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Airline Condor-Chef lockt potenzielle Investoren mit guten Zahlen

Ralf Teckentrup wirbt mit frischen Geschäftszahlen um Investoren. Doch einfach wird die Käufersuche nicht.
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Spätestens gegen Ende des Winterflugplans soll feststehen, wer bei der Airline einsteigt. Quelle: Imago
Condor-Chef Ralf Teckentrup

Spätestens gegen Ende des Winterflugplans soll feststehen, wer bei der Airline einsteigt.

(Foto: Imago)

Frankfurt Ralf Teckentrup glaubt fest daran, dass er die Ferienfluggesellschaft Condor auch als Ganzes verkaufen kann. „Das Beste, was man an der Condor kaufen kann, ist die Condor, so wie sie jetzt ist“, sagte der CEO der Fluggesellschaft am Montagabend vor Journalisten.

Spätestens Mitte Dezember erwartet der erfahrene Luftfahrtmanager unverbindliche Angebote von potenziellen Käufern. „Dann werden wir entscheiden, mit welchen Interessenten wir in Vertragsverhandlungen eintreten. Im Frühjahr werden wir eine Lösung haben“, so Teckentrup.

Condor befindet sich seit rund acht Wochen in einem sogenannten Schutzschirmverfahren, speziell entwickelt für Unternehmen, die unverschuldet in eine schwierige Situation geraten. Auslöser war die Pleite des Mutterkonzerns: der britische Reiseriese Thomas Cook.

Um sich vor dem Zugriff und vor Ansprüchen des dortigen Insolvenzverwalters zu schützen, wählte das Management der Airline diesen Weg, bei dem vorübergehend die Gläubigerinteressen hintenanstehen und die Sicherung des Betriebs Vorrang genießt. Nun muss sich die Geschäftsführung mit Lucas Flöther von der Kanzlei Flöther und Wissing abstimmen, der als Sachwalter agiert.

Außerdem wurde Detlef Specovius von der Kanzlei Schultze und Braun während des Verfahrens als Generalbevollmächtigter und Mitglied der Geschäftsführung installiert. Um über den reiseschwächeren Winter zu kommen, räumte die Bundesregierung der Fluggesellschaft zudem einen sechsmonatigen Übergangskredit über 380 Millionen Euro ein, ausgezahlt durch die staatliche KfW.

Condor betreibt eine Flotte von insgesamt 58 Flugzeugen. Im laufenden Winter sind es 55 Jets. Und die sind laut Teckentrup gut ausgelastet. Der Condor-Chef warb mit frischen Geschäftszahlen um Investoren. In dem Ende September abgeschlossenen Fiskaljahr konnte die Airline das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern gegenüber dem Vorjahr um 32,4 Prozent auf 57 Millionen Euro steigern.

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Der Umsatz legte um sechs Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zu. Auch andere Airline-Kennzahlen zeigen nach oben. So stieg die Zahl der Fluggäste um 6,9 Prozent auf 9,4 Millionen, der Sitzladefaktor, also die Auslastung der Jets, wuchs leicht von 89,1 auf 89,8 Prozent.

Für Teckentrup zeigt das, angesichts der schwierigen Situation von Condor, eine gute Leistung des Teams. „In den letzten Wochen haben wir so viele Entscheidungen getroffen wie in den 24 Monaten davor nicht“, sagte er. Christoph Debus, bis vor Kurzem für die gesamte Airline-Gruppe von Thomas Cook zuständig und nun Finanzchef von Condor, ist sich sicher: „Im deutschen Ferienfluggeschäft gibt es meines Wissens keinen, der so profitabel fliegt wie die Condor.“

Doch die gute Geschäftsentwicklung und die Zuversicht der Condor-Spitze können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Verkauf der Airline alles andere als ein Selbstläufer ist. Mit dem staatlichen Kredit sieht sich Teckentrup für den laufenden Winter zwar ausreichend gerüstet. Spätestens gegen Ende des Winterflugplans muss allerdings feststehen, wer bei der Airline einsteigt.

Dann wollen sowohl die Gläubiger – darunter der Bund – als auch die Aufsichtsbehörde, das Luftfahrtbundesamt, Klarheit darüber haben, wie es mit dem Unternehmen weitergehen wird. Zudem muss sich Condor zum Teil neu aufstellen.

Das Unternehmen war zwar schon immer recht stark darin, einen gewissen Prozentsatz der verfügbaren Kapazität direkt zu vermarkten, also nicht über Reisekonzerne wie etwa die einstige Muttergesellschaft Thomas Cook. Diese Fähigkeit muss das Management nun aber noch deutlich ausbauen. Denn der sichere und planbare „Absatz“ über Urlauber, die bislang von Thomas Cook kamen, fehlt.

Laut Teckentrup sind das immerhin 15 Prozent der Kapazität. Im aktuellen Winterflugplan hat die Kompensation der Lücke wohl recht gut geklappt. „Uns ist es gelungen, die Lücke im Oktober bis auf ein Prozent auszugleichen“, sagte Teckentrup.

Auch für den kommenden Sommer seien die Gespräche mit den Veranstaltern mittlerweile abgeschlossen. „Wir sehen, dass wir die Lücke von Thomas Cook auch im Sommer schließen können.“ Einige Namen für Käufer kursieren. Darunter befindet sich etwa der amerikanische Airline-Investor Indigo.

Auch die britisch-spanische Airline-Holding IAG soll sich die Bücher angeschaut haben, ebenso haben unabhängige Reiseveranstalter wie DER Touristik und Schauinsland Interesse bekundet. Das Problem: Condor ist sowohl auf der Kurz- und Mittelstrecke als auch auf der Langstrecke unterwegs. Bei vielen potenziellen Bietern passen aber nur Teile zum Portfolio. In der Branche wird deshalb über eine Aufspaltung von Condor spekuliert.

Teckentrup schließt das grundsätzlich nicht aus. Am Ende entscheide der Gläubigerausschuss – und der schaue auf die besten Offerten. Dennoch sieht der Condor-Chef auch gute Chancen für Komplett-Gebote. „Wir sind fest davon überzeugt, dass unsere Flotte sehr attraktiv für einen Käufer ist. Denn wir haben kein Orderbuch und damit keine Hersteller-Bindung.“

Also könne man die betagte Flotte ohne Probleme so austauschen, dass sie zum Käufer passe. Erst einmal muss Condor aber am kommenden Sonntag, dem 1. Dezember, eine weitere Hürde nehmen. Das Unternehmen wird dann wohl das vorläufige Schutzschirmverfahren verlassen. Dann wird ein offizielles Schutzschirmverfahren eröffnet.

Für das Management eine heikle Situation, da der Schutzschirm rechtlich eine Sonderform der Insolvenz in Eigenregie ist. Der Begriff Insolvenz führt aber bei Condor in Irre und könnte bei Kunden erneut für Irritation sorgen. Das will die Condor-Spitze unbedingt vermeiden. „Wir werden als Condor gestärkt aus der Geschichte herauskommen, mehr als wir es jemals waren“, sagt Teckentrup.

Überbrückungskredit hat Vorrang

Auch Sachwalter Flöther bescheinigt dem Unternehmen gute Zukunftsaussichten. Das Schutzschirmverfahren sei eher selten: „Condor ist das Musterbeispiel eines Unternehmens, das für ein solches Verfahren geeignet ist“, so Flöther. Dennoch müssen potenzielle Interessenten gut abwägen. Der touristische Markt ist hart umkämpft.

Zwar haben unabhängige Reiseveranstalter wie DER Touristik, FTI oder Schauinsland wortreich erklärt, wie wichtig neben Eurowings und Tuifly eine dritte Airline ist, bei der sie die Flüge buchen können. Auch haben sie Condor tatsächlich unmittelbar nach der Pleite der Muttergesellschaft geholfen, indem sie Kapazitäten bei der Airline bestellten.

Doch am Ende stehen auch DER Touristik, FTI und Schauinsland unter hohem Wettbewerbsdruck und müssen dort kaufen, wo es billig ist. Hinzu kommt: Der Wettbewerbsdruck wird sich im kommenden Jahr weiter verschärfen. Denn der Rivale Tuifly will ab dem kommenden Winterflugplan mit zunächst zwei Boeing 787 (Dreamliner) von Deutschland aus auf der Langstrecke starten. Hier hatte Condor bisher eine starke Position.

Auch Tui bucht bei Condor – wenn es gilt, Urlauber zu weiter entfernt liegenden Hotels und Kreuzfahrtschiffen zu transportieren, die mit den Boeing 737 von Tuifly nicht zu erreichen sind. Diese Kunden dürften Condor ab Oktober kommenden Jahres auch noch fehlen. Dennoch gibt sich Teckentrup gelassen: „Wir haben eine überlegene Fähigkeit, unsere Langstreckenflugzeuge zu füllen.“

Zudem ist ein Investment in die Airline nicht unerheblich. Nicht nur die betagte Flotte muss erneuert werden, sei es durch den Kauf oder das Leasen von Jets. Auch der Überbrückungskredit muss getilgt werden. Er hat Vorrang vor den Ansprüchen anderer Gläubiger. Und die Airline muss mit frischem Geld ausgestattet werden, damit sie beim Luftfahrtbundesamt ausreichend Mittel für einen sicheren Flugbetrieb nachweisen kann.

Zwar hat Condor durchaus Werte vorzuweisen. Dazu zählt etwa der starke Markenname. Auch die Start- und Landerechte (Slots) sowie die Verkehrsrechte für attraktive touristische Märkte dürften begehrt sein. Doch die Frage ist, ob das reicht, um den dagegenstehenden Investitionsbedarf zu finanzieren.

Teckentrup glaubt, die Antwort zu haben. So ein Schutzschirmverfahren habe beim Thema Kostensparpotenzial Effekte, argumentiert er und verweist etwa auf die Möglichkeit, jeden Vertrag zu kündigen oder die Pensionsverpflichtungen an den Pensionssicherungsverein zu übergeben.

Das mache auf der Kostenseite durchaus drei bis vier Prozent aus. „Wir werden auch in der Verwaltung reduzieren. Und wir sind in Gesprächen mit den Gewerkschaften über das Thema Tarifverträge“, nannte der Condor-Chef weiter Beispiele. Alles das spreche für die Airline.

Mehr: Das endgültige Aus von Thomas Cook trifft auch die einstige Tochter Condor. Doch für den deutschen Flieger gibt es Rettungspläne.

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