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Airlines in der Krise Die Rückkehr des Staats – Wie die Coronakrise die Luftfahrt verändern könnte

Um Airlines in der Viruskrise zu retten, könnten Staatsbeteiligungen der Erfolg versprechendste Weg sein. Die Lufthansa will dieses Mittel unbedingt vermeiden.
06.04.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Corona bei Lufthansa & Co.: Staatsbeteiligungen dürften kommen Quelle: Andreas Pein/laif
Rollbahn in Berlin

Das Geld bei der Lufthansa fließt derzeit rasant ab, weil nur noch fünf Prozent der ursprünglich geplanten Flüge stattfinden.

(Foto: Andreas Pein/laif)

Frankfurt Es ist für Carsten Spohr eine extrem schwierige Situation. Der Lufthansa-Chef hat wieder und wieder gegen Airlines im Staatsbesitz gewettert. Etwa gegen die Rivalen am Persischen Golf. Oder gegen die Dauerstütze für die seit drei Jahren insolvente Alitalia.

Nun muss sich der oberste Lufthanseat langsam mit dem Gedanken anfreunden, bald selbst den Staat als Aktionär begrüßen zu können. Weil es nicht anders geht.

Denn der Bedarf der Lufthansa ist gigantisch. Die Rede ist von neun bis zehn Milliarden Euro für das laufende Jahr. Klar ist: Die eigentlich üppig vorhandene Liquidität von über fünf Milliarden Euro zu Mitte März wird nicht reichen, um die Krise zu überstehen.

Das Geld fließt derzeit rasant ab, weil nur noch fünf Prozent der geplanten Flüge stattfinden. Deshalb wird mit Hochdruck auch über den Einstieg des Staates verhandelt, etwa über eine stille Beteiligung.

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    „Die Luftfahrt hat es nicht nur als eine der ersten Branchen erwischt und das auch noch mit am heftigsten. Die Industrie wird sicherlich auch am längsten unter der Krise leiden“, prognostiziert Gerald Wissel vom Beratungsunternehmen Airborne Consulting.

    Die Szenarien häufen sich, die wie Wissel davon ausgehen, dass es bis mindestens Ende des Jahres oder gar bis Ostern 2021 dauert, bis die Branche halbwegs zur Normalität zurückgekehrt sein wird.

    Der Weltairlineverband IATA geht davon aus, dass bei einem dreimonatigen Shutdown die angebotene Kapazität selbst im vierten Quartal dieses Jahres weltweit immer noch rund zehn Prozent niedriger sein wird als vor der Krise geplant.

    Erholung erst Ostern 2021

    Ähnlich beurteilt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) die Aussichten. In einer ersten Abschätzung – für den besten und den schlechtesten Fall – haben deren Experten die Nachfrageentwicklung beleuchtet.

    Im schlimmsten Fall könnte die Zahl der 2020 an den deutschen Flughäfen abgefertigten Passagiere von rund 248 Millionen auf nur noch 131,5 Millionen einbrechen. Im besten Fall können es Ende des Jahres 154,9 Millionen Fluggäste sein.

    Das hat mehrere Gründe: Viele Arbeitnehmer müssten während der Coronakrise große Teile ihres Urlaubs nehmen, um sich zum Beispiel um die Betreuung der Kinder zu kümmern, sagt Berater Wissel. Sie hätten kaum noch Urlaubstage für Reisen.

    Zudem werde überall Kurzarbeit angemeldet. „Selbst wenn die Reisebeschränkungen wieder aufgehoben werden, werden viele Kunden erst einmal nicht bereit sein, in den Urlaub zu investieren.“

    Grafik

    Auch im Geschäftsreiseverkehr werde die Erholung erst dann wieder einsetzen, „wenn es einen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt“, so der Experte. Auch würden viele Unternehmen aus der Erfahrung in der aktuellen Krise stärker auf Videokonferenzen umstellen. Angesichts der wirtschaftlichen Folgen von Corona kämen die Budgets – dazu gehören Dienstreisen – auf den Prüfstand.

    Viele Unternehmen in der Luftfahrt haben nicht genug Reserven, um diesen langen Zeitraum zu überbrücken. Die IATA geht davon aus, dass die Fluggesellschaften allein im zweiten Quartal weltweit in Summe 61 Milliarden US-Dollar „verbrennen“ werden. In der ersten Abschätzung der ADV ist davon die Rede, dass im schlimmsten Fall viele Airlines und touristische Dienstleister Insolvenz anmelden müssten.

    Die Folge wird eine massive Veränderung des gesamten Marktes sein. „Es könnte sein, dass wir in der Luftfahrt nach dem Ende der Coronakrise eine Marktstruktur haben werden wie vor 30 Jahren – mit vielen Airlines, bei denen der Staat beteiligt ist“, sagt Michael Santo von der Beratung H&Z.

    Immer mehr Länder greifen den Fluggesellschaften derzeit unter die Arme – auch über den Einstieg des Staates. Bei Lufthansa etwa zeichnet sich das mittlerweile ab.

    Doch weder die Lufthansa noch das Bundeswirtschaftsministerium wollten sich im Detail zum aktuellen Stand der Gespräche äußern. Noch gibt es keine Entscheidung, erst soll alles andere versucht werden, um die Liquidität zu sichern.

    Konzern soll kleiner werden
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    1 Kommentar zu "Airlines in der Krise: Die Rückkehr des Staats – Wie die Coronakrise die Luftfahrt verändern könnte"

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    • Krise, Staatsknete und Pragmatismus

      Die Corona-Krise zeigt allen Bürgern und zwar nahezu unabhängig von deren politischen Präferenz (und damit Haltung zur Rolle des Staates) die Vorzüge eines wirtschaften soliden Gemeinwesens bzw. Staates. Und zwar in Form einer helfenden und die materielle Existenz/Basis sichernde Hand. Es verwundert jedoch zunehmend zu beobachten mit welcher Verve ansonsten sehr staatskritische, ihrer methodischen Überlegenheit selbstgewissen Wirtschaftsakteure jetzt nach 'Staatsknete' also Krisenunterstützung rufen. Da erkennt man ja fast keinen Unterschied zu manchen Forderungen linker Gewerkschaften.Hoffentlich vergessen diese oft sehr stolzen Wirtschaftsakteure diesen Umstand nicht, wenn die Corona-Krise nur noch eine verblichene Erinnerung geworden ist, und üben dann ein wenig mehr Selbstreflexion und Demut im Umgang mit dem angeblich ach so fantasielosen Staat.

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