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25 Jahre ICE „Wie in jeder Ehe gibt es auch Momente zum Vergessen“

Seit 25 Jahren transportiert der ICE die Deutschen quer durchs Land – wenn er denn fährt. Zum Geburtstag berichten Handelsblatt-Leser von ihren Erlebnissen mit dem vermeintlichen Hochgeschwindigkeitszug.
  • Kassandra Bucher
2 Kommentare
Am 2. Juni 1991 kam zum ersten Mal ein ICE fahrplanmäßig zum Einsatz. Quelle: dpa
25 Jahre ICE

Am 2. Juni 1991 kam zum ersten Mal ein ICE fahrplanmäßig zum Einsatz.

(Foto: dpa)

DüsseldorfViele pendeln mit ihm zur Arbeit oder fahren zu Geschäftsterminen, andere reisen in die Ferien oder besuchen ihre Familien: Egal wie, der ICE ist Deutschlands Gefährt der Wahl. Inzwischen sind täglich etwa 216.000 Fahrgäste mit dem Hochgeschwindigkeitszug unterwegs. Seit 1991 hat die immer wieder gewachsenen Flotte 1,8 Milliarden Kilometer zurückgelegt.

Über 25 Jahre hinweg haben auch Handelsblatt-Leser viel mit ihrem ICE erlebt und ihre schönsten und schlimmsten Erlebnisse auf Facebook geteilt.

„Sicher, dass sich der Geburtstag nicht verspätet?“, antwortet etwa Leser Nico Voigt. Der ICE hat tatsächlich den Ruf, seinen Fahrplan nicht einzuhalten. Die Deutsche Bahn bietet ihren Kunden mittlerweile an, sie über mögliche Verspätungen per SMS zu informieren. 12 Stunden vor Reisebeginn kann man in Echtzeit verfolgen, wie die Verspätung in die Höhe schießt. „Aktuell und zuverlässig“ sei der Verspätungs-Alarm, wie es auf der Website der DB heißt – wenn schon der Zug nicht pünktlich ist.

Facebook-Nutzer Benjamin Igna sieht das anders: „Ich habe prinzipiell nix gegen Verspätung, solange ich dabei arbeiten kann.“ Wenn er denn könnte. Als kürzlich ein Baum das Gleis auf der Strecke von Würzburg nach Hamburg versperrte, fiel auch gleich das Internet aus.

Hochgeschwindigkeit mit Beilagensalat
1,8 Milliarden Kilometer
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Die Deutsche Bahn hat etwa 250 ICE verschiedener Generationen im Einsatz, die jährlich eine halbe Million Kilometer unterwegs sind. Seit 1991 hat die immer wieder gewachsene Flotte 1,8 Milliarden Kilometer zurückgelegt.

(Foto: dpa)
Völlig neues Reisegefühl
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Der ICE 1 ist auf Höchstgeschwindigkeiten von 280 Stundenkilometern ausgelegt. Für Bahnfahrer bot er 1991 ein völlig neues Reisegefühl: Anders als beim Intercity konnten sie auf einmal ohne lästiges Türenöffnen bequem durch den ganzen Zug laufen, sogar Telefonzellen waren an Bord.

Seit 1996 ist der ICE 2 im Einsatz, mit dem sich zwei Zugeinheiten koppeln und unterwegs wieder trennen lassen. 1999 kam der ICE T, ein Jahr später der ICE 3, der erste serienmäßige Zug für Tempo 300. Der ICE 4 soll im Herbst in den Probebetrieb gehen.

(Foto: AP)
ICE 4
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Wenn Ende 2017 die jüngste ICE-Generation aufs Gleis kommt, ist die Höchstgeschwindigkeit auf 250 Stundenkilometer beschränkt – den Vorgänger bejubelte die Bahn noch als Deutschlands ersten Zug für Tempo 300.

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Schneller Nachzügler
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Die Bundesbahn gab 1983 einen „Intercity Experimental“ in Auftrag, zwei Jahre später übergab die Industrie das erste Modell. Dieser Versuchszug knackte im November 1985 erstmals die Marke von 300 Stundenkilometern.

Andere Länder waren weit voraus: In Frankreich fährt der Hochgeschwindigkeitszug TGV seit 1981. Japan hat seinen Shinkansen gar seit 1964 in Betrieb.

(Foto: dpa)
Konkurrenz für Auto und Flugzeug
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Zum Start des ICE warb die damalige Bundesbahn mit dem Spruch: „Halb so schnell wie das Flugzeug und doppelt so schnell wie das Auto“. Manch einer klagt zwar über die hohen Preise, aber der Hochgeschwindigkeitszug macht das Bahnfahren zu einer Alternative. Flugverbindungen zwischen Frankfurt am Main und Köln sowie zwischen Berlin und Hamburg werden überflüssig.

(Foto: dpa)
Das Unglück von Eschede
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1998 erlebt der ICE seine schwärzeste Stunde: Am 3. Juni um 10.58 Uhr entgleist der ICE 884 „Wilhelm Conrad Röntgen“ wegen eines gebrochenen Radreifens und prallt kurz vor dem niedersächsischen Bahnhof Eschede gegen eine Brücke. Bei dem schwersten Zugunglück in der Geschichte der Bundesrepublik sterben 101 Menschen.

(Foto: dpa)
Ärgernisse für Reisende
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Der ICE sorgt immer wieder für Ärger bei Fahrgästen: Verspätungen, Zugausfälle, defekte Klimaanlagen. Seit dem Bruch einer Achse bei einem ICE im Sommer 2008 müssen die Züge deutlich häufiger als sonst zur Inspektion. Dadurch stehen in der Folge kaum noch Züge als Reserve zur Verfügung - Züge fallen aus oder sind mit großen Verspätungen unterwegs. 2010 und 2011 plagen Probleme mit Klimaanlagen Teile der ICE-Flotte.

(Foto: dpa)

Apropos Internet. Das gibt es zurzeit im ICE nur in der ersten Klasse umsonst. In der zweiten zahlt man 4,95 Euro pro Tag für den Wlan-Zugang. Das soll als Reaktion auf die wachsende Konkurrenz im Fernverkehr wie etwa durch Fernbusse geändert werden. Ursprünglich für 2016 geplant, sollen bis 2017 auch Fahrgäste der zweiten Klasse kostenloses Internet zur Verfügung gestellt bekommen. Und wenn nicht, kommt vielleicht auch hierfür bald ein Verspätungs-Alarm.

Als der ICE in Betrieb genommen wurde sah die Situation anders aus. Mit dem Spruch: „Halb so schnell wie das Flugzeug und doppelt so schnell wie das Auto“, ließ der weiße Blitz mit rotem Streifen am 2. Juni 1991 seine Konkurrenten zittern. Flugverbindungen zwischen Frankfurt am Main und Köln sowie zwischen Berlin und Hamburg wurden überflüssig.

„In solchen Momenten gewinnt man den Glauben an die Menschheit wieder,“

Trotz wachsender Konkurrenz hat der ICE und damit die Deutsche Bahn auch heute noch treue Kunden: „Wie in jeder guten Ehe gibt es auch mal Momente zum Vergessen. Aber das Große und Ganze passt doch. Frankfurt – München in einem perfekt pünktlichen Zug in 3:10 h für 33 Euro first-class zu reisen, das hat was. Lufthansa kostet viel mehr, der Bus ist viel langsamer und auf der Autobahn kann man nicht während der Fahrt arbeiten“, so Handelsblatt-Leser Nikolaus Rieskamp.

Nicht ganz so positiv hört es sich bei Magnus Martinsson an. Dieser musste „dreimal in aufeinanderfolgenden Jahren“ in einem ICE mit defekter Klimaanlage schwitzen. Im Hochsommer. Und die Flasche Wasser kostet satte drei Euro.

Facebook-Nutzerin Julia Chladek hatte mehr Glück mit ihrer Flasche Wasser. Im vergangenen Jahr kam sie von einem Trip aus England zurück. Am Hauptbahnhof in Brüssel bliebt sie zuerst im Aufzug stecken, verpasste daraufhin fast ihren Zug und musste hastig ihre zwei Koffer plus Reisetasche die defekte Rolltreppe hoch- und in den Zug wuchten. Durstig und erschöpft wollte sie ein Wasser kaufen, hatte aber kein Bargeld dabei für das berüchtigte überteuerte Wasser. Die Zugbegleiterin schenkte es ihr. „In solchen Momenten gewinnt man den Glauben an die Menschheit wieder,“ erinnert sie sich.

Hoch im Kurs an Bord des ICEs steht auch das Bier. 2015 haben die Fahrgäste mehr als 24 Millionen Liter des Nationalgetränks gekippt – das ist die dreifache Menge dessen, was auf dem Oktoberfest in München im selben Jahr ausgeschenkt wurde.

Schneller wird der ICE nicht

Auch wenn die Getränke immer teurer werden, bleiben wider Erwarten die ICE-Ticketpreise stabil. Konkurrenten wie Billigflieger und Fernbusse zwingen das Bundesunternehmen zu dieser Massnahme. Es sind vor allem die Preise für den Nahverkehr, die steigen.

Facebook-Nutzer Den Bilzerian wünscht sich dennoch günstigere Preise und schnellere Fahrten: „Ich wünsche mir mehr von solchen schnellen und verlässlichen Verbindungen wie die Strecke Köln – Frankfurt am Main und mehr Pünktlichkeit auch auf anderen Strecken.“ Damit spricht Bilzerian vielen aus der Seele. Doch für eine Besserung sieht es finster aus: Seit dem Bruch einer Achse bei einem ICE im Sommer 2008 müssen die Züge deutlich häufiger als sonst zur Inspektion. Dadurch stehen in der Folge kaum noch Züge als Reserve zur Verfügung. Dies führt zu Verspätungen und Zugausfällen. Auch kaputte Klimalagen können nicht mit einem Ersatzzug behoben werden.

Schneller wird der ICE auch nicht werden. Der neue ICE 4 soll Ende 2017 planmäßig aufs Gleis kommen. Er wird aber nur noch 250 Stundenkilometer schnell sein und nicht mehr 300 wie seine Vorgänger. Zwar braust der Zug nicht mehr ganz so rasant um die Ecken, dafür sollen andere Fehler behoben werden. Die Klimaanlagen etwa: Im ICE 4 sind diese stabiler. So lange er nicht die „Hochgeschwindigkeit von 15 km/h“ erreicht wie bei Handelsblatt-Leser Peter Fleischmann auf der Strecke Düsseldorf – Köln von 2014 bis 2015, sollte die neue ICE-Generation trotzdem gut ankommen.

Auch wenn nicht alle immer zufrieden mit ihm sind, an ihm herumnörgeln und ihn beschimpfen. Im Grunde mögen sie sich, die Deutschen ihren ICE – wie in einer echten Ehe.

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2 Kommentare zu "25 Jahre ICE: „Wie in jeder Ehe gibt es auch Momente zum Vergessen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • [email protected] Annette Bollmohr einfach nur Mist die Bahn.

  • "„Aktuell und zuverlässig“ sei der Verspätungs-Alarm, wie es auf der Website der DB heißt"

    Ich will keinen aktuellen und zuverlässigen Verspätungs-Alarm, sondern pünktliche und zuverlässige Züge.

    Muss zum Glück nur selten damit fahren, aber wenn, dann flieg' ich so ziemlich bei jeder zweiten Fahrt mitten auf der Strecke raus (Zug eingestellt, Lokschaden, Strecke blockiert oder weiß der Kuckuck was auch immer). Hab' ich da bloß Pech?