Air-Berlin-Übernahme Brüssel gibt grünes Licht für Easyjet

Der Übernahme von Teilen der insolventen Air Berlin durch Easyjet steht nichts mehr im Weg. Die EU-Kommission genehmigte den Zusammenschluss ohne Auflagen. Bei den größten Teilen gibt es aber nach wie vor keine Klarheit.
Update: 12.12.2017 - 19:11 Uhr Kommentieren

Easyjet darf Teile von Air Berlin übernehmen

Brüssel/BerlinDie EU-Wettbewerbshüter haben für die Übernahme von Teilen der insolventen Fluglinie Air Berlin durch Easyjet grünes Licht gegeben. Der Zusammenschluss werde ohne Auflagen genehmigt, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Bei der Übernahme der bisherigen Air Berlin-Tochter Niki sieht der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus nur noch die Lufthansa im Rennen.

Zu Easyjet sagte die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager: „Die Pläne von Easyjet, bestimmte Vermögenswerte von Air Berlin zu übernehmen, werden den wirksamen Wettbewerb nicht mindern.“ Durch den Beschluss der Kommission könne Easyjet die Präsenz an den Berliner Flughäfen ausbauen und auf neuen Strecken zum Vorteil der Verbraucher in den Wettbewerb eintreten. Easyjet hatte unlängst bereits angekündigt, dem Branchenprimus Lufthansa auf innerdeutschen Strecken stärker Konkurrenz machen zu wollen.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet und Ende Oktober den Flugbetrieb eingestellt. Einen Großteil der Flotte will die Lufthansa übernehmen, einschließlich der lukrativen Teilgesellschaft Niki, einen kleineren Teil die britische Easyjet. Die EU-Kommission prüft derzeit noch die Lufthansa-Übernahme, die Frist für die erste Prüfungsphase läuft bis 21. Dezember. Es ist nun damit zu rechnen, dass das Easyjet-Angebot die befürchtete Vormachtstellung der Lufthansa abmildert. Lufthansa will mit dem Verzicht auf Start- und Landerechte wettbewerbsrechtliche Bedenken der Kommission zerstreuen.

Der Generalbevollmächtigte von Air Berlin, Frank Kebekus, sagte am Dienstag zur geplanten Niki-Übernahme: „Wenn wir bis 21. Dezember von der Europäischen Kommission grünes Licht bekommen, können wir den Verkauf erfolgreich abschließen.“ Wenn der Zeitplan jedoch ins Rutschen komme, müsse Niki umgehend Insolvenz anmelden. „Dies würde bedeuten, dass kurz vor Weihnachten 1000 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren, Zehntausende Passagiere stranden und hunderttausende Tickets ihre Gültigkeit verlieren.“

Bei der Übernahme der bisherigen Air Berlin-Tochter Niki sieht Kebekus nur noch die Lufthansa im Rennen. Der britische IAG-Konzern (British Airways, Iberia, Vueling) habe schriftlich mitgeteilt, kein Kaufinteresse mehr an Niki zu haben, teilte Kebekus nach einer Sitzung des Gläubigerausschusses der Air Berlin mit. „Auch die erneuten Gespräche mit dem Bieterkonsortium um den Reiseveranstalter Thomas Cook haben bisher nicht ansatzweise zur Unterbreitung eines tragfähigen Alternativangebots geführt.“

„Der Fall ist eindeutig: Einziger valider Kaufinteressent für die Niki ist und bleibt die Lufthansa Group“, stellte der Gläubigerausschuss laut Air Berlin fest.

Der schnelle Aufstieg und tiefe Fall der Krisen-Airline
1978
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Der US-Pilot Kim Lundgren (links, mit Sohn Shane) gründet die Air Berlin Inc. als Berliner Charterfluggesellschaft mit zwei Flugzeugen.

1979
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Erstflug von Berlin nach Palma de Mallorca.

1991
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Joachim Hunold (Bild) und Kim Lundgren gründen die Air Berlin GmbH.

2003
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Air Berlin steigt auf zur zweitgrößten Fluggesellschaft in Deutschland nach Lufthansa, gemessen an der Passagierzahl.

2004
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Air Berlin steigt bei der österreichischen Fluggesellschaft Niki ein.

2005
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Die GmbH wird in eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht (PLC) umgewandelt - in die Air Berlin PLC.

2006
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Air Berlin geht am 11. Mai in Frankfurt an die Börse. Später übernimmt das Unternehmen die deutsche Fluggesellschaft dba.

Kebekus sagte, wie von der EU-Kommission gefordert, habe man noch einmal Kontakt zu weiteren möglichen Bietern aufgenommen. Daraufhin hatten Thomas Cook (Condor) und IAG wieder Interesse an Nikio gezeigt, nachdem sie im Bieterverfahren der Insolvenzverwaltung von Air Berlin zunächst nicht zum Zuge gekommen waren.

Die EU-Kommission muss bei europaweit relevanten Zusammenschlüssen prüfen, ob Wettbewerbsverzerrungen oder Nachteile für Verbraucher entstehen könnten.

  • dpa
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