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Hydrogenious Technologies Der Gründer, der Wasserstoff als Energieträger zum Alltag machen will

Das Transportieren und Lagern von Wasserstoff ist gefährlich. Erfinder Daniel Teichmann will das mit einer neuen Technologie ändern. Namhafte Investoren sind überzeugt.
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Der Geschäftsführer von Hydrogenious glaubt an den Durchbruch von Wasserstoff als Energieträger im Alltag. Quelle:  HYDROGENIOUS TECHNOLOGIES
Daniel Teichmann

Der Geschäftsführer von Hydrogenious glaubt an den Durchbruch von Wasserstoff als Energieträger im Alltag.

(Foto:  HYDROGENIOUS TECHNOLOGIES )

München Dass die Nachfrage nach Wasserstoff-Autos derzeit nach langer Anlaufzeit steigt, ist für Daniel Teichmann Fluch und Segen zugleich. Der Firmengründer wartet derzeit sehnsüchtig auf die drei Brennstoffzellen-Fahrzeuge von Hyundai, die er schon vor Monaten bestellt hat. Für einen Wasserstoff-Spezialisten wie seine Hydrogenious Technologies GmbH ist das genau das richtige Fortbewegungsmittel.

Die Lieferschwierigkeiten wegen hoher Nachfrage zeigen, dass nun vielleicht doch gelingen könnte, was Teichmann und andere Experten schon seit vielen Jahren prophezeien: Der Durchbruch von Wasserstoff. „Ich bin sehr sicher, dass sich Wasserstoff als ein zentraler Energieträger im Zeitalter der Energie- und Verkehrswende durchsetzen wird.“

Es ist kein Zufall, dass selbst Hydrogenious, obwohl schon 2013 gegründet, erst jetzt auf Wasserstoffautos umstellt. Im Moment stehen vier batteriebetriebene Fahrzeuge an der Ladestation im Hof vor der Firmenzentrale in einem Gewerbegebiet in Erlangen.

„Auch wir sind auf die Infrastruktur angewiesen“, sagt Teichmann. Während batteriebetriebene Elektroautos einfach an die Steckdose gehängt werden müssen, ist bei Wasserstoff ein Tankstellennetz notwendig. Das hat die Technologie lange gebremst, Teichmann weiß das nur zu gut aus seiner Zeit bei BMW. Doch nun gibt es in Deutschland bald etwa 100 Wasserstoff-Tankstellen, damit lässt sich gut zurechtkommen.

Ein großes Problem bislang will Hydrogenious lösen: Wasserstoff verflüchtigt sich leicht, ist entzündlich und muss aufwendig unter hohem Druck oder niedrigen Temperaturen gelagert werden. Das fränkische Start-up hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich der leicht brennbare Wasserstoff in einem Öl einlagern lässt. Die Flüssigkeit kann dann in normalen Behältern transportiert und gelagert werden. Weil die Speicherdichte um den Faktor Fünf größer ist, ist dafür auch viel weniger Platz notwendig. Die junge Firma baut Anlagen, in denen der Wasserstoff chemisch in dem Öl gespeichert wird, und Freisetzungseinheiten, mit denen der Wasserstoff dann wieder zurückgewonnen wird.

An der Technologie arbeiten Unternehmen weltweit, auch Fraunhofer und Helmholtz, mit dem das Start-up kooperiert, beschäftigen sich mit der Thematik. Hydrogenious hat kürzlich die ersten kommerziellen Anlagen in die USA geliefert. Der Firma ist klar, dass sie die Technologie nicht allein weltweit ausrollen kann.

Einen wichtigen Fortschritt könnte nun eine Kooperation mit Framatome bringen. Die frühere Areva hat im bayerischen Arzberg eine Testanlage. Ein Elektrolyseur produziert dort Wasserstoff, der sofort in die Trägerflüssigkeit eingelagert wird. Die Franzosen sind offenbar von der Technologie überzeugt. Sie wollen nun über einen Lizenzvertrag mit Hydrogenious Anlagen produzieren. Man sei gemeinsam von der Technologie überzeugt, hieß es in einer Mitteilung.

„Für uns ist das ein wichtiger Schritt“, ist Teichmann überzeugt, „es zeigt, dass neben unseren bisherigen Partnern MAN, Clariant und Sasol ein weiterer großer Player an unsere Technologie glaubt“.

Übernahme? Nicht ausgeschlossen

Aktuell hat sein Unternehmen, dass er mit drei Universitätsprofessoren gegründet hat, 65 Mitarbeiter und kommt auf einen Umsatz im mittleren einstelligen Millionenbereich. Das Potenzial ist sehr groß – allerdings geht es um den Aufbau von kapitalintensiver Infrastruktur, sodass Hydrogenious auf Partner angewiesen sein wird. Auch die spätere Übernahme durch einen großen Konzern hält der Gründer nicht für ausgeschlossen.

Der 36-Jährige wollte schon immer hoch hinaus. Über dem Schreibtisch des Raumfahrt-Freaks hängt ein Bild, das Apollo 8 vom Mond aus von der Erde aufgenommen hat. Schon mit 22 Jahren hatte er sein erstes Unternehmen gegründet. Die Geschäftsidee: Teichmann vermittelte Werbepartner für Copyshops. Studenten konnten billiger kopieren, wenn sie auf der Rückseite Werbung akzeptierten. Die Firmen konnten so sehr gezielt in der Nähe bestimmter Fakultäten bestimmte Zielgruppen erreichen.

Danach bei BMW beschäftigte er sich dann schon mit dem Thema Wasserstoff. Der weiß-blaue Autobauer hatte lange eine Wasserstoffflotte – mit Verbrennungsmotor – um die Welt geschickt. Doch der Durchbruch gelang nicht. Bei Unternehmen, die früher auf die Brennstoffzelle setzten, sah es lange nicht viel besser aus. Bei batteriebetriebenen Autos ist es zunächst leichter, mit einer kleinen Infrastruktur zu starten. „Probleme gibt es vermehrt, wenn viele damit herumfahren und regelmäßig geladen werden müssen“, sagt Teichmann. Beim Wasserstoff ist es umgekehrt. Der Aufbau der Infrastruktur ist zunächst kostspielig, spielt dann aber in einer großen Skalierung seine Vorteile aus.

Teichmann ist überzeugt, dass sich Wasserstoff auch in der Mobilität durchsetzen wird, nicht nur wegen der Technologie seiner Firma, die den Umgang mit Wasserstoff einfacher macht. Dabei denkt er nicht nur an Pkws, die können auf kleinen Strecken auch gut mit einer Batterie zurechtkommen. „Ich glaube, das Thema Nutzfahrzeuge wurde lange unterschätzt.“ Denn Lastwagen und Busflotten müssen oft weitere Strecken fahren, andererseits sind die Routen aber gut planbar.

Wasserstoff könnte in Zukunft mit Windkraftstrom produziert werden

In China werden bereits größere Flotten in Dienst genommen. Auch als Schiffsantrieb und bei Zügen kann sich Teichmann vorstellen, dass sich Wasserstoff durchsetzt. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie das mit Batterien funktionieren soll.“ Das Zeitalter des Verbrennungsmotors gehe aber in jedem Fall seinem Ende entgegen.

Hinzu kommt, dass Wasserstoff in Zeiten der Energiewende eine wichtige Speicherlösung sein kann. Großkonzerne wie Siemens arbeiten an der Elektrolyse. Dabei wird zum Beispiel überschüssiger Windstrom bei einer Pilotanlage in Mainz in Wasserstoff umgewandelt. Dieser kann dann später in Kraftwerken verbrannt oder als Antrieb verwendet werden. Zwar gibt es Wirkungsgradverluste, doch zumindest kann der Strom so genutzt werden, der in Spitzenzeiten manchmal sogar verschenkt werden muss.

In der Regel ist der Einsatz von Wasserstoff nicht profitabel. Doch das muss nach Einschätzung mancher Experten nicht so sein. „Wasserstoff könnte schon heute mit Strom aus Windkraft profitabel produziert werden“, lautet das Fazit einer neuen Untersuchung von Ökonomen der TU München und der Universität Mannheim.

Entscheidend seien zwei Faktoren: Es müssten Anlagen zum Einsatz kommen, die Strom sowohl ins Netz einspeisen, als auch zur Wasserstoffproduktion nutzen. Diese Kombianlagen, die bislang nur vereinzelt betrieben werden, müssten optimal auf die großen Schwankungen der Windkraft und der Preise am Strommarkt reagieren. „Der Betreiber kann zu jedem Zeitpunkt entscheiden: Verkaufe ich die Energie oder wandle ich sie um“, sagte der Mannheimer Ökonom Stefan Reichelstein.

Zudem, so die Studie, müsse das Erneuerbare-Energien-Gesetz geändert werden. Derzeit garantiere dieses Energieerzeugern Mindestpreise, wenn sie Strom ins Netz geben. Die Vergütung solle aber nicht für die Einspeisung, sondern für die Erzeugung erneuerbarer Energien gezahlt werden. Dann habe man die Wahl, direkt zu verkaufen oder zu speichern.

Der Studie zufolge wäre unter diesen Voraussetzungen die Wasserkraftproduktion mit Windkraft schon heute bis zu gewissen Mengen konkurrenzfähig. „Für mittel- bis kleinvolumige Produktionen würde sich der Einsatz bereits rechnen“, sagt Reichelstein.

Solchen Mengen benötige man beispielsweise in der Metall- und Elektronikindustrie oder für eine Gabelstaplerflotte auf dem Firmengelände. Bis 2030 könne sich die Wettbewerbsfähigkeit auch im großen Stil ergeben, wenn die Preise für Windkraft- und Elektrolyseanlagen weiter stark fallen.

In jedem Fall wächst das Interesse an der Technologie von Hydrogenious. Als Investoren hat das Spin-off-Unternehmen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, AP Ventures und über diese indirekt die Investoren Anglo American Platinum, Public Investment Corporation (PIC) und Mitsubishi an Bord. Die Mehrheit liegt aber weiter bei den Gründern. Denn dem Wasserstoff, ist Teichmann überzeugt, gehört die Zukunft.

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  • Circa eine Milliarde Jahre lebten Planzen und Tiere im Gleichgewicht mit der Erde. In dieser Zeit sind Kohle, Öl und Gas aus den Überresten der Lebewesen entstanden. Der Mensch ruiniert in ca 100 Jahren das Klima, das wir für unser Überleben brauchen, durch das übermässige Verwenden von fossilen Brennstoffen. Erdgeschichtlich erleben wir gerade eine explosionsartige Freisetzung von gespeicherter Energie, die unsere Zukunft zu zerstören droht. Deshalb ist jede Anstrengung gerechtfertigt und dringend nötig, die unser Überleben in der Zukunft ermöglicht. Deshalb ist die Entwicklung einer verträglichen Wasserstoff-Technologie das Gebot der Stunde. Wir brauchen dafür schnelle Fortschritte. Im Wesentlichen dürfen wir in Zukunft nur soviel Energie verbrauchen, wie die Sonne der Erde liefert.