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Airline-Aktien Warum Ryanair und andere Billigflieger besser durch die Krise kommen

Ryanair will in den kommenden Jahren 2000 neue Piloten einstellen. Niedrige Kosten, Fokus auf Privatreisende – vieles spricht beim Neustart für die Billigflieger.
12.07.2021 Update: 12.07.2021 - 13:10 Uhr 2 Kommentare
Die Billigflieger weiten ihr Angebot derzeit deutlich aus – und locken Kunden wie gewohnt mit attraktiven Preisen. Quelle: Reuters
Maschinen von Easyjet und Ryanair auf dem Flughafen in Manchester

Die Billigflieger weiten ihr Angebot derzeit deutlich aus – und locken Kunden wie gewohnt mit attraktiven Preisen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Luftfahrt-Aktien haben es derzeit schwer. Seitdem sich die Delta-Variante des Coronavirus ausbreitet, steigt die Unsicherheit und sinken die Kurse. Im Schnitt verloren Airline-Aktien im Juni gut zehn Prozent.

Dabei fällt auf: Die Papiere von Billiganbietern haben weniger eingebüßt als die der etablierten Netzwerk-Airlines. Aktien von Lufthansa und Air France-KLM verloren gut zwölf Prozent. Bei Ryanair waren es acht Prozent, bei der ungarischen Wizz Air sogar nur 1,6 Prozent.

Billigfluggesellschaften werden nach der Pandemie profitabler sein als die Netzwerk-Airlines, begründet Patrick Creuset von Goldman Sachs diese Entwicklung. Sein Kollege Daniel Röska von Bernstein Research empfiehlt Anlegern explizit Papiere von Wizz Air und Ryanair. Aktien von Lufthansa und Air France-KLM stehen dagegen bei vielen Analysten auf „Verkaufen“.

Die aktuelle Situation war so nicht unbedingt zu erwarten. Zu Beginn der Pandemie hatten einige Experten Probleme für den Low-Cost-Sektor vorhergesagt. Wegen ihrer Strategie mit Dumpingpreisen und Dumpinglöhnen würden sie sich schwertun, staatliche Hilfen zu erhalten, hieß es. Auch das Geschäftsmodell der prall gefüllten Jets passe nicht mehr in die Zeit.

Jetzt ist davon nicht mehr die Rede. Die irische Fluggesellschaft kündigte am Montag an, in den kommenden drei Jahren 2000 Piloten einzustellen. Gesucht werden vor allem Nachwuchskräfte. Noch in diesem Jahr sollen dafür Trainingskurse beginnen. Die Erholung von der Coronakrise will Ryanair bis 2024 abgeschlossen haben.

Ryanair, Wizz Air und Easyjet weiten das Angebot deutlich auf

Schon jetzt drehen die Manager der Billigflieger auf: Nach Daten der europäischen Flugsicherungsbehörde Eurocontrol steigerten die Iren die Zahl der täglichen Flüge zwischen dem 5. und dem 11. Juli um 7,7 Prozent, nachdem in den Wochen zuvor das Angebot bereits stark aufgestockt wurde. Die ungarische Wizz Air weitete ihr Angebot gegenüber der Vorwoche um gut 14,8 Prozent aus, bei Easyjet waren es stolze 17,6 Prozent.

Auch die Billigtöchter der etablierten Fluggesellschaften mischen mit. Die zur IAG-Gruppe gehörende Vueling erhöhte die Zahl der Flüge um 7,7 Prozent, der Lufthansa-Ableger Eurowings um immerhin gut neun Prozent. „Der Markt wird jetzt neu sortiert“, führt Eurowings-Chef Jens Bischof an.

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Das aggressive Vorpreschen der Billigheimer zeigt sich etwa in Italien. Dort verzögert sich der Start von ITA (Italia Trasporto Aereo), der Nachfolge-Airline der dauerinsolventen Alitalia. In die Lücke stoßen Ryanair und Wizz Air. Ryanair stockt sein Angebot an inländischen Italienflügen auf 100 auf. Vor der Pandemie hatten die Iren nur 60 Strecken im Programm. Wizz Air will in Neapel 18 neue Verbindungen starten.

Die „Low Coster“ haben einige Vorteile auf ihrer Seite. Zum einen ist ihr Kerngeschäft das mit den preisbewussten Privatreisenden. Dieses Segment wird sich als Erstes und am schnellsten nach der Krise erholen.

Zum anderen kostet der Neustart viel Geld. Die Flugzeuge müssen nach der langen Parkzeit technisch fit gemacht und die Crews geschult werden. Gleichzeitig ist zu Beginn des Neustarts unsicher, wie gut die Flugzeuge gefüllt sind. Die Kosten könnten schneller wachsen als die Einnahmen durch den Ticketverkauf. Das zu steuern gehört zur üblichen Praxis der Billiganbieter. Sie sind damit groß geworden, schnell zu wachsen, ohne dabei viel Geld zu verbrennen.

„Es wird künftig noch wichtiger, billiges Volumengeschäft perfekt zu managen“, sagt Michael Santo von der auf Luftfahrt spezialisierten Beratungsfirma H&Z in München: „Der Privatreiseteil wird größer werden und ist nicht so margenträchtig wie der Geschäftsreiseverkehr.“

Ryanair hat ähnlich hohe liquide Mittel wie im Vorjahr

Hinzu kommt: Airlines wie Ryanair haben trotz der Krise noch viel Geld in der Kasse. Zwar musste das irische Unternehmen wie alle Fluggesellschaften mehr Schulden machen. Die Finanzverbindlichkeiten stiegen im abgelaufenen Fiskaljahr (zum 31. März 2021) von 3,97 auf 5,24 Milliarden Euro. Doch Ryanair hatte Ende März mit 2,65 Milliarden Euro fast genauso viel liquide Mittel wie ein Jahr zuvor.

Low-Cost-Anbieter würden mit ihren gesünderen Bilanzen aggressiv agieren, um ihre Marktanteile auszubauen, analysieren die Experten des Beratungsunternehmens Alix Partners in einer aktuellen Studie. Dagegen hätten die etablierten Airlines „die zusätzliche Herausforderung, das Service- und Produktniveau hochzuhalten für die Zeit, wenn der Premium-Business-Verkehr zurückkommt“.

Billigflieger sind damit groß geworden, schnell zu wachsen, ohne dabei viel Geld zu verbrennen. Quelle: Reuters
Passagiere steigen aus einer Maschine von Wizz Air

Billigflieger sind damit groß geworden, schnell zu wachsen, ohne dabei viel Geld zu verbrennen.

(Foto: Reuters)

Selbst die latente Sorge einiger Reisende, sich in der engen Flugzeugröhre oder am vollen Flughafen anzustecken, dürfte die Billig-Airlines bei ihren Wachstumsplänen kaum aufhalten. Die Reisesuchmaschine Skyscanner kam bei einer Umfrage zu dem Ergebnis, dass die Bundesbürger verstärkt zu Tarifen greifen, die im Schnitt 26 Prozent teurer sind als die billigsten Tickets.

Die Befragten gaben an, auf Dinge wie direkte Verbindungen zu achten und Zwischenstopps zu meiden, damit die Flugzeit möglichst kurz ist. Das drückt die Sorge vor einer Ansteckung aus: Um die Gefahr zu reduzieren, sind viele bereit, mehr Geld in die Hand zu nehmen.

Das könnte wiederum Anbietern Vorteile verschaffen, die mit mehr Service und Sicherheit werben – wie etwa die Lufthansa-Tochter Eurowings. „Gesundheit und Sozialverantwortung sind nach Corona deutlich wichtiger als das Getöse um Preise“, ist deren Chef Bischof sicher.

Mindestpreise für Tickets könnten den Billiganbietern zusetzen

Doch die Umfrage führte Skyscanner im April durch – Menschen sind vergesslich und gut im Verdrängen von unangenehmen Erfahrungen. Sind sie einmal durchgeimpft, werden viele ihre Zurückhaltung wohl recht schnell wieder aufgeben.

Dagegen dürfte sich ein anderes Thema nicht so schnell erledigt haben: nachhaltiges Fliegen. Ideen wie die vor einigen Wochen vom Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz ins Spiel gebrachten Mindestpreise für Flugtickets unterlaufen das Geschäftsmodell von Ryanair und Co.

Hinzu kommt: Die Billig-Airlines verstehen es über den Preis sehr gut, Nachfrage auf bestimmten Strecken zu generieren, die sonst nicht da wäre. Dabei nutzen sie zum Teil Subventionen etwa in Form von Marketingzuschüssen durch Flughäfen. Im Zuge der verschärften Klimavorgaben könnten solche Praktiken, die die EU bisher erlaubt, untersagt werden.

Auch hier gilt: Die Politik will härtere Klimaziele zwar durchsetzen. Die Frage ist jedoch, was man dem Wahlvolk am Ende tatsächlich zumuten wird.

Mehr: Mehr als 800 Jets „entparkt“: Am Himmel wird es wieder voll – doch parallel dazu ist das Personal knapp

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2 Kommentare zu "Airline-Aktien: Warum Ryanair und andere Billigflieger besser durch die Krise kommen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Auch das Thema Unternehmenssteuer auf Gewinne wird ausgeblendet:
    Lufthansa zahlt in Deutschland ca. 30% Steuern.
    Wizz Air zahlt in Ungarn nur ca. 9% Steuern.
    Ryanair zahlt in Irland nur ca. 12% Steuern.

    Die Lufthansa sollte ihren Sitz nach Ungarn oder Irland verlegen! Dann würden von Politikern verschwendete Steuergelder nicht mehr in sinnlose, ideologische Projekte fließen sondern in die Taschen von Aktionären, die das finanzielle Risiko tragen, und Mitarbeiter, die eine sehr gute Leistung bringen.

  • Was ist mit den sehr flexible sogenannten Arbeitsverträgen von Ryanair?
    Die dürften auf dem Rücken der Arbeitnehmer in der Krise für die Gesellschafter von Vorteil sein. Warum wird das in der Betrachtung ausgeblendet.

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