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Flottenmanagement

Digitale Datensammler „Viele Fuhrparks sind bei reinen E-Autos noch in der Jugend-forscht-Phase“

Der Einsatz von E-Autos bedeutet für Fuhrparkmanager einen viel höheren Planungsaufwand. Software soll helfen, den Überblick zu behalten.
04.12.2020 - 10:45 Uhr Kommentieren
64 Prozent der Fuhrparkverantwortlichen nutzen keine spezielle Flottensoftware. Quelle: Dataforce Quelle: PR
Keine einheitlichen Ladetarife

64 Prozent der Fuhrparkverantwortlichen nutzen keine spezielle Flottensoftware.

Quelle: Dataforce

(Foto: PR)

Köln Es ist ein Testlauf für die Zukunft: In Berlin teilen sich gleich mehrere kommunale Unternehmen einen Fuhrpark mit Elektrofahrzeugen und den zugehörigen Ladestellen. Mehr als 300 E-Autos haben die beteiligten Firmen zusammen im Einsatz – mit dabei sind die Verkehrsbetriebe (BVG), die Stadtreinigung (BSR) und die Wasserbetriebe (BWB) sowie der Energieversorger Vattenfall und seine Tochter Stromnetz Berlin. Sie erproben bis 2022 eine Software, die helfen soll, einen E-Auto-Pool effizient und kostengünstig zu betreiben.

„Smart E-Fleets“ heißt das Berliner Pilotprojekt. In einer App melden Mitarbeiter eine Fahrt an und bekommen eines der Pool-Fahrzeuge zugewiesen. Die Einsätze sind gut planbar: Im Normalfall absolvieren Mitarbeiter die Strecke zu einem Termin, danach geht es gleich zurück an die Ladesäule auf dem Betriebsparkplatz.

Selten legen die E-Autos auf einer solchen Tour mehr als 70 Kilometer zurück, sie müssen also unterwegs keinen Strom nachtanken. Das alles erleichtert die Arbeit der Softwareentwickler: „Je klarer die Fahrten definiert sind, desto besser können wir mit digitalen Lösungen unterstützen“, sagt Frank Meißner, der das Pilotprojekt beim Berliner Softwareanbieter Carano leitet.

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Die in der Hauptstadt gewonnenen Erkenntnisse sollen dabei helfen, auch komplexere Dispositionsaufgaben mithilfe von IT in den Griff zu bekommen - und so den Umbau von Fuhrparks hin zur E-Mobilität beschleunigen. Denn eine wachsende Zahl von Unternehmen will sich wie die Berliner Kommunalbetriebe nachhaltiger aufstellen. Dabei sehen sich Fuhrparkleiter vielen Fragen gegenüber: Welche und wie viele Verbrenner lassen sich überhaupt durch E-Modelle ersetzen? Welche Strecken müssen die Fahrzeuge schaffen? Wo können sie laden, und wie wird abgerechnet?

Beim konventionellen Verbrennungsmotor ist die Lage übersichtlich: „Es gibt eine Tankkarte, ab und zu muss das Auto in die Werkstatt und zur Hauptuntersuchung“, sagt IT-Experte Meißner. Sind Pkws mit Elektroantrieb in der Flotte, müssen die Verantwortlichen viel mehr bedenken. „Man stellt nicht einfach ein E-Auto auf den Hof und kann es direkt wie einen Verbrenner nutzen“, sagt der Projektleiter.

Am Standort muss zunächst eine Ladeinfrastruktur aufgebaut werden. Zudem sind genauere Kenntnisse etwa über die Länge von Touren nötig - sonst droht ein Zwangsstopp mit leerer Batterie. „Deshalb brauchen solche Projekte viel Vorbereitung“, erläutert Meißner. Testläufe mit weiteren Firmenkunden sollen hier Erkenntnisse liefern.

Einstiegshürden senken

Orientierung schaffen und Einstiegshürden für Fuhrparkleiter bei der E-Mobilität senken - das ist auch der Anspruch von Fleetster. Vor zehn Jahren startete das Unternehmen als Anbieter von Carsharing-Software. „Uns war von Anfang an klar, dass E-Autos in den Pool gehören“, sagt Geschäftsführer Tim Ruhoff. Doch die hohen Anfangsinvestitionen für die Fahrzeuge selbst und für die Ladeinfrastruktur lohnen sich nur, wenn die E-Autos so viel wie möglich unterwegs sind - und damit ihre im Vergleich zum Verbrenner niedrigeren Betriebskosten ausspielen.

Die Fahrzeuge optimal auszulasten ist allerdings eine komplexe Aufgabe. Die will Fleetster mit der Kombination von Buchungssoftware und Lademanagement lösen. Das Programm weiß, wer wann fahren will - und kann zudem den Ladestand aller E-Autos im Pool prognostizieren. Auf Basis der Zeit, die zwischen einzelnen Fahrten zum Laden zur Verfügung steht, wird dann Mitarbeitern ein Fahrzeug zugewiesen, dessen Batterie über genug Strom verfügt. Zuvor reservieren die Beschäftigten über eine App. Falls ein Auto nicht pünktlich abgegeben wird, bucht das System eigenständig um. Nutzen sollen die Lösung künftig etwa Vertriebsteams, die regelmäßig kürzere bis mittlere Strecken zu Kunden fahren.

Bei den Mitarbeitern ist die Bereitschaft zum Wechsel hoch. So können sich knapp 60 Prozent der Dienstwagenfahrer beim nächsten Fahrzeugtausch ein Modell mit alternativem Antrieb vorstellen, hat eine Umfrage der Marktforscher Dataforce im Oktober ergeben. „Viele Fuhrparks sind bei reinen E-Autos noch in der Jugend-forscht-Phase“, sagt Fleetster-Chef Ruhoff.

Zwar gehe es „in Sachen Elektrifizierung momentan einen gigantischen Schritt voran“. „Aber das Volumen an Fahrzeugen auf der Straße ist noch gering“, sagt Ruhoff. Als Vorreiter zeigen sich die öffentlichen Sharing-Anbieter. Sie unterhalten laut Bundesverband Carsharing rund 4600 E-Autos - das entspricht einem Anteil von 18 Prozent am Gesamtbestand dieser Flotten. Zum Vergleich: Das Kraftfahrt-Bundesamt zählte deutschlandweit zum 1. Januar 2020 rund 137.000 reine E-Pkws - ein Anteil von 0,3 Prozent.

Blick auf die Ladepunkte

Was viele Fuhrparkleiter bremst, ist bereits der Aufwand bei der Planung. Wie viele der Firmenfahrzeuge künftig mit Strom fahren können, hängt auch davon ab, wofür die Autos gewöhnlich genutzt werden: Sind es eher lange Tagesstrecken oder häufige kurze Fahrten? „Der Knackpunkt ist, wie gut die Firmen über die Nutzung ihrer Flotten Bescheid wissen“, sagt Ruhoff.

Häufig werde gar nicht erfasst, welche Fahrzeuge wie unterwegs seien. Und wenn dies doch geschehe, dann oft mittels handgeschriebener Fahrtenbücher. Noch arbeiten mehr als 60 Prozent der Fuhrparkverantwortlichen hier ohne Software-Unterstützung, hat eine Dataforce-Studie im vergangenen Jahr ergeben. Das erschwert die Einschätzung, wie stark sie E-Mobilität einbinden können.

Genaue Einblicke kann ein elektronisches Fahrtenbuch liefern. Es übermittelt etwa, wie viele Kilometer ein Auto zurückgelegt hat - über eine Schnittstelle direkt von der Fahrzeugelektronik. Für die Anbieter von Flottenmanagement-Software ist das ein wichtiger Datenstrom. „Die Hersteller öffnen ihre Zugänge zunehmend auch für unabhängige Telematiklösungen“, sagt Fleetster-Chef Ruhoff. „Das eröffnet uns mehr Möglichkeiten.“

Statt die Angaben mühsam von Mitarbeitern abzufragen, kann die Analysesoftware automatisch die notwendigen Informationen abrufen. Gerade bei E-Flotten erspart das eine Menge Arbeit. Denn die Fahrzeuge teilen beispielsweise auch mit, ob sie gerade laden. So lässt sich sicherstellen, dass sie über ausreichend Strom verfügen, wenn sie gebraucht werden.

Fleetster will die Muster in der Fahrzeugnutzung besser verstehen, um auf die Umstellung größerer Flotten auf E-Mobilität vorbereitet zu sein. Damit helfen die Entwickler ihren Unternehmenskunden, ein sinnvolles Szenario zu entwerfen. Darauf zielt auch der „E-Vehicle-Check“ des Softwareanbieters.

Das System berücksichtigt laut Ruhoff, ob an geplanten Strecken ausreichend Ladepunkte für den Einsatz von E-Autos existieren. So lässt sich sagen, welche Teile der Flotte schon mit E-Autos funktionieren - und welche weiter auf Verbrennungsmotoren setzen sollten.

Für den täglichen Betrieb der Flotten hat der Berliner Wettbewerber Carano ebenfalls einige Ideen. Projektleiter Meißner verfolgt den Plan, dass auch das Laden und die Abrechnung künftig automatisiert ablaufen. Das E-Auto identifiziert sich dann an der Ladesäule mit Daten, die über das Ladekabel fließen.

Die Säule findet den vereinbarten Tarif mit dem Energieversorger und erstellt nach dem Laden automatisch die Rechnung. Die könnte im Zukunftsszenario dann direkt digital an die Buchhaltung gehen.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Denn derzeit gibt es an den Ladesäulen weder einheitliche Tarife noch verbindliche Standards für die Schnittstellen zur Datenübertragung. „Die Schnittstellen müssen wir für jeden Kunden einzeln einrichten“, sagt Meißner. „Das verursacht enorme Kosten.“

Mehr: „Es ist schon mal eine Rechnung über 1000 Euro eingegangen – für eine Stunde Laden“.

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