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Aktionärsversammlung Wie Easyjet einen ungeregelten Brexit überstehen will

Die Billigairline gibt sich trotz der Gefahr eines wilden Brexits gelassen. Bei diesem Szenario würden vor allem die britischen Anleger verlieren.
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Der britische Billigflieger glaubt auf alle möglichen Brexit-Szenarien vorbereitet zu sein. Quelle: Reuters
Easyjet

Der britische Billigflieger glaubt auf alle möglichen Brexit-Szenarien vorbereitet zu sein.

(Foto: Reuters)

Luton Keine Würstchen mit Kartoffelsalat, keine schicke Unternehmenspräsentation – und nach gerade einmal 30 Minuten ist schon wieder alles vorbei: Bei der Hauptversammlung von Easyjet läuft einiges anders als bei anderen Unternehmen.

Dabei hätte es turbulent werden können: Schließlich droht ein Teil der Investoren seine Rechte zu verlieren, sollte Großbritannien Ende März ohne Abkommen aus der EU aussteigen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir gut vorbereitet sind“, sagte Easyjet-Chef Johan Lundgren dem Handelsblatt vor der Hauptversammlung. „Wir sind schließlich schon über zwei Jahre dabei, uns für den Ernstfall vorzubereiten“.

Wenn sich die Politiker in Brüssel und London nicht bald auf einen Brexit-Deal einigen, endet die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU am 29. März auf einen Schlag – und wenn bis dahin keine Übergangsmaßnahmen verabschiedet wurden, könnten einige Airlines das Recht verlieren, Flüge über den Kanal sowie auf dem europäischen Kontinent durchzuführen.

Schon Lundgrens Vorgängerin Carolyn McCall hatte Schritte eingeleitet, damit die Gesellschaft wegen des Brexit so wenige Probleme wie möglich hat. 2017 hatte Easyjet einen Standort in Wien aufgebaut, an den in den vergangenen Monaten sukzessive Flugzeuge und Personal transferiert wurden. Sowohl in Großbritannien als auch in der Schweiz hat Easyjet eine Fluglizenz.

Darüber hinaus wird auf dem europäischen Kontinent ein zusätzliches Lager mit Ersatzteilen geschaffen. 65 Prozent der Flüge von Easyjet finden auf dem Kontinent statt, lediglich 35 Prozent überqueren den Kanal.

Doch ein Problem konnte Easyjet bis heute nicht aus der Welt schaffen: Sollte es zu dem gefürchteten „No-Deal“-Brexit kommen, könnte die Europäische Union (EU) auf ihren Regeln zur Eigentümerstruktur beharren. Demnach muss eine Airline, die innerhalb der EU fliegen will, mehrheitlich EU-Bürgern gehören.

Bei Easyjet hofft man jedoch – wie bei anderen Gesellschaften auch – dass es nicht dazu kommt, und wenn, dass dann noch eine Übergangsfrist gelten könnte. Easyjet hat, wie der irische Konkurrent Ryanair, die Schwelle von 50 Prozent plus einer Aktie bislang nicht überwunden. Zuletzt waren 49 Prozent der Aktien der britischen Gesellschaft in Besitz von EU-Bürgern.

Zur Not würde Easyjet daher, wie Ryanair, die Rechte der Nicht-EU-Investoren einschränken, damit deren Anteile nicht in die Rechnung einbezogen werden. Für dieses Vorgehen hatte sich Easyjet bereits bei der Hauptversammlung vor einem Jahr die Erlaubnis der Aktionäre eingeholt. Das fehlende Prozent entspricht grob einem Volumen von 60 Millionen Pfund.

Doch die Aussicht beunruhigte die bei der aktuellen Hauptversammlung anwesenden Investoren nicht. Von den zwei Fragen, die gestellt wurden, bezog sich eine auf die Maßnahmen zur Förderung von Frauen, die andere auf das schwierige Marktumfeld. Schließlich hatte erst vor wenigen Tagen mit der deutschen Gesellschaft Germania eine weitere Airline aus Europa den Betrieb eingestellt. Nach Einschätzung vieler Experten dürfte Germania nicht die letzte Airline sein, bei der das Licht ausgeht.

Auch Ryanair-Chef Michael O´Leary hatte immer wieder prognostiziert, dass es Überkapazitäten am Markt gebe und einige Airlines den harten Kampf um Kunden nicht überleben würden. Das Ende von Germania sei „ein Zeichen dafür, dass die Konsolidierung in Europa weitergeht“, sagte nun Easyjet-Chef Lundgren, „und zwar nicht nur durch Übernahmen und Fusionen. Das Umfeld führt dazu, dass schwache Marktteilnehmer noch schwächer werden und Gefahr laufen, vom Markt zu verschwinden.“ Es sei zu früh zu sagen, welche Auswirkungen das auf Easyjet habe.

Germania war unter anderem an den beiden Flughäfen Tegel und Schönefeld aktiv. Easyjet ist dort ebenfalls vertreten – und hatte vor allem Tegel zu einem der Standpunkte erkoren, die zukünftig ausgebaut werden sollen. Beide Flughäfen zusammen stellen den größten Standort nach London-Gatwick im Netz von Easyjet dar.

Erst am Morgen hatte darüber hinaus der britische Reisekonzern Thomas Cook angekündigt, den Verkauf seiner Fluglinien, zu denen auch die deutsche Condor gehört, in Betracht zu ziehen. „Wir sind in einer frühen Phase einer strategischen Revision und werden alle Optionen prüfen“, hatte Vorstandschef Peter Fankhauser am Donnerstag erklärt. Man brauche mehr finanzielle Flexibilität. Die Flotte von Thomas Cook Airlines umfasst 103 Flugzeuge. Diese sind im Einsatz für Thomas Cooks eigene Kunden sowie auch für andere Veranstalter und Privatkunden.

Doch die Easyjet-Investoren, die sich an diesem Morgen zur Hauptversammlung auf den Weg in eine wenig glamourösen Cafeteria nach Luton – dem offiziellen Hauptquartier der Airline – gemacht hatten, hatten kein Bedürfnis, diese Themen länger zu diskutieren.

Nach den 30 Minuten waren alle Punkte auf der Tagesordnung mit einer großen Mehrheit abgenickt worden. Und die knapp 100 Leute machten sich wieder auf den Weg zurück – ganz ohne ein warmes Mittagessen, wie es sonst bei so vielen Unternehmen gereicht wird. Immerhin gab es Kaffee, und der war, anders als an Bord der orangefarbenen Flieger, auch umsonst.

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