Angebot von Investor Douglas vor Advent-Zeit

Jetzt geht alles ganz schnell: Der Finanzinvestor Advent hat ein Übernahmeangebot für Douglas abgegeben. Die Gründerfamilie Kreke unterstützt das Angebot, eine Zustimmung scheint bereits sicher.
Update: 15.10.2012 - 15:18 Uhr Kommentieren

Advent will Douglas schlucken

HagenDer US-Finanzinvestor Advent greift nach dem deutschen Handelskonzern Douglas. Das Übernahmeangebot sehe einen Preis von 38 Euro je Aktie vor, wie der Investor durch seine Hamburger Beauty Holding Three AG am Montag mitteilte. Advent will mindestens 75 Prozent der Anteile an Douglas.

Gemeinsam mit der Gründerfamilie Kreke sollen Wachstumschancen genutzt werden, heißt es in einer Mitteilung beider Seiten. Wichtigstes Ziel sei es, das Wachstum der Parfüm- und Schmucksparte gemeinsam mit dem Management beschleunigt voranzutreiben. Im Vordergrund stehe eine größere Marktpräsenz im In- und Ausland. Die Sanierung der Buchkette Thalia werde fortgesetzt.

Douglas-Chef Henning Kreke räumte am Montag in einer Telefonkonferenz ein, in der Vergangenheit habe es "Unruhe in unserem Aktionärskreis gegeben." Mit Advent habe Douglas nun "den idealen Partner" gefunden, sagte Kreke. Ziel sei es, den vor über 60 Jahren gegründeten Handelskonzern mit seinen 24.000 Beschäftigten in eine stabile Eigentümerstruktur zu überführen, strategisch weiterzuentwickeln und auf nachhaltiges, profitables Wachstum auszurichten.

Die Zustimmung von 50,5 Prozent des Grundkapitals der Douglas Holding AG sei bereits gesichert. Die Familie Kreke sowie die Großaktionäre Oetker und Müller hätten vertraglich zugesichert, das Angebot zum angekündigten Preis anzunehmen beziehungsweise ihre Aktien zu veräußern.

Mit Vollzug des Übernahmeangebots werde sich die Familie Kreke wiederum indirekt mit 20 Prozent an der Bietergesellschaft (Beauty Holding Three AG) beteiligen.

Bereits seit Jahresbeginn sorgten Übernahmespekulationen bei der im Nebenwerteindex MDax notierten Douglas-Aktie für Bewegung. Auslöser waren die Überlegungen von Douglas-Chef Henning Kreke, das Unternehmen, zu dem auch die Süßwarenkette Hussel gehört, mit Hilfe von Finanzinvestoren von der Börse zu nehmen.

Einblicke in das Douglas-Reich
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Der Konzern verfehlte im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis zum 30. September 2011) sein Umsatzziel und rechnet im laufenden Jahr mit spürbaren Gewinnrückgängen. Auch das Weihnachtsgeschäft fiel eher durchwachsen aus. Der Konzernumsatz stieg lediglich um 1,7 Prozent auf 3,38 Mrd. Euro. Angestrebt hatte der Konzern eine Umsatzsteigerung zwischen zwei und vier Prozent.

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Der Jahresüberschuss erhöhte sich um 14,3 Prozent auf 87 Mio. Euro. Das Ebitda stieg um 2,1 Prozent auf gut 292 Mio. Euro. Im Folgejahr könnte es allerdings auf 200 Mio. Euro zurückgehen.

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Vor allem Thalia entwickelte sich zuletzt zum Sorgenkind. Denn immer mehr Verbraucher kaufen ihre Bücher online. Außerdem gewinnen E-Books zunehmend an Bedeutung. „Daher wurden die Planzahlen unserer Buchsparte recht deutlich unterschritten“, sagte Konzernchef Kreke. Das Ergebnis (EBIT) ist von Thalia ist von 31,5 Mio. auf 8,8 Mio. Euro eingebrochen.

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Das Unternehmen versucht inzwischen gegenzusteuern. Zusatzsortimente - etwa Geschenke oder DVDs - sollen die Umsatzrückgänge in den Buchhandlungen kompensieren. Außerdem versucht der Konzern, Marktführer Amazon mit einem eigenen Online-Shop Paroli zu bieten. Auch ein eigenes Lesegerät für elektronische Bücher brachte Thalia inzwischen auf den Markt. Doch all dies kostet Geld.

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Parfüms sind das Ursprungsgeschäft von Douglas. Der Umsatz der Sparte blieb nahezu gleich bei 1,878 Mrd. Euro, der Erlös stieg allerdings von 99,9 Mio. auf 117,8 Mio. Euro. 1919 eröffnete in Hamburg die erste Douglas-Parfümerie. 1969 wurden die Douglas-Parfümerien von Hussel übernommen. Ab 1989 firmierte Hussel dann unter dem Namen Douglas-Holding.

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Die Süßwarenkette Hussel kommt auf 98,1 Mio. Euro Umsatz, etwa eine Mio. Euro weniger als im Vorjahr. Außerdem senkte die Kette die Zahl ihrer Filialen um 16 auf 245. 1949 eröffnete Rudolf Hussel in Hagen ein Lebensmittel- und Feinkostgeschäft. Zwei Jahre später gründete er - ebenfalls in Hagen - den ersten Hussel Süßwarenladen. 1969 kommen Seifen und Parfums dazu, im gleichen Jahr übernimmt Hussel die Douglas-Parfümerien. Die Süßwarenkette beschäftigt rund 1.062 Mitarbeiter.

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Der deutschlandweit größte Schmuckhändler Christ verdiente operativ 27.4 Mio. Euro. Damit ist Christ weiterhin der zweitgrößte Gewinnbringer im Douglas-Reich. 1979 legte die Douglas-Holding den Grundstein für das Schmuck-Geschäft. 1995 übernahm sie die Christ-Schmuckfilialen.

Er will die mit der Konkurrenz aus dem Internet kämpfende Buchhandelskette Thalia in Eigenregie sanieren und im Konzern behalten. Kreke setzt dabei auf kleinere Buchhandlungen und will die Filialen besser mit dem Online-Handel verzahnen. Aber das kostet Geld: Abschreibungen und Sanierungskosten haben Douglas in die roten Zahlen gerissen.

Advent hat bereits Erfahrung mit Sanierungen und Repositionierungen im Handel. Der Finanzinvestor hatte die Textilkette Takko übernommen und im Februar 2011 an Apax Partners verkauft. Advent ist in Deutschland bislang vor allem im Chemiesektor aktiv. Unter anderem stehen H.C. Starck sowie HT Troplast in ihrem Portfolio.

An der Börse hatten in den vergangenen Wochen bereits Übernahmespekulationen den Aktienkurs in die Höhe getrieben. Am Montag kletterten die im Nebenwerteindex MDax notierten Papiere um knapp acht Prozent auf 37,50 Euro. Da der Kurs unter den gebotenen 38 Euro liegt, spekulieren einige Börsianer auf eine Erhöhung der Offerte. Dies schloss Advent aber aus. Analyst Wolfgang Vasterling von der NordLB sagte, der Übernahmepreis erscheine angesichts der schweren Probleme bei der Buchhandelskette Thalia als fair. "Wir empfehlen daher die Annahme des Abfindungsangebots."

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