„Aida-Vater“ Kreuzfahrtbranche will mit Volldampf voraus

Richard J. Vogel hat den pauschalen Urlaub auf See aus der teuren und ein wenig verstaubten Ecke geholt – er gilt als einer der Väter der „Aida“-Clubschiffe. Nun hat der Chef von Tui Cruises mit seinem Konzept zum zweiten Mal in der Kreuzfahrtbranche einen Volltreffer gelandet.
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Richard J. Vogel gilt als einer der Väter der "Aida"-Clubschiffe. Mittlerweile gibt es sieben Schiffe, hier die Aidadiva. Quelle: ap

Richard J. Vogel gilt als einer der Väter der "Aida"-Clubschiffe. Mittlerweile gibt es sieben Schiffe, hier die Aidadiva.

(Foto: ap)

HAMBURG. Auf diesen Tag musste er lange warten: Mehr als ein Jahr lang hat Richard J. Vogel der Tourismus-Branche ständig versichert, dass er keinesfalls auf Dauer die Geschäfte einer „One-Ship-Company“ leiten werde. Gestern kündigte die Konzerntochter Tui Cruises an, nun schon mal eine Zwei-Schiff-Gesellschaft zu werden: Vogels bisher einziger Kreuzfahrtdampfer mit dem ungewöhnlichen Namen „Mein Schiff“ bekommt ein Schwesterschiff. Der überraschende Name: „Mein Schiff 2“.

Für den stets etwas bärtigen, meist auf Krawatten verzichtenden 55-Jährigen ist die Premiere seines neuen Schiffs die Bestätigung dafür, dass sein ehrgeiziges Kreuzfahrt-Konzept für Europas größten Reisekonzern aufgeht. Mitten im Krisenjahr 2009 war Tui Cruises mit dem 13 Jahre alten, bislang in Diensten des Miteigentümers Royal Caribbean Cruises fahrenden, für Millionenaufwand völlig umgebauten Schiff in den deutschen Markt gegangen. Auch „Mein Schiff 2“ stammt aus der Royal-Caribbean-Flotte und soll Anfang 2011 für 50 Millionen Euro für deutsche Ansprüche umgebaut werden.

Damit verdoppelt Vogel auf einen Schlag die Tui-Kapazität im sogenannten „Volumenmarkt“. Gemeint ist das Kreuzfahrt-Geschäft mit Menschenmassen. „Mein Schiff“ bringt es bei voller Belegung auf 1 900 Passagiere. Da sich in dem Markt längst andere Anbieter tummeln, hatten Touristikexperten trotz des anhaltenden Kreuzfahrtbooms in Deutschland den Markteintritt der Tui eher skeptisch gesehen. Doch „Mein Schiff“ wurde ganz schnell ein Schiff des deutschen Publikums. Darauf hatte Vogel gesetzt. Er, der gerne ruhig, aber locker-lässig und mit einem Schuss Selbstironie Sympathien weckt, spricht die Generation der gut verdienenden Baby-Boomer an.

Eine Klientel, die ihren gehobenen Lebensstandard etwa bei Steaks, Sushi oder Tapas genießt, zugleich Ruhe, Wellness und Unterhaltung haben will, aber weder Party noch Animation mag. Und das alles deutschsprachig, fern vom American Way of Life. Ohne den Anglizismus „Cruises“ ging es dann doch nicht: „Das Wort Kreuzfahrt klingt immer noch sehr konservativ“, meint Vogel.

Seine Kundschaft hat damit kaum ein Problem. Es sind jene welterfahrenen Gäste, die bei einem Tagesreisepreis von knapp 200 Euro im Schnitt noch nicht ihr Erspartes zusammenkratzen müssen und dies, so Vogel, für einen „Wohlfühlpreis“ halten.

Mit seinem Konzept hat er zum zweiten Mal in der Kreuzfahrtbranche einen Volltreffer gelandet. Vogel ist einer der Väter der „Aida“-Clubschiffe. Das war Vogels erster Versuch, den pauschalen Urlaub auf See aus der teuren und ein wenig verstaubten Ecke zu holen – und Produkte für Passagiere zu schaffen, die sonst eher Sonne, Sand und Sangria am Mittelmeer im locker-fröhlichen Cluburlaub konsumierten. Mit einem Schiff war Vogel 1996 an den Start gegangen, mittlerweile sind sieben unterwegs, zwei weitere lässt der deutsche Marktführer noch bauen. Auf den Erfolg ist Vogel auch als Tui-Cruises-Chef noch stolz: „Das war eine ganz seltene Chance in diesem Urlaubssegment.“

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1 Kommentar zu "„Aida-Vater“: Kreuzfahrtbranche will mit Volldampf voraus"

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  • 200 Euro pro Tag als Wohlfühlpreis zu bezeichnen, ist meines Erachtens eher daneben. 100 Euro pro Tag bietet die Konkurrenz an. Den Namen "Mein Schiff" halte ich ebenfalls für wenig verkaufsfördernd, "Mein Schiff 2" kann nur von einem deutschen Zeitgenossen kommen.

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