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Air Berlin vor der Übernahme Berliner Spedition buhlt um Pleite-Airline

Die Liste potenzieller Bieter für die insolvente Air Berlin füllt sich zunehmend mit illustren Kaufinteressenten. Die Pleite-Airline lockt nicht nur Rennfahrer und Hostelbetreiber, sondern auch die Spedition Zeitfracht.
06.09.2017 - 14:17 Uhr Kommentieren
Die Spedition Zeitfracht wirft sich in den Bieterkampf um die Pleite-Airline. Quelle: dpa
Air Berlin

Die Spedition Zeitfracht wirft sich in den Bieterkampf um die Pleite-Airline.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die kleine Berliner Spedition Zeitfracht mit ihren 325 Lastwagen kennen die wenigsten. Das aber soll sich nach dem Willen ihres Geschäftsführers Wolfram Simon, 36, nun ändern. Man habe am Montagabend die testierten Kaufunterlagen bei Air-Berlin-Sachwalter Lucas Flöther eingereicht, erklärte er dem Handelsblatt. Nun warte man auf den Zugang zum laufenden Investorenprozess.

Der Familienbetrieb greift damit nach Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft, deren Verkauf Flöther derzeit gemeinsam mit der Unternehmensberatung Roland Berger organisiert. „Uns ist daran gelegen“, erklärt Simon, „Air Berlin möglichst als Ganzes zu erhalten und den Luftverkehrsstandort Berlin zu stärken.“

Im angedachten Konzept, mit dem man den insolventen Flieger wieder erfolgreich machen will, klaffen allerdings erhebliche Lücken. So vermutet Zeitfracht insbesondere im Luftfrachtbereich „große Wachstumschancen und Erlöspotenziale“.  Für den Passagierbetrieb dagegen halte man Ausschau nach Partnern. Ein möglicher: Ihr Luftfrachtgeschäft wickelt die Lkw-Spedition, wie das Handelsblatt erfuhr, schon jetzt in Kooperation mit Air China ab.

Wer im Airline-Poker mit am Tisch sitzt
Folgenreicher Insolvenzantrag
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Der Insolvenzantrag der Air Berlin zog eine Welle von Interessensbekundungen nach sich. Von Anfang an zeichnete sich ab, dass die Fluggesellschaft wohl von mehreren Konkurrenten übernommen wird. Neben zahlreichen Interessenten sind auch weitere Akteure in die Verhandlungen verwickelt: Nicht nur Experten des Insolvenzrechts, auch die Bundesregierung wirkt zumindest indirekt mit. Derweil konkretisieren die Interessenten ihre Wünsche.

(Foto: dpa)
Neu im Rennen
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Der frühere Formel 1 Champion Niki Lauda interessiert sich nun auch offenbar für Air Berlin. Der Ex-Rennfahrer will knapp 40 Maschinen der insolventen Airline und ihrer Tochter Niki übernehmen. Dafür will er zusammenarbeiten mit ...

(Foto: dpa)
Thomas Cook und Condor
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... dem Reiseveranstalter Thomas Cook und der Tochter Condor. Geht der Plan auf, erhält Niki Lauda 51 Prozent des Konsortiums. Er will dann ausschließlich touristische Ziele anfliegen. Für Fluggäste soll dabei Thomas Cook sorgen.

(Foto: dpa)
Aktionär zieht sich zurück – mit weitreichenden Folgen
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Seit 2012 ist Großaktionär der Staatskonzern aus Abu Dhabi mit einem Anteil von 29,2 Prozent an Air Berlin beteiligt. Wenige Tage, nachdem Etihad die Unterstützung entzogen hatte, sah sich Air Berlin zur Insolvenzanmeldung gezwungen. Dennoch widerspricht Etihad dem Eindruck, Air Berlin im Stich gelassen zu haben: Noch im April seien 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden. Diese Unterstützung habe man aber angesichts der „sich rapide verschlechternden Geschäftsergebnisse und Liquidität“ nicht weiter leisten wollen. Ein Großteil der 1,5 Milliarden Schulden dürfte wohl ohnehin am großen Partner hängenblieben.

(Foto: AFP)
Lufthansa dominiert die Verhandlungen
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In der nun eröffneten Bieterschlacht ist die Lufthansa ganz vorn dabei. Die Verhandlungen mit dem deutschen Marktführer, der die Übernahme schon seit Monaten vorantreibt, sollen am Freitag beginnen. Schon im Januar war dem umsatzstärksten europäischen Luftverkehrskonzern ein Teilerfolg gelungen: Damals wurden die Anmietung und faktische Übernahme von 38 Mittelstrecken-Maschinen genehmigt, was rund einem Viertel der Air-Berlin-Flotte entspricht.

(Foto: dpa)
Carsten Spohr
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Mindestens ein weiteres Viertel will der Lufthansa-Chef nun für seine Billigflieger-Gruppe Eurowings sichern. Diese sucht ohnehin zusätzliche Maschinen und Slots für die Mittel- und die Langstrecke. In Wirklichkeit verfolgt Spohr aber ein übergeordnetes Ziel: Den Billigflieger Ryanair von den größeren deutschen Flughäfen so weit wie möglich fernzuhalten. Um den Wettbewerb hochzuhalten, nimmt er dafür sogar größere Marktanteile anderer Anbieter in Kauf.

(Foto: dpa)
Die Konkurrenz
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Daher steht die Lufthansa ihren Konkurrenten auch nicht im Weg. Gespräche mit Easyjet und Tuifly sind nach Angaben von Air Berlin ebenfalls geplant. Auch der Reiseveranstalter Thomas Cook mit seiner Ferienflugtochter Condor interessiere sich an einer „aktiven Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin“. Thomas-Cook-Feriengäste kommen ohnehin schon zu großen Teilen mit Air Berlin an ihr Ferienziel.

(Foto: AP)

Das Familienunternehmen hatte Gründer Horst Walter Schröter 2011, zwei Jahre vor seinem Tod, der Nichte Jasmin Schröter, 33, vererbt. Sie ist mit Simon liiert.

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    Auf den ersten Blick scheint Zeitfracht für die Übernahme von Air Berlin viel zu klein. Der 800 Mitarbeiter beschäftigende Gesamtkonzern („Schröter Holding GmbH“) brachte es 2015 bei 102 Millionen Euro Umsatz auf 1,4 Millionen Euro Nettogewinn. Air Berlin dagegen beschäftigt zehnmal so viel Personal, das 2016 fast 3,8 Milliarden Euro Umsatz bewegte – wenn auch mit enormem Verlust.

    Doch die Firmenkasse von Zeitfracht ist prall gefüllt. Im vergangenen Oktober verkaufte die Berliner Spedition ihren Firmenanteil von 6,21 Prozent an Deutschlands zweitgrößtem Paketdienst DPD. Der Kaufpreis blieb zwar unveröffentlicht, dürfte Experten zufolge aber an eine dreistellige Millionenhöhe heranreichen. Jahrelang hatte sich der DPD-Hauptgesellschafter, die französische Postgesellschaft La Poste, um den ausstehenden Anteil an der Paketgesellschaft DPD bemüht, die 2017 voraussichtlich 1,7 Milliarden Euro umsetzt.

    Diese Strecken streicht Air Berlin
    Spottpreis für Flüge in die USA
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    Air Berlin versucht offensichtlich, Geld in die leeren Kassen zu bekommen: Für einen Hin- und Rückflug in die USA muss man gerade einmal 333 Euro bezahlen – ein Spottpreis. Wer das Angebot wahrnehmen möchte, sollte sich allerdings beeilen. Denn die insolvente Airline streicht einige Langstreckenflüge - zum Großteil sind das Flüge in die Vereinigten Staaten.

    (Foto: Screenshot)
    Berlin - Abu Dhabi
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    Als erstes fliegen allerdings Flüge in die Vereinigten Arabischen Emirate aus dem Angebot. Im Gegensatz zu diesem Solarflieger wird Air Berlin zukünftig in Abu Dhabi nicht mehr landen - zumindest nicht, wenn die Maschine in Berlin gestartet ist. Bisher wurden zwei Mal täglich Direktflüge von der deutschen Hauptstadt aus angeboten. Nun wird der erste am 17. September und der zweite am 1. Oktober gestrichen. Die Strecke war die defizitärste: Pro Monat wurden hier Verluste in Höhe von einer Millionen Euro verursacht.

    (Foto: Reuters)
    Berlin - Chicago
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    Als nächstes ist die Strecke Berlin – Chicago dran. Bisher war ein Flug einmal pro Tag möglich. Das ist in Zukunft nicht mehr so: Die Strecke soll zum 30. September wegfallen. Ab dann muss Air Berlin den Flugraum anderen überlassen.

    (Foto: AP)
    Berlin – Los Angeles
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    Ab dem 1. Oktober sind zwischen Berlin und Los Angeles bei Air Berlin keine Flüge mehr zu buchen. Eigentlich sollte diese Strecke vier Wochen später zu Beginn des Winterflugplans gestrichen werden, nun geht alles schneller. Bisher flog die Airline drei Mal pro Woche Los Angeles an.

    (Foto: AP)
    Berlin - San Francisco
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    Genauso ergeht es der Strecke Berlin – San Francisco: Auch die Streichung dieser Strecke wurde um vier Wochen auf den 1. Oktober vorgezogen. Bisher war San Francisco für Air Berlin-Kunden vier Mal pro Woche buchbar. Der Blick auf die Golden-Gate-Bridge bleibt also anderen Flugpassagieren vorbehalten.

    (Foto: Reuters)
    Düsseldorf - Boston
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    Von Düsseldorf aus wird nur ein Langstreckenflug gestrichen: Ab dem 1. Oktober können Air Berlin-Kunden von der NRW-Landeshauptstadt aus nicht mehr nach Boston fliegen. Bisher war das täglich möglich. Auch diese Streichung wurde um vier Woche nach vorne verlegt. Über der Skyline werden dann also keine Air Berlin-Maschinen mehr zu sehen sein.

    (Foto: Reuters)
    Berlin - New York
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    In Berlin bleiben nur zwei Langstrecken-Ziele, die Air Berlin noch anbietet: Nicht von den Streichungen betroffen sind Flüge nach New York, die weiterhin täglich starten sollen…

    (Foto: Reuters)

    Gegenüber dem Handelsblatt bestätigt Zeitfracht-Geschäftsführer Simon, dass die Gelder aus dem Anteilsverkauf für den Einstieg bei Air Berlin eingesetzt werden sollen.

    Ob die Zeit reichen wird, ist ungewiss. Bis zum 15. September will der Insolvenzsachwalter Offerten für Air Berlin einsammeln, um womöglich schon am 21. September einen Verkaufsentscheid zu fällen. „Das ist sportlich“, erklärte Simon, „aber schaffbar.“ Unterstützung bekommt er von der Wirtschaftskanzlei Görg. Die Kölner Rechtsanwälte hatten Zeitfracht beim Verkauf der DPD-Anteile beraten, bekannt wurde Görg durch den Verkauf des Warenhausimperiums Arcandor Karstadt.

    Die Liste der Bieter für Air Berlin wird länger und länger
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