20 Jahre Einkaufsbahnhof Wie Bahnhöfe um Kunden werben

Vor der Zugfahrt noch schnell etwas essen und kurz ein paar Geschenke besorgen: An Bahnhöfen kann man heute viel mehr tun, als nur auf den Zug zu warten. Das Shoppen an der Schiene bringt nicht nur den Reisenden etwas.
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Seit 20 Jahren kann man am Leipziger Hauptbahnhof auch auf große Einkaufstour gehen. Quelle: dpa
Shoppen am Gleis

Seit 20 Jahren kann man am Leipziger Hauptbahnhof auch auf große Einkaufstour gehen.

(Foto: dpa)

LeipzigEs ist kalt. Der Zug kommt erst in zwanzig Minuten. Und weit und breit gibt es keine Chance, Lesestoff oder Snacks zu besorgen. So beginnen Zugreisen wohl nur noch an kleineren Bahnhöfen. Wahre Shoppingzentren buhlen dagegen an den großen Knotenpunkten um die fahrende Kundschaft.

Die Ära des Bahnhofsshoppings läutete einst der Leipziger Hauptbahnhof ein. Am Sonntag jährt sich sein Start als Einkaufsbahnhof zum 20. Mal. Ihm folgten viele weitere. Doch wer will eigentlich am Fuß der Gleise shoppen? Und welche Geschäfte siedeln sich hier an?

An diesem Mittag wabert Bratwurstgeruch durch die „Promenaden Hauptbahnhof“ in Leipzig. Vor der dazugehörigen Metzgerei hat sich eine Schlange gebildet. Rollkoffer machen das Überholen in den Gängen schwierig. Auf den drei Shopping-Stockwerken ist ordentlich was los. Hier gibt es Klamotten, Schreibwaren, Accessoires und: Essen, Essen, Essen.

Das sind Deutschlands beliebteste Bahnhöfe
Platz 1: Köln
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Der Kölner Hauptbahnhof landet mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4,9 Punkten mit Abstand auf Platz 1 des „Netzsieger“-Rankings. Der Domblick und das nahegelegene Rheinufer dürften unter den Reisenden wohl als besondere Schmankerl gelten. 280.000 Reisende nutzen den Bahnhof täglich.

Platz 2: Dresden
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60.000 Menschen passieren täglich den Dresdner Hauptbahnhof. Direkt neben dem Bahnhofsgebäude befindet sich der Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft. 235 Reisende – darunter sicher auch einige Studenten – bewerteten den sächsischen Verkehrsknotenpunkt mit durchschnittlich 4,4 Sternen.

Platz 3: Leipzig
3 von 10

Der Hauptbahnhof der sächsischen Großstadt ist der flächenmäßig größte Kopfbahnhof Europas und besteht seit 1915. Unter DDR-Führung wurde die Bahnhofshalle nach Kriegsende zwanzig Jahre lang peu à peu restauriert. Im Ranking der beliebtesten Bahnhöfe landet das monumentale Gebäude mit im Schnitt 4,4 Sternen auf Platz drei.

Platz 4: Berlin
4 von 10

Nach elfjährigem Umbau wurde der Berliner Hauptbahnhof 2006 neu eröffnet. Vom Architekten Meinhard von Gerkan entworfen, ist die einzigartige Glaskonstruktion der größte Turmbahnhof Europas. Von 730 Reisenden erhält der Bahnhof im Mittel 4,4 Sterne und landet damit – knapp am Treppchen vorbei – auf Platz 4.

Platz 5: Kiel
5 von 10

Den Hauptbahnhof der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt nutzen pro Tag gut 25.000 Menschen. Direkt an der Kieler Förde gelegen, sind auch Anschlussfähren nach Oslo und Göteborg schnell zu erreichen. Dieser Komfort ist den Reisenden durchschnittlich 4,4 Sterne wert.

Platz 6: München
6 von 10

Der Münchner Hauptbahnhof stemmt wie auch der Frankfurter Hauptbahnhof ein tägliches Reiseaufkommen von 450.000 Personen. Mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4,2 Sternen unter 453 Nutzern belegt der 1960 fertiggestellte Bahnhof den 6. Platz.

Platz 8 und 7: Bochum und Frankfurt am Main
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Der 1955 neu errichtete Bochumer Hauptbahnhof erzielte bei Google unter 32 Reisenden eine durchschnittliche Bewertung von 4,1. Punktemäßig gleichauf liegt der Frankfurter Hauptbahnhof (Bild). 633 Reisende haben den Bahnhof der Finanzmetropole rezensiert.

Mit 25 Millionen Besuchern pro Jahr das meistfrequentierte Gebäude Sachsens, sagt Thomas Oehme. Er managt das Einkaufszentrum für die Betreiberfirma ECE. Viele Besucher kämen eigens zum Shoppen in den Bahnhof. Knapp jeder dritte Kunde hier sei auf Reisen.

So auch Dana Rösiger, die auf dem Weg nach Heidelberg einen Zwischenstopp in Leipzig macht und einen Smoothie kauft. „Wenn ich hier wohnen würde, würde ich hier nicht einkaufen gehen“, sagt sie. „Das Ambiente würde mir fehlen.“ Anders sieht es die 75 Jahre alte Leipzigerin Ulla Thoss. „Das was ich brauche, kriege ich hier drin.“ Sie wohne ganz nah am Bahnhof. „Ich kann's natürlich woanders billiger kriegen, aber da zahle ich dann ja das Fahrgeld.“

Die beiden Frauen stehen stellvertretend für die Hauptzielgruppen des Bahnhofsshoppings: Die Läden hier richteten sich einerseits an Fernreisende, die hauptsächlich Proviant kauften, sagt Markus Preißner vom Kölner Institut für Handelsforschung. Und dann seien da noch die Pendler und Ortsansässigen, die ihren regelmäßigen Weg durch den Bahnhof für ihre Alltagseinkäufe oder zum Shoppen nutzten.

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