Aldi, Lidl, Edeka So groß ist die Macht der Supermärkte beim Umweltschutz

Aldi geht gegen die Verunreinigung von Lebensmitteln durch Mineralölbestandteile vor. Die Hersteller beklagen sich, denn die Macht der Discounter ist groß. Doch Tierschützer sprechen von einer Doppelmoral.
„Es waren Aldi und Lidl, die gemeinsam als erste die Käfigeier ausgemustert haben. Und innerhalb eines halben Jahres waren die Qualeier verschwunden.“ Quelle: Reuters
Aldi-Markt

„Es waren Aldi und Lidl, die gemeinsam als erste die Käfigeier ausgemustert haben. Und innerhalb eines halben Jahres waren die Qualeier verschwunden.“

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDeutschlands große Lebensmittelhändler machen Druck. Immer öfter nutzen Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka ihre Marktmacht, um in der Lebensmittelindustrie und der Landwirtschaft Forderungen nach mehr Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz durchzusetzen.

Discount-Marktführer Aldi untersagte erst vor wenigen Tagen seinen Lieferanten, beim Anbau von Obst, Gemüse und Kartoffeln in Deutschland das Sprühen von acht umstrittenen Pestizid-Wirkstoffen. Das Ziel: Mehr Schutz für Bienen. Lidl als Nummer zwei der Branche setzt den Lieferfirmen unter anderem enge Grenzen beim Einsatz von Antibiotika in der Tiermast und betont selbstbewusst: „Die Einhaltung gesetzlicher Standards ist eine Selbstverständlichkeit. Lidl gibt sich damit nicht zufrieden.“

Edeka akzeptiert inzwischen bei Obst und Gemüse seiner Eigenmarken maximal 50 Prozent der gesetzlich zugelassenen Mengen an Pflanzenschutzmittelrückständen. Rewe verbannte Mikroplastik aus den eigenen Kosmetikartikeln. Und auch sonst gehen die Händler immer wieder über geltende gesetzliche Vorgaben hinaus: Etwa wenn sie kein Frischfleisch von betäubungslos kastrierten Schweinen mehr anbieten wollen oder sich gegen das Schnabelkürzen bei Legehennen einsetzen.

Für den Marketingexperten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU ist dieses Engagement nicht zuletzt eine Antwort auf den wachsenden Druck der Öffentlichkeit. „Die Verbraucher erwarten heute von den Einzelhandelsketten, dass sie sich um Themen wie Nachhaltigkeit und Tierschutz kümmern.“

Die zehn Rituale beim Aldi-Besuch
Die Parkplatzsuche
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Vorm Eingang knubbeln sich die Autos, hinten ist alles frei. Anstatt bequem in der komplett freien Reihe einzuparken, quetschen wir unser Auto lieber vorne auf den freien Parkplatz zwischen zwei Familien-Vans – und manövrieren es am Einkaufswagen vorbei, aus dem eine Fahrerin gerade ihren Van belädt.

Die Suche nach dem Euro
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Kein Euro klein, kein Chip parat – also beginnt an der Einkaufswagenreihe die unangenehme Fragerei mit den Worten: „Können Sie zwei Euro wechseln?“

Die süße Verführung am Eingang
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Jeder Supermarkt beginnt mit der Obst- und Gemüseabteilung – nur Aldi nicht. Hier geht es mit dem Süßwaren- und Snackregal los – und irgendeine Knabberei verführt da immer zum Kauf.

Die Enttäuschung am Backautomaten
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Wer erst nach seinem Feierabend zu Aldi kommt, muss am Backautomaten tapfer sein: Nach dem Knopfdruck gibt es dann statt dem gewünschten Brötchen die Tonansage, dass es schon vergriffen ist.

Die Enttäuschung der Schnäppchensuche
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Wo sind die Schnäppchen aus dem Prospekt? Nachdem wir bei den Drogerieartikeln um die Ecke gekommen sind, suchen wir die Mittelgänge nach dem begehrten Topfset, dem Wäscheständer oder dem Waffeleisen ab, über die wir gelesen haben.

Andere Schnäppchen finden
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Selbst, wenn wir das gesuchte Schnäppchen nicht finden, wirkt die Enttäuschung nicht lang – es warten schließlich noch viele andere auf den Kauf. Also greifen wir stattdessen zur Dreier-Packung Unterhosen oder zu den asiatischen Spezialitäten, weil gerade wieder Mottowoche ist.

Das Gemüse kommt zum Schluss
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Erst gegen Ende kommen wir beim Gemüseregal an – und stellen wie beim Backautomaten fest, dass Gurken und Salatköpfe schon vergriffen sind. Toll.

Wie groß dabei die Einflussmöglichkeiten von Aldi, Edeka und Co. sind, macht der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, an einem Beispiel deutlich: „Es waren Aldi und Lidl, die gemeinsam als erste die Käfigeier ausgemustert haben. Und innerhalb eines halben Jahres waren die Qualeier verschwunden.“

Tatsache ist: Wenn Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl etwas von der Lebensmittelindustrie fordern, dann werden sich die Lieferanten den Wünschen nur selten verschließen, weil sie befürchten müssen, sonst bei den nächsten Orderrunden übergangen zu werden.

„Das Ganze ist scheinheilig“
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