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Airline Lufthansa kündigt Einsparungen an – Kapitalerhöhung kommt

Um Investoren zu gewinnen, will die Airline ihre Kosten um rund 3,5 Milliarden Euro bis 2024 senken. Konzernchef Carsten Spohr richtet den Blick nach vorn.
15.06.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Die Airline will sich aus der Coronakrise sparen und neues Geld einsammeln. Quelle: dpa
Lufthansa-Maschine

Die Airline will sich aus der Coronakrise sparen und neues Geld einsammeln.

(Foto: dpa)

Berlin Die Lufthansa nimmt eine Kapitalerhöhung in Angriff und umwirbt Investoren dafür mit neuen Spar- und Gewinnzielen. Zur Vorbereitung einer Kapitalerhöhung seien vier Banken mandatiert worden, erklärte die Fluggesellschaft am Montag per Pflichtmitteilung. „Vorstand und Aufsichtsrat haben noch keine Entscheidung über Umfang und Zeitpunkt einer möglichen Kapitalerhöhung getroffen“, hieß es weiter.

Die Airline hatte bereits im Mai einen solchen Schritt angekündigt. Bis 2024 will das Unternehmen eine operative Rendite von mindestens acht Prozent des Umsatzes erzielen. Dazu sollen die Kosten um rund 3,5 Milliarden Euro bis 2024 im Vergleich zu 2019 sinken.

Seit April habe sich die Lage in der Luftfahrt deutlich verbessert durch sinkende Covid-Infektionszahlen, den Fortschritt beim Impfen und die Einführung des digitalen Impfpasses in der EU, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Dienstag. „Wir sind nicht zurück auf normal, doch es ist jetzt Zeit, zuversichtlich nach vorne zu schauen“, sagte er.

Seine wichtigste Botschaft mit Blick auf die angekündigten Pläne zu einer Kapitalerhöhung sowie neuen Spar- und Renditezielen sei: „Wir schalten um vom Krisenmodus in den Transformationsmodus.“ Die Coronakrise habe den Wandel beschleunigt, sodass die Lufthansa „stärker, effizienter, profitabler, kundenorientierter und nachhaltiger“ werde. Die Kapitalerhöhung sei dabei ein wichtiger Schritt zum Ausstieg aus den staatlichen Finanzhilfen.

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    Die Lufthansa war durch die Coronakrise in Existenznot geraten und musste mit einem Finanzrahmen von neun Milliarden Euro von Deutschland und ihren anderen Sitzländern gestützt werden. Sobald der Zugang zum Kapitalmarkt wieder möglich war, besorgte sich das Unternehmen über Anleihen Geld, um möglichst schnell die staatliche Hilfe zurückzuzahlen.

    Lufthansa Aktien: Staat muss vielleicht schon bald verkaufen

    Die Aktionäre hatten auf der Hauptversammlung im Mai der Lufthansa grünes Licht gegeben, bis zu 5,5 Milliarden Euro frisches Kapital aufzunehmen. So viel war aber nicht geplant, erklärte der Vorstand damals. Nach früheren Reuters-Informationen will sich die Lufthansa bald mindestens drei Milliarden Euro besorgen, um die stille Einlage des Bundes zu tilgen.

    Der mit 20 Prozent an der Lufthansa beteiligte staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) wird voraussichtlich bei der Kapitalerhöhung mitziehen – allerdings ohne dafür zusätzliches Geld des Steuerzahlers auszugeben. Der WSF müsse dem Plan noch zustimmen, erklärte die Lufthansa weiter. Der Corona-Finanzhilfefonds wolle sich mit einer sogenannten Operation Blanche an der Kapitalerhöhung beteiligen. Dabei verkauft ein Aktionär einen Teil seiner Bezugsrechte für die neuen Aktien, um mit der Einnahme daraus die verbliebenen Bezugsrechte auszuüben.

    Auf Deutschland entfielen insgesamt 6,8 Milliarden Euro des staatlichen Rettungspakets für die Lufthansa. Davon hat die Airline-Gruppe erst gut zwei Milliarden Euro in Anspruch genommen und das zur Hälfte mit dem Geld aus neuen Anleihen schon wieder getilgt, sodass die Lufthansa dem Staat derzeit rund eine Milliarde Euro schuldet. Sollte eine Kapitalerhöhung um drei Milliarden Euro gelingen, könnte diese Summe schon früher als bisher geplant zurückgezahlt werden. Der Staat müsste dann sein Aktienpaket, für das er rund 300 Millionen Euro zahlte, bald verkaufen.

    Die Lufthansa könnte sich damit von Auflagen befreien, die sie im Gegenzug für staatliche Hilfe einhalten muss: das Verbot, Dividende an Aktionäre zu zahlen oder Zinsen an Anleihebesitzer sowie Bonuszahlungen an Führungskräfte. Auch könnte sie wieder früher als gedacht an Übernahmen denken. Bisher war geplant, die Staatshilfe erst 2023 zu tilgen. Geld soll auch durch den Verkauf des internationalen Caterings, die Finanztochter Airplus und einen Teil von Lufthansa Technik hereinkommen.

    Personalabbau bei der Lufthansa geht weiter

    Der MDax-Konzern kündigte zugleich ein Gewinnziel für 2024 an, wenn die Luftfahrt nach Brancheneinschätzung das Vorkrisenniveau wieder erreicht. Die bereinigte operative Marge soll dann mindestens acht Prozent vom Umsatz erreichen, die Kapitalrendite mindestens zehn Prozent. Damit unterstreicht das Management, dass es fest von einer Erholung des in der Pandemie weitgehend eingebrochenen Geschäfts ausgeht.

    Das Wiederanlaufen des Reiseverkehrs weltweit habe die Buchungen in den vergangenen Wochen stark steigen lassen, sodass im zweiten Quartal wieder Geld hereinkommt. Im Juni werde Passagierzahl 30 Prozent des Vorkrisenniveaus erreichen, im Juli etwa 45 Prozent und im August rund 55 Prozent. Durchschnittlich werde eine Angebotskapazität von 40 Prozent im Gesamtjahr erreicht, wie schon in Aussicht gestellt.

    Um profitabel zu werden, muss die Lufthansa die Kosten stark senken. „Neben der Senkung der Kosten ist die Lufthansa Group fest entschlossen, ihre Transformation zu beschleunigen, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen und Chancen für profitables Wachstum zu nutzen“, erklärte der Konzern. Die Airline-Gruppe will sich dafür noch stärker umbauen, was mit weiterem Personalabbau einhergeht.

    Gut die Hälfte der 3,5 Milliarden Euro Kostensenkung sollen durch niedrigere Personalkosten erreicht werden. Davon sei etwa die Hälfte durch die Trennung von fast 26.000 Mitarbeitern seit Ausbruch der Krise schon erreicht. In Deutschland soll die Beschäftigtenzahl um weitere 10.000 sinken, wie bereits angekündigt, sodass insgesamt noch rund 100.000 Mitarbeiter bleiben.

    Dazu will die Lufthansa Tarifstandards senken, Arbeitnehmer zum freiwilligen Ausscheiden bewegen, aber auch betriebsbedingte Kündigungen aussprechen. Die Gewerkschaften hatten in der Coronakrise bereits Zugeständnisse gemacht, zuletzt der Lufthansa aber Tarifflucht vorgeworfen.

    Mehr: Nach Corona nun die Klimakrise: Lufthansa-Chefs wappnen sich für grüne Regierungsbeteiligung

    • rtr
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