Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Angela Titzrath im Interview Hafen-Chefin will kein weiteres Container-Terminal in Hamburg

Die HHLA-Chefin spricht über das schwierige Geschäft in Hamburg, die Elbvertiefung und gibt Tipps für den Führungsnachwuchs – nicht nur den weiblichen.
Kommentieren
„Es geht nicht nur um ökonomische Ziele.“ Quelle: Johannes Arlt für Handelsblatt
HHLA-Chefin Angela Titzrath im Gespräch mit Thomas Tuma

„Es geht nicht nur um ökonomische Ziele.“

(Foto: Johannes Arlt für Handelsblatt)

HamburgTrotz guten Wachstums des eigenen Unternehmens sieht Angela Titzrath, Chefin der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), „keinen Bedarf für ein weiteres Containerterminal im Hamburger Hafen“. Man verfüge „noch über genügend Ausbaukapazitäten. Auf der Fläche in Steinwerder-Süd sollten stattdessen industrielle Zukunftstechnologien angesiedelt werden“, sagte Titzrath im Rahmen eines Auftritts beim Handelsblatt-Wirtschaftsclubs.

Damit konterkariert die HHLA-Chefin zugleich erste Planspiele ihres Anker-Aktionärs, der Stadt Hamburg. Seit geraumer Zeit wird im Senat überlegt, ein derartiges Projekt auch neuen Partnern, etwa chinesischen Reedereien, zu öffnen.

Zugleich bekräftigte Titzrath, beim strategischen Wachstum ganz stark auf das Projekt Neue Seidenstraße zu setzen: „Unser Ruf als Exportnation ist wesentlich davon abhängig, wie gut dieser Hafen funktioniert. Und China propagiert die Neue Seidenstraße nicht nur, es setzt das Projekt auch um. Davon wollen und können wir als HHLA, als Hafen, als Stadt profitieren.“

Angesichts der Handelsstreitigkeiten, die China derzeit mit den USA auskämpft, sagte die HHLA-Chefin: „Wenn China in den USA künftig weniger absetzen kann, wird das Land aus meiner Erfahrung nicht seine Fabriken runterfahren, sondern nach neuen Absatzmärkten suchen. Da kann Europa zur Stelle sein – auch am Ende der Neuen Seidenstraße.“

Die HHLA veröffentlichte zuletzt sehr gute vorläufige Geschäftszahlen für 2018. Demnach stieg der Umsatz um 3 Prozent auf rund 1,3 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis kletterte um 18 Prozent auf 204 Millionen Euro.

Lesen Sie hier das komplette Interview mit Angela Titzrath:

Frau Titzrath, Ihre vorläufigen Geschäftszahlen für 2018 sehen top aus: Umsatz plus drei, Gewinn plus 18 Prozent. Ihr Vertrag wurde bereits vorzeitig verlängert bis Ende 2024. Bis dahin soll der HHLA-Gewinn auf 300 Millionen Euro wachsen. Das wäre fast doppelt so viel wie 2017, als Sie angetreten sind. Wie ist das hinzukriegen?
Im achten Quartal hintereinander haben wir erreicht, was wir angekündigt haben. Das schafft nur, wer mit seinem Vorstandsteam klar definiert, wo man hinmöchte. Wachstum ist unsere einzige Chance, dem großen Wandel zu begegnen, den wir allerorten erleben. Dazu sind mir vier Punkte wichtig: Wir wollen unser Kerngeschäft fit machen für die Zukunft, indem wir dort insgesamt bis zu eine Milliarde Euro investieren bis 2025. 350 Millionen Euro kommen allein unserem Intermodal-Segment zugute, also dem Wechsel der Güter vom Wasser auf die Schiene ins Hinterland – ein Bereich, in dem wir europaweit führend sind.

Fehlen noch zwei Wachstumsfelder.
Der dritte Investitionsbereich ist zugleich unsere DNA: die Speicherstadt, die im 19. Jahrhundert so etwas wie die Blockchain des Hafens war. In dieses Areal investieren wir weiter. Und nicht zuletzt wollen wir rund um die Neue Seidenstraße weiterwachsen, die China gerade Richtung Westen baut. Dazu müssen wir uns natürlich sehr genau die Transportströme der Zukunft anschauen.

Welche Rolle kann da der Hamburger Hafen spielen?
Er ist systemrelevant, immerhin wird ein Viertel des deutschen Exports über den Seeweg abgewickelt. Unser Ruf als Exportnation ist also wesentlich davon abhängig, wie gut dieser Hafen funktioniert. Und China propagiert die Neue Seidenstraße nicht nur, es setzt das Projekt auch um. Davon wollen und können wir als HHLA, als Hafen, als Stadt profitieren.

Deshalb haben Sie sich auch in Terminals in Tallinn und Odessa eingekauft?
Auf jeden Fall. Estland zum Beispiel ist hochdigital und schnell wachsend. Da können wir noch viel lernen, zum Beispiel über digitale Verwaltung. Zugleich kann das Land einer der nördlichen Punkte werden, die China künftig mit Europa verbinden.

Viele Handelsblatt-Gäste nutzten die Chance zum Austausch mit der HHLA-Chefin. Quelle: Johannes Arlt für Handelsblatt
Live-Diskussion

Viele Handelsblatt-Gäste nutzten die Chance zum Austausch mit der HHLA-Chefin.

(Foto: Johannes Arlt für Handelsblatt)

Ihr Terminalstandort Odessa liegt dagegen in der deutlich weniger ruhigen Ukraine …
… ist aber ein wirtschaftlich prosperierender Hafen am Rande eines Krisengebietes. Man kann lange darüber diskutieren, wie wirkungsvoll die Sanktionen des Westens gegen Russland sind. Ich wäre aber immer dafür, auch den Dialog zu stärken. Es geht nicht nur um ökonomische Ziele, sondern auch um kulturelle Nähe. Wir sollten mehr auf das Verbindende als auf das Trennende schauen.

Also auch mehr mit Putin sprechen?
Auf jeden Fall.

Sie glauben, sogar von den amerikanisch-chinesischen Handelskonflikten profitieren zu können. Warum eigentlich?
Auch wenn die aktuelle politische Situation nicht einfach ist, sollten wir die enorme Bedeutung der USA für Europa nicht unterschätzen.

Donald Trump macht es uns nicht leicht.
Das ist richtig. Aber wir benötigen Amerika nicht nur ökonomisch, sondern auch zur Aufrechterhaltung unserer Werte und Demokratie. Deutschland braucht als Exportnation einen freien Welthandel. Wenn sich da wie derzeit die Gewichte verschieben, kann das auch Transportströme verändern. Wenn China in den USA künftig weniger absetzen kann, wird das Land aus meiner Erfahrung nicht seine Fabriken runterfahren, sondern nach neuen Absatzmärkten suchen. Da kann Europa zur Stelle sein – auch am Ende der Neuen Seidenstraße.

Das Milliardenprojekt ist nicht unumstritten. Zugleich versucht China derzeit, in Deutschland Schlüsselkonzerne und -industrien zu erobern.
Wir müssen sehr wohl für uns die Frage beantworten, was systemrelevante und schutzbedürftige Industrien sind. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat dazu ja gerade einen ersten Rahmen vorgeschlagen. Und natürlich darf man den Chinesen nicht naiv begegnen, sondern sollte klarsehen, was sie vorhaben. Sie sind schon heute eine Weltmacht und präsentieren ein durchaus transparentes Industrieprogramm. Man muss es nur lesen. Dem müssen wir entschlossen, aber auch offen begegnen. Dann profitieren beide Seiten.

Sind die Chinesen für die HHLA Partner oder Konkurrenten?
In erster Linie sind sie sehr geschätzte Kunden – und das schon seit mehr als 30 Jahren. Und wir arbeiten intensiv daran, dass dies auch in Zukunft so bleibt

Es wird orakelt, China könnte bei einem weiteren Hamburger Containerterminal zum neuen HHLA-Rivalen avancieren.
Für ein weiteres Containerterminal im Hamburger Hafen sehe ich keinen Bedarf. Wir verfügen noch über genügend Ausbaukapazitäten. Auf der Fläche in Steinwerder-Süd sollten stattdessen industrielle Zukunftstechnologien angesiedelt werden.

Die Stadt Hamburg ist mit rund 68 Prozent Ihr Großaktionär, aber offenbar auch nicht immer ein hilfreicher Partner, oder?
Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu unserem Ankeraktionär und bin der Ansicht, dass man in einer sich so schnell wandelnden Welt wie der heutigen nicht auf jede Meldung mit hitzigen Emotionen reagieren sollte.

Was bedeutet der Brexit für die HHLA?
Was den Länderumschlag im Hamburger Hafen angeht, liegt Großbritannien auf Platz neun. Die Umschlagsmenge ist zwar gering, aber dennoch wichtig. Wir kämpfen um jeden Container. Die Folgen eines Brexits würden wir von der technischen Abwicklung her zwar beherrschen. Mir ist aber hier wichtig, dass wir die Bedeutung Großbritanniens für Europa sehen. Nur ein großes, starkes Europa wird in der Welt gehört. Da würde uns ohne die Briten wirklich viel verloren gehen.

Der Containerumschlag in Hamburg ist allenfalls stabil. Kommt die endlich beschlossene Elbvertiefung überhaupt noch rechtzeitig?
Hamburg hat durch die lange Dauer des Verfahrens gegenüber Häfen wie Rotterdam und Antwerpen verloren. Ich bin froh, dass die Baggerarbeiten nun beginnen und schnell vorangetrieben werden sollen. Für uns und unsere Kunden bedeutet dies Planungssicherheit. Chinesischen Kunden ist ohnehin nur schwer vermittelbar, was ein Planfeststellungsbeschluss ist oder dass in Deutschland gelegentlich auch der Staat oder die Stadt verklagt werden kann.

Handelsblatt-Leserinnen beim Wirtschaftsclub-Abend in der Hamburger Brauerei-Gaststätte „Altes Mädchen“. Quelle: Johannes Arlt für Handelsblatt
Angela Titzrath (rechts)

Handelsblatt-Leserinnen beim Wirtschaftsclub-Abend in der Hamburger Brauerei-Gaststätte „Altes Mädchen“.

(Foto: Johannes Arlt für Handelsblatt)

Apropos: Ihre Kunden, die Containerriesen, sind immer noch echte Dreckschleudern, was die Emissionen angeht. Was kann da die HHLA-Chefin tun?
Es kann nicht reichen, immer nur zu sagen, was wir alles nicht wollen: Atomkraft, Kohle, Diesel … Als Industrienation müssen wir auch definieren, wo wir einsteigen wollen. Unsere Kunden, die Reedereien, nehmen Nachhaltigkeit und Klimawandel durchaus sehr ernst. Aber alternative „Clean Diesel“ sind nicht billig. Was nutzt es, die Emissionsvorschriften zu erfüllen und dann Konkurs anzumelden? Da muss ein Sowohl-als-auch möglich sein. Bei der HHLA nehmen wir das Thema sehr ernst. Wir sind dabei, das ersten Zero-Emission-Terminal der Welt zu entwickeln. Wir nehmen also unsere gesellschaftliche Verantwortung an dieser Stelle sehr ernst.

Für Schlagzeilen sorgte zuletzt die Meldung, die HHLA und die Elon-Musk-Idee Hyperloop wollten im Hamburger Hafen ein gemeinsames Projekt starten. Nur PR-Geklingel, oder steckt wirklich was dahinter? Immerhin ist erst mal nur von einer hundert Meter langen Teströhre bis 2021 die Rede.
Wenn wir über die Gestaltungskraft und Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens reden, müssen wir auch visionär denken dürfen. Die Visionen von heute sind die Innovationen von morgen. Noch existiert die Technologie dafür nicht. Aber wir investieren jetzt gern viel Köpfchen und ein bisschen Geld …

… wie viel genau?
Der HHLA-Anteil beträgt rund drei Millionen Euro. Ziel ist es, einen automatisierten Übergabebahnhof samt Kapsel für Seecontainer und ein Stück Röhre zu entwickeln, in der natürlich noch keine Schallgeschwindigkeit erreicht werden kann. Aber auch hier geht es darum, Möglichkeiten zu finden, um Waren möglichst effizient ins Hinterland zu bekommen. Für uns ist das zugleich eine Art Notwehr, denn wir haben ja nicht endlos Raum zur Verfügung im Hamburger Hafen, um die wachsende Menge an Containern zu lagern. Da könnte der Hyperloop durchaus ein Ausweg sein. Man muss Dinge ausprobieren dürfen. Auch das hilft, sich weiterzuentwickeln.

Wie viele Beschäftigte hat die HHLA aktuell? Und wie viele davon sind weiblich?
Es sind derzeit etwa 6000. Der Frauenanteil liegt bei rund 16 Prozent. Untypisch für die Branche: Wir haben bereits 50 Prozent weibliche Auszubildende. Ähnliches gilt für die dualen Hochschulstudiengänge. Die gesellschaftlichen Debatten der vergangenen Jahre haben da erfreulich viel verändert.

Eine Frauenquote in der HHLA wird sicher nicht zu Ihren obersten Prioritäten zählen. Aber wie wurden Sie als Frau in einem derart männerdominierten Geschäft aufgenommen?
HHLA-Mitarbeiter wurden gefragt, ob die Ladekräne pink gestrichen werden. Dazu eine Bemerkung: Orchester lassen Bewerber für frei werdende Stellen mittlerweile oft hinter Vorhängen vorspielen, damit man von der eigentlichen Qualität des Vortrags durch nichts abgelenkt wird. Mir ist wichtig, die richtigen Menschen mit den richtigen Kompetenzen auf die richtigen Posten zu bringen. Da spielt für mich das Geschlecht keine Rolle.

Was geben Sie dem Nachwuchs mit auf den Weg?
Jede Herausforderung ist eine Chance! Wenn man stolpert: aufstehen und weiterlaufen! Mutig sein, auch für seine Werte einstehen! Das scheinen mir die wichtigsten Punkte zu sein.

Frau Titzrath, vielen Dank für das Interview.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Angela Titzrath im Interview - Hafen-Chefin will kein weiteres Container-Terminal in Hamburg

0 Kommentare zu "Angela Titzrath im Interview: Hafen-Chefin will kein weiteres Container-Terminal in Hamburg"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%