Air-France-Tochter Joon Frankreichs Hipster-Airline geht an den Start

Weiße Sneaker, kostenloses WLAN und Quinoa-Salat: Mit der neuen Billigtochter Joon will Air France ab heute bei jungen Reisenden punkten. Doch die Konkurrenz ist groß – und die erste Panne gab es schon vor dem Start.
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Air France will mit Joon bei Hipstern landen Quelle: AFP
Maschinen von Joon und Air France

Die neue Tochter des Luftfahrtkonzerns geht am Freitag an den Start.

(Foto: AFP)

ParisWenn französischen Firmen auch das Sparen nicht so liegt, sind sie doch beim Stil unschlagbar. Das zumindest scheint das Rezept für Joon, die neue Airline von Air France-KLM, zu sein. Diese Woche geht die Fluglinie an den Start. Der Firmenname soll eine Anspielung auf „jeune“ sein, französisch für jung.

An Bord soll es denn auch wie das Paradies für Millennials aussehen: Flugbegleiter, modisch gestylt und technikaffin, servieren angesagtes Superfood wie Baobab-Saft oder Bio-Quinoa-Salat. Das junge Publikum streamt währenddessen selbstverständlich Filme und Serien, während sie zu günstigen Preisen von Paris nach Barcelona jetten.

Die Wirklichkeit ist dagegen weniger glamourös. Der Hipster-Anstrich verdeckt, dass die neue Airline Ergebnis knallharter Kalkulationen im Luftfahrtkonzern ist. Die Gewinnformel lautet: Die Kosten werden stärker gedrückt als die Ticketpreise. So will Air France den weiteren Vormarsch von Billigfliegern wie Ryanair stoppen und auch andere Konkurrenten vom lukrativen Langstreckenmarkt fernhalten. Joon ist dabei der zweite Versuch des Konzerns, die Kosten zu drücken; der erste scheiterte unter teils gewalttätigen Protesten der Mitarbeiter.

Analysten glauben, dass Joon erfolgreich starten muss, bevor die Ölpreise wieder ansteigen. Ansonsten würde Air France seinen derzeitigen Aufschwung verspielen. In den ersten neun Monaten stieg der operative Gewinn des Konzerns um 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, der Aktienkurs verdoppelte sich. Das liegt auch daran, dass nach zahlreichen Terroranschlägen wieder mehr Touristen nach Frankreich kommen.

„Anstatt eine neue hochnäsige Airline zu gründen sollte man vielleicht die reparieren, die man schon hat.“ Quelle: Screenshot Youtube
Joon-Werbung

„Anstatt eine neue hochnäsige Airline zu gründen sollte man vielleicht die reparieren, die man schon hat.“

(Foto: Screenshot Youtube)

„Air France muss die Kostenstruktur im Vergleich zu den Wettbewerbern verbessern, um auch in einem Umfeld Erfolg zu haben, das weniger günstig als heute ist”, sagt Andrew Lobbenberg, Luftfahrt-Analyst bei HSBC. „Darum geht es bei Joon.“

Die neue Tochter ist die vierte Marke von Air France neben der Kernmarke, dem Kurzstreckenflieger Transavia und der Regionalairline Hop!. Joon wird am Pariser Flughafen Charles de Gaulle stationiert und startet am heutigen Freitag in den Betrieb. Erste Ziele sind Barcelona, Berlin, Lissabon und Porto, im kommenden Jahr kommen dann auch exotischere Destinationen wie die Seychellen oder Fortaleza in Brasilien hinzu. Die Genehmigung für Flüge in die USA ist bereits beantragt. Firmenchef Jean Michel Mathieu kündigte am Donnerstag an, dass man später auch Rom, Neapel, Oslo, Istanbul, Kairo, Teheran und Kapstadt anfliegen will.

Diese Airlines haben die meisten Starts in Deutschland
Platz 10: SunExpress
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Das Joint Venture der Lufthansa mit Turkish Airlines belegt in der Abflugstatistik des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) vom September 2017 Platz zehn. 1490 Starts von deutschen Flughäfen konnte SunExpress in diesem Zeitraum verzeichnen.

Platz 9: Tuifly
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Die Tui-Tochter Tuifly landet mit 1559 Starts von deutschen Flughäfen auf Platz neun der aktuellen Statistik. Demnächst dürften es jedoch mehr werden: Der Ferienflieger hatte ein gutes Dutzend Maschinen an Air Berlin verchartert. Die kommen nach der Pleite der Airline zurück zu Tuifly. Statt attraktive Chartergebühren zu kassieren, muss Tuifly nun selbst für die Auslastung sorgen.

Platz 8: Niki
3 von 10

Das Air-Berlin-Tochterunternehmen Niki soll von der Lufthansa übernommen werden. Im September hob Niki 2060 mal von deutschen Flughäfen ab.

Platz 7: Condor
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Die Thomas-Cook-Tochter Condor verzeichnete im September noch 2147 Starts aus Deutschland.

Platz 6: Easyjet
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Easyjet übernimmt 25 Flugzeuge und Crews von Air Berlin für insgesamt 40 Millionen Euro – und damit auch lukrative Slots in Berlin-Tegel. Aus den 2499 Starts von deutschen Flughäfen im September dürften daher bald mehr werden.

Platz 5: Germanwings
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Die Flugzeuge von Germanwings starteten im September 4594 mal von Deutschland aus – Platz fünf im Abflug-Ranking.

Platz 4: Ryanair
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Europaweit ist Ryanair Marktführer, in Deutschland kam der irische Billigflieger im September dagegen nur auf 4992 Starts – das reicht nur für Platz vier.

Die ersten Maschinen von Joon sind Airbus A320-Jets von Air France, für die Interkontinentalflüge werden A340-Großraumflieger eingesetzt. Ab 2019 sollen modernere A350-Jets hinzukommen. Vereinbarungen mit den Arbeitnehmern sehen vor, dass Joon maximal 28 Maschinen einsetzen darf.

Die Airline entstand als Kompromissvorschlag von Konzernchef Jean-Marc Janaillac. Sein Vorgänger Alexandre de Juniac war mit dem Versuch, mit Transavia ein größeres Billig-Projekt umzusetzen, gescheitert. Die geplanten Einschnitte sorgten für große Proteste, aufgebrachte Mitarbeiter griffen Manager an, de Juniac musste schließlich gehen. Joon zahlt seinen Piloten nun genauso viel wie Air France. Stattdessen sollen die Kosten für die Kabinenbesatzung um 40 Prozent niedriger liegen. Insgesamt sollen die Ausgaben um 18 Prozent sinken.

Erste Werbekampagne sorgt für Kritik
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