Airbus-Tochter Frachtschiffe sollen dank riesiger Segel Sprit sparen

Airbus will die eigenen Frachtschiffe mit riesigen Segeln ausstatten, um den Treibstoffverbrauch zu drücken. Ganz neu ist die Idee nicht.
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Per Knopfdruck entfaltet sich das Hilfssegel auf den Frachtschiffen. Quelle: Airbus
AirSeas

Per Knopfdruck entfaltet sich das Hilfssegel auf den Frachtschiffen.

(Foto: Airbus)

FrankfurtDie Konstruktion sieht futuristisch aus. An einem 400 Meter langen Spezialseil hängt ein gewaltiges Kite-Segel – satte 1000 Quadratmeter groß. Das Seil ist an einem großen Frachtschiff befestigt und soll für einen zusätzlichen Antrieb sorgen. Sea Wing nennt sich das Ganze. Das Ziel: Mit Hilfe des Segels soll der Treibstoffverbrauch des Frachters um immerhin 20 Prozent gesenkt werden.

Darauf jedenfalls hofft der Luftfahrtkonzern Airbus. Der hat vor wenigen Tagen auf der internationalen maritimen Messe SMM in Hamburg bei der Konzerntochter AirSeas solche Segel für die vier eigenen Frachtschiffe bestellt. Mit ihren Schiffen transportiert das Unternehmen Teile zum Beispiel für die A320-Fertigung im amerikanischen Mobile und im chinesischen Tianjin.

„Wir sind stolz darauf, dass Airbus unserem Sea Wing System vertraut“, wird Vincent Bernatets, der CEO von AirSeas, in einer Mitteilung zitiert. Nach Angaben der Airbus-Tochter ist die Technik sehr simpel in der Anwendung. Per Knopfdruck entfaltet sich das Hilfssegel.

Eine elektronische Steuerung übernimmt die Stabilisierung, sodass das Siegel dort bleibt, wo es soll. Dafür werden automatisch entsprechende Wetterdaten ausgewertet. Wird das Segel nicht mehr benötigt, faltet es sich auf Knopfdruck wieder zusammen und wird an Bord geholt.

Zunächst will Airbus das neue System bei den vier konzerneigenen Frachtern im täglichen Betrieb testen. So sollen die Kohlenstoffdioxid-Emissionen um bis zu 8000 Tonnen jährlich reduziert werden. Aber auch über eine Vermarktung an andere wird nachgedacht. Das Segel soll ohne Probleme nachgerüstet werden können.

Insolventer Segel-Pionier

Ganz neu ist die Idee freilich nicht. Schon 2001 hatte Stephan Wrage das Unternehmen SkySails Power in Hamburg gegründet. Seine Idee: ein Segel für Frachtschiffe, das wie das von AirSeas automatisch entfaltet werden kann und elektronisch ausgerichtet wird.

Fünf Jahre später wurde das System erstmals im Echtbetrieb getestet – mit dem ehemaligen Tonnenleger MS Beaufort auf der Kieler Förde. Tonnenleger sind Spezialschiffe, die vorrangig dem Auslegen und Einholen von „Tonnen“, die etwa Fahrrinnen kenntlichmachen, dienen. Es folgte ein Vertrag mit der Reederei Beluga aus Bremen, die 2007 mit dem neuen Frachter Beluga SkySails ihr erstes Schiff mit dem System ausstattete.

Doch dann geriet erst Beluga in Schwierigkeiten und musste 2011 Insolvenz anmelden. Als dann auch noch der Ölpreis stark fiel, bedeutete das das vorübergehende Aus für das Segel im Frachtermarkt. Mit etwa zweieinhalb Millionen Euro an Kosten je Segel lohnte sich der Einsatz des Zugdrachens viele Jahre nicht mehr. Doch SkySails machte weiter.

So werden mittlerweile zum Beispiel Yachten mit einem vergleichbaren System ausgestattet. Und wer weiß: Vielleicht sorgt Airbus für neuen Schwung bei der Idee mit kitenden Frachtschiffen – zumal die Emissionen der meist mit Schweröl betriebenen Dickschiffe zunehmend kritischer gesehen werden. Die Hochseeschifffahrt zählt zu den Branchen, die die Atmosphäre am meisten verschmutzen.

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