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Flughafen in Kassel

Die Fluggesellschaft steckt in finanziellen Schwierigkeiten und daher nun Insolvenz angemeldet.

(Foto: dpa)

Airline Germania beantragt Insolvenz und stellt Flugbetrieb sofort ein

Erneut ist eine deutsche Fluggesellschaft insolvent. Airline Germania bleibt am Boden – und mit ihr die mehr als 1000 Mitarbeiter. Leer ausgehen dürften nun Tausende Kunden.
Update: 05.02.2019 - 07:42 Uhr Kommentieren

Berlin/New YorkAll das Hoffen war am Ende umsonst – für die Kunden der Germania, für ihre Mitarbeiter. Nach Air Berlin muss mit Germania nun eine weitere Berliner Fluggesellschaft den Betrieb einstellen: In der Nacht zum Dienstag teilte das Unternehmen mit, beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz beantragt zu haben. Und in derselben Nacht stellte die Airline auch den Flugbetrieb ein.

Betroffen sind die Germania Fluggesellschaft mbH und ihr Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH. Nicht betroffen sind die Schweizer Germania Flug AG und die Bulgarian Eagle.

„Leider ist es uns schlussendlich nicht gelungen, unsere Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen“, erklärte Germania-Geschäftsführer Karsten Balke in einer Mitteilung. „Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb.“

Balke bedauerte die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter, die ihr Bestes für einen zuverlässigen Flugbetrieb gegeben hätten. Die betroffenen Fluggäste bat er um Entschuldigung.

Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollen sich laut Mitteilung direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Wer sein Flugticket direkt bei Germania gekauft habe, habe aufgrund der Gesetzeslage keinen Anspruch auf Ersatzbeförderung. Tausende Passagiere könnten damit leer ausgehen.

Bereits am Montag hatte sich die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) über die Lage der Airline gezeigt. „Die Buchung des Urlaubsflugs wird immer mehr zum Roulette für Verbraucher“, sagte die Leiterin des Teams Mobilität und Reisen beim VZBV, Marion Jungbluth, dem Handelsblatt. „Besonders bitter wird es, wenn die Airline pleitegeht, denn ohne Insolvenzversicherung bleibt der Verbraucher auf dem Schaden sitzen.“

Mitte Januar war bekanntgeworden, dass Germania mit seinen 37 Mittelstrecken-Jets in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Die Airline macht dafür „unvorhersehbare Ereignisse“ verantwortlich – darunter etwa „massive Kerosinpreissteigerungen über den Sommer des vergangenen Jahres bei gleichzeitiger Abwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar“, wie die Airline zu diesem Zeitpunkt mitteilte. Außerdem hätte die Flotte zuletzt einen außergewöhnlich hohen technischen Serviceaufwand erfordert.

In der vergangenen Woche hatte Germania einräumen müssen, die Januar-Gehälter nicht gezahlt zu haben. Ohne den Nachweis eines wirtschaftlich tragfähigen Flugbetriebs, sprich ohne ausreichende Mittel etwa für die Wartung, ist das Amt gezwungen, die Betriebserlaubnis zu kassieren.

Auch wenn Germania bis zuletzt beteuert hatte, dass der Flugbetrieb wie gewohnt laufe und auch wichtige Partner der Airline die Treue hielten, haben große Reisekonzerne wie Tui oder Thomas Cook vor einigen Tagen damit begonnen, ihre Kunden auf andere oder eigene Fluggesellschaften umzuleiten.

Auch auf der Personalseite hatte es vor dem Insolvenzantrag offensichtlich Absatzbewegungen gegeben: So berichtete Michael O‘Leary, der Chef des irischen Billig-Anbieters Ryanair, am Montag, dass man bereits viele Bewerbungen von Germania-Piloten und -Flugbegleitern erhalten habe.

Germania war mit etwas weniger als 40 Jets und rund 1100 Mitarbeitern auf Ferienflüge zum Beispiel nach Mallorca spezialisiert. Das Unternehmen bediente aber auch die Nische der sogenannten ethnischen Verkehre, also etwa in Deutschland lebende Türken, die auf Heimatbesuch gehen.

Die Airline arbeitete zudem mit anderen Unternehmen zusammen, darunter die erwähnten Reisekonzerne Tui und Thomas Cook. Teil- und zeitweise mieten sie ganze Jets samt Crew als sogenanntes Wet Lease oder auch in Form eines Full Charters an. In anderen Fällen werden lediglich Sitzplatzkontingente vermarktet. Zuletzt zählte Germania eigenen Angaben zufolge mehr als vier Millionen Passagiere.

Germania ist ein kompliziertes Konstrukt, schwer zu durchschauen. Geschäftsführer Balke kam als Anwalt zu Firmengründer Hinrich Bischoff, er kümmerte sich unter anderem um Liegenschaften der Familie auf Mallorca.

Nach dem Tod von Bischoff im Jahr 2005 bekam Balke von der Witwe Ingrid Bischoff zunehmend mehr Aufgaben übertragen, wurde erst Generalbevollmächtigter und bekam schließlich sukzessive die Anteile an Germania überschrieben. Das geschah über komplizierte Konstruktionen und war auch nicht ganz reibungslos.

Die Familie Bischoff ist zerstritten. Immer noch läuft ein Verfahren, das ein Sohn angestrengt hat, der auf eine höhere Auszahlung des Erbes pocht.

Vor Kurzem noch gab Geschäftsführer Balke Entwarnung und kündigte finanzielle Unterstützung an, mit der sich das Unternehmen seine „mittel- und langfristige Perspektive“ als unabhängige Fluggesellschaft sichern würde. Am Montag berichtete die „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“, dass der ehemalige Air-Berlin-Chef Joachim Hunold gemeinsam mit zwei weiteren Luftfahrt-Managern der Airline bis zum Sommer mit rund 20 Millionen Euro aushelfen wolle.

Mit Agenturmaterial.

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