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30 von 89 Karstadt will von Filialverkauf nichts wissen

Mehrere Medien hatten gemeldet, der Handelskonzern Karstadt-Quelle wolle sich von weiteren Warenhäusern trennen. Nach den kleinen sollten demnach nun die einfachen Filialen abgestoßen werden. Doch Karstadt dementiert.
Weitere Karstadt-Filiale verlassen offenbar den Handelskonzern. Foto: dpa

Weitere Karstadt-Filiale verlassen offenbar den Handelskonzern. Foto: dpa

HB FLENSBURG/ESSEN. Karstadt-Quelle will sich nach Informationen des „Flensburger Tageblattes“ und der „Lebensmittel Zeitung“ vom Freitag von weiteren seiner noch verbliebenen 89 Warenhäuser trennen. Ein Sprecher von Karstadt-Quelle wollte die Informationen nicht bestätigen. Keines der Häuser solle aus der operativen Kontrolle des Unternehmens herausfallen. „Wir werden unsere 90 Warenhäuser und 32 Sporthäuser verkaufen und en bloc zurückleasen“, sagte Unternehmenssprecher Jörg Howe und bezog sich dabei auf den bekannten Verkauf der Immobilien. Das solle noch im Laufe des Jahres geschehen. Einzelheiten zur weiteren strategischen Ausrichtung des Waren- und Versandhandelskonzerns will Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff am Montag bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf vorlegen.

Unter Berufung auf Unternehmenskreise hatte das „Flensburger Tageblatt“ berichtet, die betroffenen Häuser seien bereits informiert worden. Die Liste solle am Montag, dem Tag der Bilanzpressekonferenz, bekannt gegeben werden. Am Donnerstagabend seien bereits erste Belegschaften informiert worden. „Wir haben offiziell noch keine Liste bekommen“, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi.

Mitte März hatte die „Wirtschaftswoche“ gemeldet, dass Konzernchef Thomas Middelhoff an einem neuen Sanierungsprogramm arbeite, das unter anderem den Verkauf von zirka 30 weiteren Warenhäusern umfasse. Dabei handele es sich nach Informationen aus Unternehmenskreisen um die einfacheren und schwächeren Häuser, die Karstadt-Quelle in der Gruppe „Boulevard“ zusammengefasst hat. Erst kürzlich hatte der Konzern eine Premium-Gruppe mit den führenden Warenhäusern wie dem KaDeWe in Berlin gegründet; die weiteren hochwertigen Häuser firmieren unter „Boulevard plus“.

Laut der „Wirtschaftswoche“ sollen die Warenhäuser möglichst zeitgleich mit den Immobilien verkauft werden. Karstadt-Quelle ist momentan auf der Suche nach einem Käufer für seinen kompletten Bestand an Warenhaus-Gebäuden. Nach dem Verkauf sollen sie zurückgemietet werden. Das Unternehmen will sich mit den einmaligen Einnahmen völlig entschulden. Demnach müsste der Konzern 2,8 Mrd. Euro erlösen – ein ehrgeiziges Ziel, wie Branchenkenner sagen.

Die „Lebensmittel Zeitung“ schreibt, die nun zum Verkauf stehenden Warenhäuser würden von den britischen Finanzinvestoren Hilco und Dawnay Day übernommen, die bereits im vergangenen Jahr 74 kleine Karstadt-Filialen übernommen hatten. „Das Unternehmen bereinigt nun sein Netz abermals und behält nur noch die Topstandorte“, zitiert das Blatt einen namentlich nicht genannten Warenhaus-Manager. Die britischen Investoren selbst wollten den Kauf auf Anfrage nicht bestätigen.

Hintergrund der weiteren Reduzierung des Warenhaus-Bestands seien angesichts der Bankschulden „schlichtweg“ fehlende Finanzen, um sich noch ein so umfangreiches Filialnetz leisten zu können, schreibt die „Lebensmittel Zeitung“ unter Berufung auf „Branchenkenner“. In diesem Jahr stünden kaum mehr als 150 Mill. Euro für Investitionen zur Verfügung. Allein der bis 2007 geplante Ausbau des KaDeWe in Berlin koste rund 47 Mill. Euro. Das Haus in Wiesbaden habe 48 Mill. Euro verschlungen. Immerhin könne Karstadt nun hoffen, in den verbliebenen Filialen deutlich steigende Erträge zu erwirtschaften, so die Zeitschrift.

Die 74 kleinen Warenhäuser mit Verkaufsflächen zwischen 2 000 und 8 000 Quadratmetern waren bereits zum Jahresbeginn 2005 von Karstadt-Quelle in eine eigene Gesellschaft unter dem Namen „Karstadt Kompakt“ ausgegliedert worden. Standort-Schwerpunkte sind Nordrhein-Westfalen, Berlin sowie der Norden Deutschlands.

Nach wochenlangen Verhandlungen mit mehreren Interessenten erhielten schließlich Hilco und Dawnay Day für einen Kaufpreis von rund 500 Mill. Euro den Zuschlag. Aus dem zunächst in die Diskussion gebrachten Paket von 77 Warenhäusern waren zuvor zwei Häuser an Kaufland veräußert worden. Das zu den kleinen Häusern zählende Karstadt-Stammhaus in Wismar blieb ebenso wie 89 großen Warenhäuser mit Verkaufsflächen von mehr als 8 000 Quadratmetern bei Karstadt-Quelle.

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