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Agrarclaim „Landwirte erhalten ihr Geld sofort“: Anwälte sammeln Forderungen gegen Pflanzenschutzkartell

Ein Rechtsdienstleister wirbt um Landwirte, die zu viel für Pflanzenschutzmittel bezahlt haben. Die könnten bis zu 20 Prozent der Mehrausgaben zurückbekommen.
09.07.2021 - 08:28 Uhr Kommentieren
Tausende Einzelhändler und  Landwirte zahlten zu hohe Preise für die Pestizide. Quelle: imago images/Harry Koerber
Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Tausende Einzelhändler und Landwirte zahlten zu hohe Preise für die Pestizide.

(Foto: imago images/Harry Koerber)

Köln Einen dreisteren Fall von Preisabsprachen hatte Andreas Mundt wohl selten gesehen. „Einige Unternehmen setzten faktisch nur noch ihr Firmenlogo über die abgestimmte und fertige Preisliste“, sagte der Präsident des Bundeskartellamts über das Pflanzenschutzkartell. Anfang 2020 verhängte die Wettbewerbsbehörde deshalb Bußgelder gegen sieben Großhändler und verantwortliche Manager.

Zu den Unternehmen gehörten Baywa, die Getreide AG und einige Genossenschaften. Mehr als 150 Millionen Euro stellte das Amt den Kartellanten in Rechnung. Dabei dürfte es nicht bleiben.

Die illegalen Absprachen schadeten nicht nur dem Wettbewerb, sondern auch den Kunden der Großhändler. Tausende Einzelhändler und Endkunden – in aller Regel also die Landwirte – zahlten zu hohe Preise für die Pestizide. Deshalb fordern viele von ihnen Schadensersatz von ihren Lieferanten.

Nun haben geschädigte Kunden eine weitere Möglichkeit, einen Teil der zu hohen Preise zurückzuerlangen. Der Rechtsdienstleister Agrarclaim wirbt mit dem Aufkauf von Forderungen. Das heißt: Die Käufer der Pflanzenschutzmittel selbst treten potenzielle Ansprüche ab. Agrarclaim verschafft geschädigten Landwirten damit einen sofortigen – wenn auch bescheidenen – Geldzufluss.

„Viele Landwirte schrecken vor langwierigen Rechtsstreitigkeiten zurück“, sagt Alex Petrasincu von der Kanzlei Hausfeld. Sie dauerten ihnen schlicht zu lange. „Einige wollen auch nicht im eigenen Namen klagen, weil ihnen weiterhin eine gute Beziehung zu ihrem Händler wichtig ist.“

Petrasincu vertritt Agrarclaim in dem Rechtsstreit gegen die Großhändler. „Der große Vorteil ist, dass die Landwirte das Geld sofort erhalten, nicht erst in mehreren Jahren – und unabhängig davon, ob Agrarclaim den Prozess gewinnt. Außerdem beteiligt sich mit Fortress ein seriöser und solventer Finanzierer“, sagt der Anwalt.

Bauernverbände haben Sammelklagen organisiert

Beispiele für erfolgreiche Klagen auf Schadensersatz gibt es einige: So gelang es etwa der Deutsche-Bahn-Tochter Barnsdale, hohe Millionenzahlungen von den Mitgliedern eines Luftfrachtkartells einzufordern. Im Lkw-Kartell werden die beteiligten Hersteller aktuell mit Klagen überzogen. In vielen Auseinandersetzungen einigen sich die Parteien auch auf einen Ausgleich des Schadens durch eine Verrechnung mit künftigen Lieferungen.

Im Pflanzenschutzmittelkartell gibt es bereits einige Versuche seitens der Geschädigten, an Schadensersatz zu kommen. Spezialisierte Anwaltskanzleien werben um Mandate. Einzelne Bauernverbände wie etwa das Landvolk Niedersachsen haben Sammelklagen organisiert: „Wir können in Zusammenarbeit mit der auf das Kartellrecht spezialisierten Kanzlei MJG Rechtsanwälte die Möglichkeit einer Schadensersatzklage ohne Kostenrisiko anbieten. Die Kanzlei arbeitet mit einem Prozessfinanzierer zusammen, der im Erfolgsfall 25 Prozent der zugesprochenen Schadenssumme einbehält.“

Agrarclaim geht davon aus, dass die Kartellanten ihre Produkte um fünf bis zehn Prozent zu teuer verkauft haben. Zehn bis zwanzig Prozent des Schadens will der Dienstleister je nach individuellem Fall sofort auszahlen. Wer also in den Jahren der Absprachen für 25.000 Euro Pestizide gekauft hat, kann im günstigsten Fall mit einer Überweisung von 500 Euro rechnen.
Mehr: Die EU bittet wegen illegaler Absprachen Autobauer zur Kasse

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