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Ryanair-Jet am Flughafen Bremen

Die Billigairline will den Standort schließen.

(Foto: dpa)

Aktienkurs bricht ein Ryanair senkt Gewinnprognose – Rückzug aus Bremen und Eindhoven, Reduzierung in Weeze

Die irische Billig-Airline reduziert ihre Ergebnisziele, auch weil verunsicherte Passagiere weniger Tickets kaufen. Der Aktienkurs bricht ein.
Update: 01.10.2018 - 18:50 Uhr Kommentieren

Frankfurt, LondonVor nicht einmal zwei Wochen hatte sich Ryanair-Chef Michael O‘Leary gewohnt unbeirrt gezeigt. Man tue sein Möglichstes, um Streiks zu vermeiden, erklärte der Ire vor Journalisten in London. Aber wenn die Forderungen ungerechtfertigt seien, werde man nicht einknicken – und die Gewinnziele für das Geschäftsjahr werde man auch erreichen, dort habe man bereits Streiks einkalkuliert.

Einen Arbeitskampf später hört sich das anders an: Am Montag korrigierte das Unternehmen die Gewinnprognose. Der Gewinn im Geschäftsjahr 2018 (zu Ende März) werde nun voraussichtlich bei 1,10 bis 1,20 Milliarden Euro liegen, nicht wie bisher prognostiziert bei 1,25 bis 1,35 Milliarden Euro.

Die Nachricht kommt gleichwohl nicht völlig überraschend, denn Ryanair leidet wie andere Airlines auch noch unter anderen Faktoren: dem steigenden Ölpreis, Engpässen bei der Luftverkehrsüberwachung in Europa und dadurch höheren Kosten. Auch der britische Konkurrent Easyjet hatte vergangene Woche sein Gewinnziel für das Ende September abgeschlossene Fiskaljahr leicht nach unten angepasst.

Daher waren es auch nicht nur die nackten Zahlen, die die Investoren nervös machten, sondern auch das Eingeständnis von O‘Leary, dass „das Vertrauen der Kunden“ wegen der Streiks gelitten habe.

Vor allem in den fünf Ländern, in denen schon mehrfach gestreikt wurde – Deutschland, Spanien, Belgien, den Niederlanden und Portugal –, seien die Buchungen zurückgegangen, nicht zuletzt an den Tagen rund um die Herbstferien und Weihnachten.

Die Investoren sind alarmiert, die Aktie fiel in Dublin zwischenzeitlich um mehr als zehn Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich das Papier rund zwanzig Prozent verbilligt und kostet mit 11,88 Euro weniger als ein Flugticket von Ryanair, dessen Preis im vergangenen Quartal bei durchschnittlich 39 Euro lag.

„Kunden wollen zwar billige Tickets“, sagte Marktanalyst David Madden von CMC Markets: „Aber noch wichtiger ist ihnen Verlässlichkeit. Das Unternehmen geht das Risiko ein, seiner Marke langfristigen Schaden zuzufügen.“ Ryanair mache schließlich immer noch mehr als eine Milliarde Euro Gewinn, „es ist also nicht so, als könnten sie es sich nicht leisten, ihre Mitarbeiter auch gut zu bezahlen“.

Tatsächlich räumt auch Ryanair-Chef O‘Leary ein, dass man „zwar Meilen von den Kosten anderer Airlines entfernt sei“ – aber übertriebenen Forderungen nach mehr Gehalt könne und werde man deswegen noch lange nicht nachgeben.

„Wir sind nicht British Airways, wir können unseren Mitarbeitern nicht dasselbe Gehalt zahlen“, sagte er vor zwei Wochen: „Wir können schließlich auch nicht die gleichen Ticketpreise wie British Airways verlangen.“ Er werde das Geschäftsmodell von Ryanair mit seinen günstigen Tickets nicht aufgeben.

Doch ein Stück weit werde er das wohl tun müssen, meinen Analysten. Die Gewinnwarnung sei das letzte Zeichen dafür, dass die Zeiten, in denen die Billigairlines die etablierten Fluggesellschaften ausstechen können, sich dem Ende nähern, warnen die Analysten von Bernstein.

Deutsche Standorte verlieren Flugzeuge

Die Kritik am Kurs des langjährigen Ryanair-Chefs O‘Leary wächst schon länger. Auf der diesjährigen Hauptversammlung hatten Aktionärsvertreter mehr Transparenz von Management und Verwaltungsrat gefordert. Doch bei der Abstimmung hatte O‘Leary eine deutliche Stimmenmehrheit erreicht.

Und freiwillig will der 57-Jährige nicht von seinem Posten zurücktreten, stellte er kürzlich klar. Sein aktueller Vertrag endet im September 2019, danach werde er wohl beim Verwaltungsrat für eine jährliche Erneuerung seiner Amtszeit plädieren. Und der lasse keinen Widerstand gegen diesen Wunsch erkennen. Er habe noch „genug zu tun“, sagte O‘Leary.

Den Konflikt mit den Mitarbeitern hofft man in Dublin jedoch bis Weihnachten beilegen zu können. Bis dahin könne es auch zu weiteren Streiks kommen, bekräftigte O‘Leary am Montag. Irgendwann werde den Piloten aber schon „die Lust auf Streiks“ vergehen, hatte er zuvor erklärt. „Es wird Winter. Es regnet, und unsere Piloten mögen es nicht, im Regen draußen rumzulaufen.“

Dass Ryanair die Gewinnprognose für das laufende Jahr nun nach unten korrigieren muss, hat aus Sicht der Airline auch eine positive Seite: Sie gibt dem Unternehmen die Möglichkeit, auf einen geringeren Spielraum in den Verhandlungen mit den Mitarbeitern zu pochen. Zugleich untermauerte das Management am Montag die Drohung, Standorte aufzugeben.

So kündigte Ryanair an, über den Winter nicht nur mehrere Standorte in Deutschland zu schließen beziehungsweise zu reduzieren. In Bremen sollen die zwei dort stationierten Flugzeuge abgezogen werden, die vier im niederländischen Eindhoven ebenfalls, und von fünf am Flughafen Niederrhein stationierten Flugzeugen sollen drei Maschinen entfallen.

Gewerkschaft Vereinigung Cockpit empört

Auf die Ankündigung der Airline reagierte die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mit Empörung. „Die Drohung von Ryanair kann nur als Reaktion auf den Streik gewertet werden“, sagte Gewerkschaftsvertreter Markus Wahl in einer Mitteilung. „Anstatt konstruktiv zu verhandeln, werden die Mitarbeiter mit Standortschließungen und damit Versetzung und Kündigung bedroht.“

Beide Seiten beharren darauf, dass sie ernsthaft an einer Einigung zwischen dem Unternehmen und den Mitarbeitern interessiert sind und einen Schlichter zu Rate ziehen wollen. Nachdem Ryanair vergangene Woche erklärt hatte, VC zu Gesprächen eingeladen zu haben und einem Schlichtungsverfahren zuzustimmen, entgegnete VC nun, auf eine Antwort aus Dublin zu warten. „Offenbar ist Ryanair nicht ernsthaft an einer Schlichtung interessiert“, sagte Wahl.

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