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Flottenmanagement

Telematik DSGVO könnte zum Schreck für Fuhrparkmanager werden

Fuhrparkmanager nutzen verstärkt die automatisierte Übertragung von Fahrzeugdaten. Das soll Kosten senken und den Komfort erhöhen.
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DSGVO könnte zum Schreck für Fuhrparkmanager werden Quelle: PR
Bremsklotz DSGVO?

Firmen müssen auf Anfrage Verfahren, Techniken und die rechtlichen Bedingungen der automatisierten Datenerhebung benennen können – sonst drohen hohe Bußgelder.

(Foto: PR)

KölnSensoren an Weichen, digitale Stellwerke und funkgesteuerte Signale: Mit Hochdruck treibt die Deutsche Bahn derzeit die Digitalisierung des Schienennetzes voran. Doch auch auf der Straße sorgt das Unternehmen in Fachkreisen für Aufsehen – im großen Stil wird die Fahrzeugflotte modernisiert: Gleich tausend ihrer Dienstwagen hat die Deutsche Bahn kürzlich mit einem Telematiksystem ausgestattet. Damit können die Fahrzeugdaten automatisch an eine zentrale Software übermittelt werden.

Die Bahn will so ihren Mitarbeitern, die mit dem Firmenwagen oder mit einem Auto aus dem Fahrzeugpool unterwegs sind, den Alltag erleichtern. Denn während die Nutzer bislang jedes Mal manuell etwa Kilometerstände oder An- und Abfahrtszeiten ins Fahrtenbuch eintragen mussten, übernimmt das nun der Computer.

Der Vorteil für das Unternehmen: „Elektronische Fahrtenbücher tragen zur Kostensenkung bei. Gleichzeitig ist eine lückenlose Archivierung gesichert“, sagt ein Bahn-Sprecher. Dagegen sind Datenverluste und lückenhafte Einträge bei manuellen Fahrtenbüchern nicht ausgeschlossen.

Der Aufwand für die digitale Lösung ist vergleichsweise gering: Ein streichholzschachtelgroßer Stecker, ausgestattet mit einer Sim-Karte und einem Empfänger für die Satellitenortung GPS, wird mit der ursprünglich für Prüf- und Wartungszwecke entwickelten OBD-Schnittstelle im Auto verbunden. Das Gerät übermittelt den Start- und Zielort jeder Fahrt sowie die gefahrenen Kilometer an eine Cloud-Plattform - abrufen lassen sich Daten über ein Internetportal oder über eine Smartphone-App.

Mit dem digitalen Fahrtenbuch ist die Deutsche Bahn ein Beispiel dafür, wie Telematik allmählich einen Weg aus der Nische findet. „Es findet nach jahrelanger Stagnation des Themas ein Paradigmenwechsel statt. Zunehmend erkennen Fuhrparkmanager und Fahrer den Nutzen der Telematik“, sagt Christian Schüßler, Commercial Director bei der Fuhrparkleasinggesellschaft Arval Deutschland. „In Gesprächen mit unseren Kunden spüren wir mittlerweile eine viel größere Akzeptanz als noch vor ein oder zwei Jahren.“

Bislang hatten vor allem die Fahrer Bedenken. Sie befürchteten eine Überwachung durch den Chef. Doch die Sorgen scheinen zunehmend in den Hintergrund zu rücken. Geschätzt wird der steigende Komfort. Ein weiterer Faktor: Daran, dass Fahrzeuge digital vernetzt sind, haben sich auch private Autobesitzer längst gewöhnt - quasi alle Hersteller werben mit entsprechenden Funktionen in der Mittel- und Oberklasse. Auch fahrstilabhängige Versicherungstarife bewähren sich.

Wettbewerb nimmt zu

Die Unternehmen erhoffen sich einen höheren Komfort und Kostensenkungen bei der Verwaltung ihrer Flottenfahrzeuge. In einer vom Telematikdienstleister Verizon Connect beauftragten Umfrage unter 1.300 Fuhrparkmitarbeitern gaben 39 Prozent in Deutschland an, sehr aufgeschlossen gegenüber der weiteren Digitalisierung im GPS-gestützten Flottenmanagement zu sein. 34 Prozent bezeichnen sich als recht aufgeschlossen. Nur 15 Prozent ziehen keine weiteren Dienste in Betracht.

Das verstärkte Interesse lockt neue Anbieter mit neuen Anwendungen auf den Markt. Die Deutsche Bahn etwa nutzt eine Lösung von Vimcar - das Berliner Start-up bediente bisher vor allem kleine und mittelständische Unternehmen. Die eigenen Kunden auf den Geschmack bringen will Arval. Das Leasingunternehmen bietet auch Langzeitmieten an. Eben diese Fahrzeuge sollen nun mit „Arval Active Link“ ausgerüstet werden - ähnlich wie bei Vimcar eine Steckerlösung für die OBD-Schnittstelle.

Bei einem Diebstahl oder einem Unfall informiert das System Arval automatisch, auch rechtzeitige Wartungen und Inspektionen sollen so sichergestellt werden. Das persönliche Fahrverhalten der Nutzer sei für die Arbeitgeber standardmäßig nicht einsehbar, verspricht Arval. Zahlen müssen die Mieter für den Service nicht. Durch die Anwendung wolle man Fahrer an Telematik heranführen, sagt Schüßler.

Andere Wettbewerber bündeln ihre Kräfte, um sich im Markt zu positionieren. So hat Leaseplan im Herbst eine Kooperation mit Tomtom bekanntgegeben - die Leasingkunden sollen dank Telematik unter anderem die Fahrzeugwartung optimieren können. Die Sachverständigenorganisation Dekra, die Fuhrparkleiter ausbildet und berät, will gemeinsam mit dem Schweizer Technik-Start-up Spearhead das Schadenmanagement digitalisieren.

So soll mithilfe von Telematik und Sensoren die Heftigkeit eines Aufpralls automatisch erkannt und gemeldet werden. Vorteile ergeben sich dadurch für Fahrer und Fuhrparkleiter: Ist das Auto massiv beschädigt, wird vom Computer sofort Hilfe entsandt. Die digitale Vermessung des Schadens soll administrative Arbeiten erleichtern.

Fahrer werden entlastet

Die verstärkte Nutzung von Telematik vereinfache die Arbeit von Fuhrparkleitern, sagt Marc-Oliver Prinzing, Vorsitzender des Bundesverbands Fuhrparkmanagement. Die elektronische und automatisierte Übertragung von Daten mache sie zum Beispiel unabhängiger von säumigen Dienstwagennutzern. „Fakt ist, dass viele Fahrer keine korrekten Kilometerstände beim Tanken erfassen. Gründe sind oft Unachtsamkeit oder mangelndes Wissen, wie wichtig dies ist. Bei der Überwachung der Wartungstermine gilt Ähnliches.“ Die Preise für Telematiksysteme sind rückläufig, beobachtet Prinzing: „Die Hardware ist mittlerweile Standard, und auch die Gebühren für Datenübertragungen werden günstiger.“

Doch neben den vielen Signalen, die für die weitere Verbreitung von Telematikdiensten sprechen, existiert auch ein Bremsklotz: Ende Mai tritt die neue Datenschutz-Grundverordnung in Kraft. Verbunden damit sind neue Dokumentationspflichten. Firmen müssen auf Anfrage Verfahren, Techniken und die rechtlichen Bedingungen der automatisierten Datenerhebung benennen können - sonst drohen hohe Bußgelder. „Die Datenschutz-Grundverordnung könnte dazu führen, dass so mancher Fuhrparkleiter Abstand von Telematikdiensten nimmt“, sagt Prinzing.

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