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Airline Lufthansa-Tochter Austrian sortiert ein Fünftel der Flotte aus

Die Airline reduziert ihre Flugkapazität deutlich. Ein Stellenabbau steht noch bevor. Der Austrian-Chef verhandelt über dringend benötigte Staatshilfen.
21.04.2020 - 17:31 Uhr Kommentieren
Die Lufthansa-Tochter ist auf Staatshilfe angewiesen. Quelle: dpa
Flugzeuge von Austrian Airlines in Wien

Die Lufthansa-Tochter ist auf Staatshilfe angewiesen.

(Foto: dpa)

Wien In ihrer Existenznot verkauft sich Austrian Airlines (AUA) als zutiefst österreichische Fluglinie. Dafür gibt es für die Lufthansa-Tochter einen guten Grund. Ohne großzügige Finanzhilfen des österreichischen Staates besitzt die Fluglinie, die bereits seit elf Jahren Teil des Dax-Konzerns ist, keine Chance. In Verhandlungskreisen in Wien wird eine Finanzspritze von bis zu 800 Millionen Euro genannt.

Um den österreichischen Staat gnädig zu stimmen, ist Austrian-Airlines-Chef Alexis von Hoensbroech zu tiefen Einschnitten bereit. Als Vorleistung für die laufenden Gespräche mit der staatlichen Coronahilfe-Finanzierungsagentur Cofag legt die AUA nun ein Fünftel ihrer Flotte still. Alle sieben Airbus A319 und drei der sechs Boeing 767 werden neben 18 Dash-Turboprop-Maschinen bis 2022 ausrangiert.

Mit der Ausdünnung ihrer Flugzeugflotte will sich die dann verkleinerte Lufthansa-Tochter für die Zukunft nach der Coronakrise rüsten. Statt 80 wird Austrian in Zukunft nur noch mit 60 Flugzeugen unterwegs sein. Damit sinkt die Flugkapazität nach Unternehmensangaben um rund ein Fünftel. COO Andreas Otto gibt als Grund auch „ökologische Überlegungen“ an. Doch das dürfte nur ein Ablenkungsmanöver sein. Denn die Fluglinie mit ihrem Hauptsitz in Wien kämpft schlichtweg um das Überleben.

Alles hängt von der österreichischen Regierung ab und wie tief sie in die Tasche zur Rettung der AUA greifen will. In der Alpenrepublik ist unvergessen, dass der Staat der Lufthansa im Jahr 2009 eine Mitgift von 500 Millionen Euro mitgegeben hatte. Das Geld wurde zum Abbau des Schuldenberges eingesetzt. Die Lufthansa hat im Gegenzug rund 300 Millionen Euro in die österreichische Tochter investiert.

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    Wie groß der Stellenabbau bei Austrian Airlines ausfallen wird, ist noch offen. Derzeit laufen die Gespräche mit dem Betriebsrat auf Hochtouren. AUA beschäftigt derzeit noch 7000 Mitarbeiter. Bereits vor der Coronakrise hatte von Hoensbroech angekündigt, zehn Prozent abbauen zu wollen. „Wir sind unverschuldet in diese Krise geraten. Nun ist es unsere Verantwortung, Austrian Airlines zukunftsfit für die Zeit nach Corona zu machen“, sagte der frühere Unternehmensberater.

    Austrian Airlines erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank allerdings auf nur noch auf 19 Millionen Euro.

    Ein Ende der Krise ist für die Airlines derzeit in Europa und Nordamerika noch nicht einzuschätzen. Von Hoensbroech rechnet mit einer Rückkehr zu Verhältnissen wie vor der Coronakrise frühestens im Jahr 2023. „Wir wollen unserer Landstrecken-Drehkreuz erhalten, auch wenn uns erstmal keine andere Wahl bleibt, als uns an den etwas kleineren Markt anzupassen“, sagte der Vorstandschef am Dienstag in Wien.

    Entlassungen wohl unumgänglich

    Von der österreichischen Hauptstadt bediente die AUA bislang auch Langstreckenziele in China und Nordamerika. Für das vom Tourismus stark abhängige Österreich hatten diese Flüge eine sehr hohe Bedeutung. Sie machten den Boom des Fremdenverkehrs in Wien, Salzburg und anderen Destinationen erst möglich. Nach den neuen Plänen wird die AUA nur noch sechs Langstreckenflugzeuge in Betrieb haben.

    Es gilt als offenes Geheimnis in Wien, dass bei Austrian Entlassungen im größeren Stil unumgänglich sein werden. Der Vorstand nennt derzeit noch keine Zahlen. Sein Ziel ist es, die Airline zu erhalten, wenn auch in einer deutlich kleineren Größe. Wie hoch die Verluste durch die Coronakrise ausfallen werden, ist unklar. In der Branche ist von ein paar hundert Millionen Euro die Rede.

    Seit dem Ausbruch der Coronakrise am 18. März sind die Maschinen von Austrian Airlines mit Ausnahme von Frachtflügen nach China wegen medizinischen Ausrüstungsgegenständen am Boden. Die Mitarbeiter befinden sich bis 19. Mai in Kurzarbeit.

    Derzeit lockert die österreichische Regierung zunehmend die Beschränkungen im Kampf gegen die Pandemie. Wie Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Dienstag ankündigte, soll bereits am 15. Mai die Gastronomie wieder öffnen. Auch die Schulen sollen „schrittweise“ ihren Betrieb wieder aufnehmen.

    Schon nach dem 1. Mai dürfe alle Geschäfte, auch Kaufhäuser, wieder öffnen – genauso wie Friseure und Masseure. Sowohl im Einzelhandel als auch bei Dienstleistungen gilt eine Maskenpflicht. Zu Flugreisen machte die Regierung in Wien keine Angaben.

    Wie der Flugbetrieb schrittweise wieder hochgefahren werden kann, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Flugzeugmanager befürworten eine Maskenpflicht für die Passagieren. Sitze zwischen den Fluggästen im ganzen Jet leer zu lassen gilt als kein wirtschaftlich tragfähiges Modell.

    Mehr: Österreich fordert ein Aussetzen der EU-Beihilferegeln – und stößt auf Widerstand

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