 Prozent im abgelaufenen Jahr. Hinzu kommen die Gewinne aus dem China-Joint-Venture, die BMW im Finanzergebnis verbucht und die 2020 mit 1,2 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert erreicht haben.

    Grafik

    Dieser Wert wird im kommenden Jahr ohnehin deutlich steigen, denn BMW wird dann seinen Anteil an dem Joint Venture mit Brilliance von 50 auf 75 Prozent erhöhen und die Gewinne entsprechend höher konsolidieren.

    Auch dieser Umstand macht die BMW-Manager sehr zuversichtlich, ab 2022 in der Profitabilität noch einmal deutlich zulegen zu können. Kurzfristig stehen aber alle Prognosen unter Vorbehalt: Eine weitere Verschärfung der Coronakrise könnte die Annahmen ebenso verhageln wie der chronische Mangel an Halbleitern, der derzeit die gesamte Autoindustrie lähmt.

    Anders als beispielsweise Audi hat BMW aber nach eigenen Angaben bislang keine Produktionsunterbrechungen gehabt.

    „Neue Klasse“ hat BMW schon einmal gerettet

    Die Milliardengewinne sind notwendig, denn die großen Herausforderungen stehen jetzt vor der Tür. Zipse kündigte an, die Modellpalette ab 2025 mit der „Neuen Klasse“ völlig neu aufzustellen. Seit Monaten wird an dem Projekt intensiv gearbeitet. Aus Kreisen der Entwickler sind alle Prioritäten auf diese neue technische Architektur gerichtet.

    Anders als bisher sollen dann Verbrenner und Elektroautos nicht mehr gleichberechtigt sein. Die neue Architektur werde immer eine elektrische Hinterachse haben, erklärt Zipse. Reine Verbrennungsmotoren fallen damit Stück für Stück aus der Modellpalette. Sie können dann nur noch in die für eine Übergangszeit parallel produzierten konventionellen Architekturen eingebaut werden.

    „Die Neue Klasse ist ein großer Aufbruch“, sagt Zipse. Wie radikal der Bruch mit der bisherigen Strategie ausfällt, zeigt sich schon an der Namensgebung. Denn der Begriff „Neue Klasse“ war bei BMW schon einmal für einen Neustart in Gebrauch – und rettete das Unternehmen vor dem Untergang. Anfang der sechziger Jahre war die Modellpalette nicht mehr konkurrenzfähig.

    BMW entwickelte mit der „Neuen Klasse“ Kompaktautos, aus denen die heutige Modellfamilie abgeleitet wurde. „Genauso mutig und radikal gehen wir wieder vor“, sagte Zipse, am Ende entstehe ein „grundlegend neues Produktangebot“. Denn neben der neuen Fahrzeugarchitektur entwickelt der Konzern eine neue Software und neue Batterietechnik. Ziel sei es, die Kosten für Elektroautos auf das Niveau von heutigen Verbrennern zu bringen.

    Zudem verspricht Zipse, das „grünste Elektroauto der Welt“ zu bauen. So sollen bei der Produktion Recyclingmaterialien Vorrang bekommen. Kritische Rohstoffe wie Kobalt und Lithium sollen nur aus Produktionen kommen, die Menschenrechte einhalten. Der Strom für die energieintensive Herstellung der Batteriezellen soll nur aus regenerativen Quellen kommen.

    Grafik

    BMW richtet sich damit darauf ein, dass ab 2025 die Elektromobilität eindeutig Vorrang hat. Mit der Umstellung auf „electric first“ sind die Münchener allerdings eher ein Nachzügler in der Branche. Neben Tesla treibt vor allem der VW-Konzern die Entwicklung. Die Wolfsburger haben mit der MEB-Plattform eine ausschließlich auf Stromfahrzeuge konzipierte Architektur entwickelt, mit dem „ID3“ und dem „ID4“ sind bereits zwei Modelle auf dem Markt.

    Doch auch hier ist die Entwicklung noch am Anfang: Mit dem Projekt „Trinity“ nimmt Volkswagen eine komplette technische Neuausrichtung für den gesamten Konzern vor, die ebenfalls voll auf Elektromobilität zielt. Der direkte BMW-Rivale Audi arbeitet mit „Artemis“ an einer komplett neuen Elektrolimousine, die wegweisend für alle künftigen Audi- und Porsche-Modelle der Oberklasse sein soll. Volkswagen will 2030 mindestens sechzig Prozent seiner Autos mit Stromantrieb ausliefern, bei Porsche werden es achtzig sein, sagt Markenchef Oliver Blume.

    Und auch Mercedes steuert um: Schon in diesem Jahr startet Mercedes die neue elektrische S-Klasse auf Basis der neuen „Electric Vehicle Architecture“, 2024 sollen dann sämtliche Kompaktmodelle eine eigene neue Elektroplattform bekommen. Alle Projekte sind letztlich das Eingeständnis, mit der alten Technik Mitte des Jahrzehnts nicht mehr konkurrenzfähig zu sein.

    Tesla macht das Tempo

    Der ganz große Druck kommt aber aus Brandenburg. Noch in diesem Jahr will Tesla in Grünheide südlich von Berlin die Produktion aufnehmen. Mittelfristig sind bis zu 500.000 Elektroautos geplant, die aus der neuen Fabrik für den europäischen Markt gebaut werden sollen. Bislang ist es BMW mit keinem Modell gelungen, den Vormarsch von Tesla zu stoppen.

    Zwar bleibt der seit 2013 in Leipzig gebaute „i3“ weiter in der Produktion, dank üppiger Kaufsubventionen steigen die Verkäufe sogar leicht. Mit dem in China gebauten „iX3“ hat BMW seit einigen Monaten auch ein Strom-SUV auf dem Markt, aber wie die Konkurrenzmodelle Audi „Etron“ und Mercedes „EQC“ ist das Auto nur ein Angebot für den Übergang.

    Zipse, der im Sommer 2019 Harald Krüger vorzeitig ablöste, weiß um die Herausforderung. Noch ist die Elektromobilität ein Zuschussgeschäft, das Geld verdient BMW mit großen Verbrennungsmotoren und in China. Während sein Vorgänger Tesla noch etwas gönnerhaft „viel Erfolg bei der Entwicklung eines profitablen Geschäftsmodells“ wünschte, taucht unter Zipse Tesla nun in den Präsentationen als Hauptrivale auf, sagt eine Führungskraft.

    Grafik

    Um den Angriff von Tesla zu kontern, wird die Produktion der Elektroautos „i4“ und „iX“ vorgezogen, beide Modelle sollen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Der „i4“ wird als elektrische Variante der „3er“-Reihe in München gebaut und soll Konzernkreisen zufolge auf einen Absatz von mindestens 50.000 bis 60.000 Stück im Jahr kommen.

    Der in Dingolfing gebaute „iX“ soll Vorbild für die gesamte elektrische Oberklasse sein, die BMW ab 2022 mit dem „i7“ fortsetzt. Alle neuen Modelle sollen Reichweiten von rund 600 Kilometern aufweisen und dem Tesla „Model 3“ und „Model S“ Kunden abnehmen.

    Kein eigenes Ladenetz

    Zudem soll das Strom-SUV „iX“ ein neues Betriebssystem erhalten, das künftig auf die gesamte Modellpalette ausgerollt werden soll. Damit wäre theoretisch auch das autonome Fahren möglich, doch noch sind BMW die notwendigen Lidar-Radare zu teuer. Dafür werden die Autos zunehmend vernetzt und können über das mobile Internet ständig mit neuer Software verbessert werden.

    Hier will BMW mit Tesla schon sehr bald gleichziehen. „Bereits Ende 2021 wird die BMW Group mit deutlich über zwei Millionen Einheiten die weltweit größte Flotte von Fahrzeugen auf der Straße haben, die ,over the air' neue und erweiterte Funktionen aufgespielt bekommen können“, erklärte der Konzern.

    Das sind große Aufgaben für einen global betrachtet relativ kleinen Autohersteller. Denn während BMW mit seinen Töchtern Mini und Rolls-Royce in Europa auf einen Marktanteil von rund zehn Prozent kommt, liegt man weltweit bei rund drei Prozent.

    Deshalb will Zipse die Risiken sehr begrenzt halten. Einen vollständigen Ausstieg aus der Verbrennungstechnologie schließen die Münchener anders als beispielsweise Jaguar oder Volvo noch aus. Auch in zehn Jahren werde es Weltregionen geben, in denen Verbrenner verkauft werden, glaubt Zipse.

    Und auch in den Aufbau einer eigenen Fertigung von Batteriezellen investiert BMW ebenso wenig wie in eine eigene Ladeinfrastruktur für Elektroautos. BMW habe sich langfristig mit Batteriezellen eingedeckt, erklärte Beschaffungsvorstand Andreas Wendt. „Wir halten es für falsch, zu diesem Zeitpunkt zu investieren“, erklärte Entwicklungsvorstand Frank Weber.

    Auch ein eigenes Ladenetz für Elektroautos werde der Konzern nicht aufbauen, schließlich habe man auch nicht in den Bau von Tankstellen investiert, erklärte Weber. Das sehen die Rivalen anders: Sowohl Tesla als auch Volkswagen bauen eine eigene Zellfertigung und ein eigenes Ladenetz auf.

    Mehr: Der schwierige Abschied vom Verbrenner für Deutschlands Autobauer.

    Startseite
    Mehr zu: Autoindustrie - BMW schaltet voll auf Strom – Autokonzern kündigt komplett neue Produktfamilie an
    5 Kommentare zu "Autoindustrie: BMW schaltet voll auf Strom – Autokonzern kündigt komplett neue Produktfamilie an"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Bin gespannt wie BMW zukünftig die Profitabilität hinbekommt. Tesla verdient jedenfalls nach wie vor Geld nur durch den Verkauf von Zero-Emission-Credits, also Subventionen. Diese Quelle wird austrocknen, wenn viele Elektro machen.

      Dass Elektroautos auch Fahrspaß bedeuten, passt zu BMW.

      Der Grund dafür, dass nun alle Elektro machen, sind aber die politisch gewollten Strafzahlungen. Zwangs- und Planwirtschaft. Ökologisch, also fürs CO2, bringt es gar nichts, weil wir noch lange nicht den Zustand haben, dass tatsächlich grüner Strom zum Laden da ist. Fälschlicherweise glauben Politiker und viele andere, dass grüner Strom irgendwie exklusiv den Autos zugerechnet werden müsse. Die Wahrheit ist, sobald Sie den Ladevorgang beginnen, ist die grüne Erzeugung bereits vorher ausgeschöpft. Sie kann sich dann überhaupt nicht an der Ladung beteiligen. Ohne Atomstrom haben wir dann Fossilstrom in der Batterie, zu 100 Prozent. Das Konzept des Strommixes, gerne zitiert, geht hier komplett an der Sache vorbei. Es wird nicht dadurch richtig, dass viele Papageien es nachsprechen.

    • Das Risiko bei einer voll auf BEV ausgerichteten Strategie ist m.E., dass am Ende mehr BEVs auf den Autozügen der Seidenstraße nach Europa rollen werden, als Autos in die andere Richtung nach China. Mit dem Abschied vom Wasserstoff als technischer Alternative wird die deutsche Automobilindustrie in ihrem Heimatmarkt durch chin. Produkte stark unter Druck geraten. Das ist industriepolitisches Harakiri.

    • Lieber Herr Zipse, Bei der nächsten Kündigungsrunde vergessen Sie bitte nicht den Designer dieser häßlichen Front.

    • Die neue Frontpartie ist sooo hässlich. Da müssen die nochmal dringend nacharbeiten.

    • Als großem Freund der Marke tut das einem=mir in der Seele weh: Audi etron seit 2 Jahren auf dem Markt, Porsche Taycan auch und selbst VW - nicht gerade als schnell bekannt - hat mit id.3 und 4 gute Autos am Start. Und BMW... vor vielen Jahren wegweisend mit dem i3 und nun... Das ist reichlich spät!

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%