Ab Juli Deutsche Post hebt Preise für Bücher- und Warensendungen kräftig an

Die Post will die erste Preiserhöhung in dieser Kategorie seit 2013 vornehmen. Der Preis für Buchsendung steigt um 20 Prozent, Warensendungen um fast 50 Prozent. Das Briefporto soll ab 2019 steigen.
Update: 18.05.2018 - 12:33 Uhr 5 Kommentare
Deutsche Post hebt Preise für Bücher- und Warensendungen an Quelle: dpa
Postkasten

Bücher- und Warensendungen werden ab 1. Juli teurer.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Verbraucher in Deutschland werden bei der Deutschen Post ab Juli mehr für Bücher- und Warensendungen zahlen müssen. Der Preis für eine Büchersendung bis zu 500 Gramm steige um 20 Cent auf 1,20 Euro, teilte die Post am Freitag mit. Warensendungen bis zu 50 Gramm sollen künftig statt 90 Cent 1,30 Euro kosten.

Post-Chef Frank Appel hatte Anfang Mai angekündigt, dass der Konzern nach einem Gewinnrückgang im Brief- und Paketgeschäft höhere Preise für Inlandssendungen prüfen wolle. Dazu gehört auch das Briefporto - hier kann der Konzern ab 2019 wieder an der Preisschraube drehen.

Bücher- und Warensendungen machen indes nur einen geringen Anteil an der Gesamtmenge der Briefe aus. Die Post begründete den Preisschritt mit „allgemeinen Kostensteigerungen“. Die letzte Preiserhöhung bei Bücher- und Warensendungen habe es 2013 gegeben. 

Post CEO Appel hat dem Konzern ehrgeizige Ziele verordnet: 2018 soll der operative Gewinn auf rund 4,15 Milliarden Euro steigen. 2020 soll er dann bei mehr als fünf Milliarden Euro liegen.

Doch im ersten Quartal hatte der Bonner Konzern die Erwartungen der Analysten deutlich verfehlt – das operative Ergebnis wuchs mit 2,3 Prozent langsamer als erwartet: „Wir hatten einen insgesamt guten Jahresauftakt, wenngleich wir für den Rest des Jahres noch viel Arbeit vor uns haben“, sagte Appel kürzlich.

Vor allem in der Brief- und Paketsparte hatte die Post zu kämpfen: „Wir haben hier Herausforderungen bei den Kosten in Deutschland“, sagte Finanzchefin Melanie Kreis. Das operative Ergebnis des über Jahre durch das Paket-Geschäft boomenden Unternehmensbereichs sank in den ersten drei Monaten um knapp zehn Prozent auf 383 Millionen Euro.

Zudem musste die Post steigende Personal- und Transportkosten verkraften: Das Wachstum des Paket-Geschäfts in Deutschland und darüber hinaus sei aber ungebrochen. „Es ist kein Umsatz-Thema, das wir in der Sparte haben – es ist ein Kosten-Thema.“

Neben Preiserhöhungen drückt die Post daher auch die Kosten – vor allem bei den Zustellern: Erst kürzlich hatte die Praxis der Post bei der Entfristung von Arbeitsverträgen für Kritik gesorgt.

Der Konzern übernimmt Angestellte nur dann unbefristet, wenn sie zuvor innerhalb von zwei Jahren nicht mehr als 20 Krankheitstage hatten und nicht mehr als zwei selbstverschuldete Unfälle mit konzerneigenen Fahrzeugen.

Die SPD-Minister Olaf Scholz, Hubertus Heil und der DGB prangerten das Vorgehen an. Personalvorstand Thomas Ogilvie beharrt aber in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ auf der Praxis. „Unsere Mitarbeiter, die auch bei Wind und Wetter raus müssen, brauchen eine gewisse körperliche Fitness“, so Ogilvie. Die Kriterien seien aber nur Anhaltspunkte.

Um die wachsende Nachfrage im Paketversand bewältigen zu können und die Konkurrenz von Hermes, dpd und Co. auf Distanz zu halten, setzt die Post bei Neueinstellungen zudem verstärkt auf ihr Tochterunternehmen Delivery. Etwa 12.000 Menschen arbeiten hier, erst 2015 gründete die Post die Billigtochter.

Das Konzept ist einfach: Die Mitarbeiter leisten die gleiche Arbeit wie beim Mutterkonzern – und bekommen dafür weniger Geld. Ihr Gehalt richtet sich nicht nach dem Post-Tarifvertrag, sondern nach den Tariflöhnen der Speditions- und Logistikbranche in den jeweiligen Bundesländern.

Der liegt zwar weit über dem Mindestlohn von 8,84 Euro, den ein Großteil der Konkurrenz zahlt, wie man bei der Post gern betont. Doch im Vergleich zu den Kollegen, die bei der Post AG angestellt sind, erhalten die Zusteller von Delivery laut etwa 20 Prozent weniger.

  • rtr
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5 Kommentare zu "Ab Juli: Deutsche Post hebt Preise für Bücher- und Warensendungen kräftig an"

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  • logo: die inzwischen in die Jahre gekommene strukturell veraltete deutsche Post will am Amazon Hype gerne mitverdienen.

    Mit modernen Sklaven könnte das funzen: mit unvorbereitet wirkenden Strukturkonzepten wird das indes nicht funzen.

  • Nicht rummeckern! Einfach Aktien kaufen! Mit der Dividende läßt sich die Preiserhöhung beim Porto locker finanzieren. Kursgewinne sollte es auch geben. Sparpotential durch Amazon prime, da bezahlt man keine Versandkosten.

  • In welcher Zeit leben wir eigentlich? Da macht ein Konzern Milliardengewinne (!) und schafft ein Wachstum von (nur?) 2,3 Prozent, bekommt aber den Hals mal wieder nicht voll und dreht munter an der Preisschraube statt sich die Frage zu stellen, ob die vermeintlich ehrgeizigen Ziele überhaupt realistisch sind. Leidtragende sind Unternehmen und Verbraucher. Das ist aber alles völlig egal, so lange die eigene Vergütung stimmt.
    Einfach nur zum erbrechen!

  • Mein S- immer noch aktuelles - Schreiben (ohne Anlagen) vom August 2016 an die für Genehmigung von Potoerhöhungen zuständige Bundesnetzagentur:
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    in Anbetracht der aktuellen Medienmeldungen, wonach die Deutsche Post beabsichtigt, das Porto für einen Standardbrief auf 80 Cent anzuheben, möchte ich Ihnen einige Anmerkungen aus der Sicht eines kritischen Verbrauchers zukommen lassen.
    Zunächst möchte ich Ihnen einige Hinweise zur praktizierten Servicequalität geben, nachdem der zuständige Postvorstand Jürgen Gerdes hat verlauten lassen, dass gemessen am Serviceangebot das Abschicken eines Briefes in Deutschland sehr preisgünstig sei. Mein nachstehender E-Mailverkehr mit der Deutschen Post zeigt das Gegenteil auf! Herauszustellen ist dabei, dass sich dabei der Zustellumfang um rd. 17% reduziert hat.
    Wenn ich darüberhinaus die verschiedenen Portoerhöhungen seit Anfang 2013 bis zu den jetzt geforderten 80 Cent aufaddiere, komme ich kumuliert auf eine Steigerung von 45%. Berücksichtigt man noch die Reduzierung des Zustellservices, ergibt sich eine Preiserhöhung von rd. 62%.
    Dies nur damit zu rechtfertigen, dass man damit auf den europäischen Durchschnitt aufschließt, halte ich für einen Skandal. Gefühlsmäßig müsste das m.E. unter den "Wucherparagraphen" fallen.
    Darum müßte sich die zuständige Bundesnetzagentur einmal kümmern, und nicht, wie schon bei der letzten Portoerhöhung auf 70 Cent, den Antrag der Deutschen Post mit fadenscheinigen Argumenten einfach durchwinken.

    Ich lassen Ihnen diese E-Mail zukommen, um Ihnen Gelegenheit zu geben, auch einmal die konkrete Erfahrung von Verbrauchern in Ihre Verhandlungen mit de Deutschen Post einfließen zu lassen.

    Mit freundlichen Grüßen.

  • m a w: die Deutsche Post macht sich überflüssig.

    Zeit wurde es auch.

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