Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Abfall Deutschland exportiert mehr Müll als Maschinen

Deutschland ist eine Exportnation. Doch eine Untersuchung der Universität Würzburg zeigt: In Tonnen gerechnet rangiert Abfall bei den Ausfuhren deutlich vor dem Maschinenbau.
2 Kommentare
In Indien nahmen die Plastikabfallmengen aus Deutschland zwischen 2013 und 2018 um 180 Prozent zu. Quelle: dpa
Plastik in Indien

In Indien nahmen die Plastikabfallmengen aus Deutschland zwischen 2013 und 2018 um 180 Prozent zu.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Gut eine Milliarde Euro extra lassen sich Deutschlands Verbraucher die aufwendige Verpackungsentsorgung kosten – Jahr für Jahr. Altglas, Papier, Textilien oder Batterien trennen sie sorgsam vom gewöhnlichen Hausmüll, ausrangierte Fernseher oder Toaster gelangen oft erst nach kilometerlangen Anfahrten zum städtischen Bauhof.

Nun aber stellt eine Untersuchung der Universität Würzburg-Schweinfurt das Bild von der umweltfreundlichen Mülltrenner-Nation infrage: In Tonnen gerechnet exportierte Deutschland 2018 deutlich mehr Müll ins Ausland als Produkte des Maschinenbaus, fand das Würzburger Logistikinstitut zusammen mit der Softwarefirma AEB heraus. So wanderten allein von den produzierten Kunststoffabfällen bis zu 20 Prozent ins Ausland.

Während die vermeintlichen Exportschlager der deutschen Maschinenbauindustrie im vergangenen Jahr gerade einmal 11,3 Millionen Tonnen auf die Waage brachten, waren es beim ausgeführten Müll knapp 15 Millionen. Die Abfallwirtschaft sei damit „eine der exportstärksten Branchen Deutschlands“, stellt Logistikprofessor Christian Kille in seinem halbjährlichen „Exportseismograf Deutschland“ (ESD) fest.

Allerdings haben sich die Warenströme laut ESD im vergangenen Jahr zum Teil drastisch verändert: Während China seine Mülleinfuhren nahezu stoppte, gelang es anderen Schwellenländern, den Mengeneinbruch fast auszugleichen. „Statt in China enden deutsche Plastikabfälle immer öfter in Süd- und Südostasien“, berichtet Kille. Der Importstopp im Reich der Mitte verringerte die deutschen Plastikmüllausfuhren gerade einmal um 14 Prozent.

So stieg Malaysia 2018 mit einer Importmenge von 131.426 Tonnen und einem Plus von 75 Prozent zum wichtigsten Empfängerland auf. Auf Platz zwei der Kunststoffmüll-Importeure etablierte sich Indien, dessen Plastikabfallmengen zwischen 2013 und 2018 um 180 Prozent zunahmen – auf zuletzt 67.327 Tonnen.

In Vietnam verzwölffachte sich in dieser Zeit die Menge an eingeführtem Plastikmüll auf 56.781 Tonnen, in Indonesien stieg die Menge sogar um 11.733 Prozent auf 64.459 Tonnen. 

„Es ist zunächst einmal völlig legal, Kunststoffabfälle zu exportieren“, sagt Ulrich Lison, Außenwirtschaftsexperte von AEB. Sie seien weltweit als ungefährlicher Müll eingestuft, der nach EU-Recht und internationalen Beschlüssen frei gehandelt werden dürfe.

Sortenreiner Kunststoffabfall bringt je nach Marktpreis sogar einen Verkaufserlös von 650 bis 900 Euro pro Tonne. Aus eingeschmolzenen Abfällen lassen sich beispielsweise Pellets produziert, die in neue Plastikprodukte einfließen.

Doch aus Sicht von Umweltexperten bleibt ein gewaltiges Problem: Viele Kunststoffexporte sind weder vorsortiert noch gereinigt. So suchen sich Abnehmer in den Schwellenländern oftmals nur bestimmte Teile heraus, deren Verwertung lukrativ erscheint. Der Rest wird unter fragwürdigen Bedingungen verbrannt, landet auf einer Deponie, in Flüssen und anschließend im Meer.

Deutschland importiert Stahlschrott und Kupferreste

Hinzu kommt: Wer als Exporteur unsortierte Kunststoffabfälle fälschlicherweise als sortierte Kunststoffabfälle deklariert, geht dabei kaum ein Risiko ein. Nur 108 Mal musste laut einer Statistik des Umweltbundesamtes für das Jahr 2017 illegaler Abfall zurückgeführt werden. In gerade einmal 247 Fällen wurden Bußgelder verhängt. Die einzig verhängte Haftstrafe dauerte drei Monate.

Andere problematische Abfälle werden von den offiziellen Statistiken nicht einmal erfasst. Durchschnittlich 175 Fernseher pro Tag – und damit 64.000 Geräte jährlich – verließen 2018 die Bundesrepublik in Richtung Afrika, vorwiegend mit Ankunftsorten in Ghana, Nigeria, und Kamerun. Dort bringen die Innereien eines Fernsehers laut ESD zwischen 1,25 und 1,50 Euro. Die nicht verkäuflichen Teile landen auf Müllkippen.

Dass Deutschland gleichzeitig selbst zu den Importländern für Abfall zählt, ändert an dieser Misere nichts. Denn eingeführt werden vorwiegend hochpreisige Sekundärrohstoffe wie Stahlschrott und Kupferreste. Der Wert der Exporte, hat die Uni Würzburg ermittelt, liegt mit 598 Euro je Tonne mehr als 40 Prozent unter dem Wert der Importe. „Deutschland importiert Wertstoffe und exportiert Abfälle“, sagt AEB-Außenwirtschaftsexperte Uli Lison.

Mehr: Deutschland exportiert tonnenweise teils falsch etikettierte Abfälle ins Ausland, darunter auch immer wieder giftigen Müll. Nicht nur Indonesien will sich dagegen wehren.

Startseite

Mehr zu: Abfall - Deutschland exportiert mehr Müll als Maschinen

2 Kommentare zu "Abfall: Deutschland exportiert mehr Müll als Maschinen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wir sollten als hochentwickeltes Land in der Lage sein, Kunststoffabfälle selbst zu verwerten! Was Länder wie Indien und Malaysia damit sollen, erschließt sich mir nicht! Der Export sollte verboten werden.

  • Was ist Müll? Müll ist zunächst eine Vielzahl von Rohstoffen die man sehr gut wiederverwenden kann. Bis heute haben die Preise der ursprünglichen Rohstoffe verhindert das eine vernünftige Wiederverwertung erfolgen kann. Aber eigentlich eine große Chance für viele Länder. Das begreifen diese aber nicht. Warum klappt es nicht bei uns? Nun 8% Rendite ohne Müll ist besser als 3-4% Rendite mit Müllverwertung.

Serviceangebote