Angebot zusammen mit Condor Niki Lauda bietet 100 Millionen für Air Berlin

Holt sich der frühere Rennfahrer seine Fluggesellschaft zurück? Niki Lauda hat es unter anderem auf die Tochter Niki abgesehen. Doch es gibt auch andere Interessenten. Lauda bietet offenbar 100 Millionen Euro.
Update: 14.09.2017 - 13:52 Uhr 3 Kommentare

„Wissen die eigentlich, was Sie tun?“ – Heftige Kritik am Verhalten der Air-Berlin-Piloten

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Berlin/FrankfurtKurz vor Ende der Bieterfrist für Air Berlin an diesem Freitag gibt es im Poker um die insolvente Fluggesellschaft eine neue Allianz. Der frühere Rennfahrer Niki Lauda will nach eigenen Aussagen gemeinsam mit einem Bündnis um den Ferienflieger Condor 100 Millionen Euro für die insolvente Air Berlin bieten, sagte Lauda am Donnerstag im Radiointerview des „Ö1 Morgenjournals“. „Jetzt müssen wir mal schauen, ob wir den Zuschlag bekommen“, so der 68-Jährige. Der ebenfalls interessierte Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl deutete unterdessen an, dass die zahlreichen Flugausfälle der vergangenen Tage Investoren verschreckt haben könnten.

Weil etliche Piloten sich krankgemeldet hatten, waren am Dienstag und Mittwoch rund 200 Flüge ausgefallen. Am Donnerstag flogen die rot-weißen Maschinen nach Unternehmensangaben wieder weitgehend nach Plan. „Immer mehr Piloten melden sich fit zum Dienst“, sagte eine Sprecherin. Es gab etwa zehn Streichungen.

Air Berlin-Verkauf geht in heiße Phase – Flugbetrieb erholt sich

Air Berlin-Verkauf geht in heiße Phase – Flugbetrieb erholt sich

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hatte vor vier Wochen Insolvenz angemeldet und wird noch durch einen 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes in der Luft gehalten. Es gibt eine Reihe von Interessenten für Airline, die seit Jahren rote Zahlen schreibt, aber begehrte Start- und Landrechte hält. Verhandelt wird unter anderem mit dem Branchenprimus Lufthansa über einen Verkauf von Unternehmensteilen.

Über Niki Laudas Pläne hatte zuerst die Wiener Zeitung „Kurier“ berichtet. Demnach will die Allianz für 38 Air-Berlin-Maschinen und ihrer Tochter Niki ein Angebot abgeben. Der Gründer und frühere Besitzer der Niki will den Angaben zufolge 51 Prozent des Konsortiums übernehmen und künftig ausschließlich touristische Ziele anfliegen. Für Fluggäste solle die Condor-Mutter Thomas Cook sorgen.

Der Unternehmer Lauda hatte Niki selbst gegründet und war mehrere Jahre Eigentümer. Auf Niki hat es auch die Lufthansa abgesehen, die zudem einen Teil der Langstreckenflugzeuge übernehmen will. Die Verhandlungen laufen seit Monaten. Der deutsche Marktführer könnte rund 90 der 144 Flugzeuge übernehmen, hieß es zwischenzeitlich.

Der Konkurrent Ryanair warnte vor einem Zuschlag für Lufthansa. „Lufthansa ist ein Luftfahrt-Champion, aber sie sollte kein Luftfahrt-Monster werden“, sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary in Berlin. Mit einer Übernahme der zweitgrößten Fluggesellschaft werde Lufthansa den deutschen Markt dominieren, die Folge seien höhere Ticketpreise. O'Leary sieht die Insolvenz von Air Berlin verbunden mit einem staatlichen Übergangskredit als abgekartetes Spiel zugunsten der Lufthansa.

Die Entscheidung sollen die Gläubiger am 21. September fällen. Verhandelt wird laut Air Berlin mit drei weiteren Airlines, darunter nach Medienberichten Easyjet. Der Unternehmer Wöhrl hatte - ohne Unterlagen der Air Berlin in einem Datenraum einzusehen – angekündigt 50 bis 500 Millionen Euro für Air Berlin zu bezahlen. Der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag) sagte er: „Bisher konnte ich unsere Partner bei der Stange halten, aber auch in diesem Kreis fragt man sich, ob die Piloten wissen, was sie tun.“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kritisierte die Piloten. „Viel Verantwortungsbewusstsein sehe ich bei denjenigen, die sich da kollektiv krank gemeldet haben, nicht“, sagte Schäuble der „Passauer Neuen Presse“ (Donnerstagausgabe). Er sprach von einer streikartigen Häufung von Krankmeldungen.

Wer im Airline-Poker mit am Tisch sitzt
Folgenreicher Insolvenzantrag
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Der Insolvenzantrag der Air Berlin zog eine Welle von Interessensbekundungen nach sich. Von Anfang an zeichnete sich ab, dass die Fluggesellschaft wohl von mehreren Konkurrenten übernommen wird. Neben zahlreichen Interessenten sind auch weitere Akteure in die Verhandlungen verwickelt: Nicht nur Experten des Insolvenzrechts, auch die Bundesregierung wirkt zumindest indirekt mit. Derweil konkretisieren die Interessenten ihre Wünsche.

Neu im Rennen
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Der frühere Formel 1 Champion Niki Lauda interessiert sich nun auch offenbar für Air Berlin. Der Ex-Rennfahrer will knapp 40 Maschinen der insolventen Airline und ihrer Tochter Niki übernehmen. Dafür will er zusammenarbeiten mit ...

Thomas Cook und Condor
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... dem Reiseveranstalter Thomas Cook und der Tochter Condor. Geht der Plan auf, erhält Niki Lauda 51 Prozent des Konsortiums. Er will dann ausschließlich touristische Ziele anfliegen. Für Fluggäste soll dabei Thomas Cook sorgen.

Aktionär zieht sich zurück – mit weitreichenden Folgen
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Seit 2012 ist Großaktionär der Staatskonzern aus Abu Dhabi mit einem Anteil von 29,2 Prozent an Air Berlin beteiligt. Wenige Tage, nachdem Etihad die Unterstützung entzogen hatte, sah sich Air Berlin zur Insolvenzanmeldung gezwungen. Dennoch widerspricht Etihad dem Eindruck, Air Berlin im Stich gelassen zu haben: Noch im April seien 250 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden. Diese Unterstützung habe man aber angesichts der „sich rapide verschlechternden Geschäftsergebnisse und Liquidität“ nicht weiter leisten wollen. Ein Großteil der 1,5 Milliarden Schulden dürfte wohl ohnehin am großen Partner hängenblieben.

Lufthansa dominiert die Verhandlungen
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In der nun eröffneten Bieterschlacht ist die Lufthansa ganz vorn dabei. Die Verhandlungen mit dem deutschen Marktführer, der die Übernahme schon seit Monaten vorantreibt, sollen am Freitag beginnen. Schon im Januar war dem umsatzstärksten europäischen Luftverkehrskonzern ein Teilerfolg gelungen: Damals wurden die Anmietung und faktische Übernahme von 38 Mittelstrecken-Maschinen genehmigt, was rund einem Viertel der Air-Berlin-Flotte entspricht.

Carsten Spohr
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Mindestens ein weiteres Viertel will der Lufthansa-Chef nun für seine Billigflieger-Gruppe Eurowings sichern. Diese sucht ohnehin zusätzliche Maschinen und Slots für die Mittel- und die Langstrecke. In Wirklichkeit verfolgt Spohr aber ein übergeordnetes Ziel: Den Billigflieger Ryanair von den größeren deutschen Flughäfen so weit wie möglich fernzuhalten. Um den Wettbewerb hochzuhalten, nimmt er dafür sogar größere Marktanteile anderer Anbieter in Kauf.

Die Konkurrenz
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Daher steht die Lufthansa ihren Konkurrenten auch nicht im Weg. Gespräche mit Easyjet und Tuifly sind nach Angaben von Air Berlin ebenfalls geplant. Auch der Reiseveranstalter Thomas Cook mit seiner Ferienflugtochter Condor interessiere sich an einer „aktiven Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin“. Thomas-Cook-Feriengäste kommen ohnehin schon zu großen Teilen mit Air Berlin an ihr Ferienziel.

Die Vereinigung Cockpit verteidigte unterdessen die Kollegen. Die Pilotengewerkschaft sprach von einer Extremsituation mit Existenzängsten und psychischen Belastungen, in der der eine oder andere Pilot sich nicht mehr in der Lage gesehen habe, „konzentriert seiner Arbeit nach zu gehen und einen sicheren Flugbetrieb zu gewährleisten“.

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  • dpa
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3 Kommentare zu "Angebot zusammen mit Condor: Niki Lauda bietet 100 Millionen für Air Berlin"

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  • Was soll das nun wieder?

    Hat die Kanzlerin Merkel nicht gerade festgelegt, daß der Laden an die Lufthansa geht, von wegen weniger Konkurrenz? Und hat (aus unseren Taschen natürlich) noch 150 Mio. Euros spendiert?

    Und jetzt kommt der?

    Man sollte bei der Gelegenheit den Stickstoffoxid-Ausstoß der Flieger prüfen. Was verpesten, ähh verbrennen, die denn anders als Diesel? Wi brauchen auch keinen Kurzstrecken-Flugverkehr. Aber fette Steuer auf den Treibstoff für den Rest, das bringt was.

  • Erstaunlich: Mehdorn richtet den Laden erstmal vollkommen Zugrunde und Niki legt mit seinem “unmoralischen Groschengrab-Angebot“ nach...

  • Gute Idee, Nicki packt das wieder. Das wäre der 3. Neustart und alle bisherigen verliefen erfolgreich.

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