Abercrombie & Fitch Wenn Obdachlose Edel-Marken tragen

Der Chef von Abercrombie & Fitch möchte gerne, dass nur junge, gut aussehende Menschen seine Kleidung kaufen und tragen. Dagegen formiert sich nun Widerstand – enttäuschte Kunden verschenken ihre teuren Klamotten.
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Hauptsache Waschbrettbauch: Männliche Models stehen vor der Abercrombie & Fitch Filiale auf der Königsallee in Düsseldorf. Quelle: dpa

Hauptsache Waschbrettbauch: Männliche Models stehen vor der Abercrombie & Fitch Filiale auf der Königsallee in Düsseldorf.

(Foto: dpa)

DüsseldorfMike Jeffries will, dass junge, hübsche Menschen für ihn arbeiten. „Wir stellen gut aussehende Menschen ein, denn die wirken auf andere attraktive Menschen anziehend“, sagte der Chef von Abercrombie & Fitch in einem Interview. Das Unternehmen wolle schließlich coole Menschen erreichen. Und nur die.

Das Personal vor den immer süßlich-penetrant duftenden Läden der Kleidungskette trägt häufig bloß Shorts zum nackten Waschbrettbauch und die Kunden sollen bitte auch Modelmaße haben. Zwar gibt es etwa Männer-T-Shirts auch in XXL zu kaufen. Aber die sind den Äußerungen Jeffries zufolge wohl nur für Bodybuilder oder Footballspieler gedacht, nicht für Dicke.

Dagegen regt sich jetzt Widerstand. Unter dem Hashtag #FitchTheHomeless rufen mehrere Blogs und Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter dazu auf, Kleidung von Abercrombie & Fitch zu verschenken. Genauer: sie an Obdachlose abzugeben. Ein Video wird tausendfach geteilt und verbreitet sich rasend schnell: zu sehen ist ein Mann, der die Kleidung in Sozialkaufhäusern kauft und an Obdachlose verteilt. Er ruft dazu auf, dass jeder seinen Kleiderschrank nach Abercrombie & Fitch-Klamotten durchforsten solle und die Ware weitergeben. So könne man es Firmenchef Jeffries heimzahlen und gleichzeitig etwas Gutes tun.

Auch auf dem Internetportal Reddit verbreiten erboste ehemalige Kunden Bilder von alten T-Shirts, Röcken oder Hosen, die sie verschenken wollen. Dass das den Abercrombie-Chef ärgert, davon kann man ausgehen. Bereits 2011 hat Jeffries einem etwas einfach gestrickten Darsteller der MTV Reality Show Jersey Shore eine „signifikante Geldsumme“ geboten, falls er sich dazu verpflichte keine Kleidung von Abercrombie & Fitch zu tragen. „Wir sind besorgt, dass er einen schlechten Einfluss auf unser Image hat“, teilte der Konzern damals mit.

Doch auch an der Verschenk-Aktion gibt es Kritik. Im Netz bildet sich eine ethische Debatte heraus. Diskutiert wird, ob es nun nett ist, die Kleidung zu verschenken, oder vielleicht doch Obdachlose herabwürdigt. So merkt etwa der Nutzer „Klaus Arthur Schmid“ unter dem Youtube-Video an: „Du solltest dein Verhalten gegenüber Obdachlosen überdenken. Die Idee, es A&F heimzuzahlen, indem man darüber lacht, dass Obdachlose jetzt die Kleidung tragen, ist unsensibel.“ Reddit-Mitglied „withinmyown“ ärgert sich (in drastischen Worten) über den Anlass der plötzlichen Hilfsbereitschaft: „Mir ist die Marke total egal. Es ist traurig, dass das überhaupt ein Thema ist. Ihr wollt Obdachlose einkleiden? Super, aber bitte ohne diese snobistische Ebene.“

Zudem bleibt die Frage, wie sehr es der Marke tatsächlich schadet. So erwartet Reddit-Nutzer milaos, dass sich Michael Jeffries seine bitteren Tränen mit Geldscheinen trocknet. Denn ein Gewinneinbruch ist für Abercrombie & Fitch nicht zu erwarten, wenn bereits verkaufte Kleidung verschenkt wird. Und ähnlich der Debatte über Billigkleidung aus Bangladesch ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sich in Zukunft weniger Menschen in die langen Schlangen vor den Läden der Kleidungskette einreihen. Denn für viele wird die Marke auf dem Schulhof trotzdem cool bleiben.

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10 Kommentare zu "Abercrombie & Fitch: Wenn Obdachlose Edel-Marken tragen"

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  • Ich musste ja diesen Mike Jeffries erstmal googeln.....
    naja im Prinzip würde er nach seinen eigenen Schönheitsmaßstab gemessen, durchfallen.

    .....einfach nicht kaufen, den Schund.

  • Vielleicht sollte man sich eher fragen, was andere Toplabel mit ihrer unverkauften Ware macht. Auch andere Labels vernichten die Ware, wenn sie nicht verkauft wurde, um den Preis nicht kaputt zu machen. AF an den Panger zu stellen ist unüberlegt.

  • superbillige Schrottklamotten, die ich bisher an vielem gesehen habe,nur nicht an schönen Menschen.Jemand mit Stil zieht solche Mainstreambilligsschrottklamotten wirklich nicht an.Vor allem sollte der gut Mann mal sich selbst anschauen, nur so als Tipp.

  • Phantastisch...Überteuerte Poserklamotten kaufen um dem Verkäufer zu schaden; darauf muss man erstmal kommen.

  • Das schlimmste: Die Klamotten sind einfach nur häßlich,
    der beste Grund, so einen Rotz nicht zu kaufen.

  • Abercrombie & Fitch, das ist amerikanischer Lifetsyle-Faschismus. So hab ich das meinen heranwachsenden Kindern deutlich gemacht. Folgt nicht den Rattenfängern aus den USA.

  • So ein Ar*****ch, dem geht es letztlich doch nur ums Geld, nicht um die Menschen!

  • "Eine Bar, die Dicke oder Farbige nicht einlaesst, ist schliesslich auch juristisch belangbar."

    Die Modezaren, die junge Frauen hungern lassen, damit diese "Trendmodelle" vorführen können, leider nicht.
    Wer nicht mindesten nach dem ersten Stadium einer Anorexia Nervosa aussieht, wird garnicht genommen.
    Der Typ unterscheidet sich kein bischen von einer abgehobenen, versnobten und idiotisierten Welt, die kein normaler Mensch mehr nachvollziehen kann.
    Da überkommt mich doch manchmal einfach das Gefühl mal mit einem Seitenschneider durch die ganzen Piercings gehen zu wollen und den Models was zum essen zu kaufen (nichts für ungut).

  • Vor allem finde ich es suspekt, wie ein Unternehmen es schafft, nur Menschen einzustellen, die wie Models aussehen, ohne von Diskriminierungsklagen überhauft zu werden.

  • Warum wird expliziter Rassismus und Diskriminierung nicht als das benannt was es ist? Wenn solche Verfahren als modisch oder "cool" durchgehen, sind alle Multiplikatoren, das heisst die Vertreiber, wissentlichen Kunden und die Modeindustrie als Ganzes gefragt, Stellung zu beziehen und falls dies nicht geschieht oeffentlich dazu zu zwingen. Auch rechtliche Fragen koennten sich aufwerfen, wenn Kundengruppen aufgrund von Koerpermerkmalen ausgeschlossen werden. Eine Bar, die Dicke oder Farbige nicht einlaesst, ist schliesslich auch juristisch belangbar.

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