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Airport Flughafenbetreiber Fraport tief in der Verlustzone

Flugzeuge stehen am Boden, Passagiere bleiben fern. Für den Flughafenbetreiber lief der Sommer schlecht. Der Verlust fällt daher sehr deutlich aus.
04.11.2020 Update: 04.11.2020 - 11:59 Uhr Kommentieren
Der Frankfurter Flughafenbetreiber fährt deutliche Verluste ein. Quelle: dpa
Fraport

Der Frankfurter Flughafenbetreiber fährt deutliche Verluste ein.

(Foto: dpa)

Frankfurt Der Einbruch des Passagierverkehrs in der Coronakrise und der geplante Stellenabbau haben den Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport im Sommer noch tiefer in die roten Zahlen gerissen als befürchtet. Unter dem Strich stand im dritten Quartal ein Verlust von 304 Millionen Euro nach einem Gewinn von 222 Millionen Euro ein Jahr zuvor, wie das im MDax gelistete Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

Damit verfehlte Fraport die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Die Aktie verlor unmittelbar nach der Mitteilung deutlich, erholte sich aber im Laufe des Vormittags wieder etwas auf ein Minus von gut einem Prozent. Allein die Aufwendungen für den geplanten Abbau Tausender Arbeitsplätze belasteten das Unternehmen mit 280 Millionen Euro.

„Der Hoffnungsschimmer, den wir im Sommer gesehen haben, hat sich schnell in Luft aufgelöst“, sagte Fraport-Chef Stefan Schulte am Mittwochvormittag bei einer virtuellen Pressekonferenz. Er zeichnete für das laufende und das kommende Jahr ein düsteres Bild. So werde die Zahl der Fluggäste 2020 am Frankfurter Flughafen mit 18 bis 19 Millionen voraussichtlich mehr als 70 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen.

Am größten deutschen Flughafen sei auch im kommenden Jahr mit nur 35 bis 45 Prozent des rekordhohen Passagieraufkommens von 70,5 Millionen aus dem vergangenen Jahr zu rechnen, so das Management. In diesem Jahr erwartet Fraport maximal 19 Millionen Fluggäste, da die Reisebeschränkungen im Kampf gegen Corona den Flugverkehr seit dem Frühjahr weitgehend lahmlegen. „Selbst in den Jahren 2023/24 werden wir wohl nur 80 bis 90 Prozent erreichen. Es liegt also noch ein langer Weg vor uns“, erklärte Fraport-Chef Stefan Schulte.

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    An den internationalen Flughäfen, die Fraport etwa in Griechenland, Brasilien und Peru betreibt, ist die Lage kaum besser. Von Januar bis September hat die Krise den Umsatz des MDax-Konzerns auf 1,3 Milliarden Euro mehr als halbiert. Für das Gesamtjahr sagt Fraport ein Erlösminus von 60 Prozent voraus. Mit kräftigen Kostensenkungen, vor allem durch Personalabbau, erwirtschaftete das Unternehmen noch einen kleinen Betriebsgewinn von 52 Millionen Euro.

    4000 Stellen werden abgebaut – Neues Terminal kommt später

    Netto standen nach neun Monaten 537,2 Millionen Euro Verlust zu Buche. Bis 2021 will Fraport bis zu 4000 Stellen abbauen, fast jeden fünften Arbeitsplatz. Fraport-Chef Schulte sieht sich hier auf einem sehr guten Weg. 1600 Beschäftigte würden das Unternehmen über das Freiwilligenprogramm verlassen. Dazu kämen 800 Mitarbeiter, bei denen entsprechende Gespräche liefen sowie rund 1600 Stellen, die über nicht verlängerte Zeitverträge und Fluktuation wegfallen würden.

    „Das ist hart. Wir wissen, dass das schwierige Entscheidungen für die Mitarbeiter sind“, so Schulte. Nach wie vor könne man betriebsbedingte Kündigungen auch nicht ausschließen. „Aber die Wahrscheinlichkeit ist deutlich kleiner geworden.“ Das Unternehmen müsse durch mehrere Jahre dieser Krise gehen. „Wir werden aber irgendwann auch wieder ein Niveau sehen wie 2019.“

    Gleichzeitig wird kräftig bei den Investitionen gespart. Der Bau des neuen Terminals 3 geht wegen der Krise langsamer voran. Es soll jetzt zum Sommerflugplan 2025 in Betrieb gehen, drei Jahre später als ursprünglich geplant. Das geplante Pier G für Billigairlines soll dagegen bis Ende 2021 fertiggestellt werden. „Wir können das also dann jederzeit bei Bedarf in Betrieb nehmen. Aber derzeit gehen wir davon aus, dass das erst 2024 oder 2025 sein wird“, sagte Schulte.

    Das staatlich kontrollierte Unternehmen, zu gut 51 Prozent im Besitz des Landes Hessen und der Stadtwerke Frankfurt, sieht sich jedoch weiterhin gewappnet, die Krise zu überstehen. Fraport nahm rund 2,7 Milliarden Euro an zusätzlicher Finanzierung in diesem Jahr auf und verfügt damit aktuell um mehr als drei Milliarden Euro Barmittel. 

    Gleichzeitig ist die monatliche Rate der Geldverbrennung (Cashburn) von rund 150 Millionen im zweiten Quartal auf 110 Millionen Euro im dritten Quartal gesunken. „Das ist zweifelsohne noch viel zu viel, aber eine deutliche Reduktion“, sagte Finanzvorstand Matthias Zieschang. Der Wert werde 2021 aber weiter sinken, auch weil die Investitionsprogramme dann weitgehend abgeschlossen seien. Gemessen an der aktuellen Geldvernichtung reichen die liquiden Mittel also länger als zwei Jahre, was selbst für eine Krise dieses Ausmaßes ein vorerst ausreichendes Polster sein sollte.

    Dennoch rief Schulte, der auch Präsident des Flughafenverbandes ADV ist, eindringlich um Hilfe für die deutschen Flughäfen, denn nicht jeder habe ein solches Polster: „Wir brauchen finanzielle Sofortmaßnahmen. Und wir brauchen dringend einen Fahrplan nach vorne. Hier haben wir an den Luftfahrtgipfel auch sehr konkrete Erwartungen“, sagte der Fraport-Chef. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat für diesen Freitag zu einem Luftfahrtgipfel eingeladen.

    Mehr: Flughafen Frankfurt zieht bei den Passagierzahlen kurzfristig an Heathrow vorbei

    • jkn
    • dpa
    • rtr
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