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Plug-in-Hybrid-SUV Hoch auf dem Hybrid – der Mercedes GLE 350de 4Matic im Handelsblatt-Autotest

Der Mercedes GLE 350de ist als Diesel-Plug-in-Hybrid ein echter Exot. Wie weit schafft es der 2,7-Tonnen-Teilzeitstromer? So schlägt sich das edle XXL-SUV im Test.
11.11.2020 - 08:56 Uhr 9 Kommentare
Ein echter Exot und quasi das SUV der E-Klasse: der GLE als Diesel-Plug-in-Hybrid.
GLE 350de 4Matic

Ein echter Exot und quasi das SUV der E-Klasse: der GLE als Diesel-Plug-in-Hybrid.

Bonn Es ist genau der Satz, vor dem sich Andreas M. gefürchtet hatte: „Ich bin wirklich kein Mercedes-Fan, aber das Assistenzsystem des GLE hat mich absolut überzeugt“, erzähle ich dem Autofan und bekennenden SUV-Liebhaber. Wir sitzen zusammen beim Abendessen, ich habe für ihn und seine Freundin Burger gebraten, und Andreas erzählt mir, er sei sehr froh, dass ich ihn nicht mit dem Testwagen besucht habe.

Denn: Der 40-Jährige hat sich gerade einen brandneuen Range Rover Sport SDV6 gekauft und ihn nach eigenen Wünschen von vorn bis hinten konfigurieren lassen. „Ich wusste vorher schon, dass ich die Technik von Mercedes wahrscheinlich so geil finde, dass ich meinen Range sofort wieder zurückgeben will, wenn ich einmal drin gesessen habe und damit gefahren bin.“

Den ganzen Abend lang stelle ich Andreas Anfängerfragen zu meinem 2,7-Tonnen GLE, den ich zweieinhalb Wochen lang durch den Alltag bewegt habe. Dabei sauge ich sehr viel neues Wissen auf. Es ist nämlich so: Meine Autokenntnisse sind weder besonders gut noch besonders schlecht – vermutlich also repräsentativ.

Andreas ist aber nicht nur als Info-Spreader, sondern auch deswegen für mich spannend, weil er sich aus einem ganz bestimmten Grund gegen den neuen GLE entschieden hat – aber dazu später mehr.

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    Ich gebe mir ungern die Blöße, aber um meine Eindrücke einsortieren zu können, sollte man wissen, dass ich zuletzt vor mehr als 20 Jahren einen Neuwagen besessen habe. Und zum letzten Mal in einem Diesel-Pkw saß ich, als der Motor nach dem morgendlichen Kaltstart noch heftig genagelt hat.

    Als ich zum ersten Mal in den cavansitblauen (880 Euro extra) GLE einsteige, das Auto Sitz- und Lenkradhöhe automatisch einstellt und ich nach dem Anschnallen sanft, aber straff in den Sitz gezogen werde, weiß ich, dass ich in der Zukunft des Autofahrens angekommen bin – die mich zunächst fordert, denn: Der Teilzeitstromer schleppt viel Technik mit sich herum, und ich habe das Bedürfnis, einen VHS-Kurs zu buchen, um mit dem GLE sicher losfahren zu können.

    Unser Testwagen in der Premium-Variante kostet 100.100 Euro inklusive Mehrwertsteuer – eine schöne Stange Geld. Quelle: Carina Kontio
    Lang, breit, schwer: GLE 350de 4Matic

    Unser Testwagen in der Premium-Variante kostet 100.100 Euro inklusive Mehrwertsteuer – eine schöne Stange Geld.

    (Foto: Carina Kontio)
    Die Bedienung ist herausfordernd, braucht Eingewöhnung, und die Funktionen sind etwas für Technikfetischisten. Quelle: Carina Kontio
    Widescreen-MBUX: Mercedes-Benz User Experience

    Die Bedienung ist herausfordernd, braucht Eingewöhnung, und die Funktionen sind etwas für Technikfetischisten.

    (Foto: Carina Kontio)

    Mein Eindruck: Für die Bedienung muss man studiert haben. Und da die telefonbuchdicke Anleitung im Handschuhfach nur auf Italienisch ist, muss ich mich langsam vortasten. Ich erspare Ihnen Einzelheiten, aber es brauchte gut zwei Tage, bis ich wenigstens die Grundfunktionen einigermaßen begriffen hatte.

    Angesichts der Fülle an technischen Funktionen, die sich über die neueste Generation des Infotainmentsystems MBUX (Mercedes-Benz User Experience) steuern lassen, kann man schnell verzweifeln. Und ob es wirklich vier Bedienmöglichkeiten im Auto braucht, via Touchscreen, Joysticks am Multifunktionslenkrad, Sprache oder per Touchpad in der Mittelkonsole, sei dahingestellt.

    Ich persönlich könnte am ehesten auf den Controller in der Mittelkonsole und am wenigsten auf die unglaublich gute Sprachsteuerung verzichten – hier hat Mercedes definitiv die Nase vorn und wird seinem bekannten Slogan „Das Beste oder nichts“ mehr als gerecht.

    GLE 350de: Was hat er, was die anderen nicht haben?

    Das Besondere an dem fast fünf Meter langen und zwei Meter breiten Premium-XL-SUV: Das Auto ist ein Diesel-Hybrid, also ein echter Exot. Das gibt es nicht mehr so oft. Während Peugeot, Audi, Volvo und andere Hersteller Diesel-Plug-in-Hybride aus ihrer Modellpalette verbannt haben, hält Mercedes die Fahne tapfer hoch. Das stark gefragte SUV-Segment ist für die Stuttgarter extrem wichtig, aktuell bietet der Hersteller acht SUV-Modelle auf dem deutschen Markt an. Was den GLE 350de zum Siegertypen machen könnte: Er soll offiziell nur 1,1 Liter Diesel auf 100 Kilometern verbrauchen.

    Damit er das schafft, ist er sowohl mit einem 143 kW/194 PS starken Vierzylinder-Diesel als auch mit einem 100 kW/136 PS leistenden E-Motor (440 Newtonmeter und 160 km/h Höchstgeschwindigkeit) ausgestattet. Damit fährt der GLE – abhängig von Fahrsituation und Leistungsabfrage – rein elektrisch, mit Dieselkraft oder im vereinten Doppelherz.

    Bevor wir starten: Mein Begleiter, quasi das SUV der Mercedes-E-Klasse, wurde mir in der Premium-Ausstattung vor die Tür gestellt, die keine Wünsche offenlässt. Der GLE hat einen unfassbar schönen Innenraum, ist edel eingerichtet und bietet ordentlich Platz. Das machen die Schwaben exzellent – fast schon wie in der S-Klasse, obwohl der GLE eigentlich eine Nummer kleiner ist. Um die 100.100 Euro inklusive Mehrwertsteuer muss man für die Rundum-sorglos-Version inklusive temperierter Becherhalterung auf jeden Fall einplanen – eine hübsche Stange Geld.

    Dafür kriegt man aber auch ein echtes, edel eingerichtetes Prachtstück, das man dank „Fahrassistenz-Paket Plus“ (2.430 Euro) inklusive aktivem Stau-Assistenten eigentlich selbst gar nicht mehr fahren muss – für meinen Freund Andreas eigentlich das schlagende Argument für den GLE, denn er will sich vor allem auf langen Autobahnfahrten entspannen und das Fahrzeug alles autonom machen lassen, was es kann.

    Das Luftfahrwerk im GLE führt dazu, dass sich das Auto automatisch den unterschiedlichsten Straßenverhältnissen unglaublich gut und schnell anpassen kann. Quelle: Carina Kontio
    Macht jede Straße geschmeidig

    Das Luftfahrwerk im GLE führt dazu, dass sich das Auto automatisch den unterschiedlichsten Straßenverhältnissen unglaublich gut und schnell anpassen kann.

    (Foto: Carina Kontio)
    Der GLE ist sowohl mit einem 143 kW/194 PS starken Vierzylinder-Diesel als auch mit einem 100 kW/136 PS leistenden E-Motor (440 Newtonmeter und 160 km/h Höchstgeschwindigkeit) ausgestattet. Quelle: Carina Kontio
    Kraft unter der Haube

    Der GLE ist sowohl mit einem 143 kW/194 PS starken Vierzylinder-Diesel als auch mit einem 100 kW/136 PS leistenden E-Motor (440 Newtonmeter und 160 km/h Höchstgeschwindigkeit) ausgestattet.

    (Foto: Carina Kontio)

    Zum Plus-Paket meines Test-GLE gehört auch die intelligente Unfallfrüherkennung mit der etwas sperrigen Bezeichnung „Pre-Safe Impuls Seite“ – für mich eine tolle Erfindung, die mir bei meinem Autounfall vor 20 Jahren vielleicht die ein oder andere schwere Verletzung hätte ersparen können. Ich bin damals auf glatter Straße ins Schleudern geraten und seitlich mit einem Baum am Straßenrand kollidiert. Das hat unter anderem mein Becken dreimal brechen und meine Milz reißen lassen.

    Beim selben Unfall hätte mich „Pre-Safe Impuls Seite“ bereits vor dem Crash so weit wie möglich weg von der akuten Gefahrenzone zur Fahrzeugmitte hin bewegt. Dazu bläst das System in Sekundenbruchteilen Luftkammern in den Seitenwangen der Rückenlehne auf – und nimmt so dem Seitenaufprall die Wucht.

    Direkt bei meiner ersten längeren Autobahnausfahrt, die mich mit Freundin und Kind zur Hängebrücke Geierlay nach Rheinland-Pfalz führt, zeigt sich der smarte Schwabe von seiner besten Seite. Der GLE blendet mir die wichtigsten Daten und Tempozonen via Augmented Reality in die Frontscheibe ein, hält die Spur und immer den korrekten Abstand zum Vordermann ein, und wenn ich doch mal zu nah herankomme, bremst er mich ganz ohne Tritt aufs Pedal sanft ab – bei so einem Vorgang wird übrigens rekuperiert, also Energie gewonnen und in den Akku zurückgegeben. Das spart bei angemessener Fahrweise Kraftstoff und Geld.

    Nur in Baustellenbereichen reagiert das Spurhaltesystem für meinen Geschmack zu forsch und versucht ständig, mich von der gelben Fahrbahnmarkierung wegzuschieben. Eine Schrecksekunde erlebe ich, als der GLE im toten Winkel beim Fahrbahnwechsel ein Auto auf der Nebenspur bemerkt und mich gerade noch rechtzeitig abbremst. Damit muss ich erst warm werden.

    Der Karren zieht sich selbst aus dem Dreck

    Ich muss aber sagen, dass ich gerne sportlich unterwegs bin, und so kam, was kommen musste: Angetreten mit vollem Tank und voller Batterie, war der Strom schon nach 75 Kilometern aufgebraucht – dabei sollen laut Mercedes durchaus 106 Kilometer elektrische Reichweite möglich sein. Das ist für einen Plug-in-Hybrid wirklich gigantisch, auch wenn sich das für einen Laien wie mich zunächst nach wenig anhörte.

    Weil die nächstbeste Stromtanke an der Raststätte kaputt war, mussten wir unsere Tour im reinen Dieselbetrieb fortsetzen – auf Nachfrage attestierte mir die freundliche Mercedes-Stimme bei 300 Kilometern einen Durchschnittsverbrauch von 7,7 Litern – nach einem traumhaften Miniverbrauch von 1,2 Litern auf den ersten 75 Kilometern sowie im Stadtverkehr.

    Echte Langstrecken auf der Autobahn sind leider nur mit entsprechenden Ladestopps möglich. Bei einer anderen kleinen, aber schnellen Autobahnfahrt, bei der ich zum ersten Mal in meinem Leben lässig die 200er-Marke durchbreche, komme ich auf einen nicht besonders glorreichen Verbrauch von über elf Litern.

    Mein Highlight an diesem Auto ist aber auch der Fahrkomfort, der dem Luftfahrwerk zu verdanken ist. Noch so eine Technologie, bei der man Mercedes eine Vorreiterfunktion zuschreiben kann. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Das Luftfahrwerk führt dazu, dass sich das Auto automatisch den unterschiedlichsten Straßenverhältnissen unglaublich gut und schnell anpassen kann. Vor allem auf langen Autobahnstrecken fährt der GLE damit sehr ruhig und entspannt.

    Groß und geräumig: Das Kofferraumvolumen im GLE geht von 630 bis 2055 Litern bei umgeklappter Rückbank. Die Ladekabel werden links in den befestigten Taschen verstaut. Quelle: Carina Kontio
    Viel Platz im Kofferraum

    Groß und geräumig: Das Kofferraumvolumen im GLE geht von 630 bis 2055 Litern bei umgeklappter Rückbank. Die Ladekabel werden links in den befestigten Taschen verstaut.

    (Foto: Carina Kontio)
    Der Innenraum im GLE ist sehr schön und edel – allerdings kommt der Schlüssel in der Mittelkonsole ins Rutschen und landete öfter mal im Fußraum des Beifahrers. Quelle: Carina Kontio
    Schön und edel

    Der Innenraum im GLE ist sehr schön und edel – allerdings kommt der Schlüssel in der Mittelkonsole ins Rutschen und landete öfter mal im Fußraum des Beifahrers.

    (Foto: Carina Kontio)

    Auf kurvigen Abschnitten wird man weniger in die Sitze gedrückt, als man das von Autos ohne Luftfahrwerk gewohnt ist, was sich extrem gut anfühlt, als ich bei einem Ausflug an den Laacher See durch die Eifeler Hügellandschaft und über kleine Feldwege cruise.

    Allerdings ist das Luftfahrwerk kein Alleinstellungsmerkmal der Schwaben – das haben mittlerweile fast alle Premium-SUVs an Bord. Es gibt aber noch in der GLE-Variante ohne Hybrid ein cooles Feature, das die anderen nicht haben: die Freifahrfunktion, wenn sich der GLE mal im Gelände festgefahren hat. Dann wackelt der GLE hin und her und pumpt sich hoch und runter, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Wobei ich mich frage, wie realistisch es ist, dass man mit so einem edlen Auto tatsächlich offroad fährt! Ich habe mich das trotz Allradantrieb nicht getraut.

    Richtig glücklich wird man mit dem GLE aber auch in der Stadt nicht – ich finde zwar immer ziemlich schnell einen freien und kostenlosen Park- und E-Tankplatz, aber die Luft um mich herum ist schon ziemlich dünn. Der Parkassistent liefert jedes Mal eine nicht enden wollende Elektronik-Piepshow. Da ist es nur ein schwacher Trost, wenn der ein oder andere Passant sich staunend noch mal umdreht und ganz ehrfürchtig seiner Ehefrau zuraunt: „Schau mal Schatz, das ist der neue GLE.“

    Beim Parken auf der Straße in meiner tristen Bonner Vorortidylle gibt es zwar nichts zu piepsen, dafür drückt sich der GLE ziemlich breitbeinig jedes Mal in den angrenzenden Fahrradweg rein – ich habe zweieinhalb Wochen lang Angst gehabt, dass der Wagen eine Schramme von einem der wütend an mir vorbeifahrenden Radfahrer davonträgt. Wohl dem, der eine eigene Garage oder einen Stellplatz im Haus hat. Ich hatte jeden Abend den Satz eines reichen Schnösels im Ohr, den ich neulich im Radio aufgeschnappt habe: „Wer abends einen Parkplatz sucht, ist arm.“

    Mansplaining beim Einparken

    Apropos: Sprechen wir noch über das Laden. Ich denke mal, dass der typische GLE-Kunde sein Auto abends nicht an der öffentlichen E-Tanke abstellen muss. Bei mir lag die erste Lademöglichkeit hingegen etwa anderthalb Kilometer entfernt an einem schlecht beleuchteten Gewerbeparkplatz im Bonner Norden. So richtig wohl fühlte ich mich als Frau nicht, von dort dann zu Fuß nach Hause gehen zu müssen – auch dass ich das 100.000-Euro-SUV dort seinem Schicksal überlassen musste, machte mich unruhig.

    Aber es ging immer gut aus. Selbst das gefürchtete Laden via App bereitete eigentlich keine nennenswerten Probleme. Allerdings gibt es eine Sache, die mich ziemlich genervt hat: Während die meisten Ladesäulen rechts in Fahrtrichtung stehen, befindet sich die Anschlussbuchse am GLE hinten links auf der Fahrerseite. Das führte in der Bonner Innenstadt einmal dazu, dass ich meine Freundin bitten musste, das Kabel über die Dachreling sehr, sehr stramm bis hin zur Ladesäule zu ziehen.

    Seltener Anblick: unkompliziertes Laden. Die meisten anderen öffentlichen Stromtanken standen allerdings am rechten Fahrbahnrand in Fahrtrichtung. Quelle: Carina Kontio
    So herum klappt‘s gut

    Seltener Anblick: unkompliziertes Laden. Die meisten anderen öffentlichen Stromtanken standen allerdings am rechten Fahrbahnrand in Fahrtrichtung.

    (Foto: Carina Kontio)
    So herum wird das E-Tanken zur Kraftprobe – das mitgelieferte Kabel ist zu kurz, die Buchse auf der Fahrerseite und damit weit entfernt von der Stromtanke. Quelle: Carina Kontio
    Fest am Kabel ziehen!

    So herum wird das E-Tanken zur Kraftprobe – das mitgelieferte Kabel ist zu kurz, die Buchse auf der Fahrerseite und damit weit entfernt von der Stromtanke.

    (Foto: Carina Kontio)
    Mit über zwei Metern macht sich der GLE beim Parken ganz schön breit – sehr zum Ärger der Radfahrer. Quelle: Carina Kontio
    Immer im Weg

    Mit über zwei Metern macht sich der GLE beim Parken ganz schön breit – sehr zum Ärger der Radfahrer.

    (Foto: Carina Kontio)

    Man kann sich vorstellen, dass es keine drei Sekunden dauerte, bis der erste autophile Mann zur Stelle war, um uns ungefragt Tipps zu geben. Auch schon beim Einparken waren die Herrschaften immer äußerst schnell und wild fuchtelnd mit den Armen zur Stelle, um uns einzuweisen. Ganz ehrlich: Wenn ich das Geld für einen GLE hätte, würde ich als Frau beim Kauf glatt darüber nachdenken, mir den 1090 Euro teuren Parkassistenten zu sparen und für einen Kurzurlaub nach Schweden zu fahren.

    Warum aber hat sich jetzt mein Freund Andreas, der sich Autos in dieser Preisklasse leisten kann, gegen den GLE entschieden, obwohl ihn die Technik doch absolut überzeugt? Er sagt, es sei die Optik. Auch wenn das uralte Rentnerimage von Mercedes inzwischen überholt sein dürfte, den Kölner überzeugt die stämmige Silhouette des GLE so ganz und gar nicht.

    Genauso stören ihn die dunklen Kunststoffverkleidungen der Radhäuser. „Ich will mich einfach jeden Tag freuen können, dass ich nicht nur ein gutes, sondern auch ein schönes Auto habe“, sagt Andreas. Allerdings sagt derselbe Andreas auch, dass er mit dem Range Rover Sport zwar jetzt ein unglaublich schönes Auto hat – aber eben für seine Ansprüche nicht mehr das beste. Also wer weiß, vielleicht kommen die beiden Herrschaften ja doch noch irgendwann zusammen.

    Fazit: Vor allem beim Komfort kann der GLE punkten

    So ist der Mercedes GLE 350de eindeutig etwas für Qualitäts- und nicht für Preisbewusste. Ihn zu bewegen ist fast wie S-Klasse fahren, allerdings mit der Sitzhöhe eines SUVs. Punkte sammelt das Premium-SUV bei mir vor allem beim Thema Connected Car und Fahrkomfort. Der GLE muss keine Sportskanone sein, gleitet komfortabel daher und bietet viel Luxus, wie man das von einem Mercedes erwartet.

    Nicht nur, dass seine Vordersitze mit einer üppigen Massagefunktion inklusive verstellbarer Lordosenstütze für Fahrer und Beifahrer und sogar Sitzbelüftung kommen – sie sind wie die Rückbank auch ausgesprochen bequem.

    Außerdem ist der GLE unglaublich leise, selbst wenn der einsetzende Dieselmotor die Elektrostille beendet. Allerdings ist die Bedienung herausfordernd und braucht Eingewöhnung, und die Funktionen sind etwas für Technikfetischisten. Einige Features – zum Beispiel die Ambientebeleuchtung mit wechselnden Farben oder die ganze Armada an Lenkradfunktionen – sind meiner Meinung nach sogar redundant, aber hier muss jeder für sich selbst entscheiden, was er wirklich braucht und was er weglassen kann.

    Mein Begleiter ist mir in den zweieinhalb Wochen richtig ans Herz gewachsen. Konsequentes Laden vorausgesetzt, ist es durchaus denkbar, den GLE 350de als reinen Stromer zu nutzen. Für den Großteil alltäglicher Strecken sollten die 75 bis 100 Kilometer genügen, und wer ressourcenschonend fährt, wird durch das Doppelherz im GLE auch noch mit einem Miniverbrauch belohnt.

    Mehr: Der elektrische Seelentröster – der Kia E-Soul im Handelsblatt-Autotest

    Technische Daten

    • SUV, obere Mittelklasse
    • Länge: 4,92 Meter
    • Breite: 2,02 Meter, mit Außenspiegeln: 2,16 Meter
    • Höhe: 1,77 Meter
    • Radstand: 2,99 Meter
    • Wendekreis: 12 Meter
    • Leergewicht: 2655 Kilogramm
    • Kofferraumvolumen: 490 - 1.915 Liter
    • Motoren: 143 kW/194 PS Vierzylinder-Diesel + 100 kW/136 PS E-Motor
    • Max. Leistung kombiniert: 235 kW (320 PS)
    • Max. Drehmoment: 700 Nm
    • Beschleunigung 0 – 100 km/h: 6,8 Sekunden
    • Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
    • Verbrauch (nach WLTP): 1,1 Liter/100 Kilometer kombiniert, 8,7 Liter im Dieselbetrieb
    • Stromverbrauch (gewichtet): 254 Wh/km
    • CO2-Emissionen: 29 g/km
    • Elektrische Reichweite: bis zu 106 Kilometer
    • Preis: ab 75.376,80 Euro
    • Preis des Testwagens: 100.131 Euro
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    9 Kommentare zu "Plug-in-Hybrid-SUV: Hoch auf dem Hybrid – der Mercedes GLE 350de 4Matic im Handelsblatt-Autotest"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wenn Fortschritt zum Rückschritt wird! Wenn ich mir denn Test so durchlese, dann steige ich doch lieber wieder in meinen 320 SL aus 1996, der den ganzen überflüssigen Firlefanz nicht hat und an jeder Tankstelle in 5 Minuten wieder aufgetankt werden kann.

    • Hallo Frau Kontio,

      danke für Ihre Nachricht und für die Korrektur, auch bei Beschleunigung, Kofferraum und Leergewicht.

      VG

    • Das ist mal ein wirklich netter Testbericht eines Fahrzeugs - so aus Nutzersicht. Ich persönlich bin auch der Meinung, daß in der aktuellen Lage ein Hybrid eine sehr gute Lösung ist, zumal der Mercedes eine wirklich große Batterie hat. Der GLE hat nur einen gravierenden Nachteil, nämlich die Fahrzeugbreite. Eine Auto mit netto über 2m auf die Strasse zu stellen ist zumindest für Mitteleuropa Quatsch. Wie soll ich den Wagen in einem Parkaus/Tiefgarage fair parken? Das geht doch gar nicht ohne die Nachbarn so eng zu stellen, daß die nicht mehr in ihre Autos kommen.

    • Hier zum Nachlesen und Überprüfen der Daten ;-) https://www.mercedes-benz.de/passengercars/mercedes-benz-cars/models/gle/suv-v167/specifications/gle-suv-v167-nba.module.html

      Wobei ich tatsächlich die falsche Höchstgewschindigkeit drinnen hatte! Danke für den Hinweis.

    • Lieber Herr D., ich habe die Daten direkt von Mercedes und gehe davon aus, dass sie stimmen.

    • Ach ja, Höchstgeschwindigkeit stimmt übrigens auch nicht.

    • @Carina Kontio:
      Toller Artikel - schön, dass ein "Nichtexperte" seine persönliche Meinung abgibt und den GLE "zweieinhalb Wochen lang durch den Alltag bewegt" haben!
      Viele der Tester machen irgendwelche Tests nach dem Motto "Ich fahre einen Transporter Hybrid mit 200 und der hält elektrisch nur 30km - da ist Tesla viel, viel besser" - das ist etwas überzeichnet, aber so kommt es mir oft vor - als wenn Ideologen Berichte schreiben würden.
      Meine Meinung zu Hybrid: Ich fahre sehr, sehr selten mehr als 70km - dazu habe ich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und eine schöne Garage.
      Die deutlich kleinere Batterie braucht weniger Ressourcen - weniger Umweltverschnmutzung bei der Herstellung und weniger Energie.
      Batterien sind Mangelware (und teuer), man kann 10 mal mehr Hybrid-Autos als E-Autos bauen (70km Reichweite Hybrid, 700km e.Autos) und damit der Umwelt deutlich mehr gutes tun als mit e-Autos.
      Herrn Leitermann möchte ich mich anschließen: Ihr Titel stimmt "ein Hoch auf den Hybrid"!

    • Sehr geehrte Frau Kontio,

      danke für den Artikel.

      Leider sind Ihnen ein paar Fehler unterlaufen. Das Freifahrfunktion oder das automatische Anpassen der Federung auf den Straßenbelag ist dem Nicht-Hybriden vorbehalten, der über die Zusatzausstattung Active Body Control verfügt. Dieses System ist bei dem GLE 350de nicht verfügbar. Hier ist nur die Auswahl zwischen Stahlfederwerk und adaptiver Luftfederung.

      Das schwarze Plastik am Radkasten kann sehr leicht durch die Auswahl des AMG-Line-Paket abgeändert werden.

      VG

    • Ein guter Artikel! Aus einer Probefahrt mit dem E 300 de mit fast gleicher Motorisierung kann ich Ihre Fahreindrücke nur bestätigen. Im Vergleich zu A6 TFSIe und 530e ist das Drehmoment hier deutlich höher und die Fahrdynamik deutlich besser. Die Diesel-Hybrid-Kombination überzeugt. Und wie Sie richtig sagen, ist diese Kombination für unsere Zukunft ideal - lokal emissionsfrei bei Innenstadtfahrten, im täglichen Hybrid-Pendler-Betrieb verbrauchsarm und durch den Dieselmotor absolut langstreckentauglich und immer noch sparsam.
      Ihr Titel stimmt "ein Hoch auf den Hybrid"!

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