Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Angeschlagene Modekette Aufsichtsratschefin Jenny Shao greift bei Tom Tailor durch

Die Managerin des chinesischen Großaktionärs Fosun will den Vorstandsvorsitzenden und Finanzchef der Modekette Tom Tailor loswerden – und sichert eine mittelfristige Finanzierung.
Kommentieren
Das Modeunternehmen musste zuletzt schlechte Zahlen verkünden. Quelle: dpa
Tom-Tailor-Filiale in Hamburg

Das Modeunternehmen musste zuletzt schlechte Zahlen verkünden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Mitarbeiter in der Hamburger Firmenzentrale von Tom Tailor staunten nicht schlecht. „Guten Tag, liebe Mitarbeiter“ begann Junyang (Jenny) Shao und begrüßte das versammelte Personal des Modeunternehmens in fließendem Deutsch. Die Chinesin wollte, gleich nachdem sie im April den Aufsichtsratsvorsitz übernommen hatte, für eine gute Atmosphäre im Krisenunternehmen sorgen.

Die 38-Jährige, die in Deutschland studiert hat, sollte niemand unterschätzen. Sie ist Präsidentin der chinesischen Fosun Fashion Group und soll für den Mehrheitsgesellschafter von Tom Tailor das Hamburger Modeunternehmen sanieren. Und da ist ihre Geduld mit dem amtierenden Management inzwischen am Ende: Der Aufsichtsrat führe derzeit Gespräche mit dem Vorstandsvorsitzenden Heiko Schäfer und dem Finanzvorstand Thomas Dressendörfer „hinsichtlich des vorzeitigen Ausscheidens aus der Gesellschaft“, gab Tom Tailor in dürren Zeilen am Dienstagabend bekannt.

Eigentlich läuft der Vertrag von Schäfer noch bis 14. März und der von Dressendörfer bis 31. März kommenden Jahres. Doch so lange will Shao nicht warten. Denn die beiden Manager haben die künftige Geschäftsentwicklung wohl zu optimistisch eingeschätzt. Gestern Mittag musste Tom Tailor in einer Ad-hoc-Mitteilung seine vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2018 korrigieren – „aufgrund einer konservativeren Bewertung der künftigen Geschäftsentwicklung“, wie das Unternehmen sagte. Vor allem bei der Tochtergesellschaft Bonita ist das Ergebnis noch schlechter als bislang bekannt.

Gleichzeitig teilte Tom Tailor mit, dass nach monatelangem Ringen endlich die Finanzierung für die nächsten drei Jahre mit den Banken gesichert ist – ein guter Grund für Aufsichtsratschefin Shao, jetzt mit neuem Personal im Vorstand in die kommenden Jahre zu starten.

Spannungen im Unternehmen

Außerdem gab es schon seit Längerem Spannungen zwischen Vorstand und Großaktionär Fosun im Unternehmen, das zuletzt einen Umsatz von 844 Millionen Euro erzielte. Im April machten die Chinesen den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot. Das wiesen der Vorstand und der damalige Aufsichtsrat „als finanziell nicht angemessen“ zurück. Der Widerstand erwies sich im Nachhinein als nicht besonders förderlich für das Verhältnis der Manager zum mächtigen Großaktionär. Denn Fosun schaffte es trotzdem, seinen Anteil auf knapp 77 Prozent aufzustocken. Wenig später legte Aufsichtsratschef Thomas Tochtermann auf „Bitten Fosuns“ sein Amt nieder – stattdessen übernahm Shao die Macht. Damals wurde spekuliert, dass sie auch im Vorstand durchgreifen würde.

Jetzt ist es so weit. Was Shao stört: Die Vorstände Schäfer und Dressendörfer kamen in einigen Bereichen nicht weiter in der Sanierung des Unternehmens für Freizeitmode. So gelang es ihnen nicht, die verlustreiche Modekette Bonita zu verkaufen, die sich auf Frauen über 50 Jahre spezialisiert hat. Zuletzt scheiterten die Vorstände am Widerstand der Banken, die Tochtergesellschaft an die niederländische Modeholding Victory Dreams International zu veräußern.

Nachfolger sind bislang nicht bekannt. Aber für jeden Kandidaten wird die Sanierung nicht leicht. „Der Markt für mittelpreisige Mainstream-Mode ist in den vergangenen Jahren besonders unter Druck geraten“, sagt Richard Federowski, Modeexperte der Unternehmensberatung Roland Berger. „Da ist es schwer, sich durchzusetzen.“

Für Shao ist das nichts Neues. Sie führt auch den Aufsichtsrat des österreichischen Wäsche- und Strumpfkonzerns Wolford. Dort kämpft sie darum, den Turnaround zu schaffen. Erfahrung hat die Chinesin: Früher arbeitete sie bei Pricewaterhouse-Coopers und in der Corporate-Finance-Beratung Acxit, studierte zuvor Betriebswirtschaft in Göttingen und promovierte an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden.

Mehr: Tom Tailor steckt in einer tiefen Krise. Nun will sich die Modefirma offenbar von Vorstandschef Heiko Schäfer und dem Finanzvorstand trennen.

Startseite

Mehr zu: Angeschlagene Modekette - Aufsichtsratschefin Jenny Shao greift bei Tom Tailor durch

0 Kommentare zu "Angeschlagene Modekette: Aufsichtsratschefin Jenny Shao greift bei Tom Tailor durch"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote