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Maschine von Condor

Die Finanzinvestoren Greybull und Apollo stehen im Austausch mit Reiseveranstaltern, um die Flugzeuge im Falle des Zuschlages auszulasten.

(Foto: Condor)

Airline Entscheidung über Condor-Zukunft naht – auf einmal ist LOT Favorit

Verwalter und Management wollen schnell Klarheit über die Zukunft der Airline für Reisende und Veranstalter. An diesem Freitag könnte eine Entscheidung fallen.
23.01.2020 - 11:38 Uhr Kommentieren

Frankfurt Beim Verkauf der Ferienfluggesellschaft Condor zeichnet sich eine schnelle Entscheidung ab. Noch am Donnerstagabend soll der Gläubigerausschuss bestimmen, mit welchem Investor endverhandelt wird. Das ist aus verhandlungsnahen Kreisen zu hören. An diesem Freitag, 11 Uhr, will Condor auf einer Pressekonferenz Berichten zufolge darüber informieren, wer den Ferienflieger kaufen wird.

Bis zum Mittag des Vortages war das Rennen offen. Zunächst hätten die beiden Finanzinvestoren Greybull und Apollo vorne gelegen, hieß es in Finanzkreisen. Doch innerhalb weniger Stunden habe sich das Bild zugunsten der polnischen Airline LOT gedreht. Condor wollte sich zu den Informationen auf Nachfrage nicht äußern.

Die Ferienfluggesellschaft ist im vergangenen Jahr durch die Insolvenz der britischen Mutter Thomas Cook in Schwierigkeiten geraten. Um den Flugbetrieb zu sichern, ist Condor unter das Dach des sogenannten Schutzschirmverfahrens geschlüpft, das vorübergehend vor den Forderungen von Gläubigern – darunter auch die der ehemaligen Mutter – schützt.

Gleichzeitig hat die Fluggesellschaft vom Bund und dem Land Hessen einen Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro zur Verfügung gestellt bekommen. Ausgezahlt wurde dieser von der bundeseigenen KfW, Bund und Hessen treten als Bürgen auf.

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    Doch der Druck, auf Investorenseite schnell eine Lösung zu finden, ist gewaltig. Erstens muss der Überbrückungskredit bis Mitte April zurückgezahlt werden. Zweitens wächst die Nervosität in der Reisebranche. In diesen Tagen laufen die Buchungen für den Sommer auf Hochtouren. Die Reiseveranstalter warten deshalb dringend auf Nachrichten über die Zukunft von Condor.

    Thomas Cook hat Lücke gerissen

    Deshalb machten Sachwalter Lucas Flöther und Detlef Specovius von der Kanzlei Schultze & Braun, der während des Schutzschirmverfahrens Mitglied der Geschäftsführung ist, Druck. Es sei wichtig, Sicherheit in die Fortführung von Condor zu bringen und die Urlauber nicht über unsichere Eigentumsverhältnisse abzuschrecken, heißt es in verhandlungsnahen Kreisen.

    Gleichzeitig müsse aber auch das Konzept stimmen, mit dem man Condor nachhaltig weiterentwickeln wolle. Hier hatten dem Vernehmen nach zunächst die beiden Finanzinvestoren Greybull und Apollo gepunktet. Beide stünden in engem Austausch mit deutschen Reiseveranstaltern, um die Flugzeuge im Falle des Zuschlags auszulasten. Denn Condor muss die Lücke schließen, die die Mutter Thomas Cook gerissen hat. Von dort kommen keine Urlauber mehr.

    Zwar soll Condor seinen „Direktvertrieb“, also den Einzelplatzverkauf über das Internet, in den letzten Monaten auf über 50 Prozent deutlich ausgebaut haben. Dennoch braucht die Airline mit den von ihr angesteuerten Urlaubszielen Reiseveranstalter, die bei Condor Pakete ordern, um die Touristen zu den Hotels zu fliegen. Einige Reiseveranstalter sind deshalb wohl sogar dazu bereit, sich etwa an einem Konsortium rund um Apollo in begrenztem Umfang zu beteiligen.

    Auch Greybull hat kräftig um die Veranstalter geworben, wie zu hören ist. „Die sind intensiv bei den deutschen Reiseveranstaltern unterwegs“, heißt es in Finanzkreisen. Apollo wiederum kann Erfahrung im Touristikgeschäft in die Waagschale werfen, ist zum Beispiel an mehreren Kreuzfahrtunternehmen beteiligt.

    Grafik

    Allerdings müssten beide Bieter ein Problem lösen: Sie müssten sicherstellen, dass die Verkehrsrechte von Condor nicht verloren gehen. Die Vorschriften besagen, dass europäische Airlines mehrheitlich im Besitz europäischer Investoren sein müssen.

    Apollo Global Management hat seinen Sitz in den USA. Der Finanzinvestor ist zwar bereits an der spanischen Billigairline Volotea beteiligt, wegen der Verkehrsrechte aber nur mit knapp unter 50 Prozent. Da Condor komplett zum Verkauf steht, müsste Apollo also einen Mitinvestor aus Europa finden.

    Greybull hat den Sitz in Großbritannien, ist damit im Moment noch ein europäischer Investor. Doch wegen des EU-Ausstiegs des Landes muss auch Greybull Vorsorge treffen, um die Verkehrsrechte nicht zu gefährden. Greybull hat ebenfalls Erfahrung im Luftfahrtbereich. Allerdings ist die Bilanz durchwachsen. Im Zuge einer Refinanzierung übernahm man vor einigen Jahren die britische Airline Monarch. Doch das Engagement endete in der Insolvenz.

    Dass sich am Ende dann doch LOT als Favorit herauskristallisierte, ist eine Überraschung. Die polnische Airline hat zwar keine Probleme mit den Verkehrsrechten. Andererseits ist LOT im deutschen Feriengeschäft bislang nicht aufgetreten und würde sich mit Condor hier auf ein neues Feld wagen.

    Möglicher Konflikt mit Lufthansa

    Aus verhandlungsnahen Kreisen ist zu hören, dass Greybull am Ende die Pleite von Monarch zum Verhängnis wurde. Das habe das Vertrauen in das Konzept nicht gerade gesteigert. Apollo wiederum muss schwer erfüllbare Forderungen gestellt haben.

    LOT habe dagegen das am schnellsten umsetzbare Konzept vorgelegt. Zudem wolle die Airline Condor komplett erhalten und nur wenige Stellen abbauen. Auch habe sich die Airline die Unterstützung von Reiseunternehmen gesichert.

    Angeblich sollen sich die Polen zudem bereit erklärt haben, den Bürgschaftskredit selbst schnell komplett tilgen zu wollen. Woher das Geld dafür kommt, ist unklar. LOT ist eine eher kleine Airline.

    Die Frage ist zudem, wie Lufthansa auf einen Einstieg von LOT in den deutschen Ferienflugmarkt reagieren würde. Die deutsche Airline ist hier selbst über die Tochter Eurowings aktiv. Gleichzeitig ist man Partner von LOT in der Star Alliance. Bisher ist Lufthansa in Frankfurt ein wichtiger Zubringer für die Langstreckenflugzeuge von Condor. Die Frage ist, ob die Lufthansa das fortsetzen oder gegen LOT/Condor antreten wird.

    Entscheidend ist nun, ob die Gläubiger dem Vorschlag des Sachwalters und der Geschäftsführung zustimmen werden. Dabei dürfte nicht zuletzt die Frage eine Rolle spielen, wie viel ihrer Forderungen gegenüber Condor beglichen werden können. Auf viel dürfen sie wohl nicht hoffen. Keiner der Bieter sei dazu bereit, die Quote für die Gläubiger durch einen hohen Kaufpreis zu steigern, heißt es in Finanzkreisen.

    Stimmen die Gläubiger am Donnerstagabend zu, hätte Condor-Chef Ralf Teckentrup sein Versprechen, das er gegenüber den rund  4900 Mitarbeitern und den Kunden abgegeben hat, eingelöst. Bis Ende Januar, vielleicht auch ein paar Tage später werde die Eigentümerfrage geklärt sein, hatte der erfahrene Luftfahrtmanager vor einigen Wochen prognostiziert.

    Mehr: Die Zahl der Bieter für die Ferienfluggesellschaft steigt, mehrere haben offenbar ein ernsthaftes Interesse – wie Wizz Air. Doch für Condor sind noch einige Fragen offen.

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