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Ärger über neues Preissystem Warum der Lufthansa Zoff mit Vielfliegern droht

Die Lufthansa stellt ihre Ticketpreise um. Das stößt der treuesten Kundengruppe sauer auf: Für viele Geschäftsreisende bringen die neuen Tarife steigende Kosten – und Zoff ums Handgepäck. Wofür die Airline kassiert.
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Das Europageschäft der Lufthansa ist ein Verlustbringer; Low-Cost-Linien wie Ryanair drücken die Preise. Quelle: dpa
Geschäftsreisende bei Lufthansa

Das Europageschäft der Lufthansa ist ein Verlustbringer; Low-Cost-Linien wie Ryanair drücken die Preise.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Lufthansa-Chef Carsten Spohr fehlt die glückliche Hand. Kaum hat er seine neue Tarifstruktur in die Welt gesetzt, hagelt es auch schon Protest. Die Lufthansa verliere ihren Status als Premium-Airline, ätzt ein Kunde. Und Hans-Ingo Biehl, Geschäftsführer des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) und Interessenvertreter der Geschäftsreisenden, sagt gegenüber der WirtschaftsWoche: „Nun muss man mehr zahlen, um Nachteile zu vermeiden.“

Mit der neuen Dreiteilung des Economy-Tarifs innerhalb Deutschlands und Europas in Light, Classic und Flex droht Spohr sich Ärger ausgerechnet mit seinen wertvollsten Kunden einzuhandeln: den Vielfliegern und Geschäftsreisenden.

Zwar setzen nicht nur Billig-Airlines, sondern auch klassische Wettbewerber wie Air France und British Airways auf diese Strategie: Wer mehr Service möchte, zahlt auch mehr. Indem Spohr auf diese Strategie einschwenkt, beraubt er sich jedoch eines bisherigen Wettbewerbsvorteils, zulasten seiner treuesten Fluggäste.

„Für die meisten Geschäftsreisenden dürfte der Flug mit Lufthansa in Zukunft teurer werden“, sagt Gerd Pontius von der Luftfahrt-Beratung Prologis. Zwar wirbt die Lufthansa im Light-Tarif mit Tickets ab 89 Euro für Hin- und Rückflug.

Doch das ist kaum mehr als ein Lockangebot. „Der Light-Tarif dient vor allem dazu, sich beim Kunden im Preisvergleich attraktiver zu machen“, sagt Pontius. „Während der Buchung werden aber viele in die teureren Tarife wechseln.“

Grund sind die Fluggewohnheiten dieser Kunden. Geschäftsreisende benutzen meist dickere Trolleys, in denen sie Laptop, Unterlagen und gern auch die Zweitgarderobe verstauen. Obwohl das alles meist mehr als die erlaubten acht Kilo wiegt, waren Lufthansa-Mitarbeiter bislang meist kulant – auch im Wissen, dass selbst Billig-Flieger wie Ryanair und Easyjet großzügigere Maßstäbe anlegen.

Doch: „Beispiele aus den USA zeigen, dass Airlines solche Tarifumstellungen dazu benutzen, rigidere Gepäckregeln einzuführen“, sagt Branchenkenner Pontius. Auch bei der Lufthansa ist künftig offenbar Schluss mit allzu viel Großzügigkeit.

„Mit der Einführung der neuen Tarife werden wir einerseits noch besser über die Handgepäckregeln informieren, andererseits auch deren Einhaltung sicherstellen“, erklärte die Lufthansa gegenüber der WirtschaftsWoche. „Es wird bei uns nicht dazu kommen, dass große Gepäckstücke mit in die Kabinen genommen werden.“

Lufthansa-Fluggästen mit dickem Trolley bleibt so nur, einen Koffer für 15 bis 30 Euro hinzu zu buchen oder in den Classic-Tarif zu wechseln. Der kostet mindestens 129 Euro. Das sind 30 Euro mehr als der bisherige Tarif, der die Aufgabe eines Koffers einschloss.

Auf Kurs ist Lufthansa längst nicht

So will Lufthansa wieder mehr Kunden gewinnen

Damit ist Zoff programmiert. Das lehren die Erfahrungen von Lufthansa-Wettbewerberin Air Berlin, die 2012 im Zuge einer ähnlichen Tarifumgestaltung auf Einhaltung der Handgepäckregel pochte. Die Kontrollen machten das Gate zum Nadelöhr, weil die Abfertigung länger dauerte. Das sorgte für Frust bei den Kunden. Als die Verzögerungen die Kosten erhöhten, ruderte Air Berlin zurück.

Ein weiteres Ärgernis: Mit der neuen Tarifstruktur lässt die Lufthansa Vielfliegern zugleich wenig Flexibilität – oder sie verlangt mehr Geld dafür. Umbuchen etwa ist in der niedrigsten Preiskategorie Light nicht möglich. Im Tarif Classic kostet es 65 Euro zusätzlich. Im Preis enthalten ist die Umbuchung nur in der teuersten Economy-Tarifstufe Flex. Dafür wird ein Aufpreis zwischen 60 und 160 Euro auf den Classic-Tarif fällig.

Eine Studie des Deutschen Reise Verbands (VDR) von 2014 ergab aber, dass zwei von fünf Geschäftsreisenden klassische Airlines wählen, weil eine Umbuchung bei Billiganbietern nicht möglich oder sehr teuer ist. Ryanair und Easyjet bieten deshalb inzwischen auch Tarife zum freien Umbuchen an, Spohr erschwert genau das.

Die Lufthansa kontert, dass gerade die neuen Tarife doch Flexibilität ermöglichen. Jeder brauche nur die Dienste zu zahlen, die er wirklich nutzt. Und Zusatzservices ließen sich schließlich gegen Aufpreis hinzubuchen. „Prinzipiell begrüßen wird das "mehr" an Individualisierbarkeit”, sagt Hans-Ingo Biehl. Doch der VDR-Geschäftsführer fürchtet, dass die neue Tarifstruktur nur den „Raum für nachgelagerte Preiserhöhungen” schafft.

Ein Vorwurf, den sich die Lufthansa auch in anderer Sache vom Geschäftsreisenden-Verband gefallen lassen muss: Eine angekündigte neue Ticketgebühr stößt ebenso auf Kritik. Ab dem 1. September muss jeder, der seine Flüge nicht online auf einer der Lufthansa-Seiten bucht, sondern über Reservierungssysteme wie Amadeus, die in Reisebüros, Konzernreisestellen und auf Urlaubs-Web-Sites Standard sind, 16 Euro zahlen.

Damit will Lufthansa jährlich 250 Millionen Euro einsparen. Die Änderungen am Preissystem erscheinen Carsten Spohr als unbedingt notwendig – trotz drohendem Ärger. Die Umstellung ist ein wichtiger Teil seiner langfristigen Strategie.

Die Preisdifferenzierung soll helfen, die Maschinen auf Europaflügen in Zukunft besser auszulasten. Sprich: Durch die Kombination von preiswerten Locktickets und höherpreisigen Economy-Tickets will die Lufthansa ihr Flieger voll bekommen – und trotzdem möglichst viel Geld mit jedem einzelnen Sitzplatz verdienen.

Die Sparangebote werden deshalb ohnehin auf solchen Flügen verstärkt zum Einsatz kommen, die die Lufthansa nicht voll bekommt. Die gut ausgelasteten Strecken bekommt die Airline auch mit teureren Tickets voll. Mit seinen Änderungen handelt Spohr unter Druck. Denn auch wenn die jüngsten Quartalszahlen dank niedriger Kerosinpreise positiv ausfielen, auf Kurs ist Lufthansa längst nicht.

Das Europageschäft ist ein Verlustbringer. Low-Cost-Linien wie Ryanair drücken die Preise auf der Kurzstrecke weiter – auch, weil sie selbst niedrigere Kosten haben. Auch außerhalb Europas droht Gefahr: Am andere Ende der Preis und Service-Spanne greifen Golflinien wie Etihad nach den Lufthansa-Kunden.

So unter Druck gesetzt, ist eine Kurskorrektur für die Lufthansa unausweichlich und doch schmerzhaft. Während Spohr mit Änderung bei den Ticketpreisen einige Kunden vergrätzen könnte, haben andere Änderungen für Zoff im eignen Haus gesorgt.

Gegen die Etablierung der Billigmarke Eurowings und Änderungen bei den Tarifverträgen liefen die eigenen Piloten Sturm. Immerhin an dieser Front scheint Spohr aber etwas Glück zu haben. Zuletzt zeichnete sich eine Einigung mit den Piloten im Tarifkonflikt ab

Wie wir morgen fliegen
Mehr Luft über den Wolken
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Der brasilianische Flugzeugbauer Embraer tritt bei seiner Regionaljet-Generation E2 mit einer völlig neu gestalteten Kabine an. Spezielle Handgepäck-Behälter sowie versetzte Sitze sorgen nicht nur für einen luftigeren Eindruck bei den Fluggästen, sie schaffen auch tatsächlich mehr Platz in der chronisch beengten Röhre.

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Apartment in 13.000 Metern Höhe
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„Residence by Etihad“ – unter diesem Namen bietet die Golf-Airline ihren betuchten Fluggästen nicht weniger als eine komfortable Drei-Zimmer-Wohnung für ihren Flug an. Eingebaut ist das Luxus-Appartement im Oberdeck des Airbus 380, von dem die Fluggesellschaft gerade den zweiten übernommen hat. Acht weitere A380 sind bereits bestellt.

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Ausgehen an Bord
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Rivale Qatar Airways setzt dagegen auf einen gepflegten Ausflug an Bord – etwa in eine luxuriös  gestaltete Bar. Auch sie ist in den Airbus 380 der Airline eingebaut und zwar im Oberdeck. Rein dürfen leider nur Passagiere der Business und First Class, alle anderen müssen weiterhin auf ihren Sitzen bleiben. 

Immer unter Strom
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Über den Wolken scheint immer die Sonne. Die Ingenieure von B/E Aerospace wollen sich das zunutze machen. Sie haben in die Sonnenblenden der Fenster einen dünnen Solarzellenfilm eingebaut. Der liefert Strom etwa zum Aufladen eines Smartphones oder Tablet-Computers. Noch befindet sich das System mit dem Namen „Solar Eclipse“ in der Testphase.

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Müllwagen an Bord
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Eine Idee, die für die Passgiere nicht sichtbar, aber gleichwohl genial ist, hat Marc Spille, Student an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, gemeinsam mit Airbus umgesetzt. Sein mobiler Müllcontainer zieht die gefüllten Müllsäcke stark zusammen und presst den Abfall so platzsparend zusammen. Der Clou: Spille nutzt dazu das Vakuumsystem der Bordtoilette.

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Digitale Fluchthilfe
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Dem Gerede des Sitznachbarn entkommen? Mit der „Escape Visor“ von Alexandra Moceri vom College for Creative Studies in Detroit ist das kein Problem. Befestigt am Kopfteil des Flugzeugsitzes kann der Passagier die „Brille“ bei Bedarf herunterklappen und per Touchpad im Sitz festlegen, was er mit ihr sehen möchte – vom aktuellen Bordprogramm bis hin zu Live-Bildern vom Flug. Alternativ lässt sich das Sichtfeld abdunkeln – für ein kleines Nickerchen. Noch ist die Brille allerdings nur eine Studie.

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Neue Durchlässigkeit
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Mit einer neuen, stark lichtdurchlässigen Folie macht Sabic Innovative Plastics auf sich aufmerksam. Was auf den ersten Blick unspektakulär klingen mag, schafft ganz neue Möglichkeiten auch für den Fluggast. Längst denken die Airlines etwa über Self-Service-Stationen an Bord nach. Dazu muss der Passagier natürlich sehen, was es gibt. Das klassische Vitrinenglas ist viel zu schwer. Die Folie von Sabic ist dagegen leicht und zudem noch schwer entflammbar.

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4 Kommentare zu "Ärger über neues Preissystem: Warum der Lufthansa Zoff mit Vielfliegern droht"

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  • In der Tat ist Lufthansa seit einiger Zeit m.E. strategisch auf dem Holzweg. Zuerst wurde das Miles & More Programm schrittweise entwertet, sodaß es zumindest für mich inzwischen keinerlei Bedeutung bei Wahl der Airline mehr hat. Wenn ein Loyalty-Programm aber keine Loyalität mehr erzeugt ist es reine Geldverschwendung.

    Durch das neue Preismodell ist eine Abgrenzung gegenüber den Billig Airlines nun ebenfalls kaum noch zu erkennen. Dabei wird man wegen der völlig anderen Kostenstruktur in diesem Preissegment ohnehin nicht mithalten können.

    Bei nicht mehr vorhandener Loyalität, kaum wahrnehmbarer Differenzierung und zugleich noch immer höherem Preis - warum soll da noch ein Kunde LH und nicht gleich Easyjet & Co fliegen? Der Kampf gegen die Golf Airlines ist schwierig, keine Frage. Aus meiner Sicht wäre es jedoch vielversprechender diesen Kampf anzunehmen und sich am oberen Ende über Angebotsqualität zu differenzieren als zu versuchen, gegen die Billigflieger mitzuhalten.

    Die aktuelle Strategie führt in die klassische und i.d.R. zum Scheitern verurteilte "Stuck in the middle"-Positionierung. Wird schwierig für LH.

  • Ich bin vor allem mal gespannt, wie die Lufthansa dies hier handhaben wird:

    http://www.spiegel.de/reise/aktuell/mode-fuer-schlaue-billigflieger-kleid-statt-koffer-a-963185.html

    Sieht zwar nicht schön aus, würde aber auf Dauer einiges an Gebühren sparen...

  • Herr Schulte, das Phänomen, welches Sie beschreiben, betrifft nicht nur die USA. Flüge mit der LH sind eigentlich immer billiger, wenn sie im Ausland gebucht werden. Auch erhält man als Ausländer viel schneller einen Status. Da ich häufiger ganze Projektteams durch die Gegend fliegen lasse, habe ich es mir bei langfristigen Projekten angewöhnt, die Projekt-MA bei der ersten Anreise mit einem teuren flexibel umbuchbaren Ticket einfliegen zu lassen. Der Rückflug ist dann aufs Projektende terminiert. Die Wochenendheimflüge werden dann im jeweiligen Ausland gebucht. Dann wird es erheblich billiger.
    Die Preise richten sich halt auch danach, was man von den Leuten bekommen kann. Deutsche Autos sind zu einem großen Teil in den USA ja auch billiger zu haben.
    Die Umstellung des Preissystems der LH jetzt auf das Preissystem von Billig-Airlines dürfte der LH aber teuer zu stehen kommen. Wenn man sich als Geschäftsreisender nun bei jeder Flugbuchung noch großartig Gedanken über das Gepäck und die Planungssicherheit seiner Termine machen muss, sehe ich eigentlich keinen Unterschied zu Ryanair & Co. mehr. Außer, dass eben Ryanair & Co. günstiger sind. Herr Spohr macht aus der ehem. Premium-Fluggesellschaft eben eine Billig-Airline. Dann müssen auch die Ticket-Preise drastisch nach unten angepasst werden.
    Sonst bleibt als einziger Vorteil der LH nur noch das Streckennetz und die tolle Anbindung von Provinzflughäfen an die Hubs über die LH CityLine. Hoffentlich reicht dieser Vorteil zum Überleben.

  • Alles schön und gut! Eines wurde an dieser Stelle vergessen: Geschäftsreisende, die des öfteren in die USA und weiter fliegen erhalten in Deutschland zumeist viel höhere Preise für die selbe Leistung, als wenn man von Belgien, Italien oder Griechenland aus fliegt.

    Noch viel schöner ist die Tatsache, dass die Konkurrenz in diesen Ländern auch viel günstiger fliegt und dass zumeist zu einem Preis, welcher sich um nur 50 € von der Konkurrenz unterscheidet. Wenn dass mal nicht etwas für die "Wettbewerbshüter" ist.

    In jedem Falle ein weiteres Ärgernis für Geschäftsreisende, dass man für die gleiche Leistung viel mehr bezahlen muss, wenn man aus Deutschland abfliegt.

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