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Elektromobilität Liebling der Geschäftsführer – der Audi A6 50 e-tron im Handelsblatt-Test

Der Audi A6 50 e-tron ist einer der beliebtesten Dienstwagen der deutschen Geschäftsführer. Als halb elektrische Version lohnt er sich doppelt.
09.12.2020 - 10:17 Uhr 6 Kommentare
Der Audi A6 ist auch als Plug-in-Hybrid die dynamische Alternative zum A8.
Selbstbewusste Front

Der Audi A6 ist auch als Plug-in-Hybrid die dynamische Alternative zum A8.

Düsseldorf Der durchschnittliche Geschäftsführer in Deutschland ist männlich, 52 Jahre alt, er verdient 178.000 Euro pro Jahr – und fährt am liebsten Audi A6. Kaum ein Auto in der Premiumklasse trifft den Geschmack der Dienstwagenfahrer so gut. Der Audi A6 strahlt aus, was man von Führungskräften erwartet: Zuverlässigkeit, aber auch Dynamik.

Der A8 kommt vielen zu staatstragend und gediegen daher, der A6 gilt als die etwas frischere Alternative – und auf der Autobahn auch als die komfortablere. Lange regierte in der Klasse der Kilometerfresser der Diesel. Tausende Dienstwagen, die täglich über Deutschlands Autobahn brettern, erzählen diese Geschichte. Doch spätestens seit dem Dieselskandal bei Volkswagen, den öffentlichen Debatten über Feinstaub und Stickoxide, gibt es ein Imageproblem, das sich auch Unternehmen, die Wert auf eine grünere Außendarstellung legen, nicht in die Flotte holen wollen.

Der halb elektrische Antrieb lohnt sich hier gleich doppelt: Zum einen fließen staatliche Kaufprämien, zum anderen muss der geldwerte Vorteil vom Dienstwagenfahrer selbst nur mit dem halben Satz (also 0,5 Prozent) versteuert werden. Führungskräfte, die im Dienstwagenkatalog blättern, werfen darum schon mal einen verstohlenen Blick auf die halb elektrischen Plug-in-Hybriden – und der A6 hat hier gleich zwei Varianten zu bieten.

Den A6 Limousine TFSI e quattro gibt es mit kombinierten 299 PS und den etwas leistungsfähigeren (und teureren) A6 55 TFSI e quattro mit 367 PS. Bei beiden Varianten schlagen zwei Herzen im Inneren: ein Vierzylinder-Benziner mit 252 PS und ein Elektromotor mit 143 PS. Die unterschiedliche Leistung ergibt sich aus der Steuerung des Antriebs. Wir testen die etwas schwächere Variante, die ausschließlich als Limousine zu haben ist.

Der Basispreis wirkt mit 58.779 Euro noch human – insbesondere weil man noch 5625 Euro Kaufprämie abziehen kann. Doch mit allen verbauten Extras landet der Testwagen bei 86.244 Euro und damit schon deutlich in der automobilen Oberklasse.

Der Audi A6 50 e quattro ist ausschließlich als Limousine zu haben.
Sportliches Heck

Der Audi A6 50 e quattro ist ausschließlich als Limousine zu haben.

Fahrhilfen erkennen Geschwindigkeitsbegrenzungen sogar schon vor der nächsten Kurve.
Dynamische Assistenten

Fahrhilfen erkennen Geschwindigkeitsbegrenzungen sogar schon vor der nächsten Kurve.

Im Dienstwagen-Paradies Düsseldorf ist eine graue Limousine wie der Audi A6 so unauffällig wie ein VW Golf. Blicke zieht er trotzdem, was vor allem am E auf dem Ingolstädter Kennzeichen liegen dürfte. Nicht wenige vermuten hier einen Werkswagen auf Testfahrt. Oder fragen sich, warum dieser Audi auch die Umweltspur nutzen darf.

Äußerlich ist der hybride A6 kaum von seiner reinen Verbrennerverwandtschaft zu unterscheiden – wenn man von der zusätzlichen Ladeklappe mal absieht. Das Design ist so dynamisch wie gefällig: nicht zu bieder, nicht zu protzig. Der Audi A6 ist so exakt verarbeitet, dass Elektropionier Elon Musk etwas neidisch werden darf.

Bei Spaltmaßen und Anmutung macht Audi so schnell kein Herausforderer was vor. Einzig der Kofferraum ist mit 360 Litern relativ klein – vor allem wenn man es mit der Verbrennerkonkurrenz vergleicht. Die Kofferraumklappe funktioniert nicht vollautomatisch, sondern muss per Hand geschlossen werden. Da hätte ich bei einem Auto dieser Preisklasse mehr erwartet.

Im Innenraum wird der Premiumanspruch locker erfüllt. Alles, was man sieht und anfasst, ist hochwertig. Aluminium, schwarzes Leder und Holzdekor bestimmen den Materialmix. Gesteuert wird alles durch wenige, aber sinnvolle Knöpfe sowie zwei Touchdisplays. Die schwarzen Ledersitze sind wahnsinnig bequem und beheizbar und massieren den Fahrer auf Wunsch sogar. Für Komfortsitze und Massagefunktion sind zusammen allerdings 4000 Euro Aufpreis fällig.

Wer sich lieber fahren lässt, hat auf der Rückbank reichlich Beinfreit. Er oder sie kann zudem die Heizung selbst einstellen und das Smartphone per USB-Anschluss aufladen.

Das Multimedia-System funktioniert weitgehend intuitiv. Die Anlage von Bang & Olufsen ist in Ordnung, aber man hat im Premiumbereich auch schon Besseres gehört, gerade beim Bass schwächelt es etwas. Doch wer mit lauter Musik Unbeteiligten imponieren will, entscheidet sich ohnehin nicht für einen A6.

Das Dekor im Audi A6 kann sich mit der Oberklasse messen.
Hochwertiger Innenraum

Das Dekor im Audi A6 kann sich mit der Oberklasse messen.

Die Designer haben das Potenzial der LED-Technologie voll ausgereizt.
Schau mir in die Augen

Die Designer haben das Potenzial der LED-Technologie voll ausgereizt.

Die komplette Digitalisierung des Innenraums wird nur bei einer Gelegenheit lästig. Als ich das Radio lautlos schalte, um mich zu unterhalten, lässt sich das nicht mehr rückgängig machen. Mit keinem Knopfdruck und Handbuchkniff. Am Ende hilft nur der älteste IT-Trick der Welt: ausmachen, neu starten. In der Oberklasse sollten derlei kleine Softwarezickereien nicht vorkommen.

Beim Fahrgefühl erfüllt der A6 alle Ansprüche. Der Audi zieht mit seiner Automatik unangestrengt hoch. In 6,2 Sekunden beschleunigt er von null auf 100 Stundenkilometer, im Sportmodus hilft der Elektromotor spürbar nach – und man bekommt die kombinierte Leistung von 299 PS zu spüren. Auf sich gestellt, leistet der Elektromotor 143 PS und beschleunigt auf maximal 135 Stundenkilometer. Ist man schneller unterwegs, schaltet sich der Benzinmotor kaum spürbar zu.

Komfortabel rollt der Audi auch über holprige Straßen, dank isolierter Fenster bekommt man von der Außenwelt nur so viel mit wie nötig. Da man die Geschwindigkeit im Innenraum so leicht unterschätzt, sollte man immer den Tacho im Blick behalten, um kein ungewolltes Erinnerungsfoto einer Kreisbehörde zugestellt zu bekommen. Zum Glück fällt das dank Head-up-Display leicht.

Zuverlässige Assistenten, schwache Reichweite

Der adaptive Tempomat erleichtert die Autobahnfahrt zusätzlich. Allerdings sollte man auch hier stets das Fahrgeschehen im Blick behalten. Denn der Assistent erkennt Straßenschilder und hält sich – anders als viele menschliche Pendants – sehr penibel an die Straßenverkehrsordnung. Wenn er in einer Baustelle von den eingestellten 160 Stundenkilometern auf 80 runterbremst, macht man als A6-Fahrer schnell Bekanntschaft mit dem lichthupenden Hintermann.

Natürlich kann der Audi auch schnell – so, wie man es von einem deutschen Hersteller erwartet. Die Spitzengeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern dürfte er allerdings auch in keinem Land außer in Deutschland jemals auf der Straße erreichen. Der Elektromotor wird bei diesen Geschwindigkeiten auf der Autobahn nicht zum Sparen eingesetzt, sondern um noch schneller auf der linken Spur vorbeizuziehen. Boost nennt Audi das – und so ist es auch auf der digitalen Anzeige hinter dem Lenkrad zu sehen. Sie kennen das Prinzip aus der Formel 1.

57 Kilometer beträgt die elektrische Reichweite laut Datenblatt. Bei der Testfahrt im Dezember kann ich davon nur träumen. Es ist kalt und dunkel. Bei eingeschalteter Heizung zeigt mir der Audi selbst vollgeladen nur 39 Kilometer an. Und die sind schnell aufgebraucht.

Dank einer Armada von Sensoren und der vernetzten Systeme ist der Audi beim Thema Sicherheit auf der Höhe der Zeit.
Sicher unterwegs

Dank einer Armada von Sensoren und der vernetzten Systeme ist der Audi beim Thema Sicherheit auf der Höhe der Zeit.

Der A6 ist einer der Platzhirsche in der oberen Mittelklasse.
Geschäftsführers Liebling

Der A6 ist einer der Platzhirsche in der oberen Mittelklasse.

Schon in den 14 Tagen Test vergeht mir schnell die Lust, den Audi ans Kabel zu hängen. Nicht nur aus Bequemlichkeit: Es lohnt sich auch finanziell nicht. Eine volle Ladung der Batterie, die auf eine Kapazität von 14,1 kWh Stunden kommt, kostet an den öffentlichen Ladesäulen rund 5,38 Euro – reicht allerdings auch nur für etwa 40 Kilometer. Der Audi müsste da schon über zehn Liter Benzin auf 100 Kilometer schlucken, damit es günstiger ist, elektrisch zu fahren.

Bei hohen Geschwindigkeiten über 150 Stundenkilometern sind so zweistellige Verbrauchswerte zwar locker drin. Aber wer mit dem A6 schnell unterwegs ist, muss eh mit Benzin fahren. Denn dann leert sich die Batterie schneller, als man „Pariser Klimaabkommen“ sagen kann. Doch selbst eine Autobahnfahrt mit komplett leerer Batterie und absolut irrationalen Sprints endet am Ende bei rund elf Litern. Dafür macht keiner den Umweg an die Ladesäule. Schon gar nicht Führungskräfte, bei denen die Zeit knapp ist.

Normverbrauch ist nicht zu erreichen

Die Ladeklappe hat Audi dann auch gleich am unpraktischsten Punkt an einem Auto angebracht: hinten links. Wer hier ein Ladekabel einstecken will, muss an Straßen gegen die Fahrtrichtung parken, rückwärts an die eigene Garage ranfahren oder das lange Kabel über herbstlich verschmutzte Straßen und Einfahrten ziehen. Gut, dass ein Desinfektionsmittel in Coronazeiten eh immer an Bord ist.

Immerhin geht die Ladung schneller als bei vielen anderen Plug-in-Hybriden. An einer AC-Ladestation zieht sich der A6 mit 7,6 kW in anderthalb Stunden wieder auf 80 Prozent. An einer normalen Steckdose dauert die volle Ladung über sechs Stunden. Wer eine Garage besitzt, der kann zumindest für kurze Strecken immer rein elektrisch unterwegs sein.

Den offiziellen Verbrauch kann man unter realen Bedingungen meist getrost vergessen. Wer tatsächlich 1,9 Liter Benzin oder weniger verbraucht, sollte sich überlegen, ob der A6 überhaupt das richtige Auto ist. Denn auf der Kurzstrecke gäbe es deutlich bessere elektrische Alternativen, beispielsweise den Audi e-tron.

Insgesamt punktet der Audi A6 aber mit allem, was man von deutschen Premiumherstellern erwartet. Die Verarbeitung ist einwandfrei. Eine Armada von Sensoren sorgt für eine sichere Fahrt. Und wer will, kann es auch mal schneller angehen lassen. Dass Deutschlands Geschäftsführer hier zugreifen, verwundert mich nach diesem Test noch weniger.

Technische Daten

  • Limousine der Oberklasse
  • Länge: 4,93 Meter
  • Breite: 1,88 Meter, mit Außenspiegeln: 2,02 Meter
  • Höhe: 1,45 Meter
  • Radstand: 2,92 Meter
  • Leergewicht: 2010 Kilogramm
  • Kofferraumvolumen: 360 Liter
  • Motoren: Vierzylinder-Benzinmotor + Elektromotor
  • Max. Leistung kombiniert: 185 + 105 kW (252 + 143 PS)
  • Max. Drehmoment: 370 Nm bei 1.600 bis 4.500 Umdrehungen
  • Beschleunigung 0 - 100 km/h: 6,2 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
  • Höchstgeschwindigkeit elektrisch: 135 km/h
  • Verbrauch (nach WLTP): 2,0 bis 1,3 Liter Benzin auf 100 km
  • CO2-Emissionen: 46 bis 39 Gramm pro Kilometer
  • Elektrische Reichweite: 46 bis 58 Kilometer

Mehr: Wellness auf Rädern – der Audi e-tron im Handelsblatt-Autotest

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6 Kommentare zu "Elektromobilität: Liebling der Geschäftsführer – der Audi A6 50 e-tron im Handelsblatt-Test"

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  • Dieser Artikel macht das politische Versagen deutlich, echte Anreize zu setzen und auch die klammheimliche Freude der Ölverbrenner darüber (Der E-Motor wird als Booster verwendet!! - das ist wohl so nicht gedacht). Der faule Kompromiss, diese Verbrenner mit E-Feigenblatt zu fördern, um die Co2 Flottenverbräuche zu senken und um irgendwas im Regal zu haben, wird sich praktisch ebenso rächen wie der Dieselbetrug. Praktisch sind die als Hybride angebotenen Autos Verbrenner mit Backsteinen im Kofferraum. Leasinggesellschaften berichten, dass die meisten mitgelieferten Ladekabel ungeöffnet wieder zurückgegeben werden. Alles nur Show. Keiner kommt auf die Idee, für die Übergangszeit einen echten Hybrid zu bauen (E-Auto mit 20KW Verbrenner als Generator) - stattdessen die Pseudo E's.
    Zudem zockt IONITY - die Tochter der Autoindustrie, die eigentlich eine funktionierende Ladeinfrastruktur aufbauen sollten - auch noch mit überteuerten Preisen maßlos die eigenen Kunden ab.

    'Tesla ist kein Benchmark für uns' sagte noch letztes Jahr ein Audi Vorstand.... Aber man sieht, dass die nicht den Kunden als Gegner oder Idioten betrachten, sondern sehen das Ganze als System - zB mit ihrer eigenen (!!) Ladeinfrastruktur (30ct/kwh),

    Wenn man im Moment (keinen Tesla sondern) ein deutsches E-Auto kaufen will, das auch mal über Land fahren kann, wird man faktisch über die Förderungen 'gezwungen'/ verführt ein Pseudo-E als Hybrid zu kaufen ...

    Wer wollte das eigentlich..?

  • Wer ein elektrisch betriebenes Fahrzeug wählt, sollte so oft wie möglich mit regenerativer Energie laden.
    Dann stellt sich auch der Umwelteffekt ein.
    Ich fahre einen X5 45e mit 6,5 ltr. im Schnitt und lade über unsere PV-Anlagen (privat und betrieblich).
    In der Stadt fahre ich leise und ohne jegliche Emissionen.

  • Erst einmal finde ich das Heck nicht sportlich, sondern fett. Und der überdimensionierte Kühlergrill ist genau so hässlich wie die neuen teile von BMW.

  • Erst einmal finde ich das Heck nicht sportlich, sondern fett. Und der überdimensionierte Kühlergrill ist genau so hässlich wie die neuen teile von BMW.

  • 14,1 kWh = 5,38 Euro = 40 km
    100 km = 5,38/40*100 = 13,45 Euro
    Ein e-Auto oder Hybrid kostet also 13,45 Euro pro 100 km an der öffentlichen Säule, die KWh liegt bei 38 Cent. Das ist zu teuer!
    Da nutze ich doch lieber einen Hybrid und tanke täglich an meiner Photovoltaikanlage - für einen Hybrid reicht sie.
    Schön beschrieben: e-Autofahrer sind Ladesäulensuchgeräte, die zudem oft verdreckt sind, bäh. Da tanke ich lieber zuhause in der sauberen Garage.

  • Hier wird sehr schön verdeutlicht, dass PHEV der Umwelt nicht nur nichts nützen, sondern ihr sogar schaden. Völlig falsche Anreizsetzung.

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