Airbus A350-1000 Jumbokiller vor dem Start

Die A350-1000 steht vor dem Erstflug. Airbus geht mit der Maschine in die Offensive – und will Boeings Vormacht auf der Langstrecke brechen. Darunter könnte allerdings auch ein eigenes Modell leiden.
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Airbus geht in einem wichtigen Marktsegment in die Offensive: Langstreckenflugzeuge mit zwei Triebwerken und vielen Sitzplätzen ersetzen immer öfter klassische Jumbojets mit vier Motoren. Quelle: Airbus
Airbus A350-1000

Airbus geht in einem wichtigen Marktsegment in die Offensive: Langstreckenflugzeuge mit zwei Triebwerken und vielen Sitzplätzen ersetzen immer öfter klassische Jumbojets mit vier Motoren.

(Foto: Airbus)

MünchenAm Wetter dürfte es morgen wohl nicht scheitern. 13 Grad sind für Toulouse vorausgesagt, ein schwacher Wind aus Südost, kein Niederschlag. Bleibt es dabei, dann gibt Airbus grünes Licht für einen lange erwarteten Erstflug. Gegen 10.30 Uhr soll dann die A350-1000 zum ersten Mal abheben – sicherheitshalber Richtung Norden, weg von der Stadt.

Erstflüge sind in der Luftfahrtgeschichte immer eine besondere Show: Trotz aller Bodentests weiß niemand wirklich, wie sich ein neues Flugzeug in der Luft verhält. Die Piloten werden mit Fallschirmen fliegen. In den vergangenen Tagen hatte Airbus intensiv geprobt: Bei sogenannten Rolltests wird das Flugzeug auf 60 Knoten beschleunigt, genug um wichtige Funktionen an Triebwerken, Fahrwerk und Elektronik zu überprüfen.  Erst am Montag dieser Woche wurde entschieden: Donnerstag heißt es „cleared for take-off“.

Mit der A350-1000 geht Airbus in einem wichtigen Marktsegment in die Offensive: Langstreckenflugzeuge mit zwei Triebwerken und vielen Sitzplätzen ersetzen immer öfter klassische Jumbojets mit vier Motoren. Das gilt auch für die A350-1000, die Airbus aus seiner A350-Familie abgeleitet hat. In dem verlängerten Rumpf können fast 370 Passagiere in drei Klassen über mehr als 14.000 Kilometer reisen. Solche Distanzen waren bis vor wenigen Jahren nur Jumbojets wie der Boeing 747 und der Airbus A380 vorbehalten. Kein Wunder, dass die Branche diese  neuen zweistrahligen Langstreckenflugzeuge auch als „Jumbokiller“ bezeichnet.

 „Die A350-1000 ist für Airbus extrem wichtig, weil Konkurrent Boeing in diesem Markt immer vorne war“, sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt.  So ist die Boeing 777 mit allen Varianten seit fast zwei Jahrzenten die Königin der Langstrecke. Die neueste Version 777-300ER (Extended Range, verlängerte Reichweite) fegte 2013 den Airbus A340 vom Markt, den Vorläufer der A350-1000.

Die Rivalen auf der Langstrecke
Airbus A350-1000
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Die europäische Antwort auf den „Dreamliner“ und die 777-Familie von Boeing ist der Airbus A350-1000. Das neue Modell kann rund 400 Passagiere mit zwei Triebwerken fast 14.000 Kilometer transportieren. Die Auftragsbücher des deutsch-französischen Konsortiums sind voll.

Airbus A350-1000
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Der Airbus A350-1000 bei letzten Tests am Boden in Toulouse: Stimmen Wetter und Wind, soll die Maschine am Donnerstag um 10.30 Uhr zum ersten Mal starten. Aus Sicherheitsgründen geht der Erstflug nach Norden – weg von der Innenstadt.

Airbus A350-1000
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Mit einem Großauftrag über 31 Maschinen vom Typ A350-1000 von Japan Airlines gelang Airbus 2014 der Durchbruch. Sonst hatten japanische Fluggesellschaften traditionell bei Boeing bestellt.

Boeing 787
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Ein Rumpf aus Kohlefaser und zwei Spartriebwerke. Mit dem seit 2011 ausgelieferten „Dreamliner“ hat Boeing Maßstäbe gesetzt. Mit rund 300 Sitzplätzen bleibt die Boeing 787 zwar weit hinter den Kapazitäten der Jumbojets, fliegt dafür aber im Vergleich deutlich günstiger.

Boeing 787
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Jahrelange Verzögerungen und technische Probleme können den Erfolg der Maschine nicht stoppen. Knapp 500 Flieger sind ausgeliefert, Bestellungen für weitere 1.200 Maschinen liegen vor.

Boeing 747
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Mit dem „Jumbojet“ Boeing 747 begann 1969 die Ära der erschwinglichen Fernreisen. Boeing hat den Klassiker seitdem mehr als 1.500 Mal verkauft. Die größten Betreiber sind British Airways und Lufthansa, die mit der 747/8 die jüngste Version fliegt. Dennoch gehen die Bestellungen zurück, die 747 ist ein Auslaufmodell.

Boeing 747-400
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Ältere Jumbomodelle vom Typ 747-400 werden zunehmend ausgemustert. Die Oldtimer der Lüfte lassen sich an den nach oben geknickten Flügelenden erkennen.

Boeing hat gute Argumente für seinen Bestseller. Zwei Triebwerke brauchen weniger Wartung und weniger Sprit als vier Motoren, die Kosten pro Sitzplatz liegen 15-20 Prozent niedriger als bei Flugzeugtypen, die mit vier Triebwerken unterwegs sind.  Noch ungleicher wurde das Duell, als Boeing den „Dreamliner“ vorstellte: Die kleinere 787 mit einem Rumpf aus Kohlefaser schlug alle Verkaufserwartungen.

Warum der Erfolg einen bitteren Beigeschmack hat
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3 Kommentare zu "Airbus A350-1000: Jumbokiller vor dem Start"

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  • Schlampig recherchiert.
    Erstflug der 777-300 ER war 2003, Markteinführung Juni 2004 bei JAL.
    2013 war der A340 schon lange tot. Die letzte A340 wurde ca. 2011 gebaut.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Der Airbus A350-1000 ist sicherlich eine konsequente Weiterentwicklung, aber leider fehlt ein innovatives und entscheidendes Detail zum Wohle der Piloten und der Passagiere.
    Erneut liefern die Triebwerke die Zapfluft für die Druckkabine. Es kann doch nicht sein, dass es auch bei neuen Flugzeugen immer noch zur toxischen Belastung des Kabineninnenraums kommt. Ein Modell das hier einen neuen innovativen Weg geht ist .... der Dreamliner von Boing.

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