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Alain Caparros Wie der C&A-Chef die Textilwirtschaft schockt

Ex-Rewe-Chef Alain Caparros will C&A wieder auf Vordermann bringen. Nach einem Herzinfarkt rechnet der Franzose mit sich und der Textilbranche ab.
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C&A-Chef Alain Caparros erwartet, dass der Modebranche noch ein großer Bereinigungsprozess bevorsteht. Quelle: imago stock&people
Alain Caparros

C&A-Chef Alain Caparros erwartet, dass der Modebranche noch ein großer Bereinigungsprozess bevorsteht.

(Foto: imago stock&people)

Düsseldorf Wer ihn kennt, weiß, dass er gern sagt, was er denkt. Doch im Maritim Hotel am Düsseldorfer Flughafen war er Ende vergangener Woche noch offener und angriffslustiger als sonst. „Vor zehn Tagen lag ich noch mit einem schweren Infarkt im Krankenhaus“, erzählt C&A-Chef Alain Caparros freimütig den geschockten etwa 250 Zuhörern auf dem „Mode-Handelskongress“ der Textilwirtschaft.

Diese Grenzerfahrung hat den selbstbewussten 62-Jährigen dazu gebracht, über Grundsätzliches nachzudenken. Er habe nicht alles richtig gemacht in seinem Berufsleben, räumt Caparros ein. „Ich habe viel Glück gehabt in meiner 35-jährigen Karriere. Meine Bilanz ist im Endeffekt so: Oh, là, là“, sagt der gebürtige Franzose, der in Düsseldorf lebt.

Und dann wird der langjährige Rewe-Chef, der den Lebensmittelfilialisten wieder auf Erfolgskurs brachte, sehr kritisch gegenüber sich selbst und seinen Managerkollegen. „Die meisten CEOs glauben, ein Teil der Lösung zu sein. Wir sind aber ein Teil des Problems“, sagt Caparros. Alle Vorstandsetagen in der Modebranche seien im Moment mit der Komplexität des Geschäfts „überfordert“.

Er selbst wurde im August vergangenen Jahres von der Eigentümerfamilie Brenninkmeijer geholt, um das Traditionsunternehmen C&A fit zu machen für den zunehmend härteren Wettbewerb in der Modebranche. Seither versucht er, die Textilkette mit einer Doppelstrategie aus ihrer schwierigen Sandwichposition zu befreien: Caparros will Discounter wie Primark mit einer günstigen Linie abwehren und gleichzeitig C&A mit fremden Marken wie Mustang Jeans attraktiver machen für Kunden, die lieber bei Zara und Co. einkaufen.

Caparros wirft der Textilbranche vor, zu spät auf den Angriff von Primark und anderen Discountern reagiert zu haben. „Sie haben es verpennt“, ruft er seinen Zuhörern aus der Textilbranche sichtlich verärgert zu. Aber er kennt die Situation aus dem Lebensmittelhandel, als Aldi lange Zeit glaubte, den neuen Konkurrenten Lidl aus dem Markt drängen zu können. Er erwartet, dass der Modebranche noch ein großer Bereinigungsprozess bevorsteht, den der Lebensmitteleinzelhandel bereits hinter sich hat.

Und weil er einmal dabei ist, rechnet Caparros gleich mit einer anderen Berufsgruppe ab – den Unternehmensberatern, die er „als professionelle Angstmacher“ bezeichnet. Er sieht sie als „Therapiezentren für Manager, die keine Visionen haben“. Für C&A ist er sich zwar sicher, dass die Digitalisierung und die Verknüpfung mit dem stationären Geschäft wichtig sind. Aber letztlich werde der Verkaufspreis entscheidend sein.

Um seine Strategie umzusetzen, greift Caparros durch und hat das Topmanagement vor Kurzem von sieben auf drei Personen verkleinert. Ob ihm die Operation C&A gelingt wie einst bei Rewe, lässt er offen. Der Mann, der sich bei jedem Job extrem reinhängt, hofft, „dass wir heute die richtigen Entscheidungen treffen. Aber dafür würde ich nicht meine Hand ins Feuer legen“. Viel Zeit bleibt ihm nicht. Im Sommer 2020 endet sein Vertrag. „Ich werde ihn nicht verlängern“, macht er klar. „Meine Festplatte ist voll.“

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