Airport Lufthansa-Chef Spohr wirbt für ein heikles Flughafen-Projekt in München

Carsten Spohr will den Flughafen zum Asien-Drehkreuz der Lufthansa machen und macht sich für eine dritte Startbahn stark. Ein umstrittenes Thema vor der Landtagswahl in Bayern.
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Bereits vor sechs Jahren hatten sich die Münchener per Bürgerentscheid gegen den Ausbau des Flughafens entschieden. Quelle: dpa
Flughafen München

Bereits vor sechs Jahren hatten sich die Münchener per Bürgerentscheid gegen den Ausbau des Flughafens entschieden.

(Foto: dpa)

MünchenLufthansa-Chef Carsten Spohr hat einen ganz eigenen Blick auf die Reize seiner Wahlheimat. „München hat den schönsten Flughafen Europas“, sagt der Mann, der in Castrop-Rauxel zur Welt kam und nun an der Isar wohnt. Hier sei einiges besser als im Rest der Republik: Die Terminals sind schöner, die Kosten niedriger und die Kundschaft zahlungsfreudiger als beispielsweise in Frankfurt. Deshalb wachse die Lufthansa im Erdinger Moos auch schneller als auf ihrer Heimatbasis Frankfurt, sagte Spohr am Donnerstag vor dem Club Wirtschaftspresse in München.

130 Maschinen hat Spohr in München. Gerne würde Spohr noch mehr Flugzeuge an die Isar holen, wenn es denn Kapazitäten gebe. München soll das Asien-Drehkreuz der Lufthansa werden. Ab dem kommenden Jahr sollen Osaka und Bangkok zusätzlich angeflogen werden.

Seit Jahren trommelt Spohr gemeinsam mit Flughafen-Chef Michael Kerkloh für den Ausbau des zweitgrößten Standortes. Zwei Terminals betreiben die Partner gemeinsam, doch das reicht auf die Dauer nicht. Die Lufthansa will zusätzliche Langstreckenflüge von München aus anbieten. Dafür braucht sie zusätzliche Zubringerflüge, um die großen Maschinen mit Passagieren aus ganz Europa füttern zu können. Das geht auf die Dauer aber nur mit einer dritten Startbahn, sagt Spohr.

Wenn es ein heikles Thema in der bayerischen Politik gibt, dann ist es der Bau einer dritten Startbahn am Münchener Flughafen. 2012 hatte sich München per Bürgerentscheid gegen den Ausbau ausgesprochen. Die Stadt München ist Anteilseigner des Airports und blockiert das Projekt seitdem.

Eine deftige Niederlage für Markus Söder, der sich als Finanzminister und Aufsichtsrat des Flughafens für den Ausbau stark gemacht hatte. Am Sonntag wählt Bayern einen neuen Landtag und der Ministerpräsident muss um die absolute Mehrheit fürchten. Sollte Söder mit der FDP koalieren, hätte das Projekt wieder eine Chance. Mit den Grünen als Partner dürfte die dritte Startbahn kaum zu machen sein.

Das weiß Spohr – und nimmt auch gleich ein bisschen Druck aus der Diskussion. „Tendenziell brauchen wir die Bahn jetzt etwas später, also Ende des kommenden Jahrzehnts“, sagt Spohr jetzt in München.

Der Trick: Lufthansa setzt einfach immer größere Flugzeuge ein. Damit können zu den gleichen Startzeiten immer mehr Passagiere bewegt werden. So hat Lufthansa erst im Sommer fünf Großraumjumbos vom Typ A380 von Frankfurt nach München verlegt, die kleineren Langstreckenflugzeuge starten jetzt von Frankfurt aus. Auch die Zubringerflüge werden zunehmend von größeren Maschinen absolviert.

Auf die Dauer hilft das seinen Plänen natürlich auch nicht. Aber vorerst verschafft sich nicht nur Carsten Spohr ein bisschen Zeit. Auch ein künftiger Ministerpräsident Söder hätte einen taktischen Vorteil. Das heikle Thema Startbahn müsste nach der Wahl noch nicht ganz oben auf die Liste der Koalitionsverhandlungen – mit welchem Partner Söder auch verhandeln muss.

Spohr und Söder wissen: Für ihr Lieblingsprojekt Flughafenausbau gibt es nur noch einen Versuch.

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