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Amazon Der Onlineriese kämpft mit allen Tricks

Mit einer heimlichen Änderung in den Geschäftsbedingungen erschleicht sich der Onlinegigant Amazon Waren, die ihnen der Hersteller nie liefern wollte. Und treibt damit den Fachhändler unwissentlich in den Rechtsbruch.
Update: 06.06.2016 - 14:25 Uhr 6 Kommentare
Ein verlockendes Angebot für Händler. Quelle: AFP
Amazon-Chef Jeff Bezos

Ein verlockendes Angebot für Händler.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Auf den ersten Blick sieht es wie ein gutes Angebot aus. Amazon will Händlern, die über die Plattform verkaufen und ihre Waren bei Amazon lagern, Produkte einfach selber abkaufen. Und zwar zu dem Preis, den der Händler auch von privaten Käufern verlangt hätte. Der einzige Unterschied, so Amazon, sei die Berechnung der Umsatzsteuer. Der Einzelhändler wird ja jetzt zum Großhändler, weil Amazon die Ware natürlich weiterverkauft.

Doch Händler, die auf diesen Deal eingehen, können in größte Schwierigkeiten geraten. Denn in den meisten Fällen hat ihnen der Hersteller den Weiterverkauf an andere Händler in den Vertriebsbedingungen untersagt. Somit verstoßen sie gegen Vertriebsvereinbarungen, riskieren empfindliche Vertragsstrafen und im härtesten Fall verlieren sie ihre Vertriebsrechte.

Und das Schlimmste: Zahlreiche Händler klagen, dass sie über diese weitreichende Änderung in den Geschäftsbedingungen nicht informiert worden sind. Amazon habe die neue Regelung in Kraft gesetzt, ohne die Partner überhaupt zu fragen. Amazon selber teilt auf Nachfrage mit, das Unternehmen habe dazu eine Meldung im Verkäuferportal Seller Central eingestellt.

Zumindest einige Händler seien gezielt per Mail angeschrieben worden, so Amazon. Aber nur die, mit denen Amazon ein Pilotprogramm aufsetzen will. Dabei will der Plattformbetreiber Waren der Händler aufkaufen und über die französische Plattform amazon.fr verkaufen.

„Das sind Wild-West-Methoden“, schimpft ein Fachhändler, der nicht genannt werden will, weil er sonst Probleme mit Amazon befürchtet. „Da macht Amazon das Lager seiner Partner für sich selbst zum Selbstbedienungsgroßhandel“.

Denn die neue Funktion „Kauf meines Lagerbestandes durch Amazon genehmigen“ ist automatisch aktiviert worden. Händler müssen nun aktiv widersprechen, um wieder Rechtssicherheit zu haben. Doch viele wissen noch nicht einmal, dass sie in Gefahr sind.

Amazon bestimme als Marktplatzbetreiber grundsätzlich die Regeln und Marketplace-Händler akzeptierten die Nutzungsbedingungen mit Eröffnung eines Verkäuferkontos, erklärt Annegret Meyer, Leiterin der Rechtsabteilung bei Händlerbund, der rund 50.000 Onlinehändler vertritt. „Sie begeben sich, mit allen Vorteilen, die die Verkaufsplattform bietet, in eine Abhängigkeit vom Giganten Amazon und haben sich regelmäßig mit Amazons bitteren Pillen zu arrangieren“, warnt sie.

Was will Amazon?

Das kauften Verbraucher 2015 im Internet
Online-Handel
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Bequem vom Sofa aus rund um die Uhr shoppen: Online einkaufen gewinnt seit langem an Beliebtheit und auch in diesem Jahr hielt der Wachstumstrend an. 52,8 Milliarden Euro – so viel haben Verbraucher einer Prognose des Centre for Retail Research zufolge 2015 für Bestellungen im Internet ausgegeben. Das Schnäppchen-Portal mydealz.de hat 60 Millionen von ihm im Jahresumlauf vermittelte Transaktionen unter die Lupe genommen. Auf diese Weise haben die Experten ermittelt, welche Produkte besonders hoch in der Gunst der Konsumenten standen, wann sie am meisten online einkauften, und wie sehr mobile Endgeräte zum Umsatz beigetragen haben.

Quelle: mydealz.de/Centre for Retail Research

(Foto: dpa)
Der Umsatz steigt
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Der Umsatz für Online-Händler ist in diesem Jahr deutlich gestiegen, nämlich 23,1 Prozent gegenüber 2014. Somit trugen Internetkäufe 11,6 Prozent zum gesamten Handelsumsatz bei.

(Foto: Imago)
Deutsche als Zweitplatzierte
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Die Deutschen sind in Sachen Online-Shopping vorne dabei: Pro Kopf gaben deutsche Verbraucher 654,84 Euro beim Einkauf im Internet aus. Damit liegt Deutschland beim Online-Einkauf aber an zweiter Stelle. Platz eins belegen die internetaffinen Briten, die pro Person Waren im Wert von umgerechnet 964,74 Euro bestellten. Auf Platz drei landen die Franzosen mit 553,23 Euro.

(Foto: dpa)
Was wird am meisten gekauft?
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Am meisten werden Elektronik, Mode und Haushaltsbedarf per Mausklick gekauft. 18,8 Millionen von mydealz vermittelte Konsumenten kauften Fernseher, Smartphones oder Spielekonsolen im Netz. Im Vergleich zu 2014 legte der Online-Handel mit Elektroprodukten damit um 4,3 Prozent zu. 9,7 Millionen (Anstieg um 11,3 Prozent) shoppten Schuhe, Jeans oder Pullover online und 7,7 Millionen Verbraucher (Anstieg um 18,2 Prozent) entschieden sich für Waren wie Geschirr, Handtücher oder Küchenmesser.

(Foto: Imago)
Lebensmittel im Internet
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Bislang erledigen nur Briten und Franzosen ihre Wochenendeinkäufe vom Schreibtisch aus. Doch auch deutsche Verbraucher schieben nicht mehr länger Einkaufswagen durch Supermärkte. Lebensmittel rangieren bei mydealz.de 2015 erstmals unter den Top Fünf der am stärksten nachgefragten Produkte.

(Foto: dpa)
Obst und Gemüse per Klick
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Insgesamt kauften 2,87 Millionen Konsumenten Kaffee, Schokolade, Wein oder Spirituosen im Internet. Während die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 24,5 Prozent (2014: 1,1 Milliarden) gestiegen ist, rechnet die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit einem Wachstum von mehr als sieben Milliarden Euro im Jahr 2024.

(Foto: dpa)
Einsatz von mobilen Endgeräten
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31,6 Prozent der 275 Millionen Besucher, die sich 2015 mithilfe von mydealz.de über Angebote von Online-Shops und lokalen Händlern informiert haben, riefen das Portal über mobile Endgeräte auf — 6,6 Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr. Der Einkauf über Smartphones und Tablets verdoppelte sich sogar.

(Foto: dpa)

Doch was hat Amazon von der ganzen Sache? Ganz einfach: Der Online-Gigant kommt so an Waren, die er auf anderem Weg nicht bekommen könnte. Denn viele Hersteller verkaufen ihre Produkte bewusst nicht an Amazon. Sie haben einen selektiven Vertrieb über Fachhändler, die entsprechenden Service und Beratung bieten.

„Amazon hat damit einen ganz bewussten Angriff auf die Vertriebspolitik der Hersteller vollzogen“, schimpft Christian Romanowski. Er produziert unter der Marke Chroma hochwertige Messer, die auch in der Gourmetküche verwendet werden. Als er die Änderung der Geschäftsbedingungen bemerkte, hat er sofort alle seine Händler angeschrieben. „Wer Amazon den Kauf des Lagerbestandes genehmigt, wird von mir nicht mehr beliefert“, erklärt der Unternehmer.

Romanowski hat mit Amazon eine ganz spezielle Geschichte, die er auf www.jeff-das-messer.de aufgeschrieben hat. Jahrelang hat er sich, auch vor Gericht, dagegen gewehrt, dass der E-Commerce-Konzern seine Produkte direkt vertreibt. Nur seine autorisierten Fachhändler durften die Messer über den Amazon-Marktplatz verkaufen. Doch obwohl sich Romanowski weigerte, Amazon zu beliefern, tauchten seine Messer immer wieder auf der Verkaufsplattform auf. Um zu ermitteln, wie Amazon an die Messer kam, griff er zu einer List: Er kennzeichnete die Messer heimlich mit einer UV-Markierung.

Das überraschende Ergebnis: Testkäufe belegten, dass zumindest ein Teil der angebotenen Messer aus dem Bestand eines Fachhändlers stammten, der die Messer in einem Amazon-Lager gelagert hatte. Amazon hatte dort Messer als „verloren“ deklariert und dem Fachhändler den Verlust ersetzt. Andere Messer stammten aus der Bestellung eines Werbemittelhändlers, der sie angeblich für den Prämienkatalog der Sparkasse haben wollte. Kochmesser.de hat Amazon abgemahnt und sich dann in zweiter Instanz außergerichtlich geeinigt.

Mit dem automatischen Kauf des Lagerbestandes umgeht Amazon all diese Probleme. Der Fachhändler hat schließlich zugestimmt – wenn auch häufig unwissentlich. „Viele Hersteller erkennen die Gefahr nicht“, sagt Romanowski. „Wenn sie anfangen, Amazon zu beliefern, haben sie irgendwann nur noch einen Händler, nämlich Amazon.“ Und der schreibe ihnen dann die Konditionen vor.

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6 Kommentare zu "Amazon: Der Onlineriese kämpft mit allen Tricks"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ergänzung zum letzten Satz:

    ..... und bezahlt auch direkt beim Anbieter.

  • Auch persönliche Beleidigungen (ich spare mir die Zitate) können nichts daran ändern: Amazon und Paypal sind durch und durch unseriöse Unternehmen. Jeder, der dort kauft oder verkauft, hat folglich mit dem Schlimmsten zu rechnen! Der Kluge macht einen Bogen darum und kauft direkt beim Anbieter.

  • Was hier berichtet wird, ist doch alles Quatsch. Ein Messer-Hersteller, der nur über den überteuerten Fachhandel liefern will, ist doch langfristig aus dem Geschäft.
    Das Geschäftsmodell von Amazon ist so perfekt und so kundenorientiert, dass alle Einzelhändler, die nicht den gleichen Service bieten wollen, irgendwann einfach verschwinden.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Wer mit amerkianischen Unternehmen Geschäfte macht, muss sich warm anziehen. Deshalb sollte auch TTIP und CETA gekippt werden. Diese Abkommen ebnen den Weg von Wildwest-Methoden in andere Rechtsräume. Das sind die 3,50 €, die Amazon billiger anbietet bei weitem nicht wert. Wie Amazon mit den Gesetzen und dem Recht in nicht- US-amerikanischen Staaten umgeht, der Frage mal bei den Arbeitnehmern von Amazon nach.

  • jeder händler ist selbst schuld wenn er über amazon verkauft - viel zu hohe provisionen und funktioniert das geschäftsmodell wirds von amazon gnadenlos kopiert.

    artikel als "verschwunden" melden und selbst dann verkaufen - siehe artikel - das ist nicht nur diebstahl, das ist missbrauch der marktmacht, unlauterer wettbewerb und was sonst noch und sollte mit hohen strafen geahndet werden!

    punkt.

    p.s.: an das deutsche finanzamt und die deutsche bundesregierung: wie lange wollt ihr euch das noch gefallen lassen dass ein amerikanischer konzern den deutschen einzel- und onlinehandel nicht nur ruiniert sondern dazu auch noch so gut wie keine steuern zahlt?

  • Amazon - wer braucht das schon?

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