Amazon-Neuheit „Prime Wardrobe“ lässt die Kaufhäuser zittern

Mit „Prime Wardrobe“ will Amazon den Online-Kleiderkauf revolutionieren. Für die etablierten Kaufhäuser sind das Schreckensmeldungen. Die Aktienkurse der Konkurrenten brachen nach der Ankündigung ein.
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Kunden haben mit „Prime Wardrobe“ die Möglichkeit, die Kleidung sieben Tage lang anzuprobieren, bezahlt wird nur, was sie behalten. Die anderen Artikel werden wieder kostenfrei zu Hause abgeholt. Quelle: Screenshot Youtube - Amazon
Szene aus Amazon-Werbevideo

Kunden haben mit „Prime Wardrobe“ die Möglichkeit, die Kleidung sieben Tage lang anzuprobieren, bezahlt wird nur, was sie behalten. Die anderen Artikel werden wieder kostenfrei zu Hause abgeholt.

(Foto: Screenshot Youtube - Amazon)

New YorkNach dem Essen jetzt die Mode: Erst vergangene Woche hatte Amazon die Übernahme der Bio-Supermarktkette Whole Foods angekündigt. Jetzt legt der größte Online-Händler der Welt im Bekleidungsgeschäft nach. Mit dem neuen Angebot „Prime Wardrobe“ will das Unternehmen aus Seattle auch die letzten Zweifler zum Online-Shoppen von Kleidern, Hemden und Hosen bringen.

Für Amazon-Chef Jeff Bezos ist die neue Initiative nur ein weiterer Baustein in einer seiner vielen Produkt-Kategorien. Für den ohnehin schon strauchelnden Einzelhandel ist es eine gefährliche Kampfansage, die die Kaufhäuser zittern lässt. Der Aktienkurs der US-Kaufhauskette JC Penney verlor nach der Ankündigung mehr als fünf Prozent, die Papiere von Konkurrent Nordstrom büßten fast vier Prozent ein. Auch andere Aktien von Bekleidungshändlern verzeichneten Einbußen. Selbst der Kurs des deutschen Modeversenders Zalando fiel zeitweilig um mehr als 6 Prozent.

Die Kundenservice-erprobten US-Kaufhäuser sind zwar auch im Internet präsent und bieten oft großzügige Rückgabe-Optionen. Aber das neue Angebot von Amazon übertrifft sie alle. Beobachter gehen davon aus, dass nur noch stark spezialisierte Kaufhäuser wie etwa die Schnäppchen-Läden von TJ Maxx eine Chance haben.

Das Konzept von Amazon ist simpel: US-Kunden können sich bis zu 15 Kleidungsstücke zur Anprobe nach Hause liefern lassen. Was sie nicht wollen, können sie in einer bereits fertigen Box gratis zurückschicken. Anders als bei anderen Anbietern zahlen sie bei Amazon nicht im Voraus, um dann das Geld für die Retoure erstattet zu bekommen, sondern erst, wenn sie zurückgeschickt haben, was nicht passt oder nicht gefällt.

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Das Angebot gilt nur für die Kunden des Amazon-Prime-Dienstes, der 99 Dollar jährlich kostet. Zur Auswahl stehen rund eine Million Produkte, darunter auch Kleidung von Levi’s, Adidas, Hugo Boss und Lacoste. Die Käufer haben eine Woche Zeit, die Produkte zurückzuschicken. „Prime Wardrobe“ startete zunächst als Beta-Version in den USA. Ob der Service auch nach Deutschland kommt, blieb zunächst unklar.

Viele Menschen kaufen zwar schon längst ihre Elektrogeräte, ihre Bücher und ihre Geschenke online ein. Aber wenn es um Kleidung geht, wollen viele Käufer doch den Stoff anfassen und. Da sie Probleme beim Umtauschen und Zurückschicken fürchten, meiden daher viele noch das Internet, wenn es um Kleidungsstücke geht, die richtig sitzen müssen. Diesen Sorgen kommt Amazon nun entgegen.

Dabei ist der Online-Händler aus Seattle nicht der erste, der die Kunden anprobieren lässt, bevor sie zahlen: Stitch Fix macht das bereits und verlangt nur 20 Dollar als Gebühr beziehungsweise Vorkasse. Auch Jack Threads hat ein ähnliches Modellgetestet, musste aber Anfangs des Jahres schließen.

Amazon schaue sich Ideen von Anbietern wie Stitch Fix ab, das letztes Jahr 730 Millionen Dollar umgesetzt hat, bemerkt auch der Evercore-Analyst Omar Saad. „Während Stitch Fix eine Kombination von künstlicher Intelligenz und Vollzeit-Stilberatern benutzt, um dem einzelnen Kunden einen eigenen Look zu empfehlen, bringt Amazon sein gewaltige Größe, Logistik und aggressiven Auftritt und fast endlose Mittel mit“, schreibt Saad.

Einkaufen ohne Kassen und Warteschlangen
Die neue Amazon-Idee
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Nie mehr Schlange stehen, sondern mit dem vollen Einkaufswagen einfach aus dem Laden laufen: Das verspricht eine neue Idee des Onlineriesen Amazon – ein Supermarkt in Seattle mit dem Namen „Amazon Go“.

Sensoren erkenne die gewählten Produkte
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In Seattle im US-Bundesstaat Washington präsentierte der Konzern am Montag den Prototyp eines Supermarkts, in dem Kunden alles mitnehmen können, ohne eine Kasse zu passieren. Die in dem rund 170 Quadratmeter großen Laden eingebaute Technologie „erkennt automatisch, wenn Produkte aus den Regalen genommen werden“, erklärte das Unternehmen. Sensoren ermöglichen es dem Kunden also, die gewünschten Produkte auszusuchen und dann mit einer App über ihre Amazon-Konten abzurechnen

Der Kassenzettel wird nachgereicht
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Nur beim Betreten des Ladens muss das Smartphone am Eingang gescannt werden. Beim Verlassen des Geschäfts werde der Einkauf dann über einen virtuellen Warenkorb abgebucht. „Wenn du mit dem Einkaufen fertig bist, kannst du das Geschäft einfach verlassen“, erklärte das Unternehmen. Anschließend werde das Amazon-Konto des Kunden mit dem entsprechenden Betrag belastet und ein Kassenzettel verschickt. Angeboten werden Grundnahrungsmittel wie Brot und Milch, Fertiggerichte und Kochboxen mit Zutaten für bestimmte Gerichte.

Hier darf nicht jeder rein
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Allerdings darf nicht jeder in den neuen Supermarkt. Vorerst können nur Angestellte des Konzerns, der in Seattle seinen Hauptsitz hat, Amazon Go nutzen.

Ab 2017 für alle Kunden geöffnet
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Anfang 2017 soll der Laden, der auch frische Menüs anbietet, dann für alle anderen Kunden geöffnet werden. Ob weitere Filialen geplant sind, war zunächst unklar.

Amazon erobert die analoge Welt
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Amazon bietet in den USA und London bereits den Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh an. Dabei handelt es sich um eine für 15 Dollar pro Monat erhältliche Zusatzoption für Abonnenten des jährlich 99 Dollar kostenden Prime-Service. Zudem betreibt Amazon in Seattle seit dem vergangenen Jahr bereits einen Buchladen; weitere Standorte in anderen Städten sind angekündigt. Laut „Wall Street Journal“ will der Konzern außerdem in den nächsten Wochen testweise zwei Drive-in-Läden eröffnen, ebenfalls in Seattle.

Druck für die traditionellen Kaufhausketten
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Sollte sich der Onlinekonzern dazu entscheiden, im großen Stil ins Supermarktgeschäft einzusteigen, würde dies erheblichen Druck auf traditionelle Lebensmittelhändler und Kaufhausketten wie Wal-Mart ausüben. Bislang kaufen die meisten Verbraucher die Dinge des täglichen Bedarfs bei solchen Anbietern ein.

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  • Korrektur: bin etwas durcheinander gekommen (ist wohl die Hitze)... Zahlungsziel ist jeweils 14 Tage - Rücksendung ist bei Zalando bis zu 100 Tage möglich. Aber das ohne jährliche Grundgebühr...

  • Ich verstehe die Aufregung nicht... Bei Zalando oder Esprit ist doch auch Bestellung auf Rechnung möglich - Zahlungsziel 100 bzw. 30 Tage. Mehr Zeit braucht man nicht zum anprobieren und zurücksenden. Gezahlt wird dann auch nur die behaltene Ware. Wo ist jetzt die Innovation?

  • Es liegt ja an uns, ob wir die Kultur des Einkaufens zugunsten solcher Moloche wie Amazon Opfern.
    Ich glaube im Endeffekt schneiden wir uns ins eigene Fleisch. Einkaufen gehen hat ja auch eine Soziale Komponente.
    Ich sehe die Gesellschaft ein Online Leben führen. Viele Menschen leben heute schon aus dem Internet. Das ist für mich erschreckend. In Deutschland steht Amazon schon heute vor einem großen Problem.
    Das Paket aufkommen steigt quasi Monatlich, nun ist es aber so, das alle Paketdienstleister quasi an der Leistungsgrenze operieren und kein Fahrpersonal mehr finden ! Kaum einer will den Job mehr machen. Welch Wunder ;-).
    Das dürfte Amazon und co in Zukunft in Schwierigkeiten bringen !
    Nun will Amazon ja selber einen Lieferdienst aufbauen. Ich frage mich nur woher die Fahrer dafür bekommen wollen, wenn die weniger als zb. der Marktführer DHL zahlen ?

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